Beiträge von Till R. Lohmeyer

    Hallo, Roni :)


    zu Deinen Ehren sollte erwähnt werden, dass dieser Pilz seit der Erstbeschreibung aus dem Rheingau durch Fuckel (1872) offenbar nur noch in Tschechien wiedergefunden wurde. Oder weiß jemand mehr?


    Liebe Grüße

    Till

    Hallo -


    mich erinnerte der Bericht an die vielen Pilze, die Markus Wilhelm in der Masaola-Halle im Züricher Zoo (Rekonstruktion des Regenwalds von Madagaskar) gefunden und in zahlreichen Beiträgen im "Tintling" mit wunderschönen Fotos vorgestellt hat. Angeregt von der Artikelserie war ich vor einem Monat zum ersten Mal selber dort. In so einem tropischen Dauerklima findet man immer was.


    Schöne Grüße

    Till

    Hallo -


    wenn man die neue "Morchellologie" von Clowez & Moreau (2020) berücksichtigt, kommt man bei diesen Formen sehr oft zu Morchella americana var. rigida. Sie scheint hier in den südostbayerischen Auwäldern die häufigste zu sein. Die echte Speisemorchel (M. esculenta) hat nicht so gestreckte Alveolen (Kammern), sondern polygonale, breitere, mehr oder weniger isodiametrische, und die Hüte sind eher rund. Sehr bezeichnend erscheint mir bei americana v. rigida auch die Farbveränderung von anfangs grauen oder graubraunen bis hin zu den gelben "Erwachsenen", die dann die gleiche Farbe haben wie esculenta. Bei uns hat esculenta ein breiteres ökologisches Spektrum, d. h. sie wächst auch in Gärten, Streuobstwiesen etc., während americana var. rigida ziemlich strikt an Auwälder gebunden zu sein scheint.


    Wie gesagt - "scheint"... Das dauert sicher ein paar (Früh)jahre, bis man in seinem Gebiet die diversen Morcheln nach diesen neuen Kriterien in Griff bekommt. Ich bin mir da auch noch keineswegs sicher, habe aber das Gefühl, dass sich gewisse Tendenzen abzeichnen.


    Schöne Grüße

    Till

    Da jemand den Maitake als Heilpilz erwähnt hat... In meiner näheren Bekanntschaft gibt es eine Dame, die seit einigen Jahren an Brustkrebs erkrankt ist. Mithilfe von Chemotherapie hat man die Krankheit einigermaßen in Griff bekommen - nur hatte die Chemo üble Nebenwirkungen (schwere Schluckbeschwerden, Halsweh usw.). Da ich gelesen hatte, dass Maitake-Präparate in Asien und den USA in solchen Fällen verordnet werden, besorgte ich entsprechende Kapseln (Grifola frondosa und Agaricus blazei, um genau zu sein). Die Wirkung war schon erstaunlich: Die Nebenwirkungen verschwanden nach wenigen Tagen. Und als der Vorrat zu Ende war, fingen sie wieder an. Seither nimmt die Frau, die anfangs sehr skeptisch war und mit Esoterik oder Alternativmedizinen sonst nichts am Hut hat, die Kapseln, die bei uns unter "Nahrungsergänzungsmitteln" laufen, regelmäßig. Sie sind eine echte Erleichterung. Der behandelnde Arzt vernahm's mit Staunen, hat aber nichts dagegen.


    Das Thema ist etwas heikel, deshalb betone ich noch einmal, dass es sich hier nicht um ein Mittel gegen den Krebs, sondern um ein solches zur Linderung von Chemo-Nebenwirkungen handelt.


    Liebe Grüße an alle

    Till

    Das sieht eher nach einem Kartoffelbovist aus, vielleicht Scleroderma bovista. Ich habe mal erlebt, wie jemand einem Wirt solche Giftlinge hochpreisig als Trüffeln angeboten hat - nur war der Wirt schlau genug, einen Pilzsachverständigen einzuspannen.


    Schöne Grüße

    Till

    Hallo,


    ich darf gar nicht daran denken, wie viele Tage und Nächte ich damit verbracht habe, Funde aus dieser Gruppe bestimmen zu wollen. Nun haben sich die Molekularmykologen ja inzwischen darüber hergemacht und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir es vermutlich nur mit einer Art (P. varia) zu tun haben. Phylogenetic diversity in the core group of Peziza inferred from ITS sequences and morphology | Request PDF

    Woraus folgt, dass ich die mir verbleibenden Tage und Nächte mit sinnvolleren Bestimmungsversuchen verbringen kann ...


    Seid gegrüßt!

    Till

    Hallo, Hamburger -


    ich habe Anfang der Achtzigerjahre in Hamburg studiert und viele interessante und pilzreiche Biotope im Stadtbereich kennengelernt. Morcheln gab es eine ganze Menge, an Straßenrändern, in Gärten und vor allem in Parkanlagen, fast immer eigentlich in anthropogen beeinflusster Umgebung, den berühmten "gestörten" Stellen. Die Speisemorchel erschien Jahr für Jahr üppig und in großer Stückzahl unter alten Eschen im Wandsbeker Gehölz, um nur einen Standort zu nennen - für die Studenten, die sie kannten, gehörten sie im Frühjahr zu den Grundnahrungsmitteln ... Die Frage ist halt, ob die alten Eschen inzwischen dort noch stehen. Am Wochenende trafen wir uns immer zum Fußballspielen auf einem Bolzplatz im Hammer Park, und manchmal stand ich im Tor (natürlich ohne Netz). Als ich (mal wieder) einen Treffer kassiert hatte, musste ich den Ball aus einem Weißdorngebüsch hinter dem Kasten holen - und stand plötzlich vor gut zwei Dutzend schöner Käppchenmorcheln (was sich später übrigens in anderen Parks bestätigen sollte). Erst die Rufe meiner Kumpels (Hee, wo bleibt der Ball? Torwart, haste dich verlaufen?) holte mich aus meiner Bewunderungsstarre. In der Boberger Niederung und den angrenzenden Geesthängen wuchsen Hohe Morcheln (ohne Rindenmulch), einmal sogar Fingerhutverpeln. Über das dortige "Lorchelparadies" und die Artenvielfalt allgemein entstanden damals zwei relativ umfangreiche Artikel in den "Berichten des Botanischen Vereins zu Hamburg". Die größte Überraschung für mich war ein Vorkommen der Weißstieligen Lorchel (Helvella leucopus) im Park des Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhauses - damals nach meinen Recherchen der nördlichste Fundort in Europa. Die Hochgerippte Becherlorchel (Helvella acetabulum) im Frühjahr und die Herbstlorchel im Herbst waren in manchen Jahren Massenpilze, seltener fanden wir auch Helvella solitaria (= queletii).


    Unterm Strich: Anstatt so viel Benzin zu verfahren, schwingt euch in der Morchelzeit lieber aufs Fahrrad und sucht in aller Ruhe die schönen Hamburger Parkanlagen ab ... Da kommen auch einige Kilometer zusammen ...


    Schöne Grüße

    Till

    Hallo, Aretah -


    wir kennen uns ja - und Du hast meine Anschrift. Wenn es Dir ausgeht, schick mir doch mal so ein paar frische von diesen Ascoboli (feste Schachtel). A. foliicola ist gar keine schlechte Idee, glaube ich. Bei meinen beiden Funden war mir aufgefallen, dass die Sporenornamente wie mit zittriger Hand gezeichnet aussehen, so ungefähr wie die Abb. c, S. 134, in der Monographie von van Brummelen. Das würde eigentlich auch zu Deinem Fund ganz gut passen, genauso wie der Standort (nicht auf Dung).


    Liebe Grüße

    Till

    Hallo, Gemeinde -


    wir haben den hier seit Jahrzehnten registriert, aber es dauerte bis zum 23.11.19, bis er mal an einem Fichtenzapfen beobachtet wurde. Es war in einem Moorwald, in dem auch viele Kiefern standen.


    Zweimal fanden wir auch Exemplare mit zentralem Stiel. Anscheinend bastelt die Evolution nach wie vor an ihm herum und denkt sich: Bei (fast) allen anderen Hutpilzen hat sich der zentrale Stiel bewährt - vielleicht probier ich's auch mal mit dem Ohrlöffel, mal sehen, ob ihm das was bringt ...


    Seid gegrüßt!

    Till

    Hallo Bernd,


    ein toller Fund - aber entschuldige, wenn ich die Frage stelle: In welchem Land (scheint außer mir jeder zu wissen...) ? In der Mycologia Bavarica 3 (1999) hat Günter Bauer die Art jedenfalls sehr schön vorgestellt, gefunden am 3.5.1997 im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Wir haben hier in Südbayern ja noch recht viele Moore, da habe ich im Spätfrühjahr/Frühsommer immer die Augen offen, konnte die Art aber leider selber noch nicht finden. Ps. nigrella kommt zerstreut vor, ein einziges Mal fand ich hier auch Ps. melaena unmittelbar neben abschmelzendem Schnee an einem Tannenstamm


    schöne Grüße

    Till

    Hallo,


    ich glaube, dass die Verfärbung bei Meripilus wegen der Kälte und / oder Feuchtigkeit verzögert eintreten oder sogar ganz ausbleiben kann. Bondarzewia hat andere Poren. Wenn trotzdem noch Zweifel bestehen, mal kosten - B. schmeckt scheußlich scharf. Beim Lackporling fällt mir eigentlich nur G. australe (oder adspersum) ein, der Wulstige. Den kenne ich, von einer Ausnahme abgesehen, nur aus geschlossenen Ortschaften (Parkanlagen, Alleen), wo auch Meripilus immer wieder mal zu finden ist. Beide sind Laubholzbewohner.


    Schöne Grüße

    Till

    Hallo, Beli -


    Du weißt ja, dass das Schönramer Filz quasi vor meiner Haustür liegt - da bin ich natürlich immer neugierig auf interessante Funde.


    Aber ich glaube, dass Du die Variationsbreite von Rhodocollybia maculata unterschätzt. Ich zitiere hier nur mal die Beschreibung aus dem "Pilzkompendium" von E. Ludwig:


    > "Hut 4-15 cm" (es kommen also durchaus so große Fruchtkörper vor)


    > "recht farbvariabel: einheitlich cremeweißlich, bisw. zentral auch strohgelb, alt auch fast einheitlich orangeocker oder selten vollständig orangebraun, stellenweise auch verschwommen hell fleischrosa." (Bei den Abbildungen ist eine dabei, die ziemlich genau die Farbe Deiner Exemplare zeigt).


    Wenn die Pilze auch noch saubitter waren, sehe ich echt keine Alternative zu Rh. maculata, die derzeit in unseren Nadelwäldern weit verbreitet ist - ich habe sie gestern auch auf zwei Exkursionen im Demmelfilz (ähnliche Ökologie!) und in der Scherrmannsöd bei Waldhausen gesehen.


    Schöne Grüße

    Till

    Hallo -


    wir hier unten (Chiemsee-Salzburg-Region) hatten gerade in einem Moor gleich mehrfach Cortinarius chrysolitus. Der sah genauso aus (wobei ich natürlich weiß, dass diese Aussage äußerst unprofessionell ist ...) Interessant ist aber, dass er einer der relativ früh in der Saison erscheinenden Cortinarien ist.


    Schöne Grüße!

    Till

    Hallo Beli et al.


    Ohne Belis Fund bisher am Standort gesehen zu haben, bin ich mir ziemlich sicher, dass es sich um Phellinus tremulae handelt. Wir hatten die Art hier schon einige Male an schwächelnden Zitterpappeln in Mischwäldern und an Waldrändern - meistens, bis der Waldbesitzer die befallenen und ohnehin nicht sehr beliebten Bäume entfernte. Typisch ist, dass die Frkp. an Astlöchern oder abgestorbenen Ästen so knubbelig hervorkommen wie auf dem Foto dargestellt, und sie werden meistens auch kaum breiter als 8-10 cm. Ph. populicola - gut, er fängt auch mal klein an - erreicht später ganz andere Dimensionen, erinnert habituell eher an Ph. igniarius und ist, soweit ich weiß, in Bayern sehr selten. Ich hatte ihn wahrscheinlich mal in einem Auwald am Inn, kam aber nicht näher heran, weil er am anderen Ufer eines langen Altwassers wuchs ... also nix Gewisses weiß ich auch da nicht. Wer es genau wissen will, muss den Verlauf der Tramahyphen in den Dissepimenten untersuchen: Verflochten bei populicola, plusminus parallel bei tremulae.


    Grüße in die Runde!

    Till

    Auch im Norden entstand vor vielen Jahren mal folgendes Gedicht (die Autoren sind schon verstorben).


    Stufen der Entwicklung (frei nach Eugen Roth)


    Ein Mann, der gerne Gutes aß,

    der hatte auch an Pilzen Spaß,

    aß Pfifferlinge jeden Tag:

    Er war ein rechter Mykophag.


    Jedoch bei näherem Beseh'n

    erkennt er, dass ein Pilz auch schön.

    Die Pilzbestimmung wird sein Ziel.

    Er wird schon bald zum Mykophil.


    Die Wissenschaft macht ihn nicht bange,

    Er sucht im Moser und im Lange,

    liest, lernt - und wenn nicht alles trog,

    ist er nunmehr ein Mykolog.


    Er wälzt im Ricken, wälzt im Jahne

    schon wird das Pilzen ihm zum Wahne,

    kennt nicht mehr Weib, noch Kind, noch Ahne ...

    so endet er als Mykomane ...


    (Doch wer vor dieser letzten Stufe

    folgt einem andren, höh'ren Rufe,

    zieht sich zurück auf seinen Hof

    und endet dort als Mykosoph.)


    Doch eines Tages lässt er's sein.

    Längst deckt der Rasen sein Gebein

    Und was von ihm noch ist zu seh'n,

    ist mykoid und mykogen.



    Tja, man sollte halt nicht übertreiben .......... Schöne Grüße, Till

    Hallo, allerseits -


    die Frage "selten" oder "selten kartiert" habe ich mir bei dieser Art auch schon des Öfteren gestellt. Wir haben hier in unserer Ostecke des Alpenvorlands immerhin schon 7 Nachweise, so ungefähr alle 2 Jahre einen neuen, fast alle aus Fichten- oder Fichten-Tannen-Wäldern über Kalk oder auf angrenzenden Wiesen. Vielleicht ist der Pilz in Ausbreitung begriffen. Er wurde ja auch relativ spät beschrieben. Vielleicht profitiert er auch vom Klimawandel.


    Auf jeden Fall ist jeder Neufund ein Aufreger!


    LG, Till

    Hallo -


    Bei Pholiota astragalina bin ich etwas verwirrt: da fehlen mir das lebhafte Rotorange in der Hutmitte und in den Lamellen die Gelbtöne. Oder sind die Frkp. durch Frost/Alter schon entfärbt?


    LG, Till