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letzter Beitrag von Sebastian_RLP am

Wald hinterm Haus ...

  • Ihr Lieben, es ist ganz schön was los und man kommt kaum hinterher. Der Regen machts möglich ...


    Ich war die Woche im Hauswald unterwegs und will euch ein paar Funde der letzten Woche präsentieren. Darunter auch einige Täublinge, die ich jetzt aus Zeitgründen nicht alle ganz fachmännisch dokumentiert habe ... die Experten mögen es mir verzeihen.


    Fangen wir mal mit den Sommersteinpilzen an, Boletus reticulatus, etwas für die Pfanne und das schnelle Handyfoto:



    Immer wieder freue ich mich über die Hasenröhrlinge mit ihren schönen dunkelbraun samtigen Stielen ...


    Auch Filzröhrlinge sind massig unterwegs, hier fand ich unzählige Rheubarberiboletus armeniacus:


    Zwischendurch etwas für die Nase, ein ganzes Nest ... habe ich so auch noch nicht bewusst gesehen ...


    An Korallen gehe ich eigentlich im Moment vorbei aber diese hier erregte doch meine Aufmerksamkeit, wegen der ungewöhnlichen Konstellation der Äste. Müsste eine Artomyces pyxidates - die verzweigte Becherkoralle sein, eben mit "pyxidaten bzw. quirlartigen ziemlich symmetrischen Verzweigungen. Schnelles Handyfoto geht immer ...


    Mycena renati hatte ich neulich schon gezeigt .. die explodieren hier förmlich und sind an jeder Ecke zu finden.


    Dank Karls Beitrag aus dem Depot konnte ich diese hier schnell zuordnen: Telephora caryophyllea


    Interessant wurde es in einer Ecke mit mittelalten Hainbuchen. Hier lassen sich um diese Zeit immer tolle Funde machen. Zahlreiche Hainbuchenröhrlinge, Täublinge und für unsere Ecke seltene Milchlinge.

    Da steige ich gleich mal ein mit dem Milchbrätling, den ich ausser von dieser Stelle bei uns nicht kenne, sonst nur aus dem bayrischen Wald, wo ich ihn auch schon zwischen die Finger bekommen habe:


    Lactarius volemus


    Die Sporen zeigen sich amyloid, netzig und haben eine Größe von 8,5x7,2, Stacheln von 1µm


    typisch die Lamprozystiden:


    Auf FeSO4 Grünfärbung:



    Weiter ging es mit einem mir bis dahin unbekannten. Da dieser in ziemlich räumlicher Nähe zu L.volemus wuchs dachte ich zunächst, als die jung kamen, das dies ein frühes Stadium des Milchlings sein könnte. Aber von den Farben passte das nicht, die APVler brachten mich dann auf die Spur: Lactarius piperatus - Der Pfeffermilchling (die Zungenspitze war nach dem Test erstmal kurz taub):


    Verwirrend waren die Angaben im Gröger ... dort beinhaltet der vorherige Schlüsselschritt FeSO4 GRÜN, was schlecht ist, da er sich rosa verfärbt. Der Blick in Basso (1999) brachte aber Abhilfe, dort wird klar von einer Altrosa-Verfärbung auf FeSO4 gesprochen und auch die sonstigen dort angegebenen Mikromerkmale passten:


    Sporen etwas klein, aber noch passend mit 7x5,5µm:


    Hymenialzystiden subzylindrisch:


    Interessant auch die Hutdeckschicht (Skalpschnitt), oberste Schicht mit Haaren sehr dünn ...


    gleiches Bild, dezent darunterliegende Schärfeebene dann die zellige Subpellis ...


    Dann eben unzählige Täublinge, hier mal was ich zusammengestellt habe:


    Auch ohne Mikroskop gut zu bestimmen - R.virescens:


    Russula risigallina:


    Mild im Geschmack


    SPP extrem dunkel: IVe


    langsame Guajakreaktion und FeSO4 aprikot


    Sporen 7,5x6 mit weitgehend isolierten und längeren Stacheln:


    Inkrustierte Primordialhyphen ... da sollte es insgesamt kein Vertun geben;


    Das nächste sollte wahrscheinlich Russula aeruginea sein (Huthaut habe ich mir aus Zeitgründen nicht angeschaut). Mild im Geschmack.


    SPP IIa-b;

    Guajak ziemlich flott ins bläulich-türkise umschlagend, FeSO4 kräftig lachsfarben:


    Sporen länglich oval, ziemlich klein 6,2x4,8µm, isoliert warzig, teils mit feinen Linien verbunden:


    Beim nächsten bin ich mir sehr unsicher ... komme da zu Russula integra ... aber ich wähnte mich in einem reinen Hainbuchenwaldstück (muss da nochmal hin, ob da irgendwo etwas fichtiges steht?). Vielleicht aber auch etwas anderes. Jedenfalls mild im Geschmack.



    SPP IVb; Guajak hellgrün ++, FeSo4 rosalich


    Sporen mit hohen und isolierten Warzen, wie eigentlich für Integra üblich - 8x7µm:


    Haare der HDS, Auffällig die Verdickungen an der Basis mancher Hyphenendzellen, in SV lässt sich nichts anfärben:


    HDS mit inkrustierten Primordialhyphen in Karbolfuchsin, manchmal ganze Hyphenendzellen recht schwarz werdend (?):


    Weiter eine Russula mit eher graublauen-lilalichen Farben, vielleicht Russula grisea (bei Buche, Esche) - etwas pikant in den Lamellen, Huthaut habe ich mir jetzt aus Zeitgründen nicht mehr angesehen:


    SPP IIc, Sporen 7x6µm und schon auch mehrfach gratig verbunden, was vielleicht gar nicht so gut zu grisea passt:


    Guajak grün und FeSo4 rosalich:


    Vielleicht habt ihr noch Ideen zu meinen Fragezeichen, ansonsten viel Spaß beim anschauen ...


    LG Sebastian

  • MoinMoin!


    Sagt mal, läuft das Fruchtkörperwachstum in dieem Jahr von Nord nach Süd?
    In meiner Umgebung finde ich es immer noch ziemlich spärlich, so als wären die Pilze durchschnittlich feuchte Sommer gar nicht mehr gewohnt...

    Oder ich muss mal öfter raus und gucken.


    Deine Aprikosen-Rhababerrhörrhlinge sind allerdings Ziegenlippen (Xerocomus subtomentosus s.str.) fürchte ich. :gzwinkern:

    Ungewohnte Farbe vielleicht, aber >siehe hier< Norberts Fund mit vergleichbarem Farbspektrum.



    LG, Pablo.

  • Hallo Pablo, du machst mich fertig :D 8o ...


    irgendwie tue ich mich schwer mit dem Gedanken, denn hier waren schon ausgeprägte Rottöne auch am Stiel zu sehen. Im zitierten Beitrag wird davon gesprochen, daß der rötliche Subtomentosum besonders (gern? Immer?) bei Kiefer vorkommt. Eine solche gabs hier weit und breit nicht. Eiche und Buche als Hauptbäume ...

    FeSO4 habe ich nicht getestet. Am Sonntag komme ich an der Stelle nochmal vorbei. Mal gucken, ob dann noch was übrig ist ...


    Das Subtomentosum auch diese roten Töne aufweisen kann, finde ich sehr spannend ...



    Bilder sind unbearbeitete Handyfotos ...


    LG Sebastian

  • Hi.


    Irgendwas komisches geht da mit den roten Ziegenlippen vor sich. Letztes Jahr waren in den Social Media Pilzkanälen ab einem gewissen Zeitpunkt plötzlich alle Ziegenlippen-Funde aus DE die rote Form (f. rubrotinctus). Jetzt geht das scheinbar auch wieder los, zumindest sind mir die Tage schon wieder diverse rote Ziegenlippen hier im Forum und anderswo angezeigt worden (dort angeblich bei Fichte). Deine würde ich jedenfalls auch für eine rothütige Ziegenlippe halten.


    LG,

    Schupfi

    Bin lediglich fortgeschrittener Anfänger.
    Posts sind nicht als Essensfreigabe zu verstehen. :-]

  • Zitat

    Letztes Jahr waren in den Social Media Pilzkanälen ab einem gewissen Zeitpunkt plötzlich alle Ziegenlippen-Funde aus DE die rote Form (f. rubrotinctus)

    Vielleicht ein Fehler in der Matrix :cool:.


    Spass beiseite, das wäre ja tatsächlich mal breiter zu beobachten ...


    LG Sebastian

  • Hallo Sebastian!

    Was Du so alles hinterm Haus findest… toll, was da so los ist. Ich war gestern eine Tour machen, um mal den Kopf freizukriegen.

    90 % aller Funde waren Rotfüße oder Filzröhrlinge jenseits der Bestimmbarkeit. Entweder Schnecken und Würmer oder Goldschimmel waren schneller.

    Aber egal, es war schön im Wald!

  • Ahoj, Sebastian,

    etwas für die Nase, ein ganzes Nest

    nicht nur für die Nase...

    ...da steht ein erklecklicher Snack an Hexeneiern...

    Jamm, jamm!==Pilz27


    LG

    Malone

  • Servus!


    Der Kommentar zu den Kiefern beschreibt nur eine individuelle und lokale Beobachtung. Ob die das anderswo auch so machen und ob das oft so ist: Keine Ahnung.
    Solche "rotbraunen" Ziegenlippen finde ich allerdings schon seit langem immer wieder mal, auch da sagt meine ganz individuelle und räumlich begrenzte Beobachtung, daß das keine Modeerscheinung der letzten zwei Jahre ist. g:-)



    LG; Pablo.

  • Hallo Pablo,


    habe heute noch genau ein Uralt-Exemplar finden können. Schon schwer in Zersetzung begriffen. Die Stielbasis war aber noch einigermaßen fest und hat keine Reaktion auf FeSO4 gezeigt. Also, muss da lernen noch genauer hinzuschauen und zu unterscheiden ...


    FeSO4 auf Stielbasis ohne Reaktion:


    Tuppie ... also war gestern hier auch in einem nahegelegenen Hochwald, da war absolut nichts zu finden ... wenn man mal von ein paar grauen Wulstlingen und wenigen Täublingen absieht.


    Die Hainbuchenstelle von der ich hier berichtet habe, zeigte heute hingegen schon wieder neue Arten, werde später noch berichten. Eine tolle Ecke für diese Jahreszeit ...


    Malone ... habe ich tatsächlich noch nie probiert. Dafür heute aber den Milchbrätling, der war wirklich hervorragend. Hat an der Stelle aber nur zwei Fruchtkörper gebildet und wächst dort auch mit anderen (auch fuchsigroten) Milchlingen in räumlicher Nähe ... werde auch nachher noch Bilder zeigen


    LG Sebastian

  • Hallo Sebastian,

    schöne Funde, der viele Regen machts möglich

    Deine vermeintliche R. integra würde ich mal mit R.carpini vergleichen.
    Bei der Kombination Hainbuche, mild , dottergelbes Sporenpulver und spitzstachelige Sporen wäre ich mir da ziemlich sicher

    Die Hutfarbe ist bei carpini extrem variabel von rot über braun bis zu Grüntönen

    Nur die vermeintliche inkrustierten Primordialhyphen passen nicht ins Bild, ich sehe da aber auch eher Dermatozystiden

    beste Grüsse

    Uwe

  • Hallo Uwe,


    Danke für den super Tipp, das schaue ich mir morgen in Ruhe mal an. Muss sagen das ich auch ganz unglücklich mit meinem Karbolfuchsin bin, da das jetzt nach gut einem Jahr ziemlich flockt. (Normal?). Bezüglich der iph würde ich da deswegen vielleicht gar nichts ausschließen. In SV hat sich aber ziemlich sicher nichts anfärben lassen. Das stelle ich ja immer frisch her.


    Schau mir das morgen definitiv mal an!


    Danke und LG Sebastian

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