Beiträge von Sennepilz

    Hallo Bernd,


    speziell für die Wiesenkeulen mit dunklen Fruchtkörpern gibt es das hier:


    (PDF) European species of Clavaria (Agaricales, Agaricomycetes) with dark basidiomata - A morphological and molecular study


    Ansonsten reicht mir für Clavaria und Clavulinopsis meist die Funga Nordica (2. Aufl.). Damit wird man mehr als 95 % seiner Funde bestimmen können. Eine aktuelle Monographie zu der Familie der Clavariaceae gibt es leider nicht.


    30 Jahre sind für die Entwicklung artenreicher Wiesenpilzgesellschaften in der Tat nur ein recht kurzer Zeitraum. Deine Wiese (in Litauen) wurde aber wohl auch nie oder nur minimal gedüngt, sonst wären die von Dir dort gefundenen Arten kaum vorstellbar. Bei mir hier am Rand der landwirtschaftlich sehr intensiv genutzten Westfälischen Bucht reichen mittlerweile schon die Stickstoffeinträge aus der Luft, um artenreiche Wiesenpilzgesellschaften an der Etablierung zu hindern.


    LG Ingo

    Hallo Bernd,


    ergänzen möchte ich noch, dass Clavaria pullei eine seltene Art ist. Aus Deutschland sind nur sehr wenige Fundorte bekannt. Bei mir ist es ein magerer Friedhofsrasen, der nur leider fast wöchentlich gemäht wird. So fand ich bisher nur ein völlig unversehrtes Exemplar.


    Clavaria pullei


    Bei den anderen waren zumindest die Spitzen abrasiert, so wie bei der folgenden Gruppe:


    LG Ingo

    Hallo Bernd,


    luteoalba bedeutet zwar gelbweiß, auf Clavulinopsis luteoalba trifft dies aber nur sehr bedingt zu. Junge Fruchtkörper sind gelb mit oranger Tönung (mal mehr mal weniger), lediglich die Spitze ist bei frischen (noch nicht angetrockneten) Exemplaren weißlich und dies ist auch ein typisches Merkmal von Clavulinopsis luteoalba.


    Die englischsprachige Bezeichnung für C. luteoalba ist "Apricot Club" und auch im Deutschen findet sich gelegentlich die Bezeichnung "Aprikosenfarbige Wiesenkeule". Die meist verwendete Bezeichnung "Gelbweiße Wiesenkeule" ist dagegen wenig zutreffend. Dass passt erst bei älteren Fruchtkörpern mit verblichenen Farben, wobei die Farben bzw. Pigmente bei C. luteoalba vergleichsweise empfindlich sind, hierauf nimmt die niederländische Bezeichnung "verblekende knotszwam" Bezug.


    Zu Deinen heutigen Fotos: Bist Du sicher, dass das alles eine Art ist? Ich schlage vor, dass Du von jeder Fundstelle einige Fruchtkörper entnimmst und diese mikroskopisch untersuchst oder untersuchen lässt (für eine Artdiagnose reichen in der Regel die Sporen). Anders kommen wir hier nicht weiter.


    LG Ingo

    Hallo Ingo, der größte der rosaorangenen Keule war wenigstens 5 cm lang. Mir erschienen die, als würden die auch gerade erst wachsen.

    Hallo Bernd,

    die werden kaum noch wachsen und auf dem ersten der beiden neuen Fotos sieht man meines Erachtens ganz typische Clavulinopsis luteoalba. Zur Größe: 5 cm werden von der Art locker erreicht und nicht selten auch noch deutlich überschritten.

    LG Ingo

    Hallo zusammen,


    zu der gelborangen Wiesenkeule: Mir erscheinen die Fruchtkörper nicht allzu stattlich und so würde ich mit Clavulinopsis luteoalba auch eine etwas kleinere Art in Betracht ziehen. Die Färbung (mit den Orangeanteilen) wäre für diese Art sehr typisch und so ein wenig büschelig wachsen wie der Fund von Bernd kann die auch.


    LG Ingo

    Hallo zusammen,


    der Titel deutet es schon an, den folgenden Fund habe ich nicht mit Sicherheit bis zur Art bestimmen können.

    Die Pilze standen in geringer Zahl auf einer mageren Rasenfläche und erinnerten mich zunächst an Entoloma corvinum. Der gefaserte Stiel, die hellen, fast weißen Lamellen und der starke Kontrast zum dunklen Hut, das hätte makroskopisch gepasst, wenn der Hut noch etwas dunkler bzw. schwarz und nicht dunkelbraun (mit violetter Tönung) gewesen wäre.


    Entoloma spec.


    Das weitere Merkmale auch nicht passen, zeigte sich dann später bei genauerer Betrachtung und beim Mikroskopieren. Mitgenommen habe ich neben ganz jungen Exemplaren (wie auf dem obigen Foto) auch etwas ältere bzw. reifere Fruchtkörper und während die Lamellenschneiden bei den jungen Exemplaren noch gleichfarbig waren, hatten sie bei den wahrscheinlich nur ein bis zwei Tage älteren Fruchtkörpern eine braune Färbung angenommen und erinnerten an eine Lamellenschneide vom serrulatum-Typ.


    Entoloma spec., Lamellenschneide bei einem etwas älteren Fruchtkörper


    Auch mikroskopisch würde ich von einer serrulatum-Struktur sprechen:


    Die Schneiden sind auf jeden Fall mit dicht gelagerten Cheilozystiden besetzt und auf ganzer Länge steril.


    Entoloma spec., Hut und Stiel in der Nahaufnahme



    Die Hyphen der Hutdeckschicht sind zum Teil sehr lang (bis über 200 µm) und in den obersten Lagen auch auffällig breit (bis 30 µm). Dabei enden die Zellen vielfach in den zahlreichen, auf der ganzen Hutfläche zu findenden dunklen Schüppchen:


    Das braune Pigment liegt wohl nur intrazellulär vor und Schnallen fand ich in keinem Teil des untersuchten Fruchtkörpers. Die keuligen Basidien (30-35 x 9-11 µm) sind überwiegend viersporig und die Sporen sind auffallend klein (8-10,5 x 6,5-8,0 µm). Sie haben 5 bis 6 Ecken und eine recht einheitliche Form und Größe.


    Entoloma spec., Basidien


    Entoloma spec.. Sporenabwurf


    Natürlich habe ich versucht den Pilz zu schlüsseln (Fungi Europaei 5A, Funga Nordica und Gröger), dabei landet man zwar immer in der selben Ecke, findet aber keine Art, bei der absolut alles passt.


    Einiges deutet auf Entoloma violaceoserrulatum. Hierzu passen das Foto in der Fungi Europaei 5a und viele der dort genannten Makro- und Mikromerkmale. Allerdings ist dort von einer blauen Lamellenschneide die Rede, das passt nicht. Bei Gröger steht dagegen: „L-Schneide bald braun“, das wäre zutreffend. Im WWW findet sich zur Art nur sehr wenig, erwähnen möchte ich hier nur die folgende Publikation:


    SMT_2017-3.pdf


    Dort steht dann u.a.: „The serrulatum-type lamella edge is usually concolorous, but might develop violet-brownish spots with age (hence the name).“ Es gibt auch ein Foto, es zeigt nur leider keine allzu frischen Exemplare.


    Was meinen die Entoloma-Experten?


    LG Ingo

    Ich habe lediglich noch ein Schnittbild von dem mutmaßlichen Camarophyllopsis entdeckt. Makroskopisch sehen die schon anders aus, als in der Publikation.

    Hallo Claudia,


    ja, die sehen vom Habitus anders aus und Dein Fund würde auch nur dann dazu passen, wenn man von überdurchschnittlich großen Exemplaren ausgeht. Denn diese haben bei den Samtschnecklingen (Camarophyllopsis und Hodophilus) nicht selten einen nach oben verbreiterten und abgeflachten Stiel.


    Nach nochmaliger Betrachtung Deiner Fotos glaube ich aber auch nicht mehr an eine der punktiertstieligen Arten. Die Pünktchen könnten auch irgendwelche dunklen Partikel sein, die dem Stiel anhaften, zumal sich solche dunklen Punkte auch am Hut und an den Lamellen finden. Außerdem passen die relativ zahlreichen und dicht stehenden Lamellen auch nicht so recht zu Hodophilus atropunctus oder H. variabilipes.


    Besser sieht es aus, wenn man Deinen Fund mit Camarophyllopsis schulzeri vergleicht. Dies wäre zwar eine sehr seltene Art, aus meiner Sicht aber die mit den größten Übereinstimmungen. Wobei zu berücksichtigen ist, dass Camarophyllopis schulzeri eine recht variable Art ist (vor allem farblich), hier ein Foto von Exemplaren, die Deinem Fund nahe kommen: Voskovečka Schulzerova - Camarophyllopsis schulzeri (Bres.) Herink | Atlas hub - Houbaření


    Eine sichere Bestimmung wird aber nur mit Hilfe der mikroskopischen Merkmale möglich sein.


    LG Ingo

    jetzt wo Du es sagst, sehe ich auf Bild 2 sogar schwarze Punkte am Stiel!?


    Hallo Wolfgang,


    ja, man erkennt kleine Stielschüppchen, manche auch etwas dunkler, für eine Beurteilung würde ich aber gern weitere Fruchtkörper sehen. Eventuell ist es eine der Arten mit "schwarzen Pünktchen", nach aktueller Literatur (s.u.) also entweder Hodophilus atropunctus (die frühere Camarophyllopsis atropunctata) oder die erst kürzlich davon abgetrennte Hodophilus variabilipes.


    Hallo Claudia,


    wenn Du Dich an der Bestimmung versuchen möchtest, dann kann die folgende Publikation eine Hilfe sein:

    Ho_atropunctus_10.1007_s11557-017-1318-9 pages.pdf


    LG Ingo

    Hallo zusammen,


    auch ich habe auf Kristalle bei Hygrocybe calciphila nie geachtet, da mir das Merkmal nicht bekannt war. Bei nächster Gelegenheit werde ich es an Frischmaterial überprüfen. Habe aber Zweifel, ob sich solche Kristalle immer bzw. unabhängig von Fruchtkörperalter und Witterungseinflüssen nachweisen lassen.


    LG Ingo

    Hallo Claudia,


    tolle Ausbeute, bei mir tut sich auf den Wiesen noch so gut wie nichts!


    Eine kurze Anmerkung nur zu Pilz 1: Sind das nicht eher zwei Arten? Bild 1 und 2 erinnern mich an Camarophyllopsis und meines Erachtens zeigen nur die folgenden Bilder einen Rötling.


    LG Ingo

    Hallo Raphael,


    interessante Pilze, von denen in meinen Pilzrevieren (Höhenlage 100 - 300 m) natürlich kaum etwas zu finden ist.


    Die Hygrocybe salicis-herbaceae sieht allerdings sehr nach der auch bei mir vorkommenden Hygrocybe calciphila aus und die Mikromerkmale, die Du zeigst, passen mindestens ebenso gut zu calciphila wie zu salicis-herbaceae. Makroskopisch sollte H. salicis-herbaceae sich durch eine fettig-glänzende Hutoberfläche auszeichnen, siehe das Foto im Boertmann oder die Fotos in folgender Publikation:

    (PDF) Hygrocybe salicis-herbaceae (Agaricomycetes, Hygrophoraceae): an arctic-alpine species new to the South-Eastern Carpathians (Romania)


    Eine solche Hutoberfläche (ähnlich der von H. reidii) kann ich bei Deinen Fotos nicht erkennen. Fotos können aber täuschen, eindeutiger wäre die von Pablo bereits angeführte Geschmacksprobe und der für H. salicis-herbaceae charakteristische Geschmack (nach längerem Kauen deutlich bitter-schärflich), soll nach den Angaben im Ludwig (Band 3, S. 334) auch noch an Exsikkat-Material feststellbar sein.

    Beide Pilze unterscheiden sich deutlich auch in den Standortansprüchen. Hygrocybe salicis-herbaceae wurde glaubhaft bisher nur auf recht armen und sauren Böden gefunden, H. calciphila ist dagegen eindeutig an kalkreiche oder zumindest sehr basenreiche Standorte gebunden.


    Zum Vergleich hier eine Hygrocybe calciphila aus einem Kalksteinbruch des Teutoburger Waldes


    LG Ingo

    Hallo Björn,


    der Schlüssel im Gröger nennt zwei Arten ohne Schnallen: Omphalina atrovelutina und Omphalina praticola. Die erste passt makroskopisch und mikroskopisch nicht zu Deinem Fund, aber was passt denn bei Omphalina praticola nicht? Wenn ich die von Dir genannten Merkmale und die Mikrofotos mit den Angaben in OestZPilz_6_0131-0134.pdf vergleiche, dann sehe ich eine sehr weitgehende Übereinstimmung.


    LG Ingo

    Ich würde noch calciphila ins Spiel bringen wollen für die "Mennigeroten".

    Hallo Andreas,


    H. calciphila halte ich für sehr unwahrscheinlich. Bei dieser Art müssten die Sporen insgesamt doch deutlich rundlicher sein, außerdem müssten die Hüte zumindest anfangs konvex (nach oben gewölbt) sein. Im vorliegenden Fall sind sie abgeflacht und in der Mitte leicht vertieft (trichterlingsartig). Ferner sehe ich auf den Fotos von Sebastian nichts, was einen typischen calciphila-Standort (lückiger Kalkmagerrasen) ausmacht oder gleichkommt. Pilze wie Pflanzen weisen zwar auf einen mäßig basenreichen Boden, kalkreich oder zumindest besonders basenreich (wie für H. calciphila zu fordern) ist der Standort aber sicher nicht.


    LG Ingo

    Vielleicht der menningrote Filzsaftling - Hygrocybe miniata

    Hallo Sebastian,


    die Sporenform schließt H. miniata aus, es ist auch eher eine späte Art, die aktuell kaum zu erwarten ist. Ich tippe auf H. cantharellus (lepida), da passt das frühe Erscheinen, die Farbgebung, der krenulierte Hutrand und die leicht filzige (schuppige) Hutdeckschicht. Idealerweise sollten da zwar auch noch herablaufende Lamellen zu sehen sein, anfänglich bzw. bei diesen Winzlingen muss dieses Merkmal aber noch nicht ausgeprägt sein.


    Ganz eventuell käme auch noch die deutlich seltenere H. helobia in Frage. Diese wäre aber intensiver rot gefärbt und unterscheidet sich mikroskopisch deutlich durch die Lamellentrama (mit sehr langen Elementen, bis über 500 µm) von H. cantharellus (kurze Elemente, meist nur bis 75 µm).


    LG Ingo

    Hallo Martin,


    das ist eine sehr typisch entwickelte Peltigera praetextata und Deine Fotos sind so gut bzw. detailreich, da wäre eine Bestimmung auch bei fehlenden Isidien (kommt bei P. praetextata öfters vor) möglich gewesen.


    LG Ingo

    Hallo Corne,


    ein professioneller Lichenologe mit Sitz in Sachsen ist Dr. Volker Otte vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz. Email: volker.otte@senckenberg.de


    Anbei noch ein Foto von den dunkelbraunen bis schwarzen Apothecien, die in Farbe und Form auch für Peltigera neckeri sprechen.


    Peltigera-Fund Corne, Apothecien


    Peltigera-Arten sind wegen ihrer großen Variabilität manchmal nur sehr schwer zu bestimmen. Im vorliegenden Fall kann die Entscheidung nach meiner Einschätzung aber nur zwischen P. neckeri und P. polydactylon fallen, wobei ich mich wegen verschiedener Details für P. neckeri entschieden habe. Die von Herrn Gnüchtel vorgeschlagene P. didactyla kommt dagegen wegen diverser vom Fund stark abweichender Merkmale überhaupt nicht in Frage.


    LG Ingo

    Hallo Corne,


    das ist ja schade, dass Ihr die Strapazen auf Euch genommen habt, um dann mit Peltigera didactyla nur eine gewöhnliche und häufige Art zu sehen.


    Aber: Bist Du sicher, dass Du Herrn Gnüchtel exakt die Schildflechte zeigen konntest, die man auf Deinem Foto sieht? Manchmal sind 2 oder 3 Peltigera-Arten auf engem Raum miteinander vergesellschaftet. Vorweg hier nochmal Dein Foto:


    Die Peltigera spec. vom Dresdener Heller


    Fotos können manchmal extrem täuschen, aber Peltigera didactyla vermag ich hier beim besten Willen nicht zu erkennen.


    Um sicher zu gehen, habe ich gestern ein größeres Vorkommen der Peltigera didactyla auf einem Sandmagerrasen in der unmittelbaren Nähe meines Wohnortes aufgesucht und versucht, Exemplare zu finden, die den Schildflechten auf Deinem Foto nahekommen. Das ist mir nicht gelungen!


    Hierzu muss man wissen, dass Peltigera didactyla eine kurzlebige Pionierart ist, die in zwei Lebensphasen auftritt, die ineinander übergehen. Dies ist mit starken morphologischen Veränderungen verbunden, wobei man in größeren Populationen häufig beide Phasen und alle Übergänge zur gleichen Zeit nebeneinander findet.


    So sind junge Exemplare durch zahlreiche auf der Thallusoberfläche sitzende, rundliche Sorale gekennzeichnet, die der vegetativen Vermehrung dienen. Mit diesen Soralen ist die Art nahezu unverwechselbar (nur die verwandtschaftlich sehr nahestehende Peltigera extenuata ist ähnlich).


    Mit zunehmenden Alter der Fruchtkörper erfolgt dann meist der Übergang in eine sexuelle Phase in der dann Apothecien ausgebildet werden. Dabei verschwinden die Sorale weitestgehend, aber meist nicht restlos.


    Hier ein Foto von P. didactyla in der Übergangsphase (mit schon einigen jungen Apothecien und noch zahlreichen Soralen).


    Bei der Peltigera auf Deinem Foto sind Apothecien auch schon in der Entwicklung, von Soralen aber nirgends die geringste Spur.


    Erst wenn die Bildung der Apothecien weitestgehend abgeschlossen ist, sind kaum noch Sorale zu finden, so wie bei diesem Beispiel:


    Typisch für P. didactyla ist ferner ein deutlich erhabenes Netz aus Adern auf der Rückseite der Thalli und von diesen Adern reichen meist auch zwei bis in die Lappenenden, an denen die Apothecien gebildet werden, siehe das folgende Foto:


    Solche erhabenen Adern sind bei den Schildflechten auf Deinem Foto nirgends zu entdecken, obwohl es dort einige zur Spitze hin „umgeklappte“ Lappen gibt, die schon eine gewisse Vorstellung von der Rückseite der Thalli vermitteln.


    Auffällig bei den Schildflechten auf Deinem Foto sind auch die zahlreichen Brüche und Risse in den recht starr und dick erscheinenden Thalli. Diese wären für P. didactyla eher untypisch, während dergleichen bei P. neckeri öfters zu beobachten ist.


    Womit wir bei der Art wären, die ich hier vermute. Man könnte jetzt durch Vergleich der Fotos noch weitere kleine Details herausarbeiten, die P. didactyla unwahrscheinlich erscheinen lassen, da es aber bei der Thallusoberfläche einen großen und eindeutigen Unterschied zwischen den beiden Arten gibt, sollte man bei der Bestimmung zunächst das Folgende klären.


    Peltigera didactyla gehört zu den Arten mit einer dichtfilzigen Oberfläche, die spätestens bei Beginn der Apothecienbildung sehr deutlich ausgeprägt ist. Peltigera neckeri hat dagegen eine glatte (kahle) Oberseite.


    Die Flechten auf Deinem Foto sind möglicherweise noch so gut durchfeuchtet, dass eine filzige Oberfläche (wie für P. didactyla zu fordern) nur schwer zu erkennen ist, mit zunehmender Austrocknung müsste die Thallusoberfläche von P. didactyla dann aber so aussehen wie auf den folgenden Fotos.


    Vergleich P. didacytla (links) mit P. neckeri (rechts):


    Gut durchfeuchtet


    Nach ca. 5 min in trockener Zimmerluft


    Nach ca. 10 min


    Völlig trocken (nach 12 Stunden)


    Diesen Test kannst Du selbst leicht durchführen, wichtig ist nur, dass Du dafür auch tatsächlich die Flechten entnimmst, die Deinem obigen Foto entsprechen. Leider ist Dresden gut 350 km von mir entfernt, sonst wäre ich schon vor Ort. Korrektur: es sind sogar über 450 km!


    LG Ingo

    Hallo Corne,


    Andreas Gnüchtel ist Flechten-Spezialist (u.a. auch Autor der "Roten Liste Flechten Sachsen") und er kommt aus Dresden. Schick ihm doch einfach das Foto mit der Flechte und teil ihm mit, dass aus dem pilzforum.eu der Hinweis kam, dass es sich um Peltigera neckeri handeln könnte.

    Seine Mail-Adresse lautet: agnuechtel@googlemail.com


    Falls er den Verdacht teilt, wird er sicher eine Probe bzw. einen Beleg erbitten oder sich vielleicht sogar selbst den Fundort ansehen wollen.


    Mir reichen als Beleg immer wenige gut ausgebildete Lappen einer Schildflechte, anhand derer sich auch die Unterseite mit dem Adernetz und den Rhizinen beurteilen lässt. Mehr als ein ca. 5 x 5 cm großer "Ausschnitt" aus einem Schildflechten-Lager sollte kaum erforderlich sein.


    Wenn Herr Gnüchtel sich der Sache annimmt, dann teil uns bitte mit, wie er den Fund beurteilt.


    LG Ingo

    Und dann das! Sowas ähnliches habe ich hier im Forum schonmal gesehen... eine Flechtenart ?

    Hallo Corne,


    ja, das ist eine Schildlfechte (Gattung Peltigera). Für eine sichere Bestimmung der Art reicht dieses eine Foto zwar nicht aus (man müsste auch die Unterseite mit dem Adernetz und den Rhizinen sehen), aber alles was man sieht, deutet auf Peltigera neckeri, eine deutschlandweit seltene und speziell in Sachsen sehr seltene Art. In der 2015 erschienenen Publikation "Die Gattung Peltigera in Sachsen" von Andreas Gnüchtel werden nur drei historische Funde (aus den Jahren 1875, 1927 und 1932) und nur ein aktueller Fund erwähnt (2010 aus Zwickau).


    LG Ingo

    Ich glaube auch weiterhin, dass für die Artbestimmung dieser Kollektion all diese Sporenpaare irrelevant sind.

    Hallo Andreas,


    für die Artbestimmung sind sie sicherlich irrelevant, beim Sporenabwurf der frischen Pilze traten sie ja auch nicht in Erscheinung, sondern nur bei den Sporen, die man den Exsikkaten entnehmen konnte. Auch das Nebeneinander von zwei sehr verschieden erscheinenden Sporentypen gab es nur bei den Exsikkaten. Mag sein, dass ich aktuell etwas frustriert bin, aber gegenüber Exsikkaten habe ich jetzt noch größere Vorbehalte als vorher schon (zumindest was das Mikroskopieren anbelangt).


    LG Ingo

    Oder könnten das Sporen mit einer sehr weichen Außenwand sein, die alleine durchs zusammenkleben schon deformieren?

    Hallo Pablo,


    daran habe ich auch schon gedacht, was fehlte waren größere Klumpen bzw. viele zusammengeklebte Sporen. Wenn man diesen Umstand vernachlässigt, dann wäre ein Zusammenkleben in der Tat die plausibelste Erklärung. Eventuell konnte es aber auch nicht zu größeren Aggregationen kommen, weil die Sporen größtenteils aus den Exsikkaten gerieselt sind, bevor sich alles beim Trocknen so richtig zusammengezogen hat.


    Der Sporenabwurf meines "Omphalina" praticola-Fundes aus dem Jahr 2019 sah ja ganz "harmlos" aus: glatte, inamyloide und subglose Sporen ohne irgendeine Hülle. Die Fotos von Sebastian zeigen aber, dass da bei jungen Sporen mehr zu beobachten ist (auch wenn es wohl kein Perispor ist und ich dann bei meinen Exsikkaten einigen Täuschungen erlegen bin). Bemerkenswert erscheint mir das Nebeneinander zweier optisch recht unterschiedlicher Sporentypen, bei denen zumindest in den Exsikkaten keine Übergänge zu finden waren.


    LG Ingo