Beiträge von Tomentella

    Zitat


    will man Parallelstrukturen aufbauen, wie ist der aktuelle Stand?


    Lieber Peter,


    das Projekt-Webseite „Welcome to Fungi Without Borders | Fungi Without Borders“ ist, abgesehen von einigen Layoutverbesserungen, verfügbar. Derzeit sind 150.000 Fundnachweise zu 4.000 Pilzarten, sowie 3.000 Pilzfotos und 3.000 Artbeschreibungen hochgeladen. Nach Abschluss aller Programmierungen könnte man über eine Zusammenführung von "Pilze-Deutschland.de" und "funga-boehmerwald.eu" nachdenken, um keine Parallelstrukturen pflegen zu müssen. Da die Taxrefliste Deutschlands die Basis beider Projekte ist, sollte das kein Problem darstellen.

    Es ist schade, dass euer mykodata nicht weitergeführt wird. Für mich war das eine tolle Homepage. Ich kenne allerdings die Hintergründe nicht und hatte auch lange keinen Kontakt zu Wolfgang Dämon.


    LG

    Frank

    Hallo Peter,


    ja leider gibt es bei euch in Österreich einen Stillstand in dieser Richtung. Der direkte Abgleich ist schon eine Weile her. Da wir aber über das Böhmerwaldprojekt an dem Tschechien, Österreich und Deutschland zusammenarbeiten, mit einer einheitlichen Taxrefliste arbeiten müssen, werden entsprechende Schnittstellen entstehen um unterschiedliche Namen über eine ID zusammenzuführen. Mit Frau Greilhuber sind wir in Verbindung, die uns auch schon bei der Anpassung der deutschen Namen Zuarbeit geleistet hat.


    LG

    Frank

    Hallo Chris und Pablo,


    als Verantwortlicher für die Taxrefliste Deutschlands, die auch die Grundlage für Pilze-Deutschland.de und einige andere Kartierungsprogamme ist,

    kann ich der Antwort von Pablo voll zustimmen und meine Antwort kürzer halten. Wir haben in unserer Taxrefliste momentan über 35 000 Arten und Synonyme und 5000 deutsche Namen. Jährlich kommen ca. 1000 neue Taxa dazu. Zusammen mit den Korrekturen und den durch genetische Arbeiten aufgespaltenen Arten steckt da sehr viel Arbeit und Zeit drin. Die Liste wird auch mit der tschechischen, österreichischen und der schweizerischen Taxrefliste abgeglichen. Grundlage sind ebenfalls Index fungorum und Mycobank, in denen auch Fehler enthalten sind und erkannt werden müssen. Außerdem werde ich von Gattungsspezialisten unterstützt, da den Gesamtumfang an Pilzgruppen niemand allein beherrschen kann.

    Zweimal im Jahr wird die Taxrefliste von Pilze-Deutschland.de aktualisiert, im Februar und im August.

    Was die Aktualität der Pilznamen betrifft, hat ja Pablo schon einige richtige Antworten gegeben. Dazu kommt, dass mit dieser Taxrefliste regionale Pilzfloren veröffentlicht werden, wie gerade unsere Pilzflora Sachsens. Die Arbeiten an solchen umfangreichen Werken gehen meist über mehrere Jahre und zumindest beim Erscheinen sollte die Nomenklatur mit den Datenbanken, aus der sie entstanden sind, noch übereinstimmen. Auch deshalb werden Aktualisierungen nicht sofort umgesetzt und erst wenn sie sich durchgesetzt haben, werden sie in der Taxrefliste benutzt. Als Synonym sind sie natürlich sofort verfügbar.

    Zur Zeit wird gerade an der Roten Liste der Phytoparasiten Deutschlands gearbeitet, wo ab Februar der aktuellste Stand der Taxrefliste der Phytoparasiten auf Pilze-Deutschland.de zu sehen ist. Gerade in diesem Bereich muss mit sensu stricto, Aggregaten und sogar mit Gruppen gearbeitet werden, damit das Ganze wissenschaftlich korrekt ist.

    Es ist also nicht einfach, alle unterschiedlichen Wünsche und Auffassungen unter einen Hut zu bringen und manchmal bleibt bei all dem Stress auch mal liegen.….


    LG

    Frank

    Hallo Thomas und Pablo,


    Pablo hat es genau richtig beschrieben. In der parasitischen Gattung Tremella sollte man immer den Pilz auf oder neben dem diese wächst dokumentieren (wenn möglich). Auf unterschiedlichen Wirten können auch unterschiedliche Arten vorkommen, auch wenn sie makroskopisch gleich aussehen. Erst 1995 wurde von P. Roberts die sehr ähnliche Tremella aurantia auf Stereum hirsutum von der auf Peniophora-Arten parasitierenden Tremella mesenterica in Europa dokumentiert und getrennt, obwohl sie schon 1822 von Schweinitz beschrieben wurde. Auf Fruchtkörpern der Gattung Peniophora könnten außer den momentan zwei Arten (T. mesenterica und Tremella versicolor) durchaus weitere eigenständige und artspezifische Tremella-Arten entdeckt werden.

    Besonders häufig parasitieren Tremella-Arten auf Flechten und dort sind sehr viele neue Arten beschrieben worden, hauptsächlich von Diederich 1996. Jede Flechte scheint ihren eigenen Parasit "durchzufüttern". :-)


    LG

    Frank

    Hallo Pablo und Stefan,


    Tremella mesenterica ist bis jetzt nicht weiter aufgespalten worden, was aber sicher noch kommen wird.

    In weihnachtlicher Umnachtung habe ich den Eindruck erweckt, dass Tremella versicolor zur Tremella mesenterica-Gruppe gehört, obwohl die Fruchtkörper anders aussehen. Siehe Boletus Band 40 Heft 1 (2019) Thomas Rödel "Tremella versicolor - ein ausschließlich auf Peniophora-Arten vorkommender Parasit".

    Der oben gezeigte Pilz ist nicht Tremella versicolor sondern wie schon richtig angesprochen Tremella mesenterica!


    LG

    Frank!

    Hallo Stefan,

    Zitat

    Auf was wächst dann Tr. mesenterica? Gibts die Art überhaupt in Europa? Danke für deinen Einwand.


    früher wurden alle goldgelben Zitterlinge als Tremella mesenterica kartiert. Da wir aber seit längerer Zeit wissen, dass die Arten dieser Gattung parasitisch auf oder neben anderen Pilzen fruktuieren, spalten sich einige Tremella-Arten auf. Bei Tremella foliacea agg. ist das mit der Arbeit

    "Studies in the Phaeotremella foliacea group (Tremellomycetes, Basidiomycota)" von V. Spirin et. al 2017 schon publiziert. Eine umfassende Arbeit zu Tremella mesenterica agg. ist mir noch nicht bekannt. Alle Tremella mesenterica- Funde ohne Begleitpilzangaben, sowie alle alten, nicht nachprüfbaren Funde, sollten unter Tremella mesenterica agg. abgelegt werden. Bekannt sind ja inzwischen die Zusammenhänge von Tremella aurantia mit Strereum hirsutum sowie Tremella versicolor mit Peniophora nuda und P. quercina.

    Bekannt ist ja z. B. auch schon das "Zusammenleben" von Tremella encephala mit Stereum sanguinolentum, Tremella simplex mit Aleurodiscus amorphus, Tremella indecorata mit Diatrype-Arten etc. und es werden weitere Zusammenhänge in der Zukunft entdeckt werden.


    LG

    Frank

    Hallo Mario,


    das könnte auch eine glattsporige Trechispora sein und wenn dimitisch würde Trechispora silvae-ryae eine Option sein.

    Die extrem seltene Hypochniciellum ovoideum ist monomitisch, atheloid (also ablösende Frk.) und mit kurzen Basidien (10-15 mm Länge).

    Wenn die Sporen wirklich leicht amyloid sind, würde noch Amylocorticiellum subillaqueatum (Litsch.) Spirin & Zmitr. in Frage kommen. Da gibt es bis jetzt nur einen Fund in Deutschland.

    Es bleibt spannend.


    LG

    Frank

    Hi Mario,


    in dieser Arbeit ist auch noch ein Fehler bei den Bildern: Photo plate 17 ist falsch! Dieses zeigt Ps. umbrina und nicht Ps. tristoides.

    Auch die einzelnen Beschreibungen der Arten lässt tlw. keine großen Unterschiede erkennen. Es ist halt oft schwierig, genetische Unterschiede morphologisch nachzuvollziehen.

    Ich habe auch schon unklare Exsikkate zu Sten Svantesson geschickt, aber noch keine Ergebnisse erhalten. Wenn dein Fund Ps. rotundispora sein sollte, wäre er für meine Arbeit in dieser Gattung sehr hilfreich.


    LG

    Frank

    Hallo Björn,


    die Inkrustierungen bei T. neobourdotii sind manchmal auch schlechter zu sehen und bei einzelnen Funden sogar fehlend. Da ist die Art nur mit Erfahrung zu bestimmen, da ein wichtiges Hauptmerkmal fehlt.

    Die Trennung von "großen" und "kleinen" Sporen in meinem Schlüssel Punkt 9 werde ich noch mal nachvollziehbarer formulieren.


    Beste Grüße

    Frank

    Hallo Björn,


    die schnallenlosen Hyphen sind Fremdhyphen. Inkrustierte Hyphen sieht man nur in 3-5 % iger KOH. Welche Konzentration benutzt du?

    Makroskopisch und nach der Sporenform ist es T. neobourdotii. Die meisten Sporen müssten zwischen 6 und 7 µm liegen. Ausreißer nach oben und unten gibt es immer.


    LG

    Frank

    Hallo Mario,


    das ist auf jeden Fall eine Pseudotomentella. Das Aggregat um Pseudotomentella tristis ist erst vor kurzem aufgespalten worden. Bis jetzt sind in Deutschland aus dieser Gruppe Ps. tristis s.str., Ps sciastra und Ps. umbrina nachgewiesen.

    Könntest du mir bitte das Exsikkate zusenden. Die Unterscheidung der Arten ist nicht ganz einfach. Eine pdf zu diesem Komplex kann ich dir per Email schicken.


    Beste Grüße

    Frank

    Hallo Mario und Pablo,


    Peniophorella pallida wird zwar immer mit Sporenlängen bis 10 µm angegeben, aber es gibt Kollektionen mit längeren Sporen. Ob es sich hier um ein Aggregat handelt, ist noch unklar. Die Kombination von subulaten Zystiden und allantoiden Sporen führt nur zu Peniophora pallida. Eine intensive Suche nach Echinozystiden könnte das bestätigen, die sind aber nicht immer zu finden. Also als P. pallida s.l. ablegen.


    Die auswachsenden Elemente kommen immer mal vor und sogar keimende Sporen (wie bei Heterobasidiomyceten) z. B. in der Gattung Hyphoderma. Das ist aber nicht bestimmungsrelevant.


    Beste Grüße

    Frank

    Hallo Björn,


    Tomentella neobourdotii muß dickwandige, inkrustierte Basalhyphen haben, was ich auf deinen Bildern nicht erkennen kann. Außerdem müssen bei T. neobourdotii Hyphenstränge zu finden sein, bei T. sublilacina nicht.


    LG

    Frank

    Hallo Thorben,


    dieser Rindenpilz ist, wie ich schon vermutete, die Mycoacia mit Merkmalen von M. uda (Sporen) und M. fuscoatra. Es gibt keine KOH-Reaktion, die Sporen sind schmal elliptisch und makroskopisch sieht sie eher aus wie M. fuscoatra, aber da passt die Sporenform nicht und es fehlen die typischen Zystiden. Vergleichsfunde sind zum Sequenzieren in Schweden bei K.-H- Larsson. Über das Ergebnis werde ich und das Forum informieren.


    LG

    Frank

    Hallo Thorben,


    das Exsikkat ist gut angekommen. Ich kann es allerdings keiner mir bekannten Tomentella zuordnen. Es kommt also in den Schuhkarton mit sehr vielen anderen unklaren Tomentella-Funden. Für mich auffällig, dass unter meinen unbestimmten Funden viele auf Erde dabei sind. Gerade diese weichen oft von bekannten Arten ab.

    Also vielen Dank und in der Hoffnung, dass sich aus meiner Kiste unbestimmter Tomentellen ab und zu was bestimmbar wird, verbleibe ich bis zum nächsten "Adventsrätsel"


    Frank

    Hallo Pablo,


    bei Thelephora terrestris f. resupinata sind alle Hyphentypen ähnlich breit. Nur die Subhymenialhyphen sind durch ihre tlw. tonnenförmige Aufblähung

    am dicksten. Deshalb schreibe ich im meinem Schlüssel (29 a und 29 b) auch Subhymenialhyphen. Auffällig sind diese Verdickungen auch bei T. ellisii und besonders bei T. sublilacina.

    Wenn Arten sich z. B. durch unterschiedliche Subikularhyphenbreiten unterscheiden, ist das im Schlüssel auch entsprechend erwähnt

    (z. B. 21.a und 21 b).

    Thelephora terrestris und ihre resupinate Form sind mikroskopisch und genetisch identisch.


    LG

    Frank

    Hallo Björn,


    makroskopisch und die Sporen deuten sehr auf Thelephora terrestris f. resupinata hin. Bei 29. in meinem Schlüssel geht es da eigentlich mit

    Hyphenbreiten bis 8,5 µm weiter. Sind die Hyphen bei deinem Fund wirklich so schmal (4-5 µm)?


    LG

    Frank

    Hallo Thorben,


    der Fund gehört zur Gattung Mycoacia, die noch bei Phlebia angesiedelt ist. Ich habe gerade Funde zum Sequenzieren geschickt, da wir jetzt eine Mycoacia spec. in NRW hatten. Sie ist ein Mix aus Mycoacia uda und Mycoacia fuscoatra. Dein Fund geht auch in diese Richtung, also gut aufheben oder zu mir senden.


    Beste Grüße

    Frank

    Hallo Mario,


    bei deinem Fund komme ich zu Hypochnicium punctulatum. H. cremicolor hat etwas kleinere Sporen und Hypochnicium wakefieldiae hat deutlich dickwandige Basalhyphen (bis 2 µm), was ich bei deinem Fund nicht erkennen kann.


    LG

    Frank