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letzter Beitrag von Beorn am

Stereum insignitum?

  • Hallo zusammen,


    Bei Porlingen ist mein Wissen und auch meine Literatur sehr begrenzt.


    Kommt hier ausser Stereum insignitum noch etwas anderes infrage. Wie unterscheide ich genau von subtomentosum.



    Beste Grüße Sebastian

  • Hi,


    na ja, wie immer bei St. insignitum ist die Verwechslungsart St. subtomentosum, die du nur mikroskopisch sicher trennen kannst...


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hmm, ok ... die Sporen scheinen ähnlich. Habe in einem älteren Thread auf die Schnelle noch folgendes gefunden:

    Zitat

    Stereum insignitum bezeichnet wurde,

    von Stereum subtomentosum mikroskopisch zu unterscheiden durch vorhandene "kleine, schlanken Pseudoacantophysen" in der Fruchtschicht.

    Da müsste ich mal rausfinden, welche konkreten anatomischen Strukturen hinter der Bezeichnung stecken, und wo im Präparat man die findet ...


    LG Sebastian

  • Zur Unterscheidung gabs mal einen Tintlingsartikel 2013 oder 2014.


    Wenn ich mich recht erinnere, dann sind die Pseudoacantophysen spazierstockförmig geformt bei St. insignitum.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Servus Sebastian,


    ich kenne Stereum insignitum nur von sehr warmen Ecken - hier in Bayern Mainfranken oder auch am Rhein (nicht in Bayern). Stereum isignitum hat an der Spitze verzweigte, angedeutet koralloide Pseudoacanthophysen (dünne, lange, dickwandige Zellen, die an der Spitze mehrere, sehr kurze Auswüchse zeigen). Ohne dieses Mikromerkmal würde ich mir keine Bestimmung zutrauen.


    Hier sind sie gut gezeichnet:

    PB_Bd_7_8.pdf - auf S. 58


    Der Artikel ist recht alt - der Autor meint, die Art an der Konsistenz zu erkennen, aber ich vermute, er hatte Stereum subtomentosum noch nicht in der Hand. Die Art war früher sehr selten und wurde erst später zum Massenpilz. Ich würde mir das makroskopische Trennen nicht zutrauen. Die Pseudoacanthophysen sind im Mikroskop sehr hübsch. Ich habe sie aber selber erst zweimal gesehen, denn bei mir gibt's die Art (wohl) nicht.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo ihr Zwei, super danke für die Tipps und das Material. Da werde ich mich die Woche mal dranbegeben und die Ergebnisse posten.


    Die Ecke hier am Rhein gilt ja als eine der milderen Regionen in Deutschland. Mal sehen.


    Zitat

    meint, die Art an der Konsistenz zu erkennen, aber ich vermute, er hatte Stereum subtomentosum noch nicht in der Hand.

    Ja er vergleicht da ja im Grunde auch mit hirsutum, wenn ich es richtig erfasst habe.


    Mal sehen ob ich die entsprechenden Zystiden finden kann. Scheinen sich ja auch bei insignitum etwas zu verstecken und mit den starren Strukturen von Porlingen habe ich auch immer etwas Schwierigkeiten. Ein Quetschpräparat ist ja da hfg. schwierig. Ich probiere es mal ....


    LG Sebastian

  • MoinMoin!


    Hm, an der Konsistenz erkennen? Das kann ich aus eigener Erfahrung von mir nicht behaupten. Die Konsistenz bei beiden Arten ist sehr ähnlich, und in erster Linie abhängig vom Entwicklungsstadium der Fruchtkörper und äußeren Einflüssen (Witterungsverläufe).

    Die Acanthohyphidien sind auf jeden Fall das sicherste Trennmerkmal - aber da muss man schon genau hingucken. Bei Stereum insignitum sind die nicht konstant ausgeprägt, also es gibt auch normale Hyphidien ohne Auswüchse (sogar mehr als Acanthohyphodien), und zudem sind die kleinen, fingerartigen Spitzen oft ganz schön unscheinbar.

    Die Sporen geben nichts her, die Variationsbreiten beider Arten sind nach meinen Erfahrungen nahezu identisch.
    Makroskopisch geht allerdings durchaus eine relativ solide Voreinschätzung: Stereum insignitum ist nach eigenen Beobachtungen schon deutlich "bunter" als Stereum subtomentosum, vor allem die warmen, satten, Rot-, Braun- und Orangebraunen Farbtöne sind auffällig. Die Fruchtkörper von Stereum insignitum werden auch tendenziell etwas größer und die Kollektionen sind oft üppig, ganze Stämme dicht überziehend. Auch interessant: Bei frischen, feuchten fruchtkörpern von Stereum subtomentosum gilbt das Hymenium beim Kratzen normalerweise ziemlich deutlich. Das von Stereum insignitum gar nicht oder nur schwach und unauffällig. Die Ökologie spielt auch noch eine Rolle: Das Hauptsubstrat von Stereum insignitum ist Rotbuche, jedenfalls in Südwestdeutschland. Stereum subtomentosum kann auch an Rotbuche, weicht aber in den Gebieten, wo sich Stereum insignitum stark ausgebreitet hat, mehr an andere Substrate aus.
    Oberrheingebiet und angrenzende Hügelländer, bzw. thermophile Vorbergzonen der Mittelgebirge: Da ist Stereum subtomentosum an Rotbuche nahezu völlig verschwunden, Stereum insignitum ist hier an Rotbuche mittlerweile die wesentlich häufigere Art. In Waldstücken um Mannheim rum, wo Rotbuchen stehen und das Totholz auch mal liegen bleiben darf, ist Stereum insignitum ein Massenpilz und kann auf Ansage eingesammelt werden.


    So vom äußeren Erscheinungsbild her, vor allem angesichts des Farbspektrums, der Fundgegend und des Substrates: Ich würde den oben gezeigten Fund schon eher für Stereum insignitum als für Stereum subtomentosum halten.


    Solche ganz dunkelroten, fast blutroten Fruchtkörper sind allerdings eher selten. Das normale Farbspektrum geht eher ins Braune, aber möglich ist das schon - wenn nicht da noch eine weitere Art drinstecken sollte (die roten und die braunen nehmen sich aber mikroskopisch nix, haben beide Acanthohyphidien und kommen auch am selben Substrat vor, eventuell sogar vom selben Mycel gebildet:




    normal dann eher so:








    LG; Pablo.

  • Hallo Sebastian,


    dein Fund sieht farblich Stereum insignitum sehr ähnlich. Das Wichtigste sind aber tatsächlich die mikroskopischen Unterschiede, wie vorher schon geschrieben. Ökologisch kann man zu S. insignitum sagen, dass der Hauptwirt Buche ist und dass er wärmeliebend ist. Stereum subtomentosum hat als Hauptwirt Erle und wächst gern in feuchten Habitaten, kann aber auch an Buche vorkommen! Frische Fruchtkörper milchen gelb beim Ankratzen der Fruchtschicht. Das macht S. insignitum nicht.


    LG

    Frank

  • Hi,


    St. subtomentosum finde ich hier im "Dresdner Umland" auch sehr oft an Birke; teilweise auch an recht trockenen Standorten.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


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  • Hallo zusammen,


    @Pablo, danke für den tollen und umfassenden Beitrag und auch die Mikrobilder. Auch für eure Ausführungen Frank und Stefan zu den Wirten/Substraten. In der Tat wuchs der Pilz sehr üppig auf Buche. Mittlerweile haben die Fruchtkörper etwas von ihrer "Leuchtkraft" verloren und kippen vom Orangenen etwas ins Braune.


    Ich meine die Acanthophysen auch gefunden zu haben, in der Tat muss man genau hinschauen, sie sind ja auch recht klein (2-3µm breit) -Volle Auflösung gucken.



    Danke für eure Hinweise und Unterstützung :daumen:


    Herzliche Grüße Sebastian

  • Hi,


    tolle Mikros. ==Gnolm8


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


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  • Ich könnte noch eine Eigenschaft von St. insignitum ergänzen: Beim Eintrocknen bleiben die kräftigen Farben erhalten, während subtomentosum-Fruchtkörper stark ausblassen. So einmal sehr augenfällig erlebt, als ich zu Beginn einer Exkursion an einem Stück Buchenstamm (ca. 1m Länge) vorbeikam, an dessen beiden Enden je eine Gruppe fast gleich aussehender Fruchtkörper ansässig war. Auf dem Rückweg nach 2 Stunden und deutlich höheren Temperaturen sahen diejenigen an einer Seite noch gnauso aus, während die am anderen Ende stark ausgeblasst waren. Da ist mir erst der Groschen gerutscht, dass es sich hier um 2 Arten handelte, was sich bei der Nacharbeit dann auch bestätigt hat. Die Acanthos waren bei meinen Funden eigentlich immer irgendwo zu finden.

    In Südbaden finde ich allerdings subtomentosus auch oft an Fagus.

  • Hallo, Günter!


    OK, ich sehe, daß es doch noch irgendwie geklappt hat mit dem Login. :thumbup:

    Beruhigend, weil einen offensichtlichen fehler habe ich bei deinem Account eben auch nicht gesehen.


    Daß Stereum subtomentosum in Südbaden noch an Rotbuche vorkommt, finde ich sogar beruhigend: Ich hatte schon die Befürchtung, daß der von Stereum insignitum nachhaltig von dem Substrat verdrängt wird.

    Die Beobachtung mit dem "Entfärben" bei Stereum subtomentosum will ich mal vesuchen, nachzuvollziehen. Da habe ich bisher noch nie drauf geachtet, also wertvoller Hinweis.



    LG; Pablo.

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