Gelöst: Violettblättriges Tausendblatt, Baeospora myriadophylla

Es gibt 19 Antworten in diesem Thema, welches 2.635 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von melanie weyrich.

  • Hallo liebe Pilzfreunde,


    anbei ein Auwaldfund vom gestrigen Freitag, aus dem ich noch nicht so wirklich schlau werde.


    Geschmack: Keine Geschmacksprobe durchgeführt

    Geruch: intensiv pilzig, aber leider "nichts Besonderes"

    Fundort: Typisches Spitzmorchelhabitat (Auwald am Inn mit Mischbestand: Fichte, Esche, Ahorn)

    Besonderheiten: Hutmitte vertieft & mit Buckel, Auffällig gezackter & geriefter Hutrand, dicht stehende Lamellen mit vielen Zwischenlamellen v. a. am Hutrand, Lamellen (nicht nur auf den Bildern) ganz dezent violettstichig, Stiel bei großen Exemplaren hohl, Basis mit auffälligem (weißlichem) Myzelfilz, Folgezersetzer / auf Totholz (höchstwahrscheinlich Nadelholz / Fichte)


    Anbei einige Bilder zum Fund







    Schnittbild hab ich zwar gemacht, aber leider kein Bild davon. Dachte eigentlich mit den oben beschriebenen, deutlichen Merkmalen sollte es um diese Jahreszeit nicht viel Auswahl geben, aber so wirklich was Passendes finde ich bisher nicht wirklich. Bin also um jeden Ansatz dankbar - vielleicht übersehe ich auch nur wieder mal "das Offensichtliche" :)


    Viele Grüße

  • Hallo Michael,


    das ist der Violettblättrige Winterrübling auch Lilablättriges Tausendblatt genannt (Baeospora myriadophylla).

    Ein schönes Portrait gibt es z.B. auf der Seite der Pilzflora Ehingen.


    Die Art ist in weiten Teilen Deutschlands sehr selten und fehlt in einigen Bundesländern ganz.

    So ist aus meinem Bundesland (Sachsen) gerade einmal ein Fund bekannt!

    Ich selbst kenne die Art bisher nur aus Büchern.


    LG und Glückwunsch zum schönen Fund


    Nobi

    Hier geht es zu meinen Themen.

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    Chips: 72

  • Hallo,

    das Tausendblatt hätte ich auch vorgeschlagen. Toller Fund! Gratulation :daumen:

    Grüßle Sandra

    Liebe Grüße aus dem Vogtland

    die Schwarzhex

    :gwinken: Sandra

    (PC 100 - 10 (fürs APR 2020) = 90 - 15 (APR 21) = 75-10 (APR22) = 65 + 7 (APR 22 Auflösung) - 5 (Rätsel-Gedicht)= 67 - 10 (APR 23) = 57 + 5 Gnanzierung = 62 - 10 (Ast-Wette gegen Björn) = 52 )

  • Wahnsinn :) Die Art hat ich sowas von gar nicht auf dem Schirm - danke für die Hilfe!


    Wurde natürlich gleich für die Kartierung gemeldet - nach Rücksprache mit dem zuständigen PSV sogar ein Erstnachweis der Art für unseren Landkreis :)

  • TheWrestler

    Hat den Titel des Themas von „Ein unbekannter Auwaldfund auf Totholz“ zu „Gelöst: Violettblättriges Tausendblatt, Baeospora myriadophylla“ geändert.
  • Hallo,

    Habt ihr darauf geachtet an welchem Holz der wuchs? Ich hatte den am 20.02. an Tanne, Pilzflora Ehingen beschreibt den auch an Tanne, eventuell noch mit Vorliebe für Kalk. das würde erklären, warum auf der Alb und im Schwarzwald So viele Fundstellen kartiert sind und er im Rest Deutschlands selten ist.

    Viele Grüße

  • Hallo,

    Habt ihr darauf geachtet an welchem Holz der wuchs? Ich hatte den am 20.02. an Tanne, Pilzflora Ehingen beschreibt den auch an Tanne, eventuell noch mit Vorliebe für Kalk. das würde erklären, warum auf der Alb und im Schwarzwald So viele Fundstellen kartiert sind und er im Rest Deutschlands selten ist.

    Viele Grüße

    Bestimmt auch bei uns Nadelholz, aber die Unterscheidung von Fichte / Tanne bei einem bemoosten, modernden Stumpf ist nicht gerade meine Spezialität. Gibt’s vielleicht einen Trick die Fichte / Tanne bei morschen Totholz-Funden auseinander zu halten?

  • Lieber Michael


    Danke für die spannende Frage.

    Den Trick würde ich auch schon lange gerne erfahren und warte gespannt, auf allfällige Statements der Totholz-Experten…


    Beste Grüsse

    Corinne

    Hinweis: Mit meinen Beiträgen und Kommentaren kann ich keine Tipps/Empfehlungen zum Verzehr abgeben. Zur Pilzbestimmung für Speisezwecke den Pilzsachverständigen vor Ort konsultieren. Vielen Dank.

  • Dafür gibt es keinen Trick, nur das Mikro als Aufklärungsmittel. ;)


    Typisch für Abies ist im Radialschnitt, dass die Markstrahlwände zahnradartig verdickt sind, d.h. es finden sich dort enge Tüpfelkanäle in dicker Zellwand. Für Picea ist es typisch, dass die inneren Zellen des Markstrahles aus Parenchymzellen mit einfachen Tüpfeln bestehen, und die randständigen aus Tracheiden mit Hoftüpfeln; und die Hoftüpfel der Markstrahlen sind kleiner als die der Längstracheiden.

    »Experts do not exist,

    we all are beginners

    with greater or lesser knowledge.«

    Luis Alberto Parra Sánchez

  • Lieber Thorwulf


    Danke herzlich für deine Hilfeleistung.


    Hatte ich fast befürchtet, das makrotechnisch eine Aufklärung schwierig wird. Je länger je mehr werde ich mich wohl auch einmal ans Thema Mikroanschaffen ran müssen.


    Falls du allenfalls auch gute Literatur zur Totholzbestimmung allgemein hättest, danke ich im Voraus. Habe bis anhin nicht das gefunden, was ich mir erhoffte.


    Beste Grüsse und besten Dank

    Corinne

    Hinweis: Mit meinen Beiträgen und Kommentaren kann ich keine Tipps/Empfehlungen zum Verzehr abgeben. Zur Pilzbestimmung für Speisezwecke den Pilzsachverständigen vor Ort konsultieren. Vielen Dank.

  • Bestimmt auch bei uns Nadelholz, aber die Unterscheidung von Fichte / Tanne bei einem bemoosten, modernden Stumpf ist nicht gerade meine Spezialität. Gibt’s vielleicht einen Trick die Fichte / Tanne bei morschen Totholz-Funden auseinander zu halten?

    Hallo,


    geht mit dem Mikroskop eigentlich ganz einfach, auch bei morschem Holz.

    Man mache einen dünnen Querschnitt des Holzes und betrachte ihn unter dem Mikroskop. Fichte hat gut sichtbare Harzkanäle, Weißtanne hat keine.


    Hatte ich hier selbst mal durchgeführt: Größter Scheibling - Discina/Gyromitra perlata / ancilis an Fichtenstubben


    Ein wirklich gutes Buch kann ich da empfehlen:

    Miggel, B. (2017): Holzbestimmung mit dem Mikroskop

    Kostet unter 30 Euro und ist wirklich eine prima Hilfe für solche Fälle.


    Gruß

    Peter

  • Hallo Peter,


    dies hab ich Corinne vorhin auch schon empfohlen (per PN). ;)


    Es gibt aber noch weitere, sehr brauchbare Fachliteratur, die auch für sehr viele verständlich verfasst ist, u.a.:


    - Holzkunde: Band 1 Mikroskopie und Makroskopie des Holzes (Lehrbücher und Monographien aus dem Gebiete der exakten Wissenschaften, 18, Band 1), Hans Heinrich Bosshard

    - Microscopic Wood Anatomy, Mikroskopische Holzanatomie, Anatomie microscopique du bois , Schweingruber, F.


    ... und sehr gut für den Einstieg ist auch:


    - Die Hölzer Mitteleuropas, Grosser, D.


    Gruß!

    »Experts do not exist,

    we all are beginners

    with greater or lesser knowledge.«

    Luis Alberto Parra Sánchez

  • Hallo lieber Peter und Thorwulf


    Danke euch ganz herzlich für eure fachkundigen Tipps und für eure Bemühungen!🌸


    Ich werde die vorgeschlagenen Literatur gerne anschauen und wenn möglich bestellen.

    Freue mich schon jetzt darauf.

    Beste Grüsse

    Corinne

    Hinweis: Mit meinen Beiträgen und Kommentaren kann ich keine Tipps/Empfehlungen zum Verzehr abgeben. Zur Pilzbestimmung für Speisezwecke den Pilzsachverständigen vor Ort konsultieren. Vielen Dank.

  • Ein kleiner Appetizer schon mal hier....


    LG in die Schweiz! :)

  • Hallo, alle -


    mit Verspätung noch ein paar Ergänzungen zur Verbreitung: Bei uns (Südostbayern, Inn-Salzach-Region) ist der Pilz gar nicht so furchtbar selten. Wir haben ihn inzwischen 14 mal notiert, vor allem an Fichte und Tanne, aber auch dreimal an stark vermorschtem Laubholz. Jahrelang wuchs B. m. an einer Fichtenholzscheibe, die als Trittstein halbvergraben in unserem Garten lag - bis zur Erschöpfung des Substrats. Jahreszeitlich verteilten sich die Funde folgendermaßen:

    Jan (3), Feb (2), Mz (2), Apr (1), Sept (1), Okt (2), Nov (1), Dez (2)


    LG, Till