Verschiedene unbestimmte Pilze, bitte um etwas Hilfe

Es gibt 13 Antworten in diesem Thema, welches 772 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Syntaxys.

  • Hallo zusammen,

    beim Aufräumen meines Archivs bin ich noch auf diverse Fotos von unbestimmten Pilzen gestossen, die ich im vergangenen November gemacht habe. Für die richtige Bestimmung könnte ich etwas Hilfe gebrauchen.


    #1 Bei diesem Exemplar erinnere ich mich noch an folgendes:

    • im Mischwald an Totholz (alter Baumstumpf)
    • Höhe ca. 10 cm, Durchmesser bis ca. 5 cm
    • Kappe war samtig-rau
    • Lamellen sehr hellbraun
    • die jüngeren Exemplare hatten teilweise noch ein fast durchsichtiges Velum


    Ergoogelt habe ich dafür den Namen „Wässriger Mürbling“ oder „Wässriger Faserling“ (Psathyrella piluliformis, Syn. P. hydrophila), was mir plausibel erscheint. Was meint Ihr dazu?


    Danke für die Hilfe
    Achim

  • Hallo Harald,
    vielen Dank für's Feedback, aber die Pilze gibt's nicht mehr, die Bilder sind von den letzten schönen und trockenen Tagen im November übrig. Das waren mehrere größere Büschel und die Verwechslungskandidaten passen nicht so richtig, soweit ich das recherchieren konnte. Die Gattung reicht mir aber.

  • #2 Heute bin ich unterwegs gewesen und habe dieses Exemplar entdeckt. Die Recherche vorab hat mich in Richtung von Rehbrauner Dachpilz (Pluteus cervinus) und dem Voreilender Dachpilz (Pluteus primus) gelenkt, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich richtig liege:



    • Fundort: große Nadelholzgruppe (Tanne, Douglasie) im Mischwald bei Rülzheim
    • Höhe etwa 7-8 cm, Kappe ca. 4 cm
    • Geruch unauffällig
    • stand auf einem sehr verrotteten Baumstumpf
    • das Exemplar ist von heute und wir haben erst seit einer Woche etwa warmes Wetter.

    Vielen Dank für Eure Hinweise und Euch ein schönes Wochenende!
    Achim

  • Syntaxys

    Hat den Titel des Themas von „Unbestimmten Pilze, bitte um etwas Hilfe“ zu „Verschiedene unbestimmte Pilze, bitte um etwas Hilfe“ geändert.
  • Mit Pluteus cervinus agg. liegst du richtig.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • #3 Noch ein Fund von heute, in der gleichen Ecke wie #2:

    • Durchmesser etwa 5-6 cm
    • Farbe rotbraun, unten heller ins rosa, der Rand deutlich dunkler, wie "angebrannt"
    • Konsistenz eher fest, leicht brüchig
    • wuchs am Boden vor Nadeltotholz


    Die Recherche ergab ganz unterschiedliche Richtungen, mein Favorit wäre die Scheibchenlorchel (Gyromitra ancilis), es wurde mir von Google auch der Rotbraune Becherling (Peziza badia) genannt, so wie der Rötliche Gallerttrichter (Guepinia helvelloides).

    Ein paar Meter weiter stand ein ähnliches Exemplar, das aber deutlich wie eine Schüssel geformt war. Auch an Nadeltotholz und gleiche Größe, Farbe so wie der angekokelte Rand.


    Was meint Ihr dazu?

  • Dein 3. sollte G. ancilis sein.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo syntaxs,

    bei deinem Pilz Nr. 2 ist die Stielbasis abgeschnippelt und damit ein wesentliches Bestimmungsmerkmal vernichtet. Auch kennt man die Sporenfarbe nicht. Daher ist es zwar möglich, dass es ein Dachpilz ist, aber keineswegs sicher. Du solltest daher den Vorschlag von Climbingfreak nur als Idee verstehen.

    Auch der Vorschlag Gyromitra ancilis für Pilz Nr. 3 ist nur eine Idee. Solche becherlingsförmigen Pilze sind grundsätzlich mikroskopierpflichtig. Sie variieren im Lauf ihres Auftretens optisch enorm.

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • bei deinem Pilz Nr. 2 ist die Stielbasis abgeschnippelt und damit ein wesentliches Bestimmungsmerkmal vernichtet.

    Ich hatte den Pilz vorsichtig vom Baumstumpf gelöst, es ist die Bruchstelle direkt am Totholz.

    Auch der Vorschlag Gyromitra ancilis für Pilz Nr. 3 ist nur eine Idee. Solche becherlingsförmigen Pilze sind grundsätzlich mikroskopierpflichtig. Sie variieren im Lauf ihres Auftretens optisch enorm.

    Dessen bin ich mir bewusst, nur bin ich weder technisch noch fachlich in der Lage, eine Mikroskopie durchzuführen. Ich setze daher auf die Erfahrung von Nutzern, die durch häufige mikroskopische Bestimmungen auch die zugehörigen makroskopischen Merkmale sicher deuten können. Für mich war dieser markante, fast schwarzbraune 'angebrannte' Rand ein entscheidendes Indiz, das ich so bei anderen Becherlingen in der Recherche nicht finden konnte – was für mich eben stark in Richtung der Scheibchenlorchel (Gyromitra ancilis) deutet. Zwar können auch einige echte Becherlinge (Gattung Peziza) im Alter dunkle Ränder entwickeln, da mein Fund aber an Nadeltotholz im März war, bleibt die Scheibchenlorchel ökologisch gesehen trotzdem der mit Abstand heißeste Kandidat.

  • Das mit den Jahreszeiten ist zwar richtig, interessant und wichtig, aber könnten das nicht bereits angetrocknete Bischofsmützen sein ?

    Deutliche Schüsselform würde dagegen eher für Rippenbecherlinge sprechen ?

    Ohne Rippenleisten, sowie Stiel-/Hutgliederung wäre ein (der) Gallertenpilz doch am wahrscheinlichsten.


    Der Stiel-/Lamellenpilz zeigt für mich außer den freistehenden, weißen Lamellen und der Bruechigkeit wenig Pluteus-Merkmale. Ich kenne den cervinus aber auch nur von Bildern...

  • Servus Achim,


    zu Pilz #2:


    Gattung Pluteus ist klar, wüsste nicht, was es sonst sein könnte. Pluteus cervinus s.str. glaube ich nicht, da der starke Grauanteil im Hut untypisch wäre, so auch Nadelholz als Substrat. Die Artengruppe ist aber sehr komplex und aktuell ohne Sequenzierung nur bei Ausnahmen gut bestimmbar. Pluteus primus ist eine recht kräftige Art. Frühjahr allein reicht nicht, da auch die anderen früh erscheinen können. Trotzdem ist es immer eine Möglichkeit, die so früh im Jahr immer möglich ist. Pluteus pouzarianus wäre ein weiterer Kandidat. Beide Arten haben Schnallen in der Hutdeckschicht und wachsen auf Nadelholz. Man kann sie gut über die Sporenmaße voneinander unterscheiden (Pluteus primus hat breitere Sporen als Pluteus pouzarianus). Makroskopisch kann man manchmal, wenn die Fruchtkörper reif genug sind, Pluteus pouzarianus an einem Geruch nach Grünem Knolli erkennen (sog. Kunsthoniggeruch). Pluteus kovalenkei wäre auch möglich.


    Innerhalb des Pluteus cervinus-Aggregats wäre ich hier bei Pluteus pouzarianus s.l., also wohl einer der drei von mir genannten Arten (Pl. pouzarianus, Pl. primus, Pl. kovalenkoi). Und das abgeschwächt durch das "wohl". Mehr geht da m.E. leider nicht per Foto. Das ganze Aggregat sind in Europa ca. 13 Arten, auf der Nordhalbkugel ca. 25 Arten (Stand 2014).


    Pliz #3:

    Bischofsmütze? Kann man ausschließen. Kommt nie im Frühjahr und wäre klar und deutlich gestielt. Ich wäre hier wie Stefan bei der Gattung Discina (also Gyromitra s.l.) und auch bei Discina perlata = Discina ancilis im weiteren Sinn. Das sind aber vermutlich auch wieder mehrere Arten, so gibt es z. B. Gyromitra warnei ss. van Vooren, Gyromitra fluctuans, Gyromitra megalospora, die sich durch Sporenmaße und Anhängsellänge von Discina perlata unterscheiden. Ich hänge ein Bild von Gyromitra warnei ss. van Vooren an, von einem Fichtenstumpf:


    Die Sporen sind zu kurz für Discina perlata, jedenfalls laut der Bearbeitung van Vooren et al. in der Ascomycete.org – ob das ausreicht als Trennung? Discina warnei s.str. ist was Nordamerikanisches, daher ist für mich nicht klar, ob das dasselbe wie bei uns ist.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo Christoph,

    vielen Dank für Deine Expertise! Den starken Grauanteil in Verbindung im Hut brachte ich auch nicht richtig mit Pluteus cervinus zusammen, das würde doch besser zu Deinen anderen Vorschlägen passen. Auf alle Fälle reicht mir die Gattung und ich werde die genauere taxonomische Vermutung dazu vermerken.


    Liebe Grüße
    Achim