Ich habe überlegt, was der Ursprung der Auseinandersetzung zwischen Befürwortern und Gegnern von Heilpilzen sein könnte.
Offenbar gibt es das Missverständnis, dass das Heilen an ein pharmazeutisch zugelassenes (klinische wissenschaftliche Studien Phase 3) Medikament gebunden ist.
Um dieses Missverständnis auszuräumen muss gekläret werden, was Heilen bedeutet.
Da gibt es mehrere Bedeutungen:
1. etwas, besonders eine Krankheit, durch sachkundige Heilbehandlung beseitigen
Beispiele:
ein Leiden, eine Krankheit, ein Gebrechen (durch eine bestimmte Arznei, Ernährung, Lebensweise) heilen, also a) jemanden wieder gesund machen, oder b) von etw. geheilt sein = über etw. hinweg sein
2. etwas heilt, wird gesund
Beispiele: die Wunde heilt schnell, gut; der Bruch, Finger, die Hand ist geheilt
Heilen ist also etwas, was durch ganz unterschiedliche Einflüsse oder Maßnahmen von außen beeinflusst werden oder von sich heraus von innen stattfinden kann. Das Heilen ist nicht an zugelassene Pharmazeutika gebunden.
Dann gibt es noch die völlig unterschiedliche Bewertung von Heilpflanzen und Heilpilzen, obwohl diese in der Anwendung recht ähnlich sind.
Bei Google findet sich zur Frage, was Heilpflanzen sind, eine ganz allgemeine Antwort:
Unter Heilpflanzen werden Pflanzen zusammengefasst, welche auf Grund ihrer Inhaltsstoffe eine heilende Wirkung haben und deren Wirkstoffe sich positiv auf die menschliche Gesundheit auswirken.
Für ein „traditionelles“ Pflanzenmedikament reichen indirekte Belege für einen therapeutischen Nutzen aus, etwa Berichte über erfolgreiche Anwendungen am Menschen. Damit eine Pflanze als traditionelles Pflanzenmedikament durchgehen kann, sind evidenzbasierten wissenschaftliche Nachweise also nicht erforderlich. Hier reichen empirische Beobachtungen aus.
Eine solche allgemeine Begriffsdefinition findet sich für Heilpilze nicht, obwohl es zahlreiche empirische Beobachtungen über die Wirkung zahlreicher Pilzarten gibt.
Allerdings gibt es im Netz vor allem eine Vielzahl von Heilsversprechen kommerzieller Anbieter, es ist die Rede von Vitalpilzen, von Superfood und es geht um Risiken bei der Eigenmedikamention im Zusammenhang mit Krebserkrankungen. Da ist Skepsis verständlich.
Ein Argument der Heilpilzkritiker ist die fehlende Studienlage. Damit ist gemeint, dass die klinischen Studien für eine Medikamentenzulassung fehlen. Das ist richtig. Aber für traditionelle Pflanzenmedikamente reichen indirekte Belege für einen therapeutischen Nutzen aus. Warum also nicht für Pilze?
Über die Inhaltsstoffe von Pilzen ist inzwischen eine ganze Menge bekannt, auch über deren Wirkung. Unter den enthaltenen Beta-Glukanen und Triterpenen finden sich hochwirksame Substanzen. Unklar ist der Wirkstoffgehalt und (bis auf Trametes versicolor, die ist auch klinisch untersucht und in Japan gibt es das daraus gewonnene Medikament „Krestin“) die Wirkung auf den Menschen, also jenseits der Studien in der Petrischale oder am Tier. Dasselbe gilt im wie oben beschrieben aber auch für die anerkannten traditionellen Pflanzenmedikamente.
Erfahrungsberichte und eine sachliche Diskussion können bei der Beurteilung der Wirksamkeit und auch der Nebenwirkungen bei der Anwendung von Heilpilzen helfen. Wir sollten sie hier ohne Schaum vorm Maul führen können. Immerhin ist die Debatte hier schon deutlich sachlicher als noch vor 2 Jahren.
Ja, auch bei den Heilpilzen muss mit Nebenwirkungen gerechnet werden. Insbesondere Menschen mit Vorerkrankungen sollten sich schlau machen, ob sich die Inhaltsstoffe bestimmter Pilzarten mir ihrer Erkrankung bzw. mit ihren Medikamenten vertragen. Beispiel: Wer blutgerinnende Medikamente einnimmt, sollte vorsichtig bei der Verwendung von Judasohren sein, u.s.w..
Meine Birkenporlings-Erfahrungen sind durchweg positiv, von den kulinarischen einmal abgesehen. Empirische Erfahrungen zu dem Pilz gehen zurück bis zu Ötzi. Nein ernsthaft, aus dem mir bekannten Personenkreis der diesen Pilz anwendet, wurden mir ausschließlich positive Effekte beschrieben.
Es gab einmal einen Bericht hier im Forum über Beschwerden nach Anwendung des BiPo. Das sollte man im Hinterkopf behalten, auch wenn es nur eine Einzelerfahrung war.
Ich verwende diesen Pilz seit mehreren Jahren bei Bedarf. BiPo und Schmetterlingstramete sind feste Bestandteile meiner Hausapotheke, so wie Salbei, Spitzwegerich und Rotöl. Zunderschwamm genieße ich ab und zu mit Honig als Tee, weil er mir gut schmeckt.
Selbstverständlich sollte bei ernsthaften Erkrankungen ein Arzt aufgesucht werden. Und wer therapiebegleitend Pilze zu sich nimmt, sollte das mit dem Arzt besprechen. Zur Stärkung der Immunabwehr und gegen mittelschwere Wehwehchen reichen mir selbst gesammelte pflanzliche und pilzliche Heilmittel, weil sie bei mir die gewünschte Wirkung erzielen und ich keine Nebenwirkungen verspüre. Selbst gesammelte deshalb, weil ich nur da sicher sein kann, was ich zu mir nehme. Die im Handel angebotenen Heilpilzpulver und Extrakte sind keine Medikamente und unterliegen damit keiner staatlichen Kontrolle. Es kann also sein, dass drin ist was drauf steht, muss aber nicht.
Ich folge bei der Anwendung von Heilpilzen den Empfehlungen von Hippokrates „Wer heilt hat Recht“ und ich berücksichtige Paracelsus „Die Dosis macht das Gift“. Und damit fahre ich gut.
