Neoboletus erythropus oder N. xanthopus

Es gibt 14 Antworten in diesem Thema, welches 888 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Schupfnudel.

  • Hallo, Ihr schlauen Pilzmenschen,


    seit Jahren finde ich im Park unter Eichen hübsche Flockenhexen und habe mich nicht darum gekümmert ob das nun N. erythropus oder die gelbstieligen N. xanthopus sind. Aber ich habe dieses Jahr mal irgendwo im Forum gelesen, dass die an Eichen gebundenen wohl häufig oder meist die gelbstieligen seien. Am Fundort kommen nur Eichen in Frage. Meine neuen Funde weisen eine deutlich gelbe Stielbasis auf, allerdings fürchte ich, dass das für eine Differenzierung nicht ausreicht. Trotzdem stelle ich mal 3 Bilder hier ein, vielleicht traut sich ja jemand eine verbindliche Aussage zu, z.B. Schupfnudel oder Jürgen .





    Makroskopisch würden die doch, insbesondere mit dem filzigen Hut, noch gut ins Spektrum von N. erythropus passen. Sehr verwirrend, wie ich finde. Ich freue mich über eure Kommentare.


    LG Michael

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  • Hi Suku,


    Bei meinen sind die Sporen im Abwurf recht konstant deutlich kürzer (hauptsächlich <14μm) als bei unverdächtigen Nadelwald-Flockie Funden (hauptsächlich >14μm), allerdings ist die Sequenzierung nix geworden, von daher steht an meinen Funden trotzdem weiterhin ein cf. dran.


    Du kannst sie ja mal aussporen lassen und jemanden den Abwurf nachmessen lassen?


    Ansonsten sind harte Trennmerkmale weiterhin spärlich gesät meines Wissens nach. In südlicheren Ländern geht der normale Flockie z.B. auch an Eichen, aber dass die favorisierten Begleitbäume bei anderen klimatischen Bedingungen auch mal wechseln, betrifft ja diverse Röhrlinge.


    LG,

    Schupfi

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  • Danke Schupfnudel,


    Deinen Vorschlag mit dem Sporenabwurf zum Mikroskopieren kann ich zwar nicht umsetzen, weil ich hier zu niemanden mit solchen Möglichkeiten Kontakt habe, trotzdem ist deine Antwort für mich hilfreich. Mit war nicht klar, dass die Unterscheidung der beiden Arten so aufwändig und z.T. noch uneindeutig ist. So kann ich mit meinen Kenntnis- und Fertigkeitenstand locker mit einem cf. oder sl. leben. Mein Lernfeld liegt da zunächst noch an grundsätzlicheren Stellen.


    Eine theoretische Frage ist mir bei den Überlegungen allerdings noch gekommen: wenn lediglich Sequenzierung für eine Unterscheidung möglich ist, wie kann die Fachwelt dann sicher sein, dass es sich um "saubere" Arten handelt, die lt. biologischer Definition nicht kreuzbar sein dürfen. Das könnten dann doch genauso gut auch Variationen sein, die sich genetisch unterscheiden. Dogge und Rehpinscher sind mir Sicherheit genetisch unterscheidbar. Wenn Pilze morphologisch und auch bei den Mikromerkmalen so nah beieinander liegen...


    LG Michael

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  • Hi.


    Wenn du niemanden hast, kann ich mir die Sporen im Winter auch mal angucken.


    Was eine Art definiert, ist ja grundsätzlich eine menschengemachte Schublade. Die Schubladen ändern sich nur gerne mit fortschreitender Technik, anfangs hat man alles rein morphologisch bestimmt, dann kam das Mikroskop dazu und nun eben die Genetik (die sich auch wieder weiterentwickeln wird, wir sequenzieren ja nur kleine DNA-Abschnitte bisher, mittlerweile bereits zumeist mehrere davon).

    Kreuzungstests sind bei Mykorrhiza-Pilzen, im Gegensatz zu Saprobionten, nicht wirklich machbar (oder extrem aufwendig).


    In manchen Fällen findet man nach der DNA-Art-Diagnose auch noch Unterscheidungsmerkmale, die vorher nur nicht beachtet wurden (meist ökologischer oder mikroskopischer Natur). Aber es wird vermutlich zunehmend mehr kryptische Arten geben, da viel mehr sequenziert wird und die Sequenzierung auch viel günstiger ist als früher (gerade Next-Generation-Sequencing, bei dem man über die Skalierung die Kosten enorm drücken kann).


    Die Frage, was eine Art zur Art macht ist am Ende uralt und abhängig von den technischen Möglichkeiten. Vielleicht wäre es manchmal besser von "Artkonzepten" zu sprechen.

    Es wurde sich darauf verständigt, dass eine gewisse Prozentzahl an genetischen Unterschieden in den DNA-Teilabschnitten (meist so ab >3% Abweichung, in manchen Gattungen aber auch etwas weniger) vermutlich eine eigene Art darstellen.


    Varietäten überschreiten diesen "Threshhold" dann eben nicht (also beispielsweise gelbe Farbformen vom "alten" Flockie, der früher unter Boletus pseudosulphureus als Art lief und nun nur noch als Varietät gilt).


    Edit: Gerade trudelte die Nachricht ein, dass ein sequenziertes Exemplar aus meinem Park mit 99,42% zum Typus von N. xanthopus rauskam (allerdings mit der Einschränkung, dass nur ein recht kleiner Teil der ITS ausgelesen werden konnte).


    LG.

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    Einmal editiert, zuletzt von Schupfnudel ()

  • Danke, Schupfi, für die ausführliche Antwort und das Angebot, ein Exikat unters Mikro zu legen. Wenn ich den nächsten Fruchtkörper finde, werde ich ihn trocknen. Mal schauen, ob wir's dann so machen.


    Dass Kreuztests bei Pilzen, insbesondere bei Symbionten, schwierig bis unmöglich sind, hat mich zu der Frage gebracht. Der entscheidende Faktor zur Artenunterscheidung sind dann die 3% genetische Abweichung, die letztlich eine Konvention sind. Über Sinn und Unsinn der explodierenden Neu-Sortierung seit der Möglichkeit zur Sequenzierung wurde hier ja an verschiedenen Stellen ausführlich diskutiert, es ist halt so, wie es ist. Für mich hat sich jetzt aber zumindest das Fragezeichen gelöst, was genau die Sequenzierung zeigt. Naiv von mir, in Erwägung zu ziehen, dass die Bedeutung der einzelnen Gene für die Reproduktion und den Stoffwechsel für Pilze bereits soweit bekannt sind, um daraus ein Artenkonzept zu stricken :grotwerd: .


    LG Michael


    Edit: Glückwunsch zur erfolgreichen Sequenzierung. Ein cf. weniger.

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  • Du kannst sie ja mal aussporen lassen und jemanden den Abwurf nachmessen lassen?

    Hallo Schupfi,


    weil ich jetzt ein Mikroskop habe und endlich auch die benötigte Messvorrichtung, konnte ich heute deinen Auftrag erfüllen und die Sporen messen. Ich musste mich da zunächst reinwurschteln und hoffe, ich habe keinen Murks mit der Umrechnung der Einheiten gemacht. Gemessen habe ich einzelne, freiliegende Sporen. Die Länge bewegte sich zwischen 0,0125 und 0,016 mm. Im Durchschnitt (n=10) 0,014mm, die durchschnittliche Breite (0,004-0,005mm) bei 0,0045mm. Ich habe verstanden, dass es einer Sequenzierung bedürfte, um eine sichere Aussage machen zu können, trotzdem war es eine gute Übung.





    Erstaunlicher Weise haben sich nach einer gewissen Zeit die Sporen stark bewegt und haben sich zu Clustern zusammengefunden, ähnlich des 2. Bildes. Vermutlich wegen der Hitze der Lampe und der Verdunstung des Wassers? Hat bei mir ja alles etwas länger gedauert. Vergrößerung ist 1:1000, dann noch 4fach Zoom beim Smartphone.


    LG Michael

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  • Hi Suku und im willkommen im Reich der Mikroskopie!

    :)


    N=10 ist natürlich am unteren Ende der Stichprobengröße, ich versuche meistens wenigstens 20 Sporen zu messen (außer ich habe ein ein absporfaules Exemplar erwischt und muss ewig nach Sporen suchen).

    Du hast da ja eine Längenangabe von 16μm dabei - ich weiß nicht, ob das ein Ausreißer war oder ob da mehrere solche langen dabei waren. In allen meinen N. xanthopus Abwürfen sind Sporen über 14μm die absolute Ausnahme (glaube die längste, die ich mal gemessen habe bei 4 verschiedenen FK [N=114 Sporen] hatte 14,6μm), der Qav (durchschnittlicher Sporenquotient, also Länge/Breite für alle Sporen ausrechen und dann den Mittelwert aus diesen Ergebnissen bilden) lag immer zwischen 2,6-2,7.


    Sporenwerte werden meist ungefähr in dem Format angegeben Lmin-L-av-Lmax x Bmin-Bav-Bmax


    Die Hypothese ist, dass N. xanthopus regelmäßig deutlich kürzere Sporen hat als N. praestigiator. Dein Mittelwert liegt jetzt genau an der Grenze, an der vermutlich beide Arten mal liegen können (wäre da jetzt als Längen-Mittelwert sowas wie 12,5μm rausgekommen wäre das für die Art N. praestigiator schon extrem niedrig oder halt andersrum bspw. ein Mittelwert von 15,5μm wäre für N. xanthopus deutlich höher als üblich). Du könntest mal noch die Sporenquotienten ausrechnen und schauen was bei den Mittelwerten rauskommt, aber vermutlich hast du da leider eine Kollektion erwischt, die mikroskopisch schwierig einzuordnen ist.


    Sporenlängen als Hilfsmerkmal zur Art-Hypothese:

    Sporenlänge überwiegend <14μm, Qav ≤2,7 N. xanthopus

    Sporenlänge überwiegend >14μm, Qav ≥2,8 N. praestigiator


    Ich würde den Fund vermutlich, hauptsächlich wegen der Eichenbindung, erstmal als Neoboletus cf. xanthopus ins Archiv legen und ggf. nochmal nachsammeln/nachuntersuchen oder halt sequenzieren irgendwann mal. Oder halt aufessen - das geht ja auch immer. :S


    LG.

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  • Danke, Schupfnudel, für die differenzierte Antwort. Vielleicht begebe ich mich nochmal, wenn ich Langeweile habe, an eine Messung mit mehr Exemplaren (also n>20) und die korrekte Schreibweise versuche ich mir dann auch anzugewöhnen. Die Fruchtkörper aus vermutlich einem einzigen Myzel bilden den Großteil meiner Trockenflockies. Dazu reicht cf. :cool: . Das Sporenpulver ist für mich schönes Übungsmaterial.


    LG Michael

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  • Noch eine kleine Frage im Nachschub:


    Muss ich die Breite der Sporen bei genau den Exemplaren ermitteln, bei denen ich auch die Länge ermittelt habe, oder kann ich dazu random Andere nehmen, die zum Messen günstig liegen?


    LG Michael

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  • Hallo Michael,

    immer Länge und Breite an einer Spore messen, wenn sie nicht richtig liegt bringt nur eine Messung nichts. Meist sind ja genug Sporen vorhanden um einen guten Durchschnitt zu erhalten,

    viele Grüsse

    Matthias

  • Servus beinand,


    laut Klofac, W., & Greilhuber, I. (2020). Revised key for the determination of fresh collections of European species of Boletales with tubulate hymenophore. Überarbeiteter Schlüssel zur Bestimmung von Frischfunden europäischer Arten der Boletales mit röhrigem Hymenophor. Österreichische Zeitschrift für Pilzkunde / Austrian journal of Mycology, 27, 81-303. lassen sich die beiden Arten nicht sicher durch die Sporenmaße trennen. Klofac ist ja Erstautor der Originalbeschreibung (zusammen mit Alexander Urban).


    Im Schlüssel steht u.a.: "Sp. –15,5 × 5,5, Q = 2,7–3,1, Huthauthyphen aufgerichtet." für Neoboletus erythropus bzw. N. praestigiator


    und "Sp. (10–) 13,5–15(–16) × (3,8–)4–5(–5,5) μm, Q = variabel: 2–3,3, Huthauthyphen niederliegend." für Neoboletus xanthopus


    Leider geben die Autoren für N. erythropus nicht die ganzen Sporenmaße an. Ob das "2" 2,0 heißen soll oder da eine Stelle fehlt, ist auch schwer zu sagen. Offenbar sind die Sporenmaße wieder eine einseitige Erkennungsmöglichkeit. Sind die Sporen kürzer und schmaler als bei N. erythropus, kann man N. xanthopus so bestätigen, sind sie aber genauso lang und auch in der Breit entsprechend, können es beide Arten sein. Ist ja makroskopisch auch so. Im Schlüssel wird entsprechend zu N. xanthopus kommentiert: "Es gibt Kollektionen, die in jeder Hinsicht

    (komplett braunhütig, rotporig und mit fein rotflockigem Stiel) makroskopisch kaum von N. praestigiator/luridiformis unterscheidbar sind"


    Entsprechend wird als Hauptmerkmal zur Unterscheidung die Filzigkeit der Huthaut verwendet. Bei N. erythropus filzig, bei N. xanthopus kaum filzig. Die analoge Angabe zu den HDS-Hyphen ist halt schwierig, da die HDS-Hyphen bei jungen N. xanthopus sicherlich auch (noch) aufsteigend sind und bei ziemlich alten N. erythropus nicht mehr aufsteigend sind (ein Trichoderm bricht irgendwann zusammen). Im thermohpilen Laubwald können beide vorkommen, X. xanthopus aber nur dort. Auch da ist es einseitig zur Unterscheidung, nur eben andersherum.


    Ich selber gehe für mich wie folgt vor: wenn makroskopisch typisch für N. xanthopus und Habitat passend, bestimme ich ihn als solchen. Wenn makroskopisch typisch für N. erythropus und im Nadelwald, dann bestimme ich ihn als N. erythropus. Die Sporenmaße nehme ich als Hilfsmerkmal her, um den ersten Fall idealerweise zu bestätigen. Längere Sporen bei N. xanthopus nehme ich aber in Kauf bei der Bestimmung, wenn Makroskopie und Habitat passen.


    Finde ich einen "typischen" N. erythropus im thermophilen Laubwald, ist das für mich dann nur ein N. cf. xanthopus, weil der eben auch mal wie ein N. erythropus aussehen kann. Da hilft dann ggfls. nur das Sequenzieren.


    Gelbe Formen im thermophilen Laubwald würde ich nicht ohne Sequenzierung bestimmen. Auch N. erythropus kann in unterschiedlichem Ausmaß gelb sein und N. xanthopus wohl auch, würde ich sehr vermuten.


    Kurz gesagt: alles sehr undankbar bei der genauen Bestimmung.


    Und warum ich den Namen N. erythropus verwende? Fries hatte die Interpretation des Persoonschen Namens fixiert (unter Boletus wäre das sanktioniert) und die Benennung war über 150 Jahre stabil. Und wer weiß, ob spätere Synonyme nicht doch N. xanthopus mit einschließen?


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Im Schlüssel steht u.a.: "Sp. –15,5 × 5,5, Q = 2,7–3,1, Huthauthyphen aufgerichtet." für Neoboletus erythropus bzw. N. praestigiator

    "Es gibt Kollektionen, die in jeder Hinsicht

    (komplett braunhütig, rotporig und mit fein rotflockigem Stiel) makroskopisch kaum von N. praestigiator/luridiformis unterscheidbar sind"

    Und warum ich den Namen N. erythropus verwende? Fries hatte die Interpretation des Persoonschen Namens fixiert (unter Boletus wäre das sanktioniert) und die Benennung war über 150 Jahre stabil. Und wer weiß, ob spätere Synonyme nicht doch N. xanthopus mit einschließen?

    Au weia, das geht ein wenig am Thema vorbei, aber nachdem ich als interessierter Laie immer wieder aufgrund der unterschiedlichen Bezeichnungen für den armen Flocki verwirrt bin, habe ich mich gerade eine geschlagene Dreiviertelstunde in die Tiefen und Tücken der Taxonomie begeben.


    In der englischsprachigen Wikipedia schreiben sie rotzfrech rein, dass erythropus falsch bzw. ungültig sei:

    Neoboletus luridiformis, also previously known as Boletus luridiformis and (invalidly) as Boletus erythropus

    Hier im Forum wurde das Thema zum Glück schon zur Genüge diskutiert, ich bleibe auch bei Neoboletus erythropus und gut ist ^^.


    LG Suillus

  • Hi,


    bei der Namensgeschichte hängt es eben davon ab, ob man davon ausgeht, dass Persoons Suillellus queletii beschrieben hat oder wirklich den alten erythropus-Flockie. 2017 gab es eine Neotypifizierung von B. erythropus und dabei kam eben S. queletii raus, daher bevorzugen viele eben N. praestigiator. Ist mir aber ehrlich gesagt letztlich Wurscht, welchen Namen man bevorzugt, da streite ich nicht drum.


    Was die Sporenmaße als Hilfsmerkmal angeht, gibt es dieses Paper, in dem durchaus eine Tendenz bei Unterschieden der Sporenlänge ersichtlich ist (dort sind auch alle Maße von diversen Kollektionen ersichtlich), das nach Erstellung des Klofac & Greilhuber Schlüssels erschien. Es gibt aber eben auch einen Überschneidungsbereich, in dem Michaels Fund dummerweise liegt. Zusätzlich wird dort auch noch auf mögliche Unterschiede in den Cheilos, Pleuros und der HDS hingewiesen. Die dort angeführten Farbunterschiede im Basaltomentum konnte ich bei meinen Funden aber nicht nachvollziehen - das scheint ebenfalls kein hartes Merkmal zu sein.


    Suboptimal ist aber, dass es nicht danach aussieht, als ob die Funde aus dem Paper letztlich auch genetisch überprüft worden sind, was der ganze Geschichte schon noch mal etwas mehr Basis gegeben hätte. Bei meinen mikroskopierten Park-Funden unter Tilia und Quercus hat es mit den Maßen bisher aber immer konsistent hingehauen, dass die sich besser in die Varianz von N. xanthopus einreihen.


    LG.

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  • Servus Schupfnudel,


    danke für den Link! Den Artikel kannte ich noch nicht. Er bestätigt aber letzten Endes die Aussage zu den Sporen:


    Im Beschreibungstext steht:

    "Basidiosporas 10,5–16,0 × 4,0–6,0 μm (promedio 12,0–14,3 × 4,8–5,5 μm), Q = 2,0–3,2 (promedio 2,3–2,9)"


    In der Vergleichstabelle steht:

    "Basidiosporas (valores medios) 12.0–14.3 × 4.8–5.5 μm; Q=2.3–2.9; V=154–213"


    Im Durchschnitt aller Kollektionen also kürzere Sporen, aber es gibt auch Kollektionen mit längeren Sporen. Ein einseitiges Merkmal eben. Kurue Sporen bestätigen die Bestimmung, lange Sporen schließen sie nicht aus.


    Was die anderen Merkmale, die Assyolv diskutiert, betrifft, muss ich das Paper erstmal in aller Ruhe studieren. Uns ja, Sequenzierung wäre gut gewesen für den Artikel. Die Fotos, die gezeigt werden, sind allerdings makroskopisch typisch, könnte also alles passen. Könnte ist aber kein optimaler Ausdruck des Vertrauens ;-).



    Servus Suillus,


    rotzfrech finde ich das englische Wiki nicht. Der Ausdruck "invalid" ist da nur fachlich falsch. Im selben Wiki-Artikel steht ja, dass der Name Boletus erythropus legitim publiziert und eben nicht ungültig ist: "though in theory it still has a legitimate meaning as whatever species Persoon originally intended". Sie hätten statt "invalid" sowas wie ambigous oder nomen dubium schreiben sollen, dann wäre es in sich stimmig. Die Sanktionierung durch Fries als den heutigen "Flocki" spielt ja auch noch rein. Ist alles etwas kompliziert, aber es lohnt sich manchmal, da tiefer reinzugehen, um Probleme nachvollziehen zu können. (Off topic Ende meinerseits, hat ja nichts mit der Unterscheidung von N. xanthopus zu tun).


    Liebe Grüße in die Runde,

    Christoph

  • Hi Christoph,


    nur zur Info - wenn du im Artikel noch ein wenig weiter runter scrollst, kommt auch noch eine englische Übersetzung des Artikels. Ich hatte mich damals auch erst mühsam durch das Spanisch gewühlt und mich dann schön blöd gefühlt, als ich durch war und festgestellt habe, dass das gleiche nochmal in Englisch drunter steht. :haue:


    Dass die Sporengröße nur eines der zusätzlichen Merkmale ist, wird im Artikel auch erwähnt, daher schrob ich auch nur von "Hilfsmerkmalen" als Komponente der Art-Hypothese (Ökologie ist vermutlich das Merkmal, das ich bei dem Artenpaar immer am stärksten gewichten würde).


    LG,

    Schupfi

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