Verschiedene unbestimmte Pilze, bitte um etwas Hilfe

Es gibt 23 Antworten in diesem Thema, welches 1.551 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Syntaxys.

  • Hallo zusammen,

    beim Aufräumen meines Archivs bin ich noch auf diverse Fotos von unbestimmten Pilzen gestossen, die ich im vergangenen November gemacht habe. Für die richtige Bestimmung könnte ich etwas Hilfe gebrauchen.


    #1 Bei diesem Exemplar erinnere ich mich noch an folgendes:

    • im Mischwald an Totholz (alter Baumstumpf)
    • Höhe ca. 10 cm, Durchmesser bis ca. 5 cm
    • Kappe war samtig-rau
    • Lamellen sehr hellbraun
    • die jüngeren Exemplare hatten teilweise noch ein fast durchsichtiges Velum


    Ergoogelt habe ich dafür den Namen „Wässriger Mürbling“ oder „Wässriger Faserling“ (Psathyrella piluliformis, Syn. P. hydrophila), was mir plausibel erscheint. Was meint Ihr dazu?


    Danke für die Hilfe
    Achim

  • Hallo Harald,
    vielen Dank für's Feedback, aber die Pilze gibt's nicht mehr, die Bilder sind von den letzten schönen und trockenen Tagen im November übrig. Das waren mehrere größere Büschel und die Verwechslungskandidaten passen nicht so richtig, soweit ich das recherchieren konnte. Die Gattung reicht mir aber.

  • #2 Heute bin ich unterwegs gewesen und habe dieses Exemplar entdeckt. Die Recherche vorab hat mich in Richtung von Rehbrauner Dachpilz (Pluteus cervinus) und dem Voreilender Dachpilz (Pluteus primus) gelenkt, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich richtig liege:



    • Fundort: große Nadelholzgruppe (Tanne, Douglasie) im Mischwald bei Rülzheim
    • Höhe etwa 7-8 cm, Kappe ca. 4 cm
    • Geruch unauffällig
    • stand auf einem sehr verrotteten Baumstumpf
    • das Exemplar ist von heute und wir haben erst seit einer Woche etwa warmes Wetter.

    Vielen Dank für Eure Hinweise und Euch ein schönes Wochenende!
    Achim

  • Syntaxys

    Hat den Titel des Themas von „Unbestimmten Pilze, bitte um etwas Hilfe“ zu „Verschiedene unbestimmte Pilze, bitte um etwas Hilfe“ geändert.
  • Mit Pluteus cervinus agg. liegst du richtig.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • #3 Noch ein Fund von heute, in der gleichen Ecke wie #2:

    • Durchmesser etwa 5-6 cm
    • Farbe rotbraun, unten heller ins rosa, der Rand deutlich dunkler, wie "angebrannt"
    • Konsistenz eher fest, leicht brüchig
    • wuchs am Boden vor Nadeltotholz


    Die Recherche ergab ganz unterschiedliche Richtungen, mein Favorit wäre die Scheibchenlorchel (Gyromitra ancilis), es wurde mir von Google auch der Rotbraune Becherling (Peziza badia) genannt, so wie der Rötliche Gallerttrichter (Guepinia helvelloides).

    Ein paar Meter weiter stand ein ähnliches Exemplar, das aber deutlich wie eine Schüssel geformt war. Auch an Nadeltotholz und gleiche Größe, Farbe so wie der angekokelte Rand.


    Was meint Ihr dazu?

  • Dein 3. sollte G. ancilis sein.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo syntaxs,

    bei deinem Pilz Nr. 2 ist die Stielbasis abgeschnippelt und damit ein wesentliches Bestimmungsmerkmal vernichtet. Auch kennt man die Sporenfarbe nicht. Daher ist es zwar möglich, dass es ein Dachpilz ist, aber keineswegs sicher. Du solltest daher den Vorschlag von Climbingfreak nur als Idee verstehen.

    Auch der Vorschlag Gyromitra ancilis für Pilz Nr. 3 ist nur eine Idee. Solche becherlingsförmigen Pilze sind grundsätzlich mikroskopierpflichtig. Sie variieren im Lauf ihres Auftretens optisch enorm.

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • bei deinem Pilz Nr. 2 ist die Stielbasis abgeschnippelt und damit ein wesentliches Bestimmungsmerkmal vernichtet.

    Ich hatte den Pilz vorsichtig vom Baumstumpf gelöst, es ist die Bruchstelle direkt am Totholz.

    Auch der Vorschlag Gyromitra ancilis für Pilz Nr. 3 ist nur eine Idee. Solche becherlingsförmigen Pilze sind grundsätzlich mikroskopierpflichtig. Sie variieren im Lauf ihres Auftretens optisch enorm.

    Dessen bin ich mir bewusst, nur bin ich weder technisch noch fachlich in der Lage, eine Mikroskopie durchzuführen. Ich setze daher auf die Erfahrung von Nutzern, die durch häufige mikroskopische Bestimmungen auch die zugehörigen makroskopischen Merkmale sicher deuten können. Für mich war dieser markante, fast schwarzbraune 'angebrannte' Rand ein entscheidendes Indiz, das ich so bei anderen Becherlingen in der Recherche nicht finden konnte – was für mich eben stark in Richtung der Scheibchenlorchel (Gyromitra ancilis) deutet. Zwar können auch einige echte Becherlinge (Gattung Peziza) im Alter dunkle Ränder entwickeln, da mein Fund aber an Nadeltotholz im März war, bleibt die Scheibchenlorchel ökologisch gesehen trotzdem der mit Abstand heißeste Kandidat.

  • Das mit den Jahreszeiten ist zwar richtig, interessant und wichtig, aber könnten das nicht bereits angetrocknete Bischofsmützen sein ?

    Deutliche Schüsselform würde dagegen eher für Rippenbecherlinge sprechen ?

    Ohne Rippenleisten, sowie Stiel-/Hutgliederung wäre ein (der) Gallertenpilz doch am wahrscheinlichsten.


    Der Stiel-/Lamellenpilz zeigt für mich außer den freistehenden, weißen Lamellen und der Bruechigkeit wenig Pluteus-Merkmale. Ich kenne den cervinus aber auch nur von Bildern...

  • Servus Achim,


    zu Pilz #2:


    Gattung Pluteus ist klar, wüsste nicht, was es sonst sein könnte. Pluteus cervinus s.str. glaube ich nicht, da der starke Grauanteil im Hut untypisch wäre, so auch Nadelholz als Substrat. Die Artengruppe ist aber sehr komplex und aktuell ohne Sequenzierung nur bei Ausnahmen gut bestimmbar. Pluteus primus ist eine recht kräftige Art. Frühjahr allein reicht nicht, da auch die anderen früh erscheinen können. Trotzdem ist es immer eine Möglichkeit, die so früh im Jahr immer möglich ist. Pluteus pouzarianus wäre ein weiterer Kandidat. Beide Arten haben Schnallen in der Hutdeckschicht und wachsen auf Nadelholz. Man kann sie gut über die Sporenmaße voneinander unterscheiden (Pluteus primus hat breitere Sporen als Pluteus pouzarianus). Makroskopisch kann man manchmal, wenn die Fruchtkörper reif genug sind, Pluteus pouzarianus an einem Geruch nach Grünem Knolli erkennen (sog. Kunsthoniggeruch). Pluteus kovalenkei wäre auch möglich.


    Innerhalb des Pluteus cervinus-Aggregats wäre ich hier bei Pluteus pouzarianus s.l., also wohl einer der drei von mir genannten Arten (Pl. pouzarianus, Pl. primus, Pl. kovalenkoi). Und das abgeschwächt durch das "wohl". Mehr geht da m.E. leider nicht per Foto. Das ganze Aggregat sind in Europa ca. 13 Arten, auf der Nordhalbkugel ca. 25 Arten (Stand 2014).


    Pliz #3:

    Bischofsmütze? Kann man ausschließen. Kommt nie im Frühjahr und wäre klar und deutlich gestielt. Ich wäre hier wie Stefan bei der Gattung Discina (also Gyromitra s.l.) und auch bei Discina perlata = Discina ancilis im weiteren Sinn. Das sind aber vermutlich auch wieder mehrere Arten, so gibt es z. B. Gyromitra warnei ss. van Vooren, Gyromitra fluctuans, Gyromitra megalospora, die sich durch Sporenmaße und Anhängsellänge von Discina perlata unterscheiden. Ich hänge ein Bild von Gyromitra warnei ss. van Vooren an, von einem Fichtenstumpf:


    Die Sporen sind zu kurz für Discina perlata, jedenfalls laut der Bearbeitung van Vooren et al. in der Ascomycete.org – ob das ausreicht als Trennung? Discina warnei s.str. ist was Nordamerikanisches, daher ist für mich nicht klar, ob das dasselbe wie bei uns ist.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo Christoph,

    vielen Dank für Deine Expertise! Den starken Grauanteil in Verbindung im Hut brachte ich auch nicht richtig mit Pluteus cervinus zusammen, das würde doch besser zu Deinen anderen Vorschlägen passen. Auf alle Fälle reicht mir die Gattung und ich werde die genauere taxonomische Vermutung dazu vermerken.


    Liebe Grüße
    Achim

  • Hallo zusammen!

    #4: Ich war heute nochmal in der Nadelholzecke unterwegs gewesen und habe dieses Foto mitgebracht. Ich weiß, man kann diese eingetrockneten Exemplare wohl kaum bestimmen. Meine Recherche hat mich in Richtung Frühlings-Rötling (Entoloma vernum) gelenkt. Der Pilz lies sich problemlos aus dem Moos ziehen, die Lamellen hatten die gleiche Farbe, wie der Hut und standen nicht sehr dicht. Ich will morgen nochmal dort hin, vielleicht finde ich jüngere Exemplare.



    #5: Ganz andere Ecke und an Birkentotholz gefunden. Meine Recherche ergab den Zottigen Schillerporling (Inonotus hispidus), aber da bin ich mir nicht sicher:



    Ich hatte leider kein Messer bei mir, sonst hätte ich ihn mal angeschnitten. Aber ich kann auch morgen nochmal schauen.


    Euch ein schönes Wochenende und vielen Dank vorab für Eure Hilfe!
    Achim

  • hallo Achim!

    Dein Zweiter ist ein überalteter Birkenporling.

    Gruß

    Norbert

    ------------------------------------------------------
    Pilzchips = 100 -5 APR 2015 +12 APR 2016 = 107 -7 Für APR 2017 = 100 + 5 APR 2018 =105 +5 APR 2019 =110+6 APR 2020=116+5+4 APR2021=125

    -15 für APR 2022 = 110. -15 für APR 2024 = 95 +5 APR2024 Platz und einschätzung = 100

    Pilzbestimmung im Netz ist keine Essfreigabe

    ------------------------------------------------------

  • Hallo Achim,

    In deiner "Nadelholzecke" wachsen ja, dem Zapfen zufolge, Douglasien. Und in dem moosigen Untergrund könnten doch Ende Oktober / Anfang November

    auch die Douglasien-Begleiter, die Schmierröhrlinge Suillus caerulescens oder S. lakei vorkommen. Halte bitte mal Ausschau danach. Notiz im Kalender.


    Danke, Brummel

  • Hi,

    nur von oben lässt sich das natürlich nicht sagen aber deinen Frühlingsrötling würde ich mit Rhizocybe pruinosa vergleichen, der sollte auffällige Rhizomen an der Stielbasis haben.

    Viele Grüße

  • hallo Achim!

    Dein Zweiter ist ein überalteter Birkenporling.

    Gruß

    Norbert

    Hallo Norbert,
    das hatte ich auch zuerst vermutet, aber der Birkenporling hat doch eher eine glattere Oberfläche, oder nicht? Ich nehme morgen mal ein Messer mit und schneide ihn an, der wächst nicht weit von hier.

    LG/A

  • Als ich jung war hatte ich auch eine glattere Oberfläche !

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    Pilzchips = 100 -5 APR 2015 +12 APR 2016 = 107 -7 Für APR 2017 = 100 + 5 APR 2018 =105 +5 APR 2019 =110+6 APR 2020=116+5+4 APR2021=125

    -15 für APR 2022 = 110. -15 für APR 2024 = 95 +5 APR2024 Platz und einschätzung = 100

    Pilzbestimmung im Netz ist keine Essfreigabe

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  • Noch ein Fund von heute: Den Rotrandigen Baumschwamm (Fomitopsis pinicola) konnte ich selbst bestimmen, so einen hatte ich allerdings bisher in unserer Gegend noch nicht gesehen. Bezüglich solcher Baumpilze haben wir extrem viele Schichtpilze hier ums Dorf herum, viele Buckeltrameten und Zunderschwämme.



    LG/A

  • hallo Achim!

    Dein Zweiter ist ein überalteter Birkenporling.

    Gruß

    Norbert

    Hallo Norbert,
    das hatte ich auch zuerst vermutet, aber der Birkenporling hat doch eher eine glattere Oberfläche, oder nicht? Ich nehme morgen mal ein Messer mit und schneide ihn an, der wächst nicht weit von hier.

    LG/A

    Der Zottige Schillerporling ist ein einjähriger recht weicher und saftiger Pilz, für den es eigentlich noch zu früh im Jahr ist. Meist auf älteren Apfelbäumen zu finden.

    Der Birkenporling ist dagegen ein recht fester und zäher Geselle.


    Grüße

    Harald

  • Der Zottige Schillerporling ist ein einjähriger recht weicher und saftiger Pilz, für den es eigentlich noch zu früh im Jahr ist. Meist auf älteren Apfelbäumen zu finden.

    Der Birkenporling ist dagegen ein recht fester und zäher Geselle.


    Grüße

    Harald

    Ich habe heute mal den Pilz ab- und durchgeschnitten. Der Pilz war recht weich, aber etwas zäh zu schneiden und innen war er komplett weiß. Es scheint also ein Birkenporling zu sein.

  • Guten Morgen zusammen!
    #6:
    Ein weiterer Fund aus dem August 2025 den ich nicht so richtig zuordnen kann. Aktuell vermute ich den Nordischen Porling (Climacocystis borealis), der aber eher an Nadelholz vorkommt und der Fund hier war jedoch an Buchentotholz gewachsen. Es könnte daher durchaus auch der Kurzröhrige Saftporling (Tyromyces chioneus) oder Laubholz-Saftporling (Spongipellis spumeus) sein:

    File:2025-08-29 D500-0562 Achim-Lammerts Nordischer-Porling-Climacocystis-borealis.jpg

    Wenn's ein mehrjähriger Pilz ist, könnte ich den auch wieder finden, ich meine mich an den Fundort zu erinnern. Dann wäre eine weitere Untersuchung möglich.


    Was meint Ihr? Danke für die Tipps!
    LG
    Achim