Beiträge von Schrumz

    Hallo,

    Mikromerkmale passen alle wunderbar und beim eintrocknen hat sich die Stielbasis bläulich verfärbt, was in dem Habitat nur medullosa macht. Die Art sieht makroskopisch gewaltig wie eine Galerina aus (wurde auch als solche beschrieben), aber das Purpurbraune statt rostbraune Sporenpulver und die gelatinöse Huthaut (Fruchtkörper war schon etwas trocken aber man kann sie hier noch zumindest erahnen) weisen hier in die richtige Richtung.

    Habitus und bogig aufsteigend angewachsene Lamellen sind ganz gute Trennmerkmale von Deconica (ex Psilocybe). Es steht etwas in der Debatte ob Psilocybe medullosa eine eigenständige Art ist, oder ob sie mit der nordamerikanischen Art Psilocybe sylvatica identisch ist aber aktuell werden sie noch getrennt gehandelt. Vielleicht würde ich noch ein Stückchen zum Sequenzieren schicken aber ich mach mir da ehrlich gesagt ein Bisschen Sorgen um rechtliche Folgen, kennt sich da wer aus mit?

    Viele Grüße

    Hallo,

    falls es wen interessiert, hier hat sich Psilocybe medullosa bestätigt. Saurer Boden scheint für die Art nicht notwendig zu sein, das war auf Kalk. Das Habitat passt sonst wie die Faust aufs Auge (Nadelwald mit viel Totholz, feucht, kühl, etwas höher gelegen). Vielleicht ist die Art etwas häufiger, als die nur 3 Datensätze, die auf Pilze Deutschlands eingetragen sind.

    Viele Grüße

    Hallo zusammen,

    aufgrund von Abwesenheit von fast allem anderen hab ich mir die dann doch auch mal angeschaut. Fundort war im Moos bei sehr vielen verrottenden Zweigen von Weißtanne und Fichte, zusammen mit vielen Mycena, Galerina, Gymnopilus usw. Stiel lang, stark biegend, silbrig grau überfasert, Stielspitze deutlich bereift.

    Hut karamellbraun, mit gelatinöser Huthaut, stark gerieft und hygrophan.

    Sporenpulver purpurbraun

    Sporen ellipsoid, 8-10 um lang, mit Keimporus.

    Cheilocystidien häufig an der Lamellenschneide (Bild war nicht hübsch, muss ich ein neues Präparat anfertigen.


    Noch ein etwas später gestelltes Bild

    Und Vergleichsbilder mit Galerina cf. marginata aus dem gleichen Habitat.

    Ich komme hier recht schnell bei Psilocybe medullosa/sylvatica, dem Wald-Kahlkopf raus, der wohl eine gar nicht so häufige Art sein soll. Hat jemand Erfahrung mit dem?

    Viele Grüße

    Ja, Kiefern- und Fichtenbegleiter stehen bei uns unterdurchschnittlich da, aber es gibt zumindest ein Bisschen was. Ganze Abschnitte Buchen- und Tannenwald hatten dagegen dieses Jahr bis auf einen einwöchigen Röhrlings- und Täublingsschub im September nicht einen einzigen Mykorrhizapilz. Im Herbst Schleierlinge, Schnecklinge, Ritterlinge und Craterellen allesamt 0. Es ist wirklich krass, denn erstens hatten wir im Oktober einiges an Regen und zweitens haben diese Arten bis jetzt in schlechten Jahren eben einfach weniger Fruchtkörper produziert und sind nicht allesamt völlig ausgeblieben. Auch bei den Saftlingen wäre katastrophal echt noch eine Untertreibung.

    Viele Grüße

    Hallo zusammen,

    im Nadelwald gibts immer noch wenige Cortinarien aber ein paar schöne kann ich zeigen.

    1. Immer noch imposant frisch kommt C. pseudoglaucopus. Diesmal auch schön typisch, mit allem drum und dran (violettes Velum, Aschenbechergeruch, olivbraune Hutfarbe. Eine tolle Art, die extremst standorttreu ist und oft in großen Gruppen fruchtet

    2. C. fulminoides gibt sich sehr spät auch noch die Ehre, die kommen gerade erst ganz frisch

    3. C. terpsichores war zwar schon da, aber auch die haben gerade ihren Hauptschub

    4. Und C. caesiocanescens war in direkter Nachbarschaft auch zu sehen

    5. C. infractus gibts wie immer häufig

    6. Und heute gabs dann mit C. melanotus, vorbildlich nach Petersilie riechend, sogar noch einen Erstfund

    Ein Bisschen Beifang noch dazu.

    7. Fliegenpilze, recht häufig


    8. Kuhmäuler, unglaublich häufig

    9. Otidea sp.

    10. Tricholomopsis decora

    11. Stockschwämmchen, ganz frisch

    12. Noch ein Erstfund, der Marzipanfälbling

    13. Überraschend viele frische Maronen

    14. Nochmal frische Netzhexen

    15. Gelbmilchende Helmlinge

    16. Gifthäublinge

    17. Und noch ganz witzig, Suillus collinitus in einem Vorgarten bei Birke, komplett ohne Kiefer

    Naja, trotzdem immer noch sehr verhalten. Im Buchenwald weiterhin, wie schon den ganzen Oktober ohne jegliche Übertreibung nicht ein einziger Mykorrhizapilz. Das kann nächstes Jahr nur noch besser werden.

    Viele Grüße

    Nachdem jetzt im Oktober eigentlich ganz gut Niederschlag fiel und wir mit 700l Jahresniederschlag auch nicht mehr ganz so übel dastehen ein kurzer Lagebericht:

    es sieht echt besch... aus. In meinen Nadelwäldern ist es so übel, dass ich neu definieren muss, was eine gute und schlechte Pilzsaison ist; dann hatte ich jetzt nämlich 6 gute in Serie und eine miserable dieses Jahr. Ganze Abschnitte sind völlig leer, Arten die bis jetzt ausgeblieben sind aufzulisten würde ewig dauern. Ein paar Beispiele trotzdem:

    Cortinarius odorifer völlig abwesend

    Cortinarius atrovirens völlig abwesend

    Cortinarius glaucopus völlig abwesend

    Lactarius intermedius völlig abwesend

    Lactarius albocarneus völlig abwesend

    Hygrophorus abieticola völlig abwesend

    Hygrophorus capreolarius völlig abwesend

    Trompetenpfiffis wenns hochkommt 1/100 selbst unterdurchschnittlicher Jahre (von 2020-2025, seit ich sammle)

    Und das sind jetzt nur Arten die bei mir regelmäßig bis sehr häufig sind und die ich jedes Jahr seit 2020 oder 2021 an an mehreren Stellen hatte. Es fällt auch auf, dass da einige Tannenbegleiter dabei sind, ob das Bedeutung hat? Außerdem sind ganze Waldstücke wirklich komplett leer, auch solche, die wirklich jedes einzelne Jahr seit 2020 um diese Zeit voller Pilze waren.

    Ach ja und im Laubwald? Ists noch viel schlimmer. In einigen meiner Laubwälder habe ich seit Ende September nicht einen einzigen Mykorrhizapilz gesehen, nicht mal den gammligsten Täubling oder Rotfuß (und auch davor war dort nicht viel los). Ich hab dieses Jahr noch nicht einen einzigen Schleierling oder Schneckling bei Laubbäumen gesehen. Wenn sich nicht noch ordentlich was tut, lässt dieses Jahr alle anderen Jahre seit ich sammle wie herausragende Pilzjahre aussehen.

    Viele Grüße

    Den Ritterling (Nr.9) kannst Du mal mit Tricholoma vaccinum, em Bärtigen Ritterling vergleichen. Der Name ist selbsterklärend 😉

    Danke,

    da sieht man mal was für Schwächen ich in manchen Gattungen habe, für mich war der Birkenbegleiter :haue:

    Dass meine Laubwälder völlig unzuverlässig sind bin ich ja gewohnt aber die Nadelwälder sind eigentlich das Gegenteil...

    Viele Grüße

    Hallo zusammen,

    mit aufziehendem Nebel und endlich Feuchtigkeit in den Wäldern kommen die Schleimer doch noch. Eine Sache, die mir aber heute aufgefallen ist: Während die Fichtenbegleiter eigentlich ganz gut dastehen, vermisse ich fast sämtliche Tannenbegleiter, die hier sonst eigentlich häufig sind. Mehrere Tannen begleitende Schnecklinge und Schleierlinge, sowie auch Lachsreizker, Lactarius albocarneus und Lactarius intermedius fehlen noch praktisch komplett. Oft kommen die bei mir tatsächlich auch später als die Fichtenbegleiter aber langsam wirds spät im Jahr.

    1. Das mit wirklich abstrusem Abstand häufigste Phlegmacium ist der Ziegelgelbe Schleimkopf. Ich habe keine Ahnung wie die das anstellen, wenn so gut wie alle anderen Phlegmacien ein schlechtes Jahr haben, wirklich absolut überall in diesen Mengen rumzustehen. Die kommen seit 3 Wochen völlig ununterbrochen frisch, mit prächtigen Exemplaren.

    2. An den produktivsten Standorten des Ziegelgelben gesellt sich mit Glück der Goldstaubklumpfuß, Cortinarius aureopulverulentus dazu. Eine schöne Art mit sehr eigentümlicher Hutfarbe, goldgelbem Velum und toller KOH Reaktion

    3. Noch seltener kommt dann noch Cortinarius pseudoglaucopus, der Violettgrüne Klumpfuß (völlig unpassender Name) dazu. Diese immerhin als RL1 gelistete Art scheint in "meinem" Wald ein nettes Refugium gefunden zu haben, ich konnte dort schon etwa 10 Myzelien feststellen.

    3b Die Art präsentiert sich bei mir gern sehr gelb aber da es mit C. anaunianus noch eine Schwesterart bei Weißtanne gibt, muss ich vielleicht doch noch einen zur Sequenz schicken. Die Literatur berichtet nämlich weder von stark gelben Hutfarben, noch von der eigentümlich orangen KOH Reaktion

    4. So jung eine sehr schicke Art ist Cortinarius terpsichores, der Pracht-Klumpfuß, der seinem deutschen Namen tatsächlich mal gerecht wird

    5. Und recht nah verwandt aber leider nicht so prächtig ist ein kräftiger Fichtenbegleiter, der auf den Namen Cortinarius caesiocanescens hört

    6. Eine.tolle Art, die in diesen Wäldern erfreulicherweise recht häufig ist und die Nase rettet, nachdem mans mal wieder nicht lassen konnte, an einem Schwefelritterling zu schnüffeln: Der Marzipanschneckling, Hygrophorus agathosmus

    7. Und noch ein weiterer Nadelwaldschneckling, jung mit schicker, sattbrauner Hutfarbe, Hygrophorus discoideus

    8. Direkt am Bach dann doch noch ein Tannenbegleiter, Hygrophorus abieticola, der Terpentinschneckling

    9. Diesen Ritterling gabs heute bei Fichte häufig, da weiß ich nicht ganz wo hin damit, falls wer Ideen hat:

    10. Und dann gabs noch ein Bisschen Beifang unkommentiert. Tatsächlich noch gar nicht so wenige frische Steinpilze

    11. Maronen

    12. Fliegenpilze

    In Gelb:

    13. Ein paar wenige Trompetenpfiffis

    14. Immer noch fahle Röhrlinge, die ein extrem gutes Jahr haben

    15. Collybia personata

    16. Einige junge Parasole

    17. Pholiota sect. Adiposae

    18. Ein Speier

    19. Eine schicke Thelephora

    20. Macrolepiota mastoidea, seinem Namen alle Ehre machend

    21. Überraschend viele Orangebecherlinge

    22. Und zum Abschluss noch 2 Killer. Galerina sect. Naucoriopsis, einer der Gifthäublinge

    23. Und noch einen grünen Knolli, der bei mir dieses Jahr weit hinter seinem gelben Bruder zurückbleibt.

    Wenn jetzt noch meine Tannenbegleiter kommen geh ich versöhnlich aus der Pilzsaison, sonst war sie wirklich übel unterm Strich.

    Viele Grüße

    Cortinarius bei euch auch so schlimm? Ich komme immerhin auf 7 Phlegmacien (varius, infractus, aureopulverulentus, pseudoglaucopus, terpsichores, caesiocanescens und foetens) aber praktisch alles bei Tanne fehlt bei mir (noch? :ganbeten: ) komplett, außerdem odorifer der bei mir eigentlich der häufigste Calonarius/Calochroi ist. Ich hege aber tatsächlich Hoffnungen, dass die noch kommen.

    Viele Grüße

    Hallo,

    ist hart für mich, ständig hin und her zu wechseln; auf manchen internationalen Seiten kommt nicht so super an wenn man zu allem Cortinarius sagt, hier ist es andersrum :haue:. Mykollege_Günter ich verstehe allerdings nicht ganz, warum man die Gattung überhaupt nicht aufspalten sollte. Ich finde die neuen Gattungskonzepte bringen Übersicht (und erleichtern mir das Lernen). Eventuell waren Liimatainen et al. etwas voreilig (was ja auch der Hauptpunkt der revidierenden Studie ist; nicht dass die Aufteilung grundsätzlich keinen Sinn ergibt) aber gerade Phlegmacium gab es ja schon mal als Gattungskonzept und morphologisch und phylogenetisch ergeben zumindest manche der Gattungskonzepte (gerade Phlegmacium und Calonarius) meiner Meinung nach durchaus Sinn. Dagegen kann an einigen Konzepten wie Subgenus Leprocybe wie es oft benutzt wird phylogenetisch nicht unbedingt festgehalten werden. Zum Beispiel mit Thaxterogaster als Gattungskonzept tu ich mir allerdings auch noch schwer.

    Viele Grüße

    Ja Calonarius sodagnitus ist, obwohl natürlich trotzdem ein toller Fund, eine der eher häufigeren Phlegmacien in Kalkbuchenwäldern und in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern an geeigneten Stellen durchaus auch kartiert.

    Viele Grüße

    Hallo,

    nimms bitte nicht persönlich aber so wird Phlegmacienbestimmung schwierig, wenn nicht mal ein Bild der Hutoberfläche dabei ist. Ich halte hier Calonarius sodagnitus für wahrscheinlich; eine der Arten die bei den Phlegmacien eigentlich sehr leicht zu bestimmen ist. Wichtig sind hier die lila Wasserflecken am Hut und die knallrosa KOH Reaktion, beides Merkmale, die man hier nicht sieht.

    Wenns dann an die schwierigeren Arten geht kommst du so praktisch nirgends hin.

    Viele Grüße