Beiträge von mikromeister

    Pilzmesser

    Hier habe ich vor Jahren über mein in meinen Augen immer noch unübertroffenes "Selbstbau"-Pilzmesser geschrieben.


    Die handelsüblichen sind grob, schlecht auszuklappen und wofür die gekrümmte Klinge gut sein soll habe ich bis heute nicht verstanden.

    Konkave Klingen sind, wie oben schon geschrieben mistig nachzuschleifen und meistens viel zu dick.

    Ich muss ehrlich gesagt auch niemals Pilze aus der Erde oder aus Baumstämmen heraushebeln und stemmen bis die Klinge bricht.


    Ein leicht zu bedienendes Einhandmesser ist zwar nicht erlaubt, um es in der Öffentlichkeit rumzutragen, aber als Werkzeug im Wald interessiert das keinen Menschen. Andere sind da mit Äxten und Motorsägen unterwegs.

    Der Sicherheitsvorteil ist, dass man nicht versucht ist, mit offener Klinge durchs Unterholz zu stolpern und ins eigene Messer zu stürzen.

    Edelscorpio:

    Wenn Du auf deinem ersten 3 Fotos nicht rausfinden kannst, welches ein junges Exemplar ist und welches die grausligen alte Socken, dann finde ich, solltest Du mit selbständigem Sammeln vorerst besser noch pausieren.


    Claudia

    Ich kannte den Rettich Gürtelfuß nicht und hätte ihn auf dem Foto ohne Bedenken als Violetten Lacktrichterling verspeist (wenn er nicht so alt wäre :-)).

    Wenn ich hier die Bilder des Erstgenannten anschaue sehe ich mich auch jetzt noch ausserstande zu erkennen, warum das auf Deinem Foto links kein Violetter Lacktrichterling ist.

    Gute, dass ich normalerweise keinen der genannten mag.

    alle bei uns vorkommenden Steinpilze haben ein Stielnetz wenn auch manchmal nur im oberen Stielbereich zu sehen

    Ok, Du hast recht.

    Mit kein Netz meinte ich keines das auch nur annähernd so aussieht wie das vom abgebildeten Gallenröhrling.

    Ich kenne den Stil des Fichtensteinpilzes eher ganz fein gestreift oder, bei jungen Exemplaren, mit so einer Grübchenstruktur. Die ist aber nicht "aufgemalt" sondern plastisch.


    Eigentlich ist diese sprachliche Definition aber nicht wichtig, denn wenn man 20 Fotos dazu angeschaut hat sieht man den Unterschied.

    Gallenröhrlinge ist auch mein Tipp.

    Ein Steinpilz hat nie so einen warm-gelb-braune Stilfarbe (wie ein Maronenröhrling) sondern immer kaltbraun. Ausserdem kein Netz.

    Ein Steinpilz dieses Alters hat keine fast weissen Röhren mehr sondern grünliche bis grüne und die stehen auch am Hutrand nicht so prominent raus.

    Die Hutfarbe ist auch nicht typisch, aber da kann man bei Steinpilzen schon mal Überraschungen erleben.

    bei meinen Beiträgen bringt das Googlen in aller Regel auch nicht viel. Denn wer kann sich bitten einen Namen wie "Gewöhnlicher Wolfsmilch-Schneckenkleerost" merken

    Bei unbekannten Arten bringt es tatsächlich nichts, aber bei bekannten Arten ist die Doppelbenennung schon hilfreich.

    Wer als Nichtlateiner und wissenschaflich unbeleckter Leser neben dem "Steinpilz" oft "Boletus edulis" liest, hat vielleicht nach dem 5 mal ganz en passant etwas gelernt und wird im Gespräch über "Boleten" plötzlich verstehen was gemeint ist.

    Kommen andere Mitgleider der Boletus Familie vor sind das nicht mehr nur Spanische Dörfer.


    Ich finde, das ist ein Ziel, das man leicht verfolgen kann und niemand weh tut.

    In den Zusammenhang würde mich interessieren, wie man Edelreizger sicher von Fichtenreizgern unterscheiden kann.

    Die grüne Farbe ist bei jungen Exemplaren nicht immer vorhanden.

    Konkret habe ich eine Stelle im Fichtenwald, an der früher wohl Kiefern standen. Es gibt auch einige Krause Glucken an vermoderten Kiefernresten die nur durch den Rückschluss auf die Glucke als solche erkennbar sind.

    Die Reizger sehen für mich nach Edelreizger aus, aber die dazugehörige Kiefer kann nur noch ein unsichtbarer Moderrest im Boden sein.

    Ist das plausibel?

    Wieseltäublinge sind auffallend schwer (dicht) und hart. Deutlich massiver als andere Täublingen die ich kenne.

    Für eine Bestimmung wäre es sinnvoll nicht das Stilende abzuschneiden.

    Viel Licht und genügend Wasser führen dazu dass es einem Baum gut geht. Deshalb wachsen an Wegrändern (mehr Licht) oft mehr Pilze als im dunklen Gestrüpp

    Ich dachte immer, das läge an der Abschirmung von leichten Regenschauern bevorzugt im geschlossenen Fichtenbestand, wo die Tropfen eher hängen bleiben und verdunsten bevor sie auf den Boden fallen. Im Laubwald ist das weniger ausgeprägt, wie man bei Regenwetter im eigenen Genick spüren kann.

    Im Randbereich leiten Fichten wie ein Regenschirm das Wasser recht gezielt ab und schaffen so in ihrem Traufbereich eine Zone bevorzugter Bewässerung.


    Besonders schön kan man das im Gebirge um einzelstehende Fichten herum sehen.

    Hier zeigt sich an der Bodenvegetation ganz deutlich der scharfe Übergang zwischen dem trockenen abgeschirmten Bereich und der bewässerten Zone.

    Dort wachsen dann auch bevorzugt die Pilze.


    Ich denke das vorzugsweise Vorkommen von Fichtensteinpilzen in jungen Fichtenwäldern hängt auch damit zusammen, dass "Christbäumchen" nicht viel Regen abschirmen können aber doch genügend beschatten um Bodenverdunstung zu verringern.

    Wege, auch an leichter Hanglage, schneiden den Fluss des Oberflächenwassers an und führen zu unterschiedlichen Be- und Entwässerungssituationen.

    Auch hat die Anlage des Weges in die Bodenschichtung eingegriffen und erzeugt so Ungleichheiten.

    Aber natürlich hat auch die Richtung der Besonnung starken Einfluss auf Wärme- und Fechtigkeitshaushalt des Standortes.

    Ich finde solche Fundsituationen gar nicht so schlecht.

    Genau der richtige Moment, um neue vitale Myzelien fürs nächste Jahr exakt zu kartieren.

    In diesem Stadium kann man die Steinpilzleichen manchmal sogar riechen und schon von weitem, evtl. sogar vom Fahrrad aus sehen.


    Im nächsten Jahr bist Du dann rehtzeitig zur Stelle und erntest ab.

    Fast alle meine guten Plätze habe ich auf diese Weise gefunden.

    Die letzten Jahre war es im Sommer oft zu trocken und das Gejammer war groß, es gäbe deshalb keine Pilze. Oder es war zu kalt, oder sonstwas.

    Dachte ich auch.

    Heuer haben wir in Bayern einen wunderbaren feuchtwarmen Sommer gehabt, aber es wachsen ausser Mehltau und Krautfäule trotzdem kaum Pilze.

    Pfifferlinge haben vor 4 Wochen schöne Babys angesetzt, aber der große Schub blieb aus. Steinpilze hatten mal Mitte Juli nach den Hochwassern einen kleinen Schub, aber seitdem wird es immer weniger.


    Kann es sein, dass die starken Regenfälle im Juli, wo teilweise kleine Seen im Wald rumstanden die Mycelien eher abgetötet als gefördert haben?

    Andererseits gibt es hier genug lokale Hanglagen ohne Staunässe.


    Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass trockenheisse Sommer und dann ein mäßig feuchter August mit nur wenigen Starkregen viel besser ist als das allgemein geschätzte Pilzwetter.

    Ich kann auch nach vielen Jahren meinen erstklassigen Pilzstellen nicht ansehen, warum sie erstklassig sind und andere nicht.

    Meine Wissenschaft versagt hier.


    Mein Tipp ist viel Mountainbike fahren und dabei den Jagdblick vom Fahrrad aus schulen. Ich möchte sagen, dass ich 80% meiner guten Plätze vom Fahrad aus gefunden habe. Natürlich oft nur einen Pilz, aber dann steigt man ab...


    Die Zeit ist auch wichtig.

    Wenn es ideal für die Ernte ist, muss man eigentlich schon genau wissen wo man sammelt.

    Neue Reviere erschließe ich, wenn der Schub durch ist und nur noch überständige große Pilze und Sammelreste anderer Pilzsucher rumliegen. Die findet man leicht und merkt sich die Stellen und auch prinzipiell wie das Habitat aussieht.


    Alle Stellen immer wieder prüfen.

    Auch erstklassige Stellen sehen aus wie tot, wenn man zur falschen Zeit nachschaut.

    Scheinbar gute Stellen können gerade bei Steinpilzen in nicht idealen Jahren auch gar nichts bringen oder im Laufe der Waldalterung einfach erlöschen.


    Ich schätze ich finde auf der Hälfte meiner Touren praktisch nichts, ansonsten reicht es für ein Abendessen und an wenigen Tagen finde ich die Haupternte des Jahres.

    Die Tage muss man sich aber durch ständige Aufmerksamkeit erarbeiten.

    Steinpilze gelten ja gemeinhin als roh problemlos genießbar.

    Ich habe jedoch in den letzten Monaten eindeutig festgestellt, dass ich bei ungekocht eingeweichten Trocken-Steinpilzen in der Suppe Blähungen bekomme.

    Koche ich die eingeweichten Steinpilze auch nur 15 s auf, ist die Verträglichkeit gut und das Aroma trotzdem noch ok.

    Nach der Zugabe der Steinpilzbrühe wird die Suppe nicht mehr nennenswert heiss und keinesfalls gekocht.


    Vielleicht bin ich besonders empfindlich, aber eine allgemeine Richtung könnte es trotzem anzeigen.

    Du hast natürlich schon recht, dass es unglaublich unvorsichtige PilzesserInnen gibt. (Ich kenne persönlich einen wirklich krassen Fall)


    Um auf Nummer sicher zu gehen würde ich bei auch nächstes Mal "Funghi sott'olio" die Flockenstieligen Hexenröhrlinge min. 10 min. Kochen und die Steinpilze nur 5 Minuten. Dann passt sich auch die Konsistenz besser an.


    Dass der eine kleine rohe Pilzchip gar keine Beschwerden gemacht hat will ich nicht behaupten. Das weiss ich einfach nicht und ich empfehle es niemandem.