Beiträge von Sebastian_RLP

    Erinnert mich an eine Karikatur zum Helfersyndrom. Das Bild zeigt, wie ein "Helfer" freundlich gestikulierend eine ältere Dame mit sanftem Druck über die Straße geleitet. Leider wollte Sie gar nicht auf die andere Straßenseite...


    Ich halte das Vorgehen für ausgemachten Nonsens. Wenn du den Pilzen helfen möchtest, engagier dich im Naturschutz. Wir sollte dafür sorgen, natürliche Biotope, Flächen usw. zu erhalten. Den Rest können die Pilze selbst.


    LG Sebastian

    Hallo zusammen,


    folgenden Fund von heute habe ich als Ascocoryne cylichnium bestimmt.


    An altem Buchenstumpf, becherförmig, gallertig, kräftige lilaliche Farben:


    Sporen bis 28x5µm, spindelförmig, ausschließlich mit kleinen Tropfen und ausgewachsen auch septiert

    Asci inoperculat, nur an Spitze amyloid mit 8 Sporen, Paraphysen einfach, septiert und leicht keulig verdickt an der Spitze.


    Sporen


    Paraphysen


    Ascocoryne sarcoides - der fleischrote Gallertbecher dürfte wohl rausfallen, da dieser in jungem Zustand ein spatulates Wachstum zeigt und wohl zumindest teils auch größere Tropfen in den Sporen hat.


    LG Sebastian

    Hallo Beli, eine wichtige Frage. Nach meiner Wahrnehmung war das ein Stoß Nadelholzstämme. Fichte, Douglasie ... Teils entrindet. Für glandulosa ist wohl eher Laubholz beschrieben. Hmm .... was aber könnte sonst diese stoppelige Oberfläche haben. Muss mich mal belesen, ob der auch Nadelholz kann bzw. nochmal nachschauen, ob in dem Holzstoß noch etwas anderes lag. Letzteres glaube ich aber eher nicht ...


    LG Sebastian

    Hallo Björn,


    Vielen Dank für deine Einschätzung. Dachte ich komme da flott ums Schlüsseln herum :cool: ... aber so eindeutig ist es dann wohl nicht.


    Exidia glandulosa passt! Wenn man das Bild vergrößert sieht man auf dem großen Fruchtkörper schon deutlich in guter Regelmäßigkeit die Stoppeln! Super danke.


    Um das Hyphengezumpel :D zu mikroskopieren müsste ich nochmal frisches Material holen. Kann ja gerne nochmal Bilder machen ...


    LG Sebastian

    Hallo zusammen,


    im Moment beschäftige ich mich gerade mit der Gattung Crepidotus ein wenig näher und übersetze mir Bestimmungsschlüssel. Im Feld entdeckt man dann noch allerlei anderes, was man vorher gar nicht so beachtet hat. Wie z.B. Panellus mitis ... ein ganz spannender Pilz unterm Mikro


    Mal wieder 01 Crepidotus variabilis .. das gemeine Stummelfüßchen:


    Sporen zylindrisch 6x3,5µm


    Cheilos bei 400fach in Kongo


    Öfter 02 Crepidotus cesatii ... das entferntblättrige Stummelfüßchen


    Cheilos und Sporen


    Dann ein sehr klebriger Geselle: 04 Panellus mitis ... der milde Zwergknäueling


    Sehr spannend war insbesondere die Schneide unterm Mikro. Eine verzweigte Hyphenstruktur in einer gallertartigen Grundsubstanz mit bäumchenartig verzweigten Cheilozystiden. Total spannend:


    Schneide 100fach in Kongo/NH3


    Schneide 400 und 100fach in Kongo inklusive Cheilos


    Sporen ca. 5x1,5µm


    Schnallen vorhanden


    Daneben gab es natürlich als sehr häufigen Pilz auch 04 Panellus stipticus ... der herbe Zwergknäueling. Hier zusammen mit 05 Mycena tintinnabulum ... dem Winterhelmling in trauter Zweisamkeit:


    An dem selben Holzstoß (Nadelholz) wie Panellus mitis dann noch zwei Exidias


    Beim folgenden vermute ich 06 Exidia saccharia ... den kandisbraunen Drüsling. Obwohl die Sporen mit 9,2x3 etwas knapp ausfallen, passen die anderen Arten erstmal schlechter, auch wegen dem Vorkommen an Nadelholz ... was meint ihr?

    Sporen und Schnallen


    Zellen (Basidiolen?) mit braunem Granulat



    Der nächste am ehesten 07 Exidia glandulosa pithya .. der Teerfleckedrüsling (danke Björn) ein (nicht mikroskopiert), ebenfalls an diesem Stoß mit Nadelholz.

    Ergänzung: auf die Stoppeln auf der Oberfläche achten (Vollbild).



    LG Sebastian

    Im Zuge des letzten APV-Treffens bin ich auf die Rindenhelmlinge aufmerksam geworden. Einen entsprechenden Fund hatte ich hier diskutiert: Phloeomana-Art?

    Ganz so selten kommen diese ja auch zur kalten Jahreszeit nicht vor und so freute ich mich über folgenden Fund vor zwei Tagen:


    Mycena erubescens in großer Gruppe am Stamm einer alten Eiche auf der bemoosten Rinde zum Fuße hin.

    Hut schön rotbraun mit in der Tat annähernd dunkel(blauer) Spitze.

    Geruch unauffällig, Geschmack wie beschrieben bitter.


    Sporen glatt, breitellipsoid und ca. 10x7,8µm, leicht amyloid (schwer erkennbar, auch schwierig bei Sporenabwürfen aus den Minihüten), Trama aber deutlich dextrinoid.


    Cheilos extrem variabel, bauchig divertikulat bis langezogen fusoid mit gegabelter Spitze,


    Pleuros reichlich und wie beschrieben sehr lang:


    HDS ebenfalls mit divertikulaten Hyphen, wirklich die obere Schicht, in den nächsten Bildern schon zu erkennen, wenn leider auch unscharf. Besser habe ich es leider nicht hinbekommen:


    Skalpschnitt mit Draufsicht (auch nicht besser):


    Keine Kaulozystiden, aber Stielhyphen reichlich divertikulat:



    LG Sebastian

    Am Ende wird deine erste "Diagnose" Richtung Clitocybe s.l. wohl zutreffen. Da gibt es auch vieles (gerade auch mit Mehlgeruch) und man kommt in den entsprechenden Schlüsseln ohne Mikroskopie der HDS, der Trama und der Zystiden (je nach Richtung) leider nicht weiter.


    LG Sebastian

    Servus Pablo

    Ist der zweite nicht eine Stropharia s.l.? Also aus der Grünspanträuschlingsgruppe (cf. caerulea)?

    Ja, da könntest du durchaus recht behalten, Stropharia hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Habe mich da wohl zu schnell auf die Gattung festgelegt. Die grünliche Farbe zur Stielspitze hatte mir auch schon zu denken gegeben. Die ist ja durchaus noch erkennbar (leicht auch unter der abgezogenen Huthaut. Zu Stropharia caerulea würde da vieles in der Tat sehr gut passen! Ich bin mir einzig nicht ganz sicher, ob diese abziehbare sehr schleimige Huthaut so ganz zu caerulea passt. Da fehlen mir Erfahrungswerte. Auf jeden Fall muss man in diese Richtung nochmals ernsthaft fahnden.


    Danke für den Hinweis und noch frohes Neues, Sebastian

    Hallo Ingo,


    Vergleiche mal mit Gamundia striatula, dem Winterrußnabeling. Der hat nach meinem Schlüssel hier auch mehlartigen Geruch. Sporen können gut passen, auch Lamellen. Der Hut ist von oben vielleicht etwas ungewöhnlich. Ist aber schwer aus der Ferne zu beurteilen (Frische, Hygrophanität?). Die Größe des Pilzes kann dann auch gut passen.


    Für den kleinsporigen Mehltrichterling sind die Sporen zu groß. Auch passt das Substrat nicht. Der kann natürlich sonst auch zu dieser Jahreszeit passen. Auch Clitocybe foetens ist eher bei Nadelholz zu finden. Da kommen die Sporen schon etwas näher. Wirklich schwierig!


    LG Sebastian

    Zitat

    Ohne regen geht nix.

    Wie wir dieses Jahr nicht selten gut beobachten konnten, geht (je nach Pilzart) auch mit (viel) Regen nix. Das weitestgehende Ausbleiben der Röhrlinge dieses Jahr hat z.b. u.a. eher was mit Temperaturen zu tun. An Wasser von oben hats ja nicht gemangelt. U.s.w. ... u.s.w. ....


    LG Sebastian

    Hallo Claus,


    Ein tolles Feuerwerk der Tauben zeigst du wieder. Der überblicksartige Kurzabriss mit den integrierten Mikrobildern ist wirklich sehr ansprechend und informativ. Ich drücke die und uns mal die Daumen, daß im nächsten Jahr wieder mehr Täublinge anzutreffen sind.


    LG Sebastian

    Hallo zusammen,


    gestern habe ich auf einem Spaziergang noch ein paar Kleinigkeiten gefunden, die für mich bis auf die Pholiota Neufunde darstellen. Zudem lag bei mir noch eine Daldinia herum, die wir auf einer kleinen Miniexkursion am 11.12. im Stadtpark an einem alten Stamm gefunden haben. Die galt es noch zu bestimmen.


    Aber von vorne. Fangen wir mal mit der Daldinia (also einem Pilz aus der Gattung Holzkohlepilze an):


    Nach Regen:


    Im Schnitt:


    Der Pilz zeigt im Schnitt schöne konzentrische Kreise. Aus der Runde kam daher der Hinweis auf Daldinia concentrica mit der Einschränkung, dass dies auch andere Daldinias machen würden und der daher mikroskopiert gehört.


    Als Schlüssel wurde mir Stadtler et al. (2014). A polyphasic taxonomy of Daldinia in Studies in Mycology empfohlen. Der Schlüssel funktioniert sehr gut aus meiner Sicht. Zu prüfen ist auf ablösendes Perispor in KOH10% sowie auf herauslösen farblicher Pigmente (braun, purpur, keine?) und auf die Sporen. Damit komme ich dann schon zum Ziel. Denke ich zumindest, den meine Erfahrung mit der Gattung beschränkt sich auf diesen Fund:


    Also, ablösendes Perispor:


    führt zu 2: KOH-extractable pigments? führt weiter nach 3 "cinnamon or orange brown"


    und damit weiter in Key IV: hier sind Stromata und Sporen zu beurteilen:


    Sporen hier 14,5x 7µm mit Keimschlitz über die gesamte Sporenlänge! Im folgenden Bild gut zu erkennen.


    Damit sollte 01 Daldinia childiae - der Birnenholzkohlepilz dingfest gemacht sein. Hier noch weitere Eindrücke von Zystiden? und Hyphen. Nicht bestimmungsrelevant:



    Gestern dann bei meinem kleinen Spaziergang sehr unerwartet ein alter Bekannter:

    02 Pholiota gummosa - der Gummischüppling mit schleimiger und gummiartig abziehbarer Huthaut


    Mikroskopisch Sporen mit Keimporus bis 9x5µm:


    Zahlreiche Chrysozystiden (Schneide und Pleuros):


    Chrysozystiden und Cheilos bzw. Parazystiden:


    Sehr interessant fand ich einen weiteren Erstfund für mich. 03 Guepiniopsis Buccina - der becherförmige Haargallertpilz (da kommt glaube ich nicht viel anderes in Frage?):


    Basidien und Sporen passend. Basidien lang, zweisporig und geformt wie zweizinkige Gabel:


    Hyphen



    Sporen ca. 11x4µm, gekammert, vermutlich noch nicht ganz reif (Versuche noch ein Sporenabwurf hinzubekommen.



    Außerdem gabs noch ein Stummelfüsschen. Sollte 04 Crepidotus Cesatii - das entferntblättrige Stummelfüßchen sein:


    Cheilos 400fach in KOH3 polymorph


    Sporen breitellipsoid 6x4 mit kräftigen Stacheln


    Schnallen vorhanden:


    So, ich hoffe ich habe alles richtig bestimmt. LG Sebastian


    Hi, die Hüte scheinen eine grobschollige Oberfläche zu haben oder ist das ein Artefakt? Dann wäre es weder noch. Ohne gute, nicht überbelichtete Bilder von allen Seiten kann man nur raten, nichts eingrenzen. LG Sebastian

    Deine Lepista personata (Lilastiel) vom Foto 20 würde ich eher für Lepista nuda, den Violetten Rötelritterling halten.

    Hallo Ulla, hallo Josef ... doch das ist wohl das viel viel wahrscheinlichere. Insbesondere auch wegen der lilalichen Lamellen. Und die lila Farben im Stiel können ja auch bei Nuda sehr ausgeprägt sein, wohingegen das Ausblassen des Hutes hier anzunehmen ist. Habe auch nochmal bei Ludwig nachgelesen. Dort wird L. personata als saeva geführt. "Saeva" steht für scharf, hart, heftig usw. was sich auf den scharfen Farbkontrast von Hut und Stiel beziehen soll. Dieser ist hier als solcher in der Tat nicht erkennbar. ...Fussnote zu Saeva: "Nach Moser können Hut und Lamellen auch sehr blasse lila Töne zeigen.; mir sind derartige Stücke noch nie untergekommen, obwohl der Pilz in Berlin häufig ist" (Ld, Bd1 Beschreibungen S.258).



    Toll was bei Dir noch so wächst. Bei uns hat der Frost alles hingerafft.

    Spitze, was sich bei dir alles noch finden lässt. [...] hier findet sich unterm Schnee nix mehr !

    freut mich, dass ich euch etwas mitnehmen konnte. Ich habe ja das Glück, hier von guten Mykologen zu lernen. Unter anderem habe ich gelernt, dass es in der Rheinebene, gerade in unserer Ecke hier, immer wieder sehr milde Winter bzw. begünstigte Standorte für mildes Wetter gibt. Bleibt es längere Zeit frostfrei, ist daher auch mit Pilzen zu rechnen, ganz unabhängig von der Jahreszeit. Aber natürlich nicht in den Massen wie im Herbst. Für die Inübunghaltung reichts aber allemal ...


    LG Sebastian

    Hallo zusammen,


    in dieser Jahreszeit bin ich gerne mal in Parks in Rheinnähe unterwegs, da die dort milden Temperaturen auch zu dieser Jahreszeit durchaus Pilzliches versprechen. Da natürlich nicht mit der Saison zu vergleichen, erwartete ich auch nicht viel als ich mich zum Kurpark Bad Salzig aufmachte.


    Von der A61 kommend folgte ich dem Zubringer zur Rheingoldstraße Richtung Rheintal. Bevor es aber ins Tal hineinging, wurde ich auf einen Wanderparkplatz mit Aussicht auf Bad Salzig aufmerksam. Zudem stand dort keine 200m entfernt ein großer Aussichtsturm (21m hoch). Der Aussichtsturm "5-Seenblick", wie sich herausstellen sollte. Kurzerhand hatte ich nämlich angehalten, um die Aussicht zu genießen:


    Weiter stellte sich heraus, dass ich mitten auf der "Traumschleife 5 Seenblick" gelandet war. Das Auto konnte also dort stehenbleiben, obwohl es nicht der originäre Ausgangspunkt war. Ich machte mich zu Fuß auf zum Turm.


    Um den Turm herum zeigte sich ein schöner Eichen-Kiefernwald. Ich war ganz erstaunt, was es da trotz der kalten Temperaturen noch zu entdecken gab:


    Los ging es mit 01 Crepidotus variabilis - Das gemeine Stummelfüsschen (wie sich nach der Mikroskopie herausstellen sollte):


    Die Sporen nahezu zylindrisch und punktiert und mit Schnallen war der häufige Vertreter schnell bestimmt.


    Deutlich punktiert auf der Oberfläche bei 1000fach gut zu erkennen.


    Schnallen:


    Weiter ging es mit so allerlei:

    02 Rhodocollybia butyracea - den Butterrübling gab es dort noch in größeren Mengen


    Auch noch zu finden 03 Trompetenpfifferlinge - Cantharellus tubaeformis


    Zum nächsten fällt mir ein: 04 Lycoperdon umbrinolens - der bräunliche Stäubling?


    Gefreut habe ich mich auch über die Scharlachflechte ... eine solche ist mir schon öfter über den Weg gelaufen und scheinbar gibt es da auch mehrere Arten:


    Weiter ging es mit verschiedenen Galerinen, die ich aber nicht weiter mikroskopisch untersucht habe:

    05 Galerina spec


    06 vermutlich Galerina marginata (auf Holz)



    07 unbestimmbare Telamonien


    und noch eine


    Ansonsten noch 08 Laccarias - farblich natürlich schwierig, bei den durchgefrorenen Fruchtkörpern, vielleicht einfach amethystina:


    Besonders erstaunt war ich über ein Massenaufkommen von dort in großen Mengen noch gesellig wachsenden Milchlingen. Mir kam unter Kiefern und wegen der Farben an Hut und Stiel 09 Lactarius hepaticus - der leberbraune Milchling in den Sinn. Milch gaben die allerdings nicht mehr her, auch nicht die Kleinen und reingebissen habe ich jetzt auch nicht. Die Sporen zeigen ein deutlich netziges Ornament, fallen allerdings mit bis 7µm etwas klein für L. hepaticus aus. Allerdings war hier auch kein Abwurf von reifen Sporen zu bekommen, also eh alles mit Vorsicht zu genießen:


    Sporenornament in Melzer:


    Zudem gab's auch noch eine Russula, unglaublich. Auch unter Kiefern, leider kaum gut zu bestimmen, da kein Sporenpulver mehr zu gewinnen war. Geschmack eher mild (sofern das in dem Zustand beurteilbar ist).

    Man könnte hier aufgrund von zahlreichen mehrfach septierten Pileozystiden, den Farben und dem Vorkommen unter Kiefer mal den Arbeitsnamen 10 Russula cessans - der Kieferweichporling -täubling (selbstverständlich) vergeben (ob's stimmen kann?):


    Sporen mit 7µm Länge:


    HDS in Kongorot NH3: Pileozystiden und Haare:


    Pileozystiden in SV:


    Cheilos auch zahlreich:


    Auch gab's noch 11 Lepista flaccida:


    Das war schon erstaunlich, was in dem kleinen Kiefern-Eichenwald noch so zu finden war. Jetzt aber schnell dem Aussichtsturm zugewandt. 21 Meter wollten erklommen werden (die Bretter haben auch ein bisschen geknackst und geächzt vor Kälte - puuh):



    Von hier oben dann ein toller Blick aufs Mittelrheintal ...


    Mit seinen Burgen: Marksburg, Burg Sterrenberg, Burg Liebstein ....



    Warum aber eigentlich 5 -Seenblick ... aha, weil der Blick in verschiedene Richtungen immer wieder den Rhein mit seinen Biegungen und Abschnitten zeigt und so die Illusion von 5 Seen entsteht ...


    Noch ein Blick über den schönen Kiefern-Eichenwald ... den muss ich mir merken, der scheint mir ein lohnenswertes Ziel zur entsprechenden Saison:


    dann gings wieder abwärts:


    Zurück am Parkplatz war die Wanderlust geweckt. Warum also mit dem Auto nach Bad Salzig? Kurzerhand entschied ich mich für den Abstieg über die Traumschleife. Eine wirklich sehr schöne Route. Und vom Parkplatz 30min zu Fuß nach Bad Salzig. Es ging in Serpentinen und an weiteren schönen Aussichten nicht allzu steil sondern eher gemächlich durch einen Eichenwald. Auch hier gabs noch einiges zu sehen:


    Einiges gewöhnliches wie 12 Hygrophoropsis aurantiaca - den falschen Pfifferling und 13 Gymnopilus penetrans - den geflecktblättrigen Flämmling (die Bilder erspare ich euch mal ... ) ...


    Zudem dann ein kleiner trichterlingsförmiger Pilz auf Eiche (wars glaub ich ... ). Auch schon etwas eingetrocknet, aber der Stiel und die braunen Sporen haben ihn dann schnell verraten:

    14 Ripartites tricholoma - der bewimperte (oder gemeine) Filzkrempling:


    Sporen ganz typisch für Ripartites (4,5x4µm mit Spikes)


    Besonders gefreut habe ich mich über einen alten Bekannten. Obwohl schon in einem nicht mehr ganz frischem Zustand anhand seines langen Stieles und einem trotz Kälte extrem heftigen Honiggeruch an der Stielbasis von mir als

    15 Cortinarius eliator angesprochen. Die gefältete Huthaut grenzt ihn glaube ich auch nochmal von C. stillatius ab. Sporen hat er hergegeben. Diese zeigten ein herrliches Sporenornament und passen von Form, Größe und Ornamentik sehr gut zu C. eliator. Gerne mal in groß anschauen die Sporenbilder, wirklich toll ...


    Sporen in KOH3% 400-fach:


    Auch schön zu sehen die Plage - 1000fach:


    Immer wieder auch Erläuterungen zur heimischen Natur ... hier zur Vogelwelt:


    Dann war auch der Kurpark erreicht. Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Idee für einen Bericht hier und deswegen habe ich nur ein kleines Stück vom hinteren Teil fotografiert:


    Das ist aber eigentlich schon das "Ende des Parks", der sich vor den Kliniken noch sehr weitläufig erstreckt und wirklich sehr schön ist.


    Auch hier gabs dann noch einiges zu entdecken, zuerst unter Fichten 16 Inocybe pudica - der weisrote Risspilz: gut zu erkennen an den roten Flecken, gerne bei Nadelbäumen. Der Fruchtkörper hat dann nochmal arg nachgerötet beim Trocknen, was auch nicht untypisch ist. Zudem passen auch die Zystiden und die schlanken Sporen bis 11µm:


    Anbei die Sporen:


    Und die Zystiden in KOH3% bei 400-fach:


    Hier habe ich mal mit autostitch gespielt (gerne volle Größe anschauen):


    Für die Kaulozystiden habe ich den Stiel nur "trocken" abgefahren mit dem 100er (um Zeit zu sparen), am oberen Stielteil definitiv vorhanden:


    hier zusammen mit Hymenialzystiden:



    Weiter gings mit Erdritterlingen in großen Mengen auf dem Gelände und ich meine auch unterschiedlichen Arten, hier mal 17 Tricholoma scalpturatum - der gilbende Erdritterling:


    Daneben gabs noch 18 Helvella crispa - die Herbstlorchel ... hatte erst überlegt, ob mit dem braunen Hymenium noch etwas anderes in Betracht kommt. Mit dem Schlüssel von Skrede landet man aber bei crispa. Zur Verwechslungsart H.leucophaea mit Hymenium in "light brown" schreibt Skrede:

    "The paraphyses are thread-like and not significantly inflated at the clavate tips compared to the abruptly and subcapitately inflated paraphyses in H. crispa" ... solche meine ich hier zu sehen (siehe Bilder), also doch H.crispa:



    Weiter begegnete mir 19 Clitopilus prunulus - der Mehlräsling, jung aber mit deutlichem Lamellenansatz, brüchigem Hutfleisch und vor allem sehr starkem Mehlgeruch:


    Weiter unter Nadel dieses Bild ... ich hielt das erst für Telamonien ... aber es sind wohl nach mikroskopischer Sichtung schnöde 20 Trompetenschnitzlinge - Tubaria furfuracea


    Cheilos und Sporen:


    Weiter 20 Lepista sortida - der schmutzige Rötelritterling:



    Etwas entfernt an anderer Stelle dann diese Exemplare mit einem auffällig kräftig lilalichem Stiel. Hier habe ich mich gefragt, ob es ggf. 20a Lepista personata sein könnte? Naja, da traue ich mir kein Urteil zu, zumal alle Fruchtkörper nicht frisch 20a Lepista nuda (siehe Diskussion und Hinweise unterhalb)


    Ansonsten noch weiteres Unbestimmbares - 21 Telamonien??? ziemlich verwässert:


    Auch 22 Samtfüsse durften nicht fehlen:


    und 23 alte Fichtenreizker standen auch noch rum:


    Tja ... sicher ein sehr interessantes Habitat zur richtigen Jahreszeit ...


    jetzt musste ich nur noch zum Auto zurück, der Parkplatz und der Turm waren vom Kurpark gut zu sehen, auf mich wartete also ein kleiner Aufstieg (der war am Ende aber wirklich gemütlich):


    So, ich hoffe es war nicht zu erschlagend. Es ist wirklich ein spannendes Gebiet, das mich sicher nicht zum letzten Mal gesehen hat!


    LG Sebastian