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letzter Beitrag von Sebastian_RLP am

Was das Herz begehrt ...

  • Hallo zusammen,


    gestern habe ich nach der Arbeit noch einen Abstecher zu einem nahegelegenen "pilzfreundlichen" Friedhof gemacht der hier wegen seiner Artenvielfalt geschätzt wird. Daher war ich ganz gespannt, was der viele Regen zu dieser Jahreszeit bewirkt haben könnte (sonst gehe ich dort eher etwas später im Jahr schauen).


    Die Pilze sind dort regelrecht explodiert. Pilze wohin das Auge schaute. Ich hatte mir dann vorgenommen, ein paar schöne Bilder, insbesondere von mir noch unbekannten, für mich neuen oder für mich besonders interessanten Arten zu machen (z.B. von den schönen Saftlingen). Leider verschonte der massive Dauerregen auch mich nicht und ich konnte gleich nach der ersten Fotosession erstmal einpacken. Nach einem Rundgang und ein paar Handyschnappschüßen ergab sich aber doch noch eine Lücke und so konnte ich zumindest ein paar für mich besonders interessante und schöne Funde mit der Lumix FZ-1000 festhalten:


    Bei einigen könnte ich auch eure Hilfe bzw. ein paar Tipps gebrauchen:


    01 Direkt am Eingang ein Erstfund für mich ... denke hier an den Fahlen Röhrling - Hemileccinum impolitus (richtig? ... bin ja vorsichtig geworden)


    02 Zahlreiche Täublinge ... hier mal vermutlich Camemberttäublinge - Russula amoenolens mit entsprechendem Geruch ...


    Unfassbar schön waren wieder die Saftlinge ... zuerst noch etwas zurückhaltend mit zwei Fruchtkörpern

    03 Hygrocybe conica


    04 ... schon von weitem als kleiner gelber Teppich im Rasen - H. acutoconica ... die mussten von allen Seiten abgelichtet werden, einfach schön:


    05 Zudem noch Hygrocybe psittacina


    06 Es gab auch Rötlinge ... diesen hier habe ich mir näher angeschaut und komme nach Gröger zu E. lividoalbum


    Sporen subisodiametrisch bis mäßig heterodiametrisch mit ca. 5-6 Ecken; 9-10x7-7,5


    HDS mit intrazellulärem Pigment und aufgetriebenen Endzellen, viele Schnallen


    Keine Cheilozystiden


    07 Ausserdem in großer Anzahl zarte und im Hut durchgehend gestreifte Rötlinge ... vielleicht E. hebes - der Zitzenrötling (leider aus Zeitgründen nicht weiter untersucht


    08 Besonders gefreut habe ich mich dann noch über zahlreiche Fruchtkörper des Europäischen Goldblattes - Xerocomus pelletieri


    09 Außerdem noch sehr große Pilze (>10cm) noch geschlossen, rötend am Stiel ... Riesenschirmlinge? aber ungeschuppt ... Vielleicht auch irgendwas Richtung Schleimschirmling? ... leider erstmal nicht weiter untersucht


    10 Auch Suillellus luridus in Massen unter Linden (neben dem Friedhof)


    Es gab noch lauter Stolperfallen ... hunderte Amaniten ... schnelles Handyfoto im Starkregen:


    11 Perlpilz - Amanita rubescens


    12 Hier bin ich mir unsicher - so dunkelbraune Farben ... habe ich bei uns in der Gegend so noch gar nicht vorgefunden .... helft mir mal - A. (pseudo)regalis?



    13 Erdritterlinge


    so, ich hoffe ihr könnt auch mit den teils Handybildern etwas anfangen. Hätte gerne noch bessere Aufnahmen gemacht, aber wie gesagt, der Starkregen hat mir dann doch zugesetzt ...


    LG Sebastian

  • Hi.


    Schöne Funde! Auch einiges dabei, was hier auf meinem Hausfriedhof eher nicht rumsteht.


    Viel beitragen kann ich nicht, wegen mangelnder Erfahrung mit Saftlingen, Rötlingen und Co. Aber H. impolitum würde ich dir abkaufen.

    Und die rötenden Riesenschirmlinge sind junge Safranschirmlinge. C. brunneum wäre recht wahrscheinlich mit der (vermutlich?) gerandeten Knolle. Da aber am besten in ein paar Tagen nochmal hin um Ringstruktur, Hutschuppung und Knolle besser beurteilen zu können. So jung sehen alle Safrans ziemlich ähnlich aus.


    LG.

    Bin lediglich fortgeschrittener Anfänger.
    Posts sind nicht als Essensfreigabe zu verstehen. :-]

  • Hallo, Sebastian!


    Stark. :thumbup:


    Diese komischen Wulstlinge sind in der tat sehr merkwürdig. Ob das vielleicht komisch verregnete Fruchtkörper von Amanita franchetii (Rauer Wulstling) sein könnten?

    Die Ritterlinge am Ende sehen aus wie recht typische Risspilzartige Erdritterlinge (Tricholoma inocyboides). Es sollte dann eine Birke (eventuell auch Hainbuche oder Hasel) in Umgebung gestanden haben, die Fruchtkörper sollten zudem beim Zerreiben mehlartig riechen und beim liegenlassen an verletzten Stellen gilben (insbesondere gequetschte Lamellen und geknautschte Hutränder).



    Lg; Pablo.

  • Hallo

    Bei Amanita nr. 12 fast siecher gehet um A. regalis .

    Bei vergrößern des Bildes zu sehen ist das gehet um nicht gereifte Ring , also A. franchetii ist kein Kandidat ,


    Sebastians angefragte Amanita - nicht gereifte Ring


    -


    Amanita franchetii - gereifte Ring


    -


    Übtigens , A. franchetii kann so dunkle Hut haben , Mediterranraum Fund


    -


    -


    auch Stielbasis passt nicht recht gut ,


    -


    LG

  • Hallo zusammen,


    ich war heute nochmal da, ohne Regen ... ich muss sagen ich bin etwas überfordert gewesen. Da sind nochmal neue Arten hinzugekommen (oder zuletzt von mir übersehen worden). War heute nochmal mit zwei APVlern dort und wir haben beim Rundgang noch einiges entdecken können. Dazu gleich noch einige Highlights on TOP.


    Die Wulstlinge muss ich gestehen, habe ich jetzt vernachlässigt, so wie vieles andere auch ... ich bin einfach nicht mehr nachgekommen. Übermorgen gehts in den Urlaub an die Nordsee und so läuft mir auch etwas die Zeit davon.


    Vielen dank jedenfalls für eure Einschätzungen. Ich bleibe unentschlossen ... könnte vielleicht neben Franchetii auch noch Amanita excelsa var. spissa in den Ring werfen. Hier würde es sich ja durchaus lohnen mal die Sporen und die Sphärozyten anzuschauen, vielleicht schaffe ich das ja morgen noch ... mal sehen (wenn du, lieber Harald, da jetzt auch franchetii nicht ausschließt, werde ich natürlich hochgradig nervös :D) ... nein, alle drei Kandidaten sollten sich jedenfalls zumindest leicht unterscheiden in den Sporen und den Sphärozyten des Velums, wenn ichs richtig lese ...


    09 Chlorophyllum brunneum sollte jedenfalls stimmen, 2 Tage später ist es deutlich:


    13 Auch mit dem gilbendem inocyboiden Erdritterling liegt ihr vollkommen richtig, deutlich gilbend heute:


    Weitere Saftlinge, die ich jetzt auch in der Schnelle nicht zugeordnet bekommen habe.

    14 Gelb, zum Rand weißlich, Hut klebrig, Stiel weniger (Lippenprobe) ... wieder Acutoconica? Diese hier erscheinen hier sehr hell bis weiß zum Rand ...


    15 wohingegen dies hier doch stärkere Rotanteile haben ohne jedoch zu schwärzen:


    16 Dieser hier sollte klar sein, hatte ich letztes Jahr schon an gleicher Stelle nur später im Jahr (Hygrocybe spadicea)


    Ansonsten weitere Neufunde für mich:


    17 Mousseron mit deutlichem Knoblauchgeruch an mehreren Stellen:


    Interessant fand ich den Bewuchs am Fuße des Baumes ...


    18 Rugosomyces Carneus (auch ein Erstfund für mich)



    Zahlreiche Champis ... hier mal ein Riesenexemplar - 19:


    20 Es gab aber auch Zwergchampis mit kräftigem Anisgeruch (Stiel 5,5x0,4; Hut 2,5cm) ... leider ohne schönes Foto


    Bei den Rötlingen scheinen auch mehrere einen gestreiften Hut zu kennen:


    die einen (21) mit braunem Stiel

    die anderen (22) mit stahlblauem Stiel


    dann gabs noch (23) weiße Keulen, die ich auch noch nicht kannte:


    tja, wie gesagt, ein Wahnsinnsort, wirklich superspannend aber auch etwas überfordernd soviel auf einmal ...


    LG Sebastian

  • Hallo Sebastian, bei dem Wilstling musste ich auch zuerst an den Königsfliegenpilz denken. Wie hoch war denn der Fundort und kannst du was zu den Begleitumständen sagen? Ein bisschen mehr von der Knolle wäre auch nicht schlecht. Aber hier bei mir ist das ab August ein sehr häufiger Pilz und er sieht deinen Pilzen sehr ähnlich.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

  • Hallo Sebastian,


    ich glaube nie und nimmer an Königsfliegenpilze aufm Friedhof! Für mich sind das entweder durchnässte Perlpilze oder Raue Wulstlinge (letztere haben ein ausgesprochen gutes Jahr momentan). Der Ring hat schon so gelitten, da würde ich keine Riefung oder Nichtriefung reininterpretieren.

    Amanita regalis ist ein Fichtenbegleiter und wächst in Deutschland ausschließlich im herzynischen Mittelgebirgszug, ein außergewöhnlich weit westlich liegender Fundpunkt ist noch als Ausnahme im Solling. Ich halte es für absolut ausgeschlossen, dass die Art in der Eifel vorkommt.


    Die Hygrocybe spadicea halte ich nicht für richtig, das scheint mir einfach ein etwas angegammeltes Exemplar der Hygrocybe acutoconica/konradii zu sein, die Du in den anderen Bildern ja schon zeigst. Die gibt es von rein gelb über orange bis rot geflammt bis fast komplett orangerot.


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo Andreas, dass das Einzugsgebiet der Könige so eng begrenzt ist, wusste ich bis eben nicht. Danke für die Aufklärung. Bei mir steppen auch gerade die Pilze, insbesondere die Rötlinge auf der Magerwiese. Ich hab heute (vermutlich) 6 verschiedene Arten auf 400 Quadratmetern gefunden. Wenn das Wetter so bleibt, wird es ein total verrücktes Pilzjahr.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


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  • Hallo zusammen,


    bezüglich des Dattelbraunen, den hatte ich letztes Jahr in der Nähe des aktuellen Fundes, allerdings im Oktober:

    Saftlings- und Ellerlingsexplosion


    Im nochmaligen direkten Vergleich ist der Zweifel doch auch berechtigt. Ob dann Acutoconica alt jedoch solche olivbraunen Farben annehmen kann? Alte Exemplare in den anderen Bildern unten könnten darauf hindeuten.


    Zum Wulstling:


    Der Fundort liegt nicht sehr hoch Claudia ... 97m.

    Also gerade nochmal richtig unter das Röckchen geschaut: der Ring ist deutlich gerieft und er zeigt deutliche Schuppen am Stiel unterhalb des Ringes.

    Franchetii kenne ich aus eigener Anschauung mit deutlich gelben Schüppchen. Hier ist nichts Gelbes, nicht im Ansatz beim frischen Pilz.

    Zudem habe ich mir die Mikromerkmale nochmals angeschaut, die Sporen passen mit nicht selten über 9µm zum grauen Wulstling (sieht dem ganz ähnlich, was bei Ludwig unter var. Spissa abgebildet ist). Bei Franchetii sind etwas kleinere Sporen angegeben. Ich denke schlicht ein grauer Wulstling, mit grauen, schaumigen, festanhaftenden Velumflocken (Sphärozyten fand ich ganz schwierig zu beurteilen, sehr variabel, teils gestielt, teils nicht erkennbar ob) und allerdings ungewohnt braunen Hutfarben.



    Sporen


    Sphärozyten bei 1000-fach H2O


    Ansonsten sind noch weitere Saftlinge aufgetaucht ... es ist noch nicht zu Ende ... diesmal sehr klein und mit deutlichen Rottönen. am Hutrand gelblich (nicht klebrig (Hut und Stiel mit Lippenprobe getestet), Geschmack unbedeutend, nicht bitter), Hut wirkt etwas filzig, bei 50fach unter Mikroskop schuppig.


    HDS bei 50-fach


    Sporen 9,5x6, Einschnürungen angedeutet, sonst ovoid ...



    Vielleicht der menningrote Filzsaftling - Hygrocybe miniata


    LG Sebastian

  • Vielleicht der menningrote Filzsaftling - Hygrocybe miniata

    Hallo Sebastian,


    die Sporenform schließt H. miniata aus, es ist auch eher eine späte Art, die aktuell kaum zu erwarten ist. Ich tippe auf H. cantharellus (lepida), da passt das frühe Erscheinen, die Farbgebung, der krenulierte Hutrand und die leicht filzige (schuppige) Hutdeckschicht. Idealerweise sollten da zwar auch noch herablaufende Lamellen zu sehen sein, anfänglich bzw. bei diesen Winzlingen muss dieses Merkmal aber noch nicht ausgeprägt sein.


    Ganz eventuell käme auch noch die deutlich seltenere H. helobia in Frage. Diese wäre aber intensiver rot gefärbt und unterscheidet sich mikroskopisch deutlich durch die Lamellentrama (mit sehr langen Elementen, bis über 500 µm) von H. cantharellus (kurze Elemente, meist nur bis 75 µm).


    LG Ingo

  • Hallo,


    helobia soll nach Knoblauch riechen.

    Ich würde noch calciphila ins Spiel bringen wollen für die "Mennigeroten".


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo,


    bzgl. Amanita franchetii - diese Art ist ein echtes Chamäleon. Wenn die gelben Farben des Velums nicht deutlich sind, dann ist er praktisch nicht von spissa oder rubescens zu trennen. Und rubescens kann ja auch mal gelbe Tone haben. Ich finde das teils recht schwierig, insbesondere wenn man Einzelexemplare hat.


    Angehängtes Foto zeigt Amanita franchetii, aber am Fundort mit Amanita rubescens durcheinanderwachsend. Die älteren Fruchtkörper waren kaum mehr zu trennen. Typische franchetii haben pyramidig-warzige Velumreste, aber sie können auch flach und flockig sein. Umgekehrt können sie bei spissa und rubescens auch mal pyramidig werden ....


    beste Grüße,

    Andreas

  • Ich würde noch calciphila ins Spiel bringen wollen für die "Mennigeroten".

    Hallo Andreas,


    H. calciphila halte ich für sehr unwahrscheinlich. Bei dieser Art müssten die Sporen insgesamt doch deutlich rundlicher sein, außerdem müssten die Hüte zumindest anfangs konvex (nach oben gewölbt) sein. Im vorliegenden Fall sind sie abgeflacht und in der Mitte leicht vertieft (trichterlingsartig). Ferner sehe ich auf den Fotos von Sebastian nichts, was einen typischen calciphila-Standort (lückiger Kalkmagerrasen) ausmacht oder gleichkommt. Pilze wie Pflanzen weisen zwar auf einen mäßig basenreichen Boden, kalkreich oder zumindest besonders basenreich (wie für H. calciphila zu fordern) ist der Standort aber sicher nicht.


    LG Ingo

  • Hallo Ingo,


    da magst Du recht haben, so genau habe ich mir das Biotop nicht angeschaut, da auf einem Friedhof oft alles mögliche zusammen kommt. Aber die Pilze (Russula amoenolens, Goldblatt) sprechen nicht für Kalk, da hast Du recht.

    Ob die Fruchtkörperform so entscheidend ist, dass das ein Ausschlusskriterium wäre, da fehlt mir etwas die Erfahrung. Das werde ich bei Gelegenheit immer mal überprüfen, das ist ein guter Hinweis.


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo ihr Beiden


    Zitat

    Wenn die gelben Farben des Velums nicht deutlich sind, dann ist er praktisch nicht von spissa oder rubescens zu trennen.

    Ja, dass ist wirklich knifflig, irgendwie erwarte ich an frischen Fruchtkörpern etwas gelbes. Hier standen zahlreiche Fruchtkörper. Sehr spannend von deinen Erfahrungen zu lesen. Muss die Merkmale im Feld mal öfter noch genauer studieren und dennoch bleibt es dann scheinbar schwierig so rein makroskopisch...


    Zitat

    Ich tippe auf H. cantharellus (lepida), da passt das frühe Erscheinen, die Farbgebung, der krenulierte Hutrand und die leicht filzige (schuppige) Hutdeckschicht. Idealerweise sollten da zwar auch noch herablaufende Lamellen zu sehen sein, anfänglich bzw. bei diesen Winzlingen muss dieses Merkmal aber noch nicht ausgeprägt sein.


    Ganz eventuell käme auch noch die deutlich seltenere H. helobia in Frage.

    H. Cantharellus gefällt mir eigentlich ganz gut. Definitiv ist die Lamellentrama aus kurzen Hyphen (um 50ym).

    Verfolgen kann ich die Entwicklung leider nicht, da ich jetzt erstmal 2 Wochen im Urlaub bin. Danke für eure Einschätzungen ...


    LG Sebastian

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