Beiträge von Till R. Lohmeyer

    Hallo Beli et al.


    Ohne Belis Fund bisher am Standort gesehen zu haben, bin ich mir ziemlich sicher, dass es sich um Phellinus tremulae handelt. Wir hatten die Art hier schon einige Male an schwächelnden Zitterpappeln in Mischwäldern und an Waldrändern - meistens, bis der Waldbesitzer die befallenen und ohnehin nicht sehr beliebten Bäume entfernte. Typisch ist, dass die Frkp. an Astlöchern oder abgestorbenen Ästen so knubbelig hervorkommen wie auf dem Foto dargestellt, und sie werden meistens auch kaum breiter als 8-10 cm. Ph. populicola - gut, er fängt auch mal klein an - erreicht später ganz andere Dimensionen, erinnert habituell eher an Ph. igniarius und ist, soweit ich weiß, in Bayern sehr selten. Ich hatte ihn wahrscheinlich mal in einem Auwald am Inn, kam aber nicht näher heran, weil er am anderen Ufer eines langen Altwassers wuchs ... also nix Gewisses weiß ich auch da nicht. Wer es genau wissen will, muss den Verlauf der Tramahyphen in den Dissepimenten untersuchen: Verflochten bei populicola, plusminus parallel bei tremulae.


    Grüße in die Runde!

    Till

    Auch im Norden entstand vor vielen Jahren mal folgendes Gedicht (die Autoren sind schon verstorben).


    Stufen der Entwicklung (frei nach Eugen Roth)


    Ein Mann, der gerne Gutes aß,

    der hatte auch an Pilzen Spaß,

    aß Pfifferlinge jeden Tag:

    Er war ein rechter Mykophag.


    Jedoch bei näherem Beseh'n

    erkennt er, dass ein Pilz auch schön.

    Die Pilzbestimmung wird sein Ziel.

    Er wird schon bald zum Mykophil.


    Die Wissenschaft macht ihn nicht bange,

    Er sucht im Moser und im Lange,

    liest, lernt - und wenn nicht alles trog,

    ist er nunmehr ein Mykolog.


    Er wälzt im Ricken, wälzt im Jahne

    schon wird das Pilzen ihm zum Wahne,

    kennt nicht mehr Weib, noch Kind, noch Ahne ...

    so endet er als Mykomane ...


    (Doch wer vor dieser letzten Stufe

    folgt einem andren, höh'ren Rufe,

    zieht sich zurück auf seinen Hof

    und endet dort als Mykosoph.)


    Doch eines Tages lässt er's sein.

    Längst deckt der Rasen sein Gebein

    Und was von ihm noch ist zu seh'n,

    ist mykoid und mykogen.



    Tja, man sollte halt nicht übertreiben .......... Schöne Grüße, Till

    Hallo, allerseits -


    die Frage "selten" oder "selten kartiert" habe ich mir bei dieser Art auch schon des Öfteren gestellt. Wir haben hier in unserer Ostecke des Alpenvorlands immerhin schon 7 Nachweise, so ungefähr alle 2 Jahre einen neuen, fast alle aus Fichten- oder Fichten-Tannen-Wäldern über Kalk oder auf angrenzenden Wiesen. Vielleicht ist der Pilz in Ausbreitung begriffen. Er wurde ja auch relativ spät beschrieben. Vielleicht profitiert er auch vom Klimawandel.


    Auf jeden Fall ist jeder Neufund ein Aufreger!


    LG, Till

    Hallo -


    Bei Pholiota astragalina bin ich etwas verwirrt: da fehlen mir das lebhafte Rotorange in der Hutmitte und in den Lamellen die Gelbtöne. Oder sind die Frkp. durch Frost/Alter schon entfärbt?


    LG, Till

    Hallo, Moritz -


    es gibt in der Tat eine schon relativ lange Tradition von Gitterlingsfunden in Deutschland. Die meisten stammen aus Parkanlagen, Gärten, Treibhäusern etc. in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg, aber auch aus Hamburg, Lüneburg, Bad Godesberg, Nürnberg usw. Es gibt zwei Artikel von Dieter Benkert (1965, Mykologisches Mitteilungsblatt 9: 1-12) und Hildegard Dammann 1966 in Jahreshefte Naturwiss. Verein Fürstentum Lüneburg 29: 31-35), in denen der damalige Stand der Dinge zusammengefasst wird (inzwischen sind es sicher einige mehr). Selber hatte ich nur einmal das Glück, den Pilz in natura zu sehen - vergangenes Jahr im Urlaub auf Kreta.


    Schöne Grüße

    Till

    Geruch "pilzig" ist etwas vage. Ich könnte mir vorstellen, dass der Pilz stark nach alterndem Gurkensalat gerochen oder "gefischelt" hat - dann wäre es wohl Entoloma hirtipes, der Tranige Rötling (oder Glöckling). Der erscheint früh im Jahr und sieht zumindest so ähnlich aus.


    LG, Till

    Hallo, Gyromitriker -


    leider schaue ich nicht immer ins Forum, wenn es einen interessanten Thread gibt, oder aber viel zu spät.


    Die G. ticiniana fasziniert mich, seitdem mein verstorbener Freund Hans-Gunnar Unger am 24.4.1992 im NSG Dummersdorfer Ufer bei Lübeck "auf nackter Erde (Muschelkalk, Humus) an einem Knick bei Carpinus" - der nächste Nadelbaum war vermutlich kilometerweit entfernt - eine Gyromitra fand, bei deren Bestimmung wir mehr nolens als volens bei jener Art landeten, die 1987 als G. ticinense beschrieben worden war. Galli & Littini hatten sie schon 1981 als "Gyromitra spec." vorgestellt (Mic. Ital. 1981: 43-46), und nur dieser Artikel stand uns anfangs zur Verfügung. Ich habe damals sogar mit R. Galli korrespondiert, der sich nicht mit der 1987 von Littini veröffentlichten "Arterhebung" zu G. ticinense anfreunden konnte. Nachdem sich inzwischen die These von der Eigenständigkeit durchgesetzt zu haben scheint, bin ich mir ziemlich sicher, dass Hans-Gunnar damals tatsächlich der erste Nachweis außerhalb Italiens gelungen war.


    Schöne Grüße

    Till


    PS: Ein "Knick" ist übrigens eine norddeutsche Wallhecke. Diese Landschaftselemente sind z. T. sehr alt und hochinteressante Pilzstandorte.

    Hallo, allerseits -


    am kommenden Samstag, d. 16.02., findet in Laufen / Salzach von 10.30 Uhr bis ca. 16 Uhr wieder das schon traditionelle "Wintertreffen" der AG Mykologie Inn/Salzach statt. Laufen liegt ca. 20km nördlich von Salzburg in Südostbayern.


    Auf der Tagesordnung stehen - u.a. - Berichte über neue Erkenntnisse in der Giftpilzforschung, ein Reisebericht über Estland, ein Vortrag über operculate Ascomyceten und verschiedene Rückblicke auf die vergangene Saison. Mittagessen gibt es im "Alten Kloster" neben der Tagungsstätte (= Bayer. Akad. f. Naturschutz und Landschaftspflege).


    Die Teilnahme ist kostenlos (das Mittagessen nicht ...), die Teilnehmerzahl begrenzt, aber ein paar Plätze sind noch frei. Voranmeldung bitte an mich privat.


    Till

    Hallo in die Runde!


    Alle in BAYERN ansässige bzw. gemeldete Forumsteilnehmer haben zwischen dem 31.1. und 13.02.2019 die Chance, einen kleinen persönlichen Beitrag zu leisten: 10 % der wahlberechtigten Bürger müssen sich in die dann im Rathaus ihrer Wohnort-Gemeinden aufliegenden Listen eintragen und damit das Volksbegehren "Rettet die Bienen - für Artenvielfalt & Naturschönheit in Bayern" unterstützen. Wenn das gelingt, bekommt Bayern das beste und wirksamste Naturschutzgesetz Deutschlands! Über 100 000 Bürger Bayerns haben 2018 die dem VB vorausgehende Unterschriftensammlung unterzeichnet und damit den nun folgenden Schritt erst möglich gemacht.


    Ich denke mit Schrecken daran, welche Chance damals vertan wurde, weil das VB zur Änderung des Forstgesetzes in Bayern vor einigen Jahren knapp scheiterte (ich glaube mit 9,4 %, aber legt mich nicht fest) - nicht auf dem Land, sondern in den Städten. Danach begannen brutale Kahlschläge und ich hörte von Dutzenden von Leuten: "Ich hätte ja unterschrieben, wenn ich davon gewusst hätte ..." Das darf nicht noch einmal passieren. Also bitte, liebe Bayern (incl. "Zuagroaste" wie ich selber, es wird kein Bayerisch-Test verlangt!), merkt euch den Termin vor und informiert auch alle halbwegs gleichgesinnten Verwandten, Bekannten, Freunde und Arbeitskollegen (selbstverständlich auch -Innen). Es kommt wirklich auf jede Stimme an!


    Schöne Grüße

    Till

    Hallo in die Runde!


    Alle in BAYERN ansässige bzw. gemeldete Forumsteilnehmer haben zwischen dem 31.1. und 13.02.2019 die Chance, einen kleinen persönlichen Beitrag zu leisten: 10 % der wahlberechtigten Bürger müssen sich in die dann im Rathaus ihrer Wohnort-Gemeinden aufliegenden Listen eintragen und damit das Volksbegehren "Rettet die Bienen - für Artenvielfalt & Naturschönheit in Bayern" unterstützen. Wenn das gelingt, bekommt Bayern das beste und wirksamste Naturschutzgesetz Deutschlands! Über 100 000 Bürger Bayerns haben 2018 die dem VB vorausgehende Unterschriftensammlung unterzeichnet und damit den nun folgenden Schritt erst möglich gemacht.


    Ich denke mit Schrecken daran, welche Chance damals vertan wurde, weil das VB zur Änderung des Forstgesetzes in Bayern vor einigen Jahren knapp scheiterte (ich glaube mit 9,4 %, aber legt mich nicht fest) - nicht auf dem Land, sondern in den Städten. Danach begannen brutale Kahlschläge und ich hörte von Dutzenden von Leuten: "Ich hätte ja unterschrieben, wenn ich davon gewusst hätte ..." Das darf nicht noch einmal passieren. Also bitte, liebe Bayern (incl. "Zuagroaste" wie ich selber, es wird kein Bayerisch-Test verlangt!), merkt euch den Termin vor und informiert auch alle halbwegs gleichgesinnten Verwandten, Bekannten, Freunde und Arbeitskollegen (selbstverständlich auch -Innen). Es kommt wirklich auf jede Stimme an!


    Schöne Grüße

    Till

    Hallo, allerseits -


    Im Index Fungorum und bei Mycobank wird der Pilz jetzt "Mycena belliarum" genannt, mit dem gleichen Autorenzitat. Ich habe mich gefragt, warum das so ist bzw. sein soll, und mir die Originalbeschreibung angeschaut (Berkeley 1841). Dort heißt es, dass der Finder, ein Dr. Johnston, sich bei den "Fräulein Bell aus Coldstream" für deren Unterstützung bedankt ("in grateful remembrance of the assistance he has received from the Misses Bell of Coldstream"). Das sind also tatsächlich mehr als nur ein Fräulein. Bis dann aber jemand gemerkt hat, dass belliae grammatikalisch die Einzahlform ist, hat es ungefähr 155 Jahre gedauert. Und da man Schreibfehler offenbar ohne große Umstände korrigieren kann, lautet der Artname jetzt belliarum (Mehrzahl).


    So erkläre ich mir das jedenfalls - oder kennt jemand eine Veröffentlichung, in der das anders begründet wird?


    Schöne Grüße

    Till

    Hallo, Beli, Christoph und andere -


    ja, der Wald, den Beli für uns entdeckt hat, ist wirklich eine Schatzkammer, quasi in unserem Kerngebiet. Bin während meiner Schulzeit 5 x die Woche an ihm vorbeigefahren - und später auch noch mindestens tausend Male. Die Parkmöglichkeiten sind halt nicht so gut …


    Zum weißen Knolli: Ist sicher phalloides var. alba, den habe ich vor einem Jahr selber dort gesehen.


    Zu verna: Da gibt es einen Fund vom Nordrand des Altöttinger Forsts vom 22. April 2007 (leg./fot. Peter Kottas), von dem nur ein nicht sehr aussagekräftiges Handy-Foto existiert, das aber in Verbindung mit dem aufregenden Datum schon sehr interessant ist. Das Gebiet gehört zum Inntal, wo wir eine thermophile Art nach der anderen finden (Hypoxylon ticinense, Agaricus gennadii, Peziza badioides, um nur einige zu nennen).


    Zum Tiger: Den kartieren wir hier seit Jahrzehnten - natürlich als pardinum. Da wir an den alten Funden nicht mehr riechen können und auch nicht 50 Exsikkate gehortet haben, werden wir ihn wohl als "Sammelart" bezeichnen müssen, genauso wie ältere Nachweise von anderen "bekannten" Arten (Flammulina velutipes z. B.).


    Schöne Grüße

    Till