Welcher Gelbfuß, wahrscheinlich Gomphibius oregonensis

Es gibt 29 Antworten in diesem Thema, welches 1.316 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Peter W..

  • Hallo,


    ich habe heute bei einer Runde diese Schmierlinge gefunden. Begleitbäume waren Douglasie und Fichte. Für das Kuhmaul ist mir die Hutfarbe zu grau. Die gelbe Stielbasis fängt nach ca. 10 Minuten an zu blauen was beim dem ja auch nicht vorkommen soll. Vergesellschaftet sind die mit Suillus caerulescens, teilweise sogar an der Stielbasis fast zusammengewachsen.


    Verfärbung direkt nach Anschnitt



    nach zehn Minuten



    jetzt, ca 2 Stunden später




    Ich komme da nicht weiter. Gibt es vielleicht eine amerikanische Art von der ich nichts weiß?


    Für sachdienliche Hinweise wäre ich sehr dankbar.


    VG Jörg

  • Hallo Jörg


    Es gibt tatsächlich einen Gelbfuss, der auf Suillus caerulescens parasitiert und recht ähnlich aussieht:

    Gomphidius oregonensis


    Das wäre allerdings der erste Nachweis für Europa, abgesehen von einer Umwelt-DNA aus dem Meer vor der Küste von England...


    LG Raphael

  • Moin,


    Interessant! Meine erste Reaktion war "Warum Gelbfüße? Nur weil der Fuss gelb ist?"

    Du hattest das Ding ja in der Hand und kannst es sicher besser beurteilen, aber rein optisch vom Bild her (Hut, Lamellenfarbe, -ansatz usw) hätte ich ihn nicht in diese Gattung gepackt.

    Wenn man sich dann aber den G.oregonensis anschaut .. das könnt tatsächlich passen. Coole Sache Parker.


    Und das zeigt mal wieder "Der Mensch denkt mit dem was er weiss". Ich muss mir echt angewöhnen, mehr nach rechts und links zu schauen.

    Etwaige Bestimmungen meinerseits sind mit keiner "Verzehrfreigabe" verbunden. Bitte sucht hierfür einen Sachverständigen auf, der sich die Pilze vor Ort genau ansehen und sie hinsichtlich Verzehr viel besser bestimmen bzw. ihren Zustand bewerten kann.


    100-10(APR2024)+3(APR2024)=93

  • Hallo Jörg,


    Hast Du mit Gomphidius maculatus abgeglichen ? Der käme optisch schon hin, wobei er natürlich bei den Lärchenröhrlingen wächst. Aber warum nicht mal nen Ausflug machen ? Vielleicht stehen Lärchen in der Nähe ? Nebst zugehöriger Lärchenröhrlinge ?

    VG Corne

  • ... das wäre jetzt auch mein Vorschlag gewesen.

    Gut möglich, dass G. oregonensis mit der Douglasie importiert wurde, und bisher einfach nicht erkannt wurde.

  • Hallo Jörg,


    Glückwunsch zu diesem Fund.


    Ich bin mal gespannt, was das ist.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Hallo Raphael,


    der passt wie die Faust aufs Auge :daumen: . Genau so sehen die Teile aus.

    Das wäre allerdings der erste Nachweis für Europa

    Suillus caerulescens wächst in Europa auch nur bei uns in Chemnitz. Das wäre also nicht überraschend.


    Corne


    Den kann ich ausschließen da dort nirgends eine Lärche steht.


    VG Jörg

  • Suillus caerulescens und Suillus lakei nebst Gomphibius glutinosum und Gomphibius oregonensis

    Na, das ist doch was! Und das alles aufs Innigste mit einander verbandelt. In Kalifornien und Chemnitz. :daumen:

  • Hallo,


    Clavaria


    besten Dank noch einmal für deine schnelle und tolle Recherche.

    Suillus caerulescens und Suillus lakei nebst Gomphibius glutinosum und Gomphibius oregonensis

    Na, das ist doch was! Und das alles aufs Innigste mit einander verbandelt. In Kalifornien und Chemnitz.

    Es gibt sie also doch noch, die deutsch amerikanische Freundschaft ;) .


    VG Jörg

  • Hannes2

    Hat den Titel des Themas von „Welcher Gelbfuß?“ zu „Welcher Gelbfuß, wahrscheinlich Gomphibius oregonensis“ geändert.
  • Hallo Jörg

    Genial. Nur der Titel sollte noch kurz korrigiert werden 😉. LG Andy

  • Hallo Jörg,


    Gratulation zu diesen tollen Fund. Ich freu mich für Dich.

    Liebe Grüße vom


    Bläuling


    Meine Bestimmungsversuche sind KEINE Verzehrfreigaben



    Schipse: 100-10 Startgebühr für APR 2024= 90 + 2 = 92

    Schipse: 92-10 Startgebühr für APR 2025 = 82

  • Hallo,

    Nur der Titel sollte noch kurz korrigiert werden

    abgesichert ist das ja noch nicht. Damit bleibt es bei der Frage. Hier sind noch zwei Fotos vom Vorjahr wo ich auch schon an meiner Bestimmung "Kuhmaul" etwas gezweifelt habe aber da waren die Teile ein wenig dunkler.



    VG Jörg

  • Hallo Jörg,


    Hast Du mit Gomphidius maculatus abgeglichen ? Der käme optisch schon hin, wobei er natürlich bei den Lärchenröhrlingen wächst. Aber warum nicht mal nen Ausflug machen ? Vielleicht stehen Lärchen in der Nähe ? Nebst zugehöriger Lärchenröhrlinge ?

    VG Corne

    Lieber Corne, G. maculatus ist ein relativ schmächtiger Pilz und ist auch nicht so gelb im Fuß.

    Gruß Peter

  • Hallo,


    es ist zwar nur eine Idee aber ist es möglich das Gomphidius glutinosus, der nur am Standort wo S. lakei und S. caerulescens gemeinsam vorkommen, auf S. lakei parasitiert und G. oregonensis nur auf S. caerulescens? Eine andere, die mir Peter W. mitgeteilt hat ist die dass die Blaufärbung an der Basis von G. oregonensis von S. caerulescens stammen könnte. Zumindest in dessen Beschreibung ist von solch einer nicht die Rede.


    VG Jörg

  • Hallo zusammen,

    Wiki schreibt, dass G. oregonensis mit unter 14 um die kürzesten Sporen der Gattung hat, G. glutinosus sollte mit 17um + deutlich größere Sporen haben. Den kriegt doch bestimmt wer unters Mikro.

    Viele Grüße

  • Liebe alle

    Das klingt ja sehr spannend, was sich da grad entwickelt. Danke für die guten Imputs allerseits und herzlichen Dank, Jörg, für die extrem bereichernde, nicht enden wollende Pilzführung gestern! Ich war da nämlich auch dabei, da ich grad in Chemnitz weilte:-))


    Hier noch ein paar meiner Fotos von dem ominösen Gelbfuss.


    Vielleicht auch noch interessant: Nach 10 min. hat das Stielfleisch leicht gerötet:


    Was für ein fulminanter Abschluss meiner kurzen Deutschlandreise!


    Liebe Grüsse aus dem Zug zurück in die Schweiz

    Andreas

  • Hallo Andreas,


    da hat sich Deine Reise gelohnt! g:-)


    Deine Bilder scheinen mir etwas einen Lilastich zu haben. Oder?


    Ich war nämlich gerade auch die ominösen Sachen knipsen. So lila sind die Hüte und das Fleisch nicht.


    Über 2.000 Aufnahmen haben meinen Kameras gemacht, die fertigen Bilder folgen später.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Hallo Steffen

    Zum Lilastich kann ich nicht viel sagen. Ist mir bisher nie aufgefallen. Ich bin aber auch kein derartiger Fotonerd wie du ;) Und meine Handykamera ist sehr durchschnittlich. Das Stielfleisch nach ca. 15 min. sah ich farblich definitiv näher an meinen Fotos als an Jörgs Foto. Drum habe ich hier extra auf die Rötung hingewiesen.

    LG Andreas

  • Hallo Andreas,


    bei mir auf dem Laptop ist auch ein leichter Lilastich bei deinen Bildern zu sehen. Danke dass Du auf das leichte Röten im Stielfleisch aufmerksam gemacht hast. Das hatte ich oben vergessen zu erwähnen.


    VG Jörg

  • Steffen, das war ja nicht anders zu erwarten!

    Hast extra deine Roboterkameras mitgenommen

    damit auch die angepeilten 2.000 Aufnahmen bei dieser kurzen Stippvisite

    in die Kästen (Kameras) kommen.

    Bist knapp an einer gelben Karte vorbei geschrammt :!:

  • Steffen, das war ja nicht anders zu erwarten!

    Hast extra deine Roboterkameras mitgenommen

    damit auch die angepeilten 2.000 Aufnahmen bei dieser kurzen Stippvisite

    in die Kästen (Kameras) kommen.

    Bist knapp an einer gelben Karte vorbei geschrammt :!:


    Die vielen Bilder kommen durch das Stacking zustande. Ich war immerhin über eine Stunde lang am knipsen.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Eine andere (Hypothese), die mir Peter W. mitgeteilt hat ist die dass die Blaufärbung an der Basis von G. oregonensis von S. caerulescens stammen könnte. Zumindest in dessen Beschreibung ist von solch einer nicht die Rede.

    Das ist wirklich interessant. Ich hab das Netz nun auch nach Beschreibungen von G. oregonensis durchsucht. Tasächlich ist in keiner der wenigen auffindbaren Beschreibungen vom Blauen die Rede. Ich hab ebenfalls die über 3000 Bilder auf iNaturlist überflogen (dank der beträchtlichen Reiseverlängerung durch die Deutschen Bahn). Meine Schlüsse daraus:

    Erstens: Es gibt nur ca. 10 Schnittbilder zu sehen. Da blaut nichts. Aber vermutlich wurden sie nicht erst 15 min. nach dem Schnitt aufgenommen... Zweitens: Es gibt jedoch etwa zehn Bilder, auf denen der Pilz mehr oder weniger deutlich blaut am Stiel! Das krasseste ist dieses: https://www.inaturalist.org/observations/190116235.

    Viele dieser blauen Meldungen haben "Forschungsqualität" auf iNatutalist, wurden also mehrfach als G. oregonensis identifiziert. Ich ziehe daraus den Schluss, dass der Pilz wohl blauen kann. Dass er es aber relativ selten tut, könnte tatsächlich damit zusammenhängen, dass das Blauen vom parasitierten S. caerulescens herrührt. Man könnte mal schauen, ob jene Fruchtkörper, welche direkt an denen von S. caerulescens wachsen, eher blauen, als jene die solitär rumstehen. Ihr könnt meine Hypothese gern demontieren, falls ihr das für biologisch unlogisch ist:-)


    LG Andreas