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letzter Beitrag von Clavaria am

Drei Rötlinge

  • Hallo zusammen


    Ich habe am Freitag drei schöne Gruppen von Leptonien gefunden. Nun bilde ich mir ein, ich hätte sie bestimmt, aber gut möglich dass ich daneben liege.

    Vielleicht kann ja hier jemand etwas dazu sagen.

    Habitat war ein montaner Mischwald (Fichten, Kiefern, einzelne Lärchen, Birken, Erlen)


    1) Entoloma exile

    Die wuchsen im Waldrand im hohen Gras



    Sporen bis ca. 11.5 µm lang


    Cheilozystiden keulig, LS heterogen


    HDS: Intrazellulär pigmentiert, am Rand eine Kutis, zur Mitte eher ein Trichoderm.

    Die HDS-Endzellen sind breiter als z.B. Noordeloos es angibt.


    Weitere Angaben:

    - Keine Schnallen gefunden (nirgends)

    - Geruch unauffällig, schwach

    - Basidien 4-sporig




    2) Entoloma cf. asprellum


    Hier störe ich mich etwas an der Stielfarbe, da ist zu wenig blau drin. Allerdings scheint das alleine kein sicheres Merkmal zu sein.

    Der Rest passt ganz gut, geschlüsselt nach Gröger (mit FE5 klappte es irgendwie nicht).

    Allenfalls könnte es auch E. longistriatum sein, dafür scheint mir der Hut aber zu schwach und zu kurz gerieft zu sein.




    Sporen bis 10.5 µm lang


    Lamellenschneide ohne Cheilozystiden (habe mehrere Präparate gemacht)


    HDS in der Mitte trichodermal mit intrazellulärem Pigment, zum Rand hin eine Kutis


    Weitere Angaben:

    - geruchlos

    - keine Schnallen

    - Basidien 4-sporig





    Dann der schwierigste Fall. Da meint man so ein markanter Rötling sei einfach zu bestimmen...


    Entoloma cf. fulvoviolaceum

    Eigentlich glaube ich selber nicht daran, weil diese Art so selten ist. Aber ich lande sowohl bei Gröger als auch in der FE5 bei dieser Art.

    Vermutlich bin ich da irgendwo falsch abgebogen...





    Sporen bis 12.5 µm lang


    HDS fast trichodermal, zum Rand hin weniger abstehend, aber nirgends eine Kutis


    Intrazellulär pigmentiert


    Lamellenschneide heterogen, Cheilozystiden schwer zu finden aber stellenweise vorhanden.


    Weitere Angaben:

    - Keine Schnallen

    - Basidien 4-sporig

    - Geruch im Schnitt mehlig


    Noordeloos beschreibt die Art mit orangebraunem Hut, gemäss dem folgenden Paper ist die Farbe aber sehr viel variabler:

    (PDF) Entoloma fulvoviolaceum Noordel. & Vauras - not previously reported from Norway

    Dort sind auch Kollektionen abgebildet, die meinem Funde farblich sehr nahe kommen.


    Gruss Raphael

  • Hallo Clavaria,

    Vom 1. Bild kommt exile schon ganz gut hin, der hat wenig bis kein Blau im Stiel.

    Weiteres Merkmal, wenig beachtet: der Basalfilz am Stiel rötet leicht beim Eintrocknen.


    Beim dritten glaube ich Dir die fehlenden Schnallen nicht recht. Postest Du noch ein Bild von richtig freigelegten Basidiolen (Lamellenstück zu Matsch zerpflücken - nicht quetschen - und dann in Kongorot mikroskopieren)


    Sind die Basidien 2- oder 4-sporig? Wenn einer der Zellkerne abgestorben ist, bleiben die Basidien nur 2-Sporig und der Pilz braucht keine Schnallen mehr. Mit Schnallen könntest Du im Schlüssel in der placidum-Gruppe rauskommen? Bin gerade in Urlaub und habe die FE5 nicht dabei zum nachgucken...



    Gruß,

    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang


    Vielen Dank!

    Bei 3 habe ich mich nochmal auf die Suche nach Schnallen gemacht. An den Basidiolen ist das schon verflixt schwer, wohl einfach Übungssache.

    Ich konnte aber immer noch keine finden. Die Basidien waren mehrheitlich 4sporig, ich habe aber jetzt auch einzelne 2sporige gesehen.


    Hier eine Basidie wo man drei der vier Sporen auf dem Bild sieht (die vierte ist genau hinter der mittleren)


    Und hier drei Basidiolen-Bilder:




    Angenommen, ich hätte die Schnallen übersehen:

    Dann würde ich nach FE5a schnell in einer Sackgasse mit E. insidiosum als einzige Option enden.

    Alle anderen Arten der Gruppe scheiden aus, weil sie einen faserigen Stiel haben sollten.

    E. placidum selber kann es von der Ökologie her eigentlich nicht sein, in dem Wald gibt es keine Buchen, in der unmittelbaren Umgebung nur Kiefern.


    Gruss Raphael

  • Hallo Raphael,


    bei Nr. 2 würde ich nicht denken, dass das eine Art mit blauen Farbtönen ist. Hut braun, Stiel grau poliert.

    Nicht dass ich Dir jetzt sagen könnte was es ist (makroskopisch hätte ich da eher an exile als an longistriatum gedacht), aber jedenfalls würde ich nicht den "blauen Weg" gehen.


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo Andreas


    Ja genau... bei Noordeloos bin ich den "nicht blauen" Weg gegangen, da kam ich zu longistriatum. Das passte mir aber nicht, weil ich keine Cheilos gefunden habe.

    Gröger ist bei der Stielfarbe etwas toleranter, da kommt man dann eher zu asprellum.

    Mal schauen, vielleicht schaut noch Karl W vorbei. Letztes Jahr hatte ich eine makroskopisch ähnliche Kollektion, da kam longistriatum bei raus. Die hatte aber massenhaft Cheilozystiden.


    Gruss Raphael

  • Hallo Raphael

    Entoloma exile sollte passen. Die Blautöne gehen schon nach Stunden verloren. Charakteristisch ist bei älteren Fruchtkörpern die dunkel abgesetzte Hutmitte.

    Für Entoloma asprellum ist mir der Stiel viel zu wenig blau. Entoloma longistriatum hat nach meiner Aufassung mehr gelbbraune Stiele ohne den geringsten Anteil von grau und außerdem Cheilozystiden. Ich denke Du hast eine der mehr als 10 noch nicht publizierten neuen Arten der Sektion Cyanula vor Dir. Keine Sorge vor zu Großem Chaos. Es werden auch einge Arten kassiert, die noch als gute Arten gelten. (Machiel Noordeloos unpubliziert)

    Nr. 3 ist wohl auch eher was Neues


    LG Karl

  • Hallo Karl


    Danke! Also immerhin ein Rötling bestimmt.

    Was mache ich jetzt mit den anderen zwei... bringt es etwas wenn ich die noch im Entoloma-Forum der DGfM stelle?

    Oder vielleicht eher die nächste Publikation von Noordeloos abwarten und in der Zwischenzeit sequenzieren lassen.


    Gruss Raphael

  • Hallo Raphael,

    ich denke ohne die nächste Publikation wird es nicht gehen. Ich habe selber noch drei gut dokumentierte Fund die ich nicht benenne kann.

    LG Karl

  • Hallo Raphael,

    auf den Basidiolen-Bildern haben mehrere ein abgeknicktes Septum als Überbleibsel der Schnalle. Jede Wette findet man irgendwo auch noch intakte Schnallen, die Präparate sind jedenfalls gut geeignet zur Suche.


    Sequenzieren ist jedenfalls eine gute Idee, vielleicht kann Dir auch Kai Reschke irgendwann helfen, der ist noch an Entoloma dran.


    Grüße,


    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang


    ok, ich muss mir also nochmal Zeit für die Suche nehmen.

    Aber im Moment habe ich sie mal getrocknet, muss mich jetzt erst diversem Frischmaterial widmen. Da sind schon wieder zwei Rötlinge dabei...

    Falls ich doch noch Schnallen finde, melde ich mich.


    Gruss Raphael

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