kleine Pilzkunde in der Grundschule (Spoiler - keine Fotos)

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema, welches 481 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Grüni/Kagi.

  • Hallo ihr Lieben,

    ich möchte euch heute einen kleinen Einblick in meine "Pilzstunde" geben.

    Vielleicht interessiert es ja jmd wie wir hier versuchen den Grundschülern Pilzwissen zu vermitteln, oder hat einer eine Anmerkung, wie sich so eine Stunde noch gestalten läßt.

    Vorab hatte ich Kontakt zu einer Lehrerin, in deren Klasse der Sohn meiner Kollegin geht, und die hatte die Idee, ich könnte den Sachkundeunterricht mit praktischem Pilzwissen etwas bereichern.

    Gesagt, getan, das Zeitfenster war ziemlich eng, denn sobald der erste Steinpilz im Umkreis auftaucht, tauchen gleichmaßen Anfragen nach Wanderungen, Vorträgen etc auf. 1 Woche Vorbereitungszeit ist nicht lang und ich habe überlegt, wie man eine Stunde mit Viertklässlern gut gestalten könnte. Ein Vortag kommt nicht in Frage, denn es war schon die 5. Unterrichtsstunde - da ist das Aufnahmevermögen schon herabgesetzt und wir wollen ja alle am Ball halten. So ging ich los und sammelte gestern einfach ein paar Pilze in den Korb- ja aber was nimmt man da mit? Die Vorarbeit der Lehrerin war spitze- sie hat sogar schon Sporenabdrücke gesammelt!

    Das erste was mir einfiel: Stäublinge! Sobald sich auf etwas herumdrücken lässt, das auch noch staubt - gut so. Dann natürlich nen Fliegenpilz - den kennt jeder und einen Hexenröhrling. Tintlinge hatte ich auch parat und ein paar Korallen sowie Perlpilze und Co.

    Angekommen in der Schule - die Lautstärke spielender Kinder sollte man übrigens nicht unterschätzen ^^ - der Unterricht beginnt, nach einer Vorstellung meinerseits fing ich an mit der Frage: "Was kennt ihr denn schon für Pilze?"

    Die Resonanz hat mich wirklich überrascht: nicht nur Steinpilze, Fliegenpilze und Co , nein auch Krause Glucke, Hallimasch, Täublinge wurden gerufen!

    Ich habe dann nacheinander meine Funde aus dem Korb geholt und im Zimmer rumgehen lassen - immer wieder Zwischenfragen und wirklich großes Interesse ( ich muss zugeben, dass ich anfangs besorgt war, dass keiner wirklich "dabei" ist - ein Fehler!)

    Nachdem wir Rören- und auch Blätterpilze besprochen haben, legte sich das Interesse auf die Tintlinge und Baumpilze - und die Frage : "Was kann man denn noch mit Pilzen machen?" - Da hätte ich Tuppie oder Grüni/Kagi gern dabeigehabt, die so schöne Zeichnungen auf Lackporlinge zaubern können - ich habe ein S für Sandra draufge"malt" :)

    Nach 30 min waren alle schon durch, es wurde unruhig in der Klasse aber wir kamen noch darauf zu sprechen, dass man natürlich nicht alle

    Pilze essen kann und wie man denn Giftpilze erkennt, Schneckenfraß, Geruch, oder aber schon überständige Pilze. Das konnte jeder gut beantworten!

    Die schwierigste Frage für mich war: "Was ist denn der giftigste Pilz der Welt?" - ja schwer, oder hättet ihr da gleich eine Antwort? Knolli, Gifthäubling, der, den man nicht kennt und trotzdem isst?

    Die Glocke zur Pause kam viel zu früh, und sicher kann nicht alles angesprochen werden, was das PSV Herz bewegt. Aber ich hatte den Eindruck, dass es den Kindern Spaß gemacht hat, etwas praktisch zu erfahren und den Wissensdurst etwas gestillt zu haben.

    Das hat mich heute extrem glücklich gemacht.

    Ich habe nicht erwartet, dass alle so interessiert sind und wirklich hören wollen was in der Natur so ringsrum lebt und passiert - eine schöne Erfahrung die ich erleben durfte ( natürlich wollen alle anderen Klasse das jetzt auch (wann finde ich Zeit, OMG =O ) ...

    Aber falls ihr mal so eine Anfrage habt: Macht es ! 45 min in der ich wieder das Gefühl hatte- ersthaft etwas zu erreichen - manchmal nicht mehr selbstverständlich in einer Zeit wo alles TikTok Internet/ palaver so viel überdeckt und die KI viele Bilder generiert und Fliegenpilze als toller Tee-Aufguss promotet wird!


    Diese Erfahrung wollte ich heute einfach mit euch teilen,

    danke dass Ihr bis hierher dabeiwart,

    LG eure Schwarzhexx, die jetzt mit einem sehr zufriededenen Lächeln ins Bett geht :*

    Hilmi

    Liebe Grüße aus dem Vogtland

    die Schwarzhex

    :gwinken: Sandra

    (PC 100 - 10 (fürs APR 2020) = 90 - 15 (APR 21) = 75-10 (APR22) = 65 + 7 (APR 22 Auflösung) - 5 (Rätsel-Gedicht)= 67 - 10 (APR 23) = 57 + 5 Gnanzierung = 62 - 10 (Ast-Wette gegen Björn) = 52 - 10 (APR 24)- 1 (legaler Bestechungsversuch im Vorfeld des APR zugunsten GI)= 41 + 21 (Thorwulf Spende)= 62 + 38 (Hannes2 Spende) = 100 PC :gbravo: + 3 Gnolmengastfreundlich = 103-15 (APR 25) = 88+ 1 Nannettenrätsel=89 + 3 Jammerei auf hohem SchwarzhexxNiveau = 92+ 3 (Platz 20 APR25)=95

  • Hallo Hilmi,


    schöner Bericht! Hab ich auch schon erleben dürfen. Und ... Du hast alles richtig gemacht. Du hast die "Must Haves" dabei gehabt: Fliegenpilz, Pilze, die sich an der Luft im Schnitt verfärben, Große Pilze, Stäubende Pilze, Korallenförmige Pilze, bunte Pilze, Röhren/Blätter/Baumpilze, Milchende Pilze ... Ich hatte auch tolle Erfahrungen z.B. mit Waldkindergärten und einmal mit einer Grundschulklasse. Kinder sind einfach unheimlich interessiert, und freuen sich riesig über jede Abwechslung vom Schulunterrichts-alltag;-)


    Der giftigste Pilz der Welt aber ist eindeutig:


    Giftige Feuer-Koralle

    Trichoderma cornu-damae

    (Pat.) Z.X. Zhu & W.Y. Zhuang


    ;)

  • Hallo Hilmi,

    ich kann mich so gut in Deine "Hochgefühle" hineinversetzen, denn ich hatte diese auch, beinahe 15 Jahre lang. Mit Kindern zu arbeiten, ihnen die Natur altersgerecht nahe zu bringen, die Begeisterung zu wecken bzw. diese zu vertiefen - einfach großartig! Und wenn sich die Kinder dann drei Jahre später noch an dass erinnern, was man ihnen gesagt hatte, dann ist dies einfach nicht zu beschreiben.

    Ich weiß nicht wie dies in anderen Bundesländern ist, aber hier in Bayern gab es in der 1. Klasse im Rahmen des Lehrplanes das Thema Wiese, in der 2. Klasse das Thema Hecke, in der 3. Klasse das Thema Wald und in der 4. Klasse das Thema Wasser - Wasser habe ich nicht gemacht, die drei anderen Themen Jahr für Jahr allerdings schon und dies eben nach Lehrplan. Allerdings nicht im Klassenzimmer in nur 45 Minuten, sondern über mehrere Schulstunden direkt in der Natur - ein Natur-Projekttag an dem die Kinder mit allen Sinnen lernen, im wahrsten Sinne begreifen konnten. Ich war von April bis in den Herbst hinein eigentlich immer ausgebucht und hatte in vielen Schulen Jahr für Jahr die Kinder von der 1. bis zur 3. Klasse. Manchmal vermisse ich dies sehr ...

    Ich kann nur jedem empfehlen, der die Bereitschaft hat sich auf die Kinder einzulassen und die Fähigkeit die Lerninhalte spannend und altersgerecht zu vermitteln, so etwas zu machen - egal ob im Klassenzimmer oder direkt in der Natur. Es ist eine unglaubliche Bereicherung und zumindest bei mir war es so, dass die Kinder in der 3. Klasse, wenn wir im Wald waren, mir noch haarklein erzählten was sie mit mir in der 1 . Klasse auf der Wiese gelernt hatten.

    Liebe Grüße und bitte mache dies unbedingt weiter!

    Maria

  • Hallo Sandra,


    Cool dass Du das durchgezogen hast!

    Ich kann es ein bisschen nachvollziehen. Ich war dieses Jahr das erste Mal bei den Waldjugendspielen dabei. Irgendwo im Wald zwischen Kretscham-Rothensehma und Hammerunterwiesenthal (mehr Buchstaben als Einwohner) befindet sich eine Forstbaumschule. Einmal im Jahr gibt es eine Woche lang die Möglichkeit, für 3. und 4. Schulklassen mit einem Bus dorthin zu fahren und einen Projekttag zu machen. Die Schüler werden in kleine Gruppen aufgeteilt (Ca 10 Schüler) und müssen 6 Stationen nacheinander abarbeiten. Es gibt an jeder Station (Tiere, Pflanzen, Bäume, Pilze, Müll usw) ein bisschen Vortrag bzw. Reden und danach irgend ein „Spiel“, bei dem die Gruppe Punkte sammeln kann. Zum Schluss wird ausgewertet und die Schüler bekommen ihre Urkunden. Wir hatten als PSVs in der Gegend eine Woche lang eine kleine Pilzausstellung zu betreuen und ich war einen Tag mit oben. Zum Glück war meine PSV-Partnerin auch Lehrerin und hatte die Kinder gut im Griff. Leider sind 10-15min nicht viel, um über Pilze zu reden. Wenn man da noch auf Antworten warten muss, ist die Zeit schnell rum. Danach gab es ein Pilz-Memory auf Zeit. Zwischendrin, also wenn die Gruppen die Stationen wechseln, ist immer mal bissl Zeit und plötzlich kommen die Kinder mit irgendwelchem Zeug unter den Bäumen hervor und wollen wissen, ob das auch Pilze sind :) war echt cool. Ein Mädchen hat sogar uns einen Vortrag über Pilze gehalten, die wusste echt ne ganze Menge. Worauf meine Kollegin mich angeraunzt hat: Schreib den Name auf! Schreib den Name auf! Wir brauchen Nachwuchs! :glol:


    Zum Schluss gab es dann noch einen Teller Nudeln (für die „Veranstalter“ zusammen mit den Förstern. Das war auch sehr interessant… Beziehungen kann man gar nicht genug haben :gzwinkern:)


    VG corne

  • Hallo Sandra,

    auch ich kann dir gut nachfühlen, ich hatte diese Gefühle auch schon. Bin zwar kein PSV, aber bei meiner langjährigen Tätigkeit im Kindergarten und eines relativ großen Pilzartenreichtums auf dem Grundstück des Kindergartens. Ganz altmodisch noch mit der Kasper-Handpuppe habe ich versucht, den Kindern (3-6jährige)zu erklären, dass man draußen nichts in den Mund steckt und auch nicht alles sinnlos zerlatscht. Wir haben uns die Pilze im Kindergarten-Garten angeschaut und natürlich durften auch reife Boviste gedrückt werden.

    Ausschlaggebend damals waren wirklich fast gift-lilane Lepista nuda in der Laubhaufenecke. Ich habe versucht zu erklären, dass die Pilze in die Natur gehören und auch Nahrung für andere sind usw. Und vor allem dass es auch giftige gibt usw. Zum Schluss hat mir jedes Kind einen schönen Pilz gemalt (meistens nen Fliegenpilz ;) ) und es gab ein kleines Eis für alle aufmerksamen Zuhörer, die mucksmäuschenstill und ganz aufmerksam waren. Und ganz wichtig: es wurden auch im Nachhinein keine in den Mund gesteckt und aber auch keine mehr zumindest mit Absicht zerlatscht, sondern die wurden aufmerksam beobachtet (vor allem die großen Schopftintlinge fanden die Kinder faszinierend, wie aus diesen weißen Pilzen schwarze Tinte wurde) - da passten die Kinder gegenseitig aufeinander auf.

    War vor vielen Jahren auch ein schönes Erlebnis.

    PS noch für alle Mitleser: Das war damals noch in den 80er Jahren zu tiefsten DDR-Zeiten. Es gab auch nie einen Vorfall mit Pilzvergiftungen o.ä. mit den Kindern. Auch das nichts in den Mund gesteckt wird, hat draußen in dem wirklich fast riesengroßen Garten immer wunderbar geklappt. (Der Kasper hatte da ganz dolle Bauchschschmerzen und Durchfall <X und hat dadurch alle anderen Aktivitäten im Kindergarten verpasst.....)


    LG

    Ute

  • Hallo Hilmi,

    supertoll! Das ist genau mein Thema. Du hast es wunderbar vorbereitet u den Kindern eine interessante Stunde geboten, aus der sie garantiert viel mitgenommen haben!

    Witzigerweise habe ich gerade letzte Woche in meiner Schule - statt Reli-Vertretungsunterricht - eine spontane, improvisierte Pilzkundestunde gehalten!

    Grund waren Pilzfunde (ich hatte hier: 🍄‍🟫 Pilzfund meiner Schulkinder: Hygrocybe spadicea? 👧 und hier: 🍄‍🟫 Neuer Schulfund! 👧 Camemberttäubling? Nee, Kammtäubling. berichtet) auf dem Schulgelände, und unaufgeklärte Kinder, die sie einfach zertrampelt haben, weil durch falsche, abergläubische oder schlicht fehlende Informationen in ihren Köpfen festgetackert wurde: Pilz = giftig = zerstören! Besonders Kinder mit Migrationshintergrund aus arabisch geprägten Ländern sind da betroffen. Ich glaube, in den Herkunftsländern ist Pilzesammeln nicht so verbreitet.

    Aber auch unter den anderen Kindern ist mangelndes Wissen und Vorurteile über Pilze oder die Natur im Allgemeinen fast schon die Regel. Den meisten macht vieles Angst: Insekten stechen und beißen, Pilze sind alle giftig, Pflanzen lösen Allergien aus etc etc...

    Ich versuchte, die Kinder im Schnelldurchlauf über die Art der Giftigkeit (kein Kontaktgift, Zertrampeln ist sinnlos), die Lebens- und Vermehrungsweise (Mycel ist der eigentliche Pilz) und den Wert der Pilze für den Naturkreislauf etc aufzuklären.

    Die meisten waren an meinem Vortrag jedenfalls ziemlich interessiert, und einige von ihnen waren so "angefixt" von dem Thema, daß sie in den folgenden Tagen sensibilisiert auf dem Schulgrundstück suchten und weitere Pilzarten fanden, mir ganz stolz zeigten und die Namen wissen wollten! (Es kamen zu den oben erwähnten Funden noch ein paar Rotfüße dazu)

    Ich hatte schon oft Lust, mal eine Pilz-AG oder -Unterrichtseinheit anzubieten. Hat sich bis jetzt leider nicht ergeben, da ich nur Vertretungslehrerin bin.

    Übrigens danke für die "lobende Erwähnung" als Pilz-Künstlerin! ==10

    Pilzige Grüße,

    Grüni/Kagi ==12


    117 Pilzchips


    (120PC Stand 07.01.24 -15PC Einsatz APR 2024 = 105PC +4PC Platz 9 APR 2024 +3PC Gnolmhessisch-Bonus +3PC für Sozialphahl= 115PC Stand 05.01.2025 -15PC Einsatz APR 2025 = 100PC +3PC 1. Rätzler über die Mitte +3PC Am nächsten an Schnapspunktzahl 222 +2PC 1500. Beitrag im Rätzelthread +3PC Selbsteinschätzung +3PC Bonus Bunte Gratulations-Lobhudelei +3PC Sondierungsphahl Salate = 117PC Stand 10.01.2026)


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