Amanita franchetii, der Raue bzw. Gelbflockige Wulstling

Es gibt 10 Antworten in diesem Thema, welches 939 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Schrumz.

  • Hallo!


    Nach dem persönlichen Erstfund vor zwei Jahren konnte ich gestern in Wiesbaden mehrere Fruchtkörper sichten. Dabei konnte ich feststellen, dass das markanteste Merkmal, nämlich die schönen gelben Velumflocken, nicht nur sehr vergänglich sind, sondern offensichtlich auch leicht ausbleichen.


    Das war mir nicht bekannt.


    Gut sichtbar ist es an diesem Doppel, bei dem die linke Hälfte von feuchten Eichenblättern abgedeckt war, während die rechte Bildhälfte Sonnenlicht abbekommen hat:





    Wenn man die Fruchtkörper mit Stielbasis aus dem Boden hebt, sollte man sich das verbleibende Loch gründlich anschauen, denn darin findet man mit etwas Glück noch gelbe Flöckchen von den warzigen Bändern um die Stielbasis, was das zweite markante Merkmal von A. franchetii ist.


    Sollte beides nicht mehr vorhanden sein, wird es sehr sehr schwer. Siehe die Wette "Perlpilz ohne rot" hier im Forum, die letztendlich erst durch ITS Sequenzierung geklärt werden konnte. Es muss gestern für die Parkbesucher "Unter den Eichen" in Wiesbaden irritierend gewesen sein, dass ich mich immer wieder in verschiedene Richtungen auf den Boden geworfen habe (" ... findet der Richtung Mekka nicht?"), aber A. franchetii ist leider nicht so leicht festzumachen und recht variabel - der Perlpilz lässt grüßen. Hier einmal der direkte Vergleich:





    Deshalb beigefügt einige Fotos von diesem recht seltenen Wulstling, um die Bandbreite und verschiedene Reifestufen einmal zu präsentieren:




    Beste Grüße,


    Frank

  • Hallo Frank,


    danke für die schöne Doku von einem recht seltenen Doppelgängers des Perlpilzes. Bestimmungsrelevant ist auch noch der gelbliche Rand seiner Manschette (Ring) welche meistens gut zu erkennen ist.



    Das untere Exemplar ist natürlich ein WuBi.


    VG Jörg

  • Hallo,


    um die Bandbreite der optischen Erscheinung zu erweitern, hier meine Funde aus "meinem Park":






    Ich habe ebne noch ein Bild angehängt, wo man den Stiel schön sehen kann:




    Für mich persönlich, optisch gesehen, traumhafte Pilze.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Hallo Steffen,


    vielen Dank für die Erweiterung bzw. Bereicherung mit zusätzlichen Fotos. Die Bandbreite ist augenscheinlich enorm, mit so hellem Hut habe ich die noch nicht gesehen.


    Wenn man sich jetzt noch die Velumflocken weg denkt, was nach ausgiebigen Regenfällen leicht passieren kann, kann man ganz schnell in die Irre geführt werden. Ich halte es für nicht ganz fern liegend, dass der Raue Wulstling vielleicht gar nicht soooo selten ist, sondern leicht verwechselt wird.


    Häufig ist er aber sicher nicht. Hinzu kommt, dass er in vielen Standard-Pilzbüchern gar nicht beschrieben oder erwähnt wird. Die Funde werden dann möglicherweise als Perlpilz oder Grauer Wulstling verbucht.


    Beste Grüße,


    Frank

  • Hallo miteinander!


    Nachdem ich Amanita franchetii nicht persönlich kenne, habe ich mal ein wenig recherchiert und bin folgende interessante Info gestoßen:

    Amanita franchetii (Rauer Wulstling) – Fundkorb

    Zitat

    Der Fund aus dem Ansfeld-Wald ist von Dieter Gewalt gemeldet worden, wo auch eine Perlpilz-Varietät mit gelbem Ring aufgetreten ist (Amanita rubescens var. annulososulphurea Gill.). In Zweifelsfällen ist zur Abgrenzung auf unterschiedliche Sporenform- und maße zu achten.


    Tolle Fotos, Steffen!!


    Viele Grüße – Rika

  • Hallo!


    Gestern war ich Exponate sammeln für die heutige Frischpilz-Ausstellung auf dem Hofgut Fleckenbühl in Cölbe-Schönstadt (Nähe Marburg). Dabei konnte ich wieder einen A. franchetii erbeuten und musste feststellen, dass die sichere Identifikation dieser Art nicht nur durch die verblassenden gelben Hutschuppen erschwert wird, sondern dass A. franchetii auch an Fraßstellen röten kann.


    Wenn ich mir bei dem ersten Foto die linke Bildhälfte wegdenke und nur die verblichenen hellgrauen Hutschuppen auf der rechten Bildhälfte mit der geröteten Fraßstelle (!) anschaue, hätte ich den ohne Bedenken als Perlpilz durchgewunken.


    Das nur als Hinweis und WARNUNG AN ALLE PERLPILZ-SAMMLER !


    Beste Grüße,


    Frank


  • Ahoj, Frank,

    hätte ich den ohne Bedenken als Perlpilz durchgewunken

    Ja,

    aber doch nicht mit solcher Stielbasis...


    LG

    Malone

    Link zu Pilzlehrwanderungen: Pilzschule Rhein-Main

    Link: Verzehrfreigaben gibt es online nicht

    Galerie: Pilzfotos "zum Anfassen"/Stereobilder

    Der frühe Vogel fängt den Wurm. Soll er doch im Dunkeln tappen...ich fange lieber Pilze. Fossas sind auch nur aktiv, wenn es sich lohnt.

    Meine Fotos und Artwork dürfen nicht ohne meine vorherige ausdrückliche Genehmigung außerhalb dieses Forums verwendet werden!

    Pilz-Chips: 90+8 für Nobis Pilz-Cover-Rätsel=98, +2 Interne Tribünen-Punkte-Wette APR 2022=100, +4 PhalschPhal-Gedicht APR = 104 +5 Rätselgedicht = 109, 3 als Rätselprämie an Lupus = 106

  • Nein, natürlich nicht. Aber erstens bekommt man die Stielbasis nicht immer unversehrt aus dem Boden und zweitens reiben sich die Warzenbänder auch bei mechanischer Beanspruchung ab.


    Ohne die komplette Stielbasis halte ich die sichere Identifikation mittlerweile für schwierig, ähnlich wie bei Gift-Häubling und Stockschwämmchen.


    Gruß,


    Frank

  • Hi.


    Mir ist das auch schon aufgefallen, dass bei A. franchetii die Madengänge etwas rötlich werden können.

    In manchen Pilzbüchern ist die Art auch gar nicht drin. Ich denke die werden gerne mal als Perlpilz eingesackt und verspeist, etwa wenn die so aussehen wie die älteren hier:



    Die Literatur ist sich uneins ob der Pilz nun giftig, giftverdächtig oder sogar essbar ist. Roh ist er sicherlich ebenso giftig wie der Perlpilz. Bei den Amerikanern wird aber von vielen "Amanitalogen" die ganze Sektion Validae als essbar deklariert und da kommen immer noch regelmäßig neue Arten dazu. Ich vermute die Dunkelziffer der problemlos verspeisten A. franchetii ist recht hoch. Hier steht manchmal der ganze Park voll und die Pilzsammler nehmen alles was nach Perlpilz aussieht mit, obwohl zu manchen Zeiten so ziemlich alle "Perlpilze" eigentlich A. franchetii sind. Von einer Häufung an Vergiftungen in Verbindung mit A. rubescens in meiner Ecke ist mir nichts bekannt.


    Ist letztlich natürlich trotzdem Spekulation, aber gerade wenn der Pilz in Massen in Ecken steht, wo viel für die Küche gesammelt wird, würde ich da doch eine Häufung an Vergiftungsmeldungen erwarten, wenn der Pilz denn so giftig wäre.


    LG,

    Schupfi

    Bin lediglich fortgeschrittener Anfänger.
    Posts sind nicht als Essensfreigabe zu verstehen. :-]

  • Hallo zusammen,

    Schupfnudel ich kann mir das auch vorstellen. Meine Bilder sind zwar Mist aber die haben mich mit den rötlichen Madengängen auch kurz stutzen lassen, waren aber immerhin schön gelb. Hatte allerdings auch schon deutlich weniger gelbe A. franchetii.

    Viele Grüße