Stämme auf den Boden schlagen. Wissenschaft oder Blödsinn?

Es gibt 13 Antworten in diesem Thema, welches 689 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Thorwulf.

  • Ich bin neulich über diesen


    rbb Gartenzeit - Ab in die Pilze - suchen, sammeln, selbst anbauen - hier anschauen
    Herbstzeit ist Pilzzeit. Durch die Wälder streifen, mit Korb und Messer bewaffnet immer tiefer hineinlaufen, mit scharfem Blick den Waldboden scannen. Und dann…
    www.ardmediathek.de


    Beitrag im Fernsehen gestolpert.


    Bei etwas 17:40 wird behauptet, das es zu einem besseren Waschstum von auf Holz wachsenden Zuchtpilzen (im Beispiel war es Austernseitling) führen würde, wenn man die Stämme nach dem beimpfen nochmal kräftig auf den Boden schlagen würde. Angeblich würde das das Fallen eines Baumes imitieren und der interwievte Herr hätte das auch bereits ausführlich ausgetestet. Irgendwelche Daten über diesen "Versuch" bleibt man uns natürlich schuldig.


    Ich musste da schon ein wenig schmunzeln, lasse mich ab er natürlich auch gerne von neuen Erkenntnissen überzeugen.


    Hat das schon mal jemand von euch gehört oder vielleicht sogar selber ausprobiert und wenn ja mit welchem Ergebnis oder was haltet ihr allgeimein von dieser etwas steilen These?

  • Hallo,


    bei der traditionellen Zucht von Shiitake gibts die Methode "Soak and Strike". Abwechselnd wird das beimpfte Holz gewässert und "geschlagen" (erschüttert). Im obigen Bericht macht das der Züchter aber mit Austernseitlingen. Keine Ahnung obs da einen Effekt gibt.

  • Bei etwas 17:40 wird behauptet, das es zu einem besseren Waschstum von auf Holz wachsenden Zuchtpilzen (im Beispiel war es Austernseitling) führen würde, wenn man die Stämme nach dem beimpfen nochmal kräftig auf den Boden schlagen würde. Angeblich würde das das Fallen eines Baumes imitieren und der interwievte Herr hätte das auch bereits ausführlich ausgetestet. Irgendwelche Daten über diesen "Versuch" bleibt man uns natürlich schuldig.


    Ich musste da schon ein wenig schmunzeln, lasse mich ab er natürlich auch gerne von neuen Erkenntnissen überzeugen.


    Hallo Apokalypter (Namen habt ihr...),


    schmunzeln darfst du.


    Das Aufschlagen von mit Shiitake beimpften Baumstämmen habe ich selbst miterlebt. Es hat seinen Sinn. Wir haben für eine Pilzausstellung die Stämme ca. zwei Wochen vorher kräftig auf dem Boden aufgeschlagen. Daraufhin haben die Hölzer wunschgemäß Fruchtkörper produziert.


    Die genauen biologischen Zusammenhänge kann ich dir nicht erklären, aber der Reiz funktioniert.


    Gruß

    Peter

  • Moin, das Schlagen mit einem Holz auf das Substrat war auch der Tipp, den mir eine professionelle Pilzzüchterin mit einem Block Igelstachelbart mit auf den Weg gegeben hat. Auch Erschütterungen im Allgemeinen scheinen das Wachstum anzuregen. Es scheint also zu funktionieren, auch wenn wir noch nicht die Erklärung haben, warum.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

  • Eine Erklärung könnte sein, dass das zarte Mycel im Substrat durch diese heftigen Erschüttungen beschädigt wird, zerissen, und dadurch dann eine "Notfruktifikation" ausgelöst wird.

  • Hallo,


    wie schon beschrieben, funktioniert die Methode tatsächlich und ist kein Aberglaube.


    In Japan werden Shiitake-Kulturen auch mit Elektroschocks zum Fruchten gebracht. Das "Abblitzen" ist in Zuchtbetrieben mittlerweile weit verbreitet.


    Generell scheint alles zu funktionieren, was das Myzel ein wenig "ärgert", aber nicht zerstört. Schneidet man zum Beispiel in der Pilzzucht einen Substratbeutel ein und kratzt ein wenig auf dem Myzel herum, führt das zu besserer Fruchtkörperbildung.

    so etwas finde ich ja total spannend! Und da gibt es wirklich weltweit keine Untersuchungen? Wie schade und für mich eigentlich irgendwie unverständlich!

    Die Japaner haben dazu schon Forschung betrieben. Ich habe mal was rausgesucht:

    LG Suillus

  • Liebe Maria,


    diese Technik "soak and strike" ist bei der Zucht von Shiitake schon lange bekannt. Es gibt auch eine Publikation, die ich vor ein paar Jahren gelesen hatte:


    Annepu Sudheer Kumar, Sharma VP, Kumar Satish & Barh Anupam

    (2019). Cultivation Techniques of Shiitake (A Medicinal Mushroom with Culinary

    Delight), ICAR-Directorate of Mushroom Research, Chambaghat, Solan- 173213 (HP),

    Technical Bulletin


    Hier mal aus dem Kapitel: Geschichte des Shiitake-Anbaus (mit Google-Translagte übersetzt):


    "Der Anbau des Shiitake-Pilzes blickt auf eine faszinierende Geschichte zurück. Während der Song-Dynastie (1100 n. Chr.) in China entdeckte eine berühmte Persönlichkeit namens Wu San Kang Shiitake-Pilze, die auf umgefallenen Totholzstämmen wuchsen (Luo, 2004). Als ersten Meilenstein im Shiitake-Anbau initiierte Wu San Kang die Kultivierung dieser natürlich vorkommenden Wildpilze auf gefällten Laubholzstämmen – ein Verfahren, das heute als „Hatchet-notching“-Technik (Einkerben mit dem Beil) bekannt ist. Er beobachtete, dass die auf den bearbeiteten Stämmen wachsenden Pilze von besserer Qualität waren. Dennoch blieben die Pilze zu bestimmten Zeiten trotz seiner Schnittmaßnahmen aus. Eines Tages schlug er voller Frustration heftig auf die Stämme ein. Überraschenderweise begannen die Pilze nach einigen Tagen üppig zu wachsen. Dies gilt als Ursprung der sogenannten „Schockmethode“ – dem Einkerben und Schlagen natürlicher Holzstämme – im Shiitake-Anbau. Später vermittelten chinesische Erzeuger diese Anbaumethode an japanische Landwirte; von dort aus verbreitete sie sich in weitere asiatische Länder."


    bei Interesse kann ichs Dir zusenden

    Grüßle

    Jürgen


    p.s. Wenn man dem dem Titel googelt kommt man auf Reasearch-Gate, da kann man die Publikation auch runterladen

    p.p.s. Wer sich für die heilende Wirkung der Substanzen im Shiitake interessiert, für den ist die Publikation auch sehr wichtig!

  • Danke. Das ist ja echt interessant. Wenn das wirklich so gut funktioniert, wundert es mich aber, das man kaum etwas zu diesem Verfahren zu hören scheint.

    Hm, das liest man jedoch, wenn es um Pilzzucht geht, häufiger. Das „Aufschlagen“ kenne ich auch.

  • Hallo Steffen,

    Das „Aufschlagen“ kenne ich auch.

    für eine erfolgreiche Pilzzucht ja auch ein rundheraus durchschlagendes Argument. g:D


    Sorry, couldn't resist... ==Prust

    LG

    -Marcel.