Hallo, Besucher der Thread wurde 822 aufgerufen und enthält 14 Antworten

letzter Beitrag von Beorn am

Im Auwald knisterts

  • N'Abend!

    Also was ich unbedingt mal loswerden muss: Glückwunsch zu den freilaufenden Spitzmorcheln.
    Aus meiner Gegend kenne ich quasi nur das anthropogene Pendant auf Rindenmulch und bin ziemlich sicher, daß das was anderes ist, als das, was du zeigst. Denn diese Rimu - Dinger sind in dem Alter ja niemals so hell, sondern auch immer schon grünbraun bis schwarzgrün.

    Das, was du da zeigst, habe ich jedenfalls noch nie gefunden. Tolle Sache. :)



    LG; Pablo.

  • Bei uns hier im Saarland gibt es reichlich Morcheln dieses Jahr. Dier ersten fand ich am 20.03 und die letzten bisher jetzt am Wochenende. Aber sehr unterschiedlich: An bekannten guten Fundstellen gar nichts, dafür in einiger Entfernung plötzlich sehr viel und an ganz neuen Plätzen überragend. Insgesamt, die beste Morchelsaison seit langem. Aber jetzt geht es langsam zur Neige, glaube nicht, dass hier noch viel kommt. Dennoch: Bin so dankbar für die schönen Erlebniss.


    Gruß von der lieblichen Saar Theo Pitzer

  • N'Abend!

    Also was ich unbedingt mal loswerden muss: Glückwunsch zu den freilaufenden Spitzmorcheln.
    Aus meiner Gegend kenne ich quasi nur das anthropogene Pendant auf Rindenmulch und bin ziemlich sicher, daß das was anderes ist, als das, was du zeigst. Denn diese Rimu - Dinger sind in dem Alter ja niemals so hell, sondern auch immer schon grünbraun bis schwarzgrün.

    Das, was du da zeigst, habe ich jedenfalls noch nie gefunden. Tolle Sache. :)



    LG; Pablo.

    Hallo Pablo,

    ich kenne mich ja nicht so gut aus mit Morcheln und gerade wird ja hier im Forum heiß darüber diskutiert. Meine Freundin Elfi ist der Meinung, dass es die deliciosa ist.

    Sie hat ein sehr angenehmes und kräftiges Aroma, auch der Duft ist gigantisch. Diese Morchel finde ich auch nur an einem einzigen Platz, auf einer Waldlichtung mit vielen Fichten und einer einzigen Esche dazwischen. Im Vergleich zur Rindenmulchmorchel sieht sie völlig anders aus. Die Struktur und auch die Festigkeit ist einfach toll.

    Heute habe ich noch einmal geerntet, ich denke das letzte Mal in dieser Saison. Es wird warm - leider.

    Die hellen (Blonden) finde ich bei der roten Pestwurz. Die wachsen dazwischen und im alten liegengebliebenen Gras. Die Morcheln haben dieselbe helle Farbe, wie das alte Gras.

    Chamäleon-Pilz halt.

    Anbei nochmal ein Bild von der Struktur.

    Liebe Grüße, die Gela


  • Hallo Gela,


    ich würde deinen letzten Fund als Morchella esculenta var. vulgaris nennen aber ich habe kaum Erfahrung mit denen. Eine aus der Speisemorchelgruppe sollte es aber mit ziemlicher Sicherheit sein.


    VG Jörg

    Hallo Jörg,

    Ich denke schon, dass es eine Spitz- und keine Speisemorchel ist.

    Hier der ganze Haufen. Und zwei Standortbilder.

    Liebe Grüße Gela


  • Hallo Gela, wie unterschiedlich die Fundorte von Morcheln doch sein können. Bei Fichten und Eschen habe ich noch nie Spitzmorcheln finden können. Ok, nicht ganz, denn an einem Spitzmorchelplatz wachsen zumindest einige wenige Minifichten, wie auch immer die dorthin kommen konnten. An Speisemorcheln finde ich nur die dicken gelben (nicht, das ich was dagegen hätte) :).


    Die Spitzmorchelsaison im Saarland habe ich vor etwa einer Woche für beendet erklärt. Drei Einmachgläser sprechen für eine gute Saison und großzügige Morchelspenden an glücklose Sucher. Die kleinen, die beim letzten Sammeln noch vorsichtig aus dem Boden lugten, sind zumindest vor mir sicher und dürfen für Nachwuchs sorgen.

  • Hallo Theo, Hallo Wühlmull,


    Eure Berichte erwecken den Eindruck, als sei das Saarland ein Morchelparadies. Das kann ich leider nicht so bestätigen.

    Ich bin im nord-westlichen Saarland (Raum Merzig) unterwegs und muss dort leider immer wieder erleben, wie sämtliche Morchelvorkommen (und auch sonstige Habitate seltener Pilzarten) durch rücksichtslose forstwirtschaftliche Eingriffe zerstört werden. Obwohl ich in fast jedem Jahr eine neue Stelle entdecke, bekomme ich leider selten mehr als eine Handvoll zusammen. In meinem früher sehr ergiebigen Hauswald wächst inzwischen gar nichts mehr, nach dem die schönen alten Eschen gefällt und die Wegränder mit schweren Maschinen und Holztransportern plattgefahren wurden. An einer vor 2 Jahren entdeckten Stelle im Nachbarwald haust zur Zeit der Harvester. Es sieht dort aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Ich kam gestern gerade noch rechtzeitig, um wenigstens noch einige Speisemorcheln vor dem Plattfahren zu bewahren. Da Morcheln sehr empfindliche Wesen sind, befürchte ich, dass auch dort künftig nichts mehr zu finden sein wird.

    Wenn Ihr da andere Erfahrungen habt, wünsche ich Euch, dass das noch längere Zeit so bleibt. Hier habe ich die Hoffnung inzwischen aufgegeben und weiß nicht, ob ich mir das im nächsten Jahr nochmals antun werde.


    Herzliche Grüße

    Josef

  • Hallo Josef, es ist jetzt nicht so, dass ich viele Morchelstellen kenne, nur waren diese in diesem Frühjahr eben besonders ergiebig. Eine Bekannte von mir berichtet von Speisemorchelfunden unter Obstbäumen westlich von Merzig und in den Niedauen. Auch dort und im Bliesgau fallen die Eschen mancherorts schon fast wie Dominosteine. Ich kann nachvollziehen, wenn man da irgendwann die Lust verliert. An einer Stelle ist es genau andersrum. Da wachsen immer weniger Spitzmorcheln, seit sich der Mensch dort NICHT mehr einmischt.

  • Hallo zusammen!


    Gelas Morcheln wären für mich schon Spitzmorcheln im weiteren Sinne. So vom Gesamteindruck her, mit den - wenn auch schwachen - Grüntönen, der Form und Struktur der Rippen / Waben passt das aus meiner Sicht nicht zu einer der arten aus der esculenta - Verwandschaft.

    Daß "die Spitzmorchel" in Europa nun mehrere Arten sind, kann man ja als erwiesen ansehen. Nur: Wie viele Arten es gibt, wie die heißen müssen und erst recht: Wie man sie morphologisch einordnen kann, da besteht noch große Unklarheit.

    Vergleichen kann man dazu zB >diesen Beitrag< und insbesondere die Anmerkungen von Christoph dazu.


    Die Sache mit den Eschen ist in der Tat eine ökologische Katastrophe!

    Am meisten fuchst es mich, daß man ja gerne mal das Märchen erzählt, daß man die Eschen durch die Fällungen vor dem "pösen, pösen Pilz" (Hymenoscyphus fraxineus, nicht besonders gesund für die Eschen aber eben absolut gar nicht böse) schützen wollte. Das ist natürlich totaler Quatsch!

    Die Eschen werden sich dann mit dem Pilz arrangieren können (was sie übrigens jetzt schon tun, einfach mal hingucken und die befallenen Bäume ein paar Jahre beobachten, Leute), wenn man sie in Ruhe lässt. Wenn man den Genpool möglichst groß hält, sind sie am besten in der Lage, Resistenzen zu entwickeln, bzw. trotz des Parasiten sehr lange zu leben.
    Die meisten Eschen sterben nicht durch den Pilz oder nur sehr langsam. Die meisten Eschen sterben dadurch, daß sie gefällt werden.

    So weit mal die Fakten. Dazu braucht es noch nicht mal weitschweifige wissenschaftliche Untersuchungen. Mindestanforderungen um zu verstehen, wie das in Wirklichkeit ist, sind einfach nur zwei Augen und ein IQ von mindestens 5.

    Eigentlich sollte man da möglichst einschreiten, und die zuständigen Behörden mit Anfragen und Hinweisen zuballern, bis dieser Katastrophe einhalt geboten wird. Eschen sind bedroht und müssen geschützt werden, geschützt werden Eschen dadurch, daß man sie stehen lässt, insbesondere die Alten Bäume. Alles andere ist Quatsch.



    LG; Pablo.

  • Hallo Pablo,


    ich kann deine Frust nachvollziehen, bei uns wird der heimische Mischwald gerodet, Das Wort Esche in Deutschen Wäldern wird in naher Zukunft nur noch im Lexikon zu finden sein.

    Aber dieser von China durch Paletten und Verpackungsmaterial eingeschleppte Pilz ist schon schädlich, ich habe kürzlich eigenhändig eine hohe sehr dicke abgestorbenen Esche, mit hin und her schaukeln zu Fall gebracht, als sie in mehrere Stücke zerbrach, war sie innen morsch und hol, so sind in selbiger Umgebung viele.


    Auch trauriger Colobus

    The first morel the shepherds did see
    In the springtime beneath a dying elm tree:
    Morel, morel,
    Morel, morel!
    Where we find them we never will tell,
    Morel!

  • Hallo,


    Ich kann da Pablo voll zustimmen. Mit dem besagten Pilz hat das nichts zu tun. Es werden ja auch auch andere Bäume im großen Ausmaß gefällt. Und immer findet man einen anderen Vorwand. Möglicherweise breiten sich solche Schadpilze ja auch aus, weil heimische Pilze immer mehr schwinden. Früher war z.B. der Hallimasch für mich ein exotischer Pilz, den ich nur aus den Fichtenwäldern des nördlichen Saarlandes kannte. Seit hier so intensiv gefällt wird, macht er sich jetzt auch zunehmend in unseren Laub- und Mischwäldern breit. Was mich am meisten dabei ärgert, ist, dass das alles in der Öffentlichkeit und auf großen Schildern als naturnah und nachhaltig angepriesen wird. Ich kann das Wort nachhaltig inzwischen gar nicht mehr hören. In Wirklichkeit geht es doch nur darum, mit möglichst wenig Personalaufwand möglichst viel aus den Wäldern herauszuholen. Gegen einen vernünftigen Holzeinschlag wäre ja gar nichts einzuwenden. Unsere Wälder hier sind Wirtschaftswälder und Holz wurde schon immer eingeschlagen, aber nicht in dem Ausmaß wie das seit einigen Jahren der Fall ist. Da hat ja kein Baum mehr die Chance, alt zu werden. Mittlerweile werden ja schon "Stängelchen" mit knapp 20 cm Stammdurchmesser genommen. Da werden breite Schneisen in den Wald geschlagen, Wegränder planiert, mit immer größeren Maschinen alles niedergewalzt und bei Regenwetter halbmetertiefe Fahrspuren hinterlassen. Die Kronendächer sind schon teilweise so gelichtet, dass die Sonne auf den Boden knallt. Bei unseren Kalkwäldern ist dann nach 2 Tagen Sonne bereits der ganze Boden ausgetrocknet. Wo es früher Teppiche von Scharbockskraut, Buschwindröschen u. Waldmeister gab, machen sich heute Gras und Brombeerranken breit. Früher gab es in jedem Dorf einen Förster, der die Fällarbeiten überwachte. Heute werden diese Arbeiten größtenteils an private Holzunternehmen mit osteurop. Niedriglohnarbeitern vergeben. Einen Förster oder sonstwie Verantwortlichen trifft man da gar nicht an. Immer mehr Leute, die ich im Wald treffe, beschweren sich darüber, aber die Holzlobby scheint übermächtig zu sein. Selbst die Naturschutzverbände und die sonst so lauten militanten Natur- und Umweltschützer halten da offenbar still. Der PSV mit dem ich befreundet bin, erzählt mir, dass er auch als Naturschutzbeauftragter mit seinen Eingaben immer wieder wie gegen eine Wand läuft.

    Wenns so weitergeht, fürchte ich, dass in 20 Jahren unsere Nachkommen sich nur noch virtuell durch den Wald bewegen können.

    Früher ging ich in den Wald um mich zu entspannen. Heute ist es leider so, dass ich mindestens bei jedem zweiten mal so frustiert zurückkomme, dass ich mich darüber ärgere, überhaupt rausgegangen zu sein.


    Herzliche Grüße

    Josef


    @ Wühlmull:

    Bei mir ist es jetzt auch nicht so, dass ich keine Morcheln gefunden hätte. Für mich reichts eigentlich, die Morchelsosse für die nächsten 2 Jahre ist gesichert. Aber im Verhältnis zu früheren Jahren, als ich erst 2 Stellen kannte, ist das Ergebnis doch recht bescheiden. Da läuft man sich 3 Wochen die Hacken ab, um den Startschuss nicht zu verpassen u. dann kommt nix.. Und wenn jetzt die letzt verbliebene Stelle auch noch zerstört wird, kann das schon sehr frustierend sein, zumal ich meine Fundstellen gehegt u. gepflegt habe, in dem ich immer einige Morcheln stehen ließ u. meine Putzreste wieder hingebracht u. rundherum ausgestreut hatte. Gestern nachmittag habe ich jetzt doch noch etwas unterhalb einer früheren Stelle eine Handvoll kleinerer Mörchelchen gefunden. Ob die dort hin ausgewandert sind oder ob es meine Putzreste waren, darüber könnte man jetzt natürlich spekulieren.

    Deine Bekannte ist ist übrigens eine gemeinsame Bekannte (Vorname fängt mit L. an) und ihre Morchelfunde sind mir bekannt.

  • Servus!


    Na, keine Frage, daß der Pilz ziemlich schädlich für unsere heimischen Eschen ist. Ebenfalls außer Frage steht, daß befallene und instabile Bäume kontrolliert gefällt werden müssen, wo sie die Wegesicherheit gefährden.
    Nur werden halt nicht nur erkennbar stark geschädigte oder abgestorbene Eschen im Wegebereich gefällt, sondern auch viel tiefer im Wald und eben auch weitestgehend gesunde Bäume.

    Zu Punkt 1 wäre aber mal ganz interessant: Wie würde die Abwehr der Bäume aussehen, wenn sie nicht durch Vergiftungen der Böden, Fließgewässer und Luft mit Düngemitteln, Artenvernichtungsmitteln (wird oft "Pflanzenschutzmittel genannt, der Begriff ist aber falsch und irreführend) usw. sowie durch den Klimawandel massiv unter Stress stehen würden? Insbesondere auch interessant: Hätte sich die "eingeschleppte" (oder vielleicht auch einfach eingewanderte?) Pilzart so ausbreiten können, wenn nicht die genannten Stressfaktoren bestehen würden, sondern auch die Vielfalt und Dichte an heimischen Arten (Tiere, Pilze, Pflanzen und Mikrobiom) nicht derart katastrophal reduziert werden würde, wie es seit Jahren der Fall ist?
    Soll heißen: Wie würden die Eschen und die damit verbundene Ökogemeinschaft, in der sie leben, mit dem Pilz umgehen, wenn diese Ökosysteme eben nicht mit dem Kollaps durch Arten- und Individuenschwund stehen würden? Solche invasiv und aggressiv auftretenden Arten können sich ja oft nur durchsetzen, wenn es eine entsprechende Lücke gibt, in die sie hinein können.


    Ändert alles nichts an der Tatsache: Würde man dem Wald helfen wollen, (und würde man darum auch in 20 - 50 Jahren noch eine einigermaßen profitable Forstwirtschaft betreiben wollen), müsste man jetzt sämtliche Fällungen aussetzen (siehe Einschränkung oben: Wegesicherheit). Es ist auch das Fehlen der alten Bäume am Standort, welche die Bodenökologie und damit das Austreiben und Wachstum junger Bäume massiv stört, was den Bestand letztlich zusammenbrechen lassen wird.

    Ein Wald ist ein komplexes System, da spielt alles zusammen.

    Es ist eben genau so, wie Josef das beschreibt: Schlägt man - erst recht aus einem ohnehin durch og. Faktoren gestressten Biotop - die Altbäume massiv heraus, bricht die Gesamtökologie zusammen. Das dauert Jahrezehnte, bis sich dort dann wieder ein einigermaßen sinnvoller, artenreicher Wald ansiedelt, der einigermaßen resistent, entwicklungsfähig und (Aufwachen, liebe Forstämter!) damit auch wirtschaftlich nutzbar ist.

    Ganz einfache Rechnung: Um Forstwirtschaft zu betreiben braucht man: Na? Wald!

    Kein Wald = nix zu wirtschaften, oder?

    Am effizientesten funktioniert ein Wald, der sich selbst reparieren kann, weil seine Ökologie intakt ist. Intakte Ökologie = Artenvielfalt. Die künstlich angelegten Fichtenmonokulturen haben schon nicht funktioniert (zumindest da, wo sie nicht hingehören). Da hilft's auch nix, mit der chemischen Keule drauf zu hauen, bei der absehbaren Borkenkäfermassenversammlung. Das einzige was man dadurch erreicht, ist ein noch stärker beeinträchtigtes System und die Gewissheit, daß die nächste Parasitenexplosion umso gravierender sein wird.



    LG; Pablo.

    • Gäste Informationen
    Hallo, gefällt Dir das Thema und willst auch Du etwas dazu schreiben, dann melde dich bitte an.
    Hast Du noch kein Benutzerkonto, dann bitte registriere dich, nach der Freischaltung kannst Du das Forum uneingeschränkt nutzen.