Servus Stefan...
also die PSVs sollten schon wissen, dass es nephrotoxische Amaniten und Phlegmacien gibt. Deren Giftstoffe sind aber noch nicht wirklich bekannt, bzw. gibts Vermutungen, die aber noch nicht abgesichert sind. Deshalb werden die auch in der Frage nicht gemeint sein, da ja explizit nach nephrotoxischen konkreten Giften gefragt wird.
... stimmt nicht ganz... bei den Amaniten weiß man, dass Amanita solitaria das gleiche Nierengift wie Amanita smithiana enthält, das im Moment Smithiana-Toxin genannt wird. Man hat den Giftstoff nachgewiesen. Nur das Nierentoxin von Amanita porxima ist m.W. noch unbekannt.
Eine Frage wie "Durch welche Pilzgifte wird die menschliche Niere geschädigt?" ist einfach nur falsch formuliert. Würde man fragen "Nennen Sie zwei Pilzgifte, die nierentoxisch wirken", wäre jedem klar, dass Orellanin und Smithiana-Toxin richtig wäre. Polyporsäure - schädigt die wirklich die Nieren nachhaltig? Es gab nur eine Vergiftung mit mildem Verlauf. Fragt man aber nach allen Giften, wird aus einer eigentlich klaren Frage eine harte Nuss, die vermutlich selbst die Ausbilder nicht beantworten können. Vielleicht ist mittlerweile auch das Amanita-proxima-Toxin bekannt? Eine so gestellte Frage hat also, sobald eine Publikation rauskam eine andere Antwort... Nicht aber, wenn man einfach nach zwei Toxinen fragt.
Ich habe keine Ahnung, warum es so schwierig sein soll, klar definierte Fragen mit definiertem Erwartungshorizont zu formulieren. Offenbar ist es gewollt, dass der Spielraum der Antworten möglichst groß ist, also der Erwartungshorizont völlig unklar ist. Das macht es aber für die Korrektur und auch für den Prüfling (unnötigerweise) schwierig...
Liebe Grüße,
Christoph