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letzter Beitrag von boccaccio am

Russula sp.

  • Hallo zusammen,


    gestern habe ich im Stadtwald Duisburg einen Täubling gefunden, bei dem ich gerne die Meinung der Experten hören würde.


    Begleitbäume: Fagus und Betula.

    Geschmack: Zunächst leicht scharf (aber nicht unangenehm scharf), dann eher leicht nussig

    Geruch: unauffällig

    Hut unter der Huthaut grauviolett

    Chemische Reaktionen: Mit Guajak nach 10 Sekunden einsetzende Blaufärbung, mit Eisensulfat schnell lachsrosa

    Sporenpulverfarbe: IIb-IIc


    In der Huthaut sind einzellige Pileozystiden vorhanden, die sich mit SV aber nicht dunkel verfärbt haben.


    Mit dem Schlüssel auf der Russula-Homepage von Sven Kögel und Bernd Miggel lande ich in der Untergattung Heterophyllidia und dort in der Sect. Heterophyllae. Von dort aus würde ich zur Subsect. Griseinae tendieren, aber dann verließen sie ihn. R. parazurea? R. grisea?



    Björn

  • Hallo Björn,

    bei R. parazurea lassen sich die Pilezystiden mit SV extrem gut anfärben und die Sporen sind überwiegend sehr fein netzig. Makroskopisch habe ich R. parazurea noch nie so hell gesehen, weder nach längerem Starkregen noch sonnengebleicht, aber Farbe bei Täublingen ist immer ein zweischneidiges Schwert.
    R. grisea ist nach meiner Auffassung ein recht kräftiger Pilz der (Kalk)-Buchenwälder mit Farben ähnlich R. cyanoxantha. Für R. ionochlora scheinen mir die Haare nicht zu passen, die bei dieser sehr farbvariablen Art mehrfach septiert sein sollten. Momentan bleibe ich noch am ehesten bei R. aeruginea hängen.

    LG Karl

  • Hallo Karl,


    ich bin weit davon entfernt große Ahnung von Täublingen zu haben aber sollte R. aeruginea nicht irgendetwas Grünes an der Huthaut haben?


    VG Jörg

    Hi,


    die Frage haben wir "Dresdner" (Mykologische Fachgruppe Dresden) uns vor ein paar Jahren auch gestellt und die Antwort ist "Nein". ==Gnolm7 Die Hutfarbe ist bei dem variabel, weswegen ich den hier auch präferieren würde; erst recht bei dem beschriebenen Geschmack und der Ökologie.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • ich bin weit davon entfernt große Ahnung von Täublingen zu haben aber sollte R. aeruginea nicht irgendetwas Grünes an der Huthaut haben?

    Hallo Jörg,

    R. aeruginea kann schon sehr blass sein, aber ich schreibe ja nicht das es diese Art ist ;). Momentan bleibe ich bei den Griseinae und die farblich besser passenden Arten wie R. gallochroa und besonders R. fautiana haben völlig andere Epikutishaare.

    LG Karl

  • Hi Stefan und Karl,


    danke für die Aufklärung. Da könnte also so manch für mich nicht zu bestimmende Täubling bei Birken auch dieser sein. Das die auch sehr hell sein können wußte ich aber völlig ohne Grüntöne konnte ich mir die nicht vorstellen.


    VG Jörg

  • Hallo Björn,


    könntest du bitte die Hutfarbe in deinen Worten beschreiben, ich kann das nämlich nicht glauben, was mein Monitor liefert: hellbraun:huh:.

    Zweite kleine Unstimmigkeit, die ich meine feststellen zu können: du schreibst, die DZy färben sich in Sulfovanillin nicht. Auf deinen SV-Bildern sind sie jedoch klar zu erkennen und heben sich farblich stark vom Rest der schwefelsauren Pampe ab. Aufgrund der schon in Kongorot gut zu sehenden DZy gelangst du definitiv nicht in die Sektion Heterophyllinae.


    Aufgrund der Sporenpulverfarbe fallen die Speisetäublinge (1a/b) ohnehin raus, auch ein Wieseltäubling (2b) im Duisburger Stadt(laub-)wald ist schier nicht vorstellbar. Und insofern möchte ich Hannes2 zustimmen: eine braune R. aeruginea (2c) habe auch ich in meinem Leben noch nicht gesehen.

    Dann mal weiter überlegen: wenn es denn eine Griseinae ist (Geschmacksangaben, Form der Dermatozystiden, Eisensulfatreaktion sprechen dafür), welche Griseinae kann denn braun? Am ehesten R. anatina, aber auch die von Jurkeit beschriebene R. plumbeobrunnea.

    R. parazurea kann auf der Hutmitte auch braun, aber die gezeigten Sporen sind nicht ansatzweise netzig.

    Boah!

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

    2 Mal editiert, zuletzt von Oehrling ()

  • gestern habe ich im Stadtwald Duisburg einen Täubling gefunden, bei dem ich gerne die Meinung der Experten hören würde.

    Hallo boccaccio,


    ich bin zwar kein Experte, ich hänge mich aber trotzdem mal in euer Gespräch rein.

    Ist es denn nicht auffallend, dass die HDS jedenfalls für mich, oft so "lanzettartige Elemente zeigt und diese auch noch auf so kleineren Tönnchen" aufsitzen?


    Ich habe mir erlaubt ein Bild von boccaccio mal zu markieren wo ich denke, das das einfach welche sind.


    Kann es denn sein, dass bei der Sporenpulver-angabe da was schief gelaufen ist?

    Dadurch dann anstelle zu der R. heterophylla zu den Griseinae abgebogen worden Ist?


    Ist ja nur ein Gedanke von mir wegen den auffälligen Zellen und da kenne ich aus der Literatur nur drei Arten die das besitzen sollen.

    LG

    claus

  • Hallo zusammen,

    ich habe mal die Sporenbilder vergrößert und etwas abgedunkelt. Man sieht wesentlich mehr Verbindungslinien und vereinzelt sogar Maschen, als es zunächst den Eindruck machte. In Verbindung mit den häufig ausgezogenen wenig septierten und dünnen Haaren ist damit R. parazurea wieder im Rennen.
    R. anatina hat rein isoliertes Sporenornament und ist komplett raus. Sieht man sich den Epikutisvergleich von Werner Jurkeit in der ZfM 76/1 an, passt R. plumbeobrunnea wegen der Haare nicht so richtig.




    Ergänzung: Ich habe Felix Hampe um seine Meinung gebeten, der trotz Zeitmangel mal reingeschaut hat.

    das ist ne blasse Form von irgendwas....
    Griseinae ist richtig
    ich kann hier keinen abschließende Entscheidung abgeben, obwohl die Sporen schon sehr netzig sind was für parazurea spricht. Auch das grau unter der HDS
    Alle isoliert warzigen sind draussen!!
    wird ne blasse parazurea sein

    Das R. parazurea und R. plumbeobrunnea in der ITS gleich sind, hat sich möglicherweise herumgesprochen, aber das ist eine andere Geschichte.

    LG Karl

  • Hallo zusammen,


    wenn ich die Hutfarbe in eigenen Worten beschreiben soll, würde ich die Mitte als gelblich bezeichnen, der dunkleren Rand dann Richtung grau-violett bezeichnen und dazwischen dann ein entsprechender Übergangsbereich. Ich habe auch gerade noch mal aktuelle Fotos gemacht, die zumindest auf meinem Monitor den Farbeindruck besser wiedergeben (auf dem Foto ganz oben waren die Fruchtkörper wohl einfach zu nass und die Lichtverhältnisse nicht optimal). Was man bei diesen Exemplaren auch beachten sollte ist, daß sie wohl einen ganzen Tag Starkregen hinter sich haben.


    Ich hatte gestern auch noch mal in die Huthaut reingeschaut. Zunächst noch mal zwei Bilder in Kongorot


    Und dann in SV. Als ich oben schrieb, daß die Pileozystiden sich nicht mit SV dunkel verfärben, meinte ich, daß sie halt nicht schwarz/dunkelblau werden. Daß sie schon deutlich violettr als der Rest werden, ist natürlich klar. Interessanterweise sind jetzt im neuen Präparat auch durchaus dunkelfärbende Zystiden zu finden.


    Zu guter Letzt noch zur Sporenpulverfarbe: Da hatte ich mehr als genug Sporenpulver und bin was die Einschätzung der Farbe angeht, relativ zuversichtlich, daß es IIb-c war und nicht dunkler.


    Björn

  • Hallo Björn,

    so hätte ich mit R. parazurea keine Bauchschmerzem. Neben dem zunächst falsch beurteilten Sporen, fehlte mir die Anfärbung der Pileos schon sehr. Ungleichmäßige Anfärbungen habe ich selber schon gehabt, als ich noch gründsätzlich SV verwendet habe. Irgendwo im Präparat sollten sich jedoch immer angefärbte Pileos finden lassen.

    LG Karl

  • Hallo zusammen,


    wenn ich die Hutfarbe in eigenen Worten beschreiben soll, ... Richtung grau-violett ...

    Hallo zusammen,

    mit dieser Zusatzinfo in Verbindung mit KarlWs Fotonachbearbeitung habe ich auch keine Probleme mit der Diagnose R. parazurea. Die ist im Duisburger Stadtwald (Sandboden?) auch gut vorstellbar.

    FG

    Oehrling

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