Auskünfte eines PSV

Es gibt 37 Antworten in diesem Thema, welches 1.512 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von huehnchen69.

  • Hi,


    man muss die Frage mit gesundem Menschenverstand angehen. Bei Vergiftungsanfragen z.B. reicht es aus tödlich und stark giftige Arten mit den Bildern sicher auszuschließen, zu bestätigen. Wenn man den Pilz auf dem Bild sicher erkennt, dann reicht das auch. Dann muss man nicht die Fruchtkörper selbst in Augenschein nehmen.

    Auch Pilzberatungen per WA bzw. per Bild oder Telefon sind ok, so lange man keine Verzehrsfreigaben gibt.


    F2-Kurse sind gut und schön. Ob man da als Teilnehmer aber so viel lernt? Meiner Meinung nach lernt man am besten auf Exkursionen mit erfahrenen Leuten oder auf Tagungen. Zumindest ich war sehr dankbar, dass in meiner Anfängerzeit als Mykologe (PSV war ich da schon) mir einige Mitglieder der Fachgruppe Mykologie Dresden viele Pilze gezeigt haben.


    Als frisch gebackener PSV kann man meist nur die üblichen Speise- und Giftpilze. Ich musste damals viele Holzsaprophyten lernen wie z.B. die Schichtpilze.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Servus "CSlupina"


    Der Ausgang der Prüfung hängt nämlich nicht maßgeblich davon ab. Eher von der Tageslaune der Prüfer!

    Dem möchte ich dann dochdeutlich widersprechen. Ich war früher selbst PSV-Ausbilder/Prüfer für die DGfM (jetzt für die BMG). Und schon damals lag das Bestehen oder Nichtbestehen sicher nicht an der Tageslaune der Prüfer. Es geht primär um dein Wissen. Kennst du genügend gängige Speise- und Giftpilze? Wir sicher bist du in der Gattungsansprache. Dein Wissensstand ist es, der entscheidet.


    Natürlich kann man Glück oder Pech bei der Artenauswahl in der Prüfung haben. Aber das ist Zufall, keine Laune von Prüfern.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Es geht primär um dein Wissen. Kennst du genügend gängige Speise- und Giftpilze? Wir sicher bist du in der Gattungsansprache. Dein Wissensstand ist es, der entscheidet.

    Wenn ich mal ein kleines bisschen aus dem Nähkästchen plaudern darf:


    Sekundär(oder noch weiter hinten im Rang) darf man auch nicht zu viel rumlabern bei der Prüfungs-Korbkontrolle - selbst wenn das, was man sagt, faktisch richtig ist. Zumindest nicht so, dass es den Ratsuchenden eher Vertrauen nimmt als bringt.


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • 100% Sicherheit? Wer das von sich glaubt, hat in meinen Augen schon an Vertrauen eingebüßt, weil er an Hybris leidet.


    Es geht doch immer um Riskomanagement und das ist ein Spiel mit Prozenten, mit Eintrittswahrscheinlichkeit, mit Folgenabschätzung, mit Vermeidbarkeitsmöglichkeit.
    Am Ende kommt aber immer ein Restrisko raus, das beim Pilzsachverständigen mit hoher Wahrscheinlichkeit geringer ist als beim Laien.

  • 100% Sicherheit? Wer das von sich glaubt, hat in meinen Augen schon an Vertrauen eingebüßt, weil er an Hybris leidet.

    Es gibt doch einige Arten die man mit 100% Sicherheit als essbar bestimmen kann. Reizker, Pfifferlinge, Herbsttrompeten, Steinpilze, Maronen, um nur mal ein paar zu nennen ... Wo gibt es da makroskopisch Zweifel?

  • 100% Sicherheit? Wer das von sich glaubt, hat in meinen Augen schon an Vertrauen eingebüßt, weil er an Hybris leidet.

    Tja, habe ich dann wohl.


    Es geht bei der PSV-Funktion mE nicht darum, einer ratsuchenden Person zu garantieren, dass sie den/die vorgelegten Pilze mit Sicherheit vertragen wird. Denn das geht wirklich nicht - es gibt Allergien und Unverträglichkeiten, das Chitin ist sowieso ein Problem, besonders bei zu viel, man steckt nicht drin, wie die Person die Pilze zubereitet (z. B. wie lange sie die noch im Kühlschrank lagert), mitunter gibt es neue Erkenntnisse zu Arten, die bislang als unverdächtig galten, usw.


    Sondern es geht darum, der ratsuchenden Person, die mir Pilze live vorlegt, mit 100 %iger Sicherheit sagen zu können, dass Pilze A, B und C derzeit als Speisepilze gelten, dass sie in gutem Zustand für den Verzehr sind, und auf Randbedingungen hinzuweisen (bis wann verzehren, wie lange erhitzen, usw.).


    Ja, das kann ich.


    Wenn ein Pilz dabei ist, bei dem ich mir bei Art oder Zustand unsicher bin, kommt der nicht zu den Speisepilzen.


    Selbst wenn es vielleicht ein schöner Speisepilz wäre - wie sagte hier im Forum mal jemand so schön: "Es ist noch niemand an Unterpilzung gestorben".


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Es ist eine prinzipielle Frage.
    Was falsch gemacht werden kann wird irgendwann mal falsch gemacht werden.

    Schlau ist man immer erst hinterher und das ist allgemeine Lebenserfahrung.


    Man kann vielleicht sogar in manchen Fällen sicher entscheiden, aber am Tisch sitzt kein "man" sondern ein konkreter Pilzsachverständiger und diese Person ist prinzipiell fehlerbehaftet.


    Im übrigen ist das Wissen über unsere Welt immer Wandlungen unterworfen und was heute noch als 100% sicher gilt, kann morgen schon nicht mehr so sein und in 100 Jahren wird es fast sicher anders betrachtet
    Darf man da also heute ganz sicher sein? Ich denke nicht.

  • Mir geht’s da wie Sabine.


    Als Pilzsachverständige kenne ich meine Grenzen. Aber einen Perlpilz, den ich nicht hundertprozentige als solchen erkenne, gebe ich eben nicht frei. Das gilt für alle Pilze, die mir vorgelegt werden.

    Wenn ich einen Pilz nicht kenne, gebe ich ihn sowieso nicht frei, logisch. Und da ich nur wenige hundert Arten kenne sind mir die meisten der 16 oder 20.000 Pilze unbekannt, das ist bedauerlich, aber nicht zu ändern.

    Ich denke, PSV sollten die DGfM-Listen der Speise-, und Giftpilze kennen und sich bei der Freigabe wirklich völlig sicher sein.

    Hellsehen kann niemand. Ob Pilze, die heute als Speisepilze gelten, sich in ein paar Jahren als Giftpilz erweisen, wie z.B der Grünling kann ich nicht vorhersehen. Aber da ich mich auf dem laufenden halte und sowieso alle 4 Jahre zu einer Fortbildung verpflichtet bin, werde ich aktuelle Entwicklungen sicher zeitnah mitbekommen.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

  • Die gleiche Überlegung mit dem F2-Kurs hatte ich auch.


    Der Ausgang der Prüfung hängt nämlich nicht maßgeblich davon ab. Eher von der Tageslaune der Prüfer!

    Hallo CSlupina,

    der "Tageslaune" würde ich auch widersprechen.


    Tatsächlich sind die Prüfungstermine knapp, und die Prüfer vergeben sie zuerst an ihre F2-Kursteilnehmer. Das mag von außen gesehen ärgerlich sein, aber aus Sicht der freiberuflich arbeitenden Anbieter ist das völlig legitim.


    Nebenbei sieht man im Kurs die regional und saisonal typischen Pilze, und das kann einem über die Prüfung helfen. Ich habe in meinem F2-Kurs damals im Schwarzwald bei Walter Pätzold auch nicht viel gelernt, außer die Rauhköpfe (rubellus, orellanus) mal im Original zu sehen. Gibt es bei mir halt nicht.


    Daher meine Empfehlung: mach den Kurs mit und nimm es als eine Woche netzwerken mit Gleichgesinnten.


    Grüße,



    Wolfgang

  • 100% Sicherheit? Wer das von sich glaubt, hat in meinen Augen schon an Vertrauen eingebüßt, weil er an Hybris leidet.


    Es geht doch immer um Riskomanagement und das ist ein Spiel mit Prozenten, mit Eintrittswahrscheinlichkeit, mit Folgenabschätzung, mit Vermeidbarkeitsmöglichkeit.
    Am Ende kommt aber immer ein Restrisko raus, das beim Pilzsachverständigen mit hoher Wahrscheinlichkeit geringer ist als beim Laien.


    Bevor ich hier aus dem Thread raus bin: Wenn ich eine Pilzberatung mache, bin ich zu 100 % sicher, dass alles, was ich dem Ratsuchenden mitgebe, zu 100 % als Speisepilz risikolos verwendbar ist.

    Wenn es nur 99,9 % wären, würde ich den Job nicht machen und würde es nicht verdienen, mich Pilzberater nennen zu dürfen.

  • Wenn ich eine Pilzberatung mache, bin ich zu 100 % sicher, dass alles, was ich dem Ratsuchenden mitgebe, zu 100 % als Speisepilz risikolos verwendbar ist.

    Das ist bei mir anders. Ich behalte zwar häufig etwas von den aussortierten Pilzen da (für meine Pilzausstellung, zum Färben, zum Plastinieren, usw.), und einzelne Pilze dürfen auch so mal in meine Biotonne. Aber dem Pärchen, das mit einem ganzen Eimer voller Karbolegerlinge kam, habe ich den Kram wieder mitgegeben. Das will ich in meiner Biotonne oder auf dem Kompost nicht haben. Ähnlich bei anderen, die mehr als ein- oder zwei Pilze mitgebracht haben.


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96