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letzter Beitrag von EmilS am

Blasshütige Rotkappe oder doch nicht

  • Hallo Ihr Lieben, ich bräuchte bei der Bestimmung folgendes Röhrling eure Hilfe.


    Bei einem Spaziergang in meinen kleinen Wäldchen fand ich heute weiße Röhrlinge. Zuerst 3 Stück an einer Stelle, welche ich mit Laub bedeckte um die Tage noch einmal nach ihnen zu schauen. Ich ging kurz darauf noch einmal zu der Stelle zurück, um die Röhrlinge zu fotografieren. Ich fand fast daneben 3 der weißen Röhrlinge zusammenstehen. Diese entfernte ich und nahm sie zum bestimmen mit.


    Hut: weiß, trocken, hart - bei Berührung rötlich, orange verfärbend

    Röhren - creme weiß

    Stiel: weiß, kein Netz, Schüppchen erkennbar - bei Berührung rötend

    Stiefbasis: mit blau Tönen

    Standort: Laubwald, 90% Birken, aber auch vereinzelt Lärchen, Tannen, Fichten und andere Laubbäume

    Anschnitt: sofort rötend, dann schnell blauend-schwärzend, Verfärbung geht nicht zurück


    Ich vermute die Blasshütige Rotkappe - Leccinum roseotinctum







    Standort



    nach ca. 1 Stunde



    Anschnitt- Foto sofort gemacht



    Anschnitt nach 2 - 3 Minuten



    Anschnitt nach 10 Minuten



    Ich habe diesen Röhrling noch nie gesehen. In meinem Wäldchen wachsen Birkenrotkappen, gemeiner Birkenpilz, Moorbirkenpilz, vielverfärbende Birkenpilz, Hainbuchenrauhfuss. Vielen Dank für eure Hilfe beim Bestimmen, ich lerne sehr viel durch euch und dieses Forum!

  • Hallo Kso, ein weißhütiger Raufuß ist immer etwas Besonderes. Und dass da eine Rotkappe herauskommt, ist für mich auch Neuland. Danke fürs Zeigen.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


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    Einmal editiert, zuletzt von Wutzi ()

  • Servus KSO,


    cooler Fund, aber es sind noch Babies. Leccinum roseotinctum kenne ich relativ glatthütig und im Alter gerne mit kleinen Flecken, ähnlich einem Gefleckten Rübling. Leccinum percandidum kann man m.E. ausschließen, denn der schwärzt auf Druck am Hut.

    Ich sehe eine deutlich überstehende Huthaut und eine ziemlich filzige Huthaut. Insofern kann das ein Albino der Heiderotkappe sein, wobei ich sowas noch nicht gefunden habe.

    Manche schmeißen das alles als Heiderotkappe zusammen, auch L. roseotinctum und L. percandidum. Ich meine, diese beiden zu kennen und kann kein Albino einer Birkenrotkappe in den beiden sehen.

    Vielleicht entspricht dein Fund auch Leccinum chioneum ss. lannoy & Estadès. Ich fürchte aber, dass die Babies nicht sauber bestimmbar sind. Trotzdem ein spektakulärer Fund.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Ich werde diesen weißen Röhrling die nächsten Tage weiter beobachten, poste gerne auch noch weitere Fotos. 3 Stück stehen noch im Wäldchen. Sie standen im Tageslicht, ich hoffe die weiße Farbe schreckt andere Sammler ab. Gestern fand ich einen Moorbirkenpilz, an einer anderen Stelle, somit habe ich den direkten Vergleich. Unweit der weißen Rotkappen stand eine ganz normale Birkenrotkappe.


    gemeiner Birkenpilz und Moorbirkenpilz



    Rotkappe in Nachbarschaft mit den blasshütigen Rotkappen


  • Servus KSO,

    Ich fürchte aber, dass die Babies nicht sauber bestimmbar sind. Trotzdem ein spektakulärer Fund.


    Liebe Grüße,

    Christoph


    Tricholomopsis Hallo Christoph, die weißen Röhrlinge lassen mir keine Ruhe. Heute standen 4 Stück da, leider immer noch als Babies. Alle Raufüsse haben ihr Wachstum eingestellt. Welche Merkmale sind noch wichtig um den Röhrling zu bestimmen? Ein ausgewachsener Pilz mit Röhren währe optimal, ich schaue morgen noch einmal wie die Pilze sich entwickelt haben.


    Liebe Grüße kso

  • Servus kso,


    Sporenmaße sind nie verkehrt (sonst: Hutdeckschicht, Caulohymenium usw.). Für aussagekräftige Sporenmaße braucht man richtig ausgereifte Fruchtkörper. Idealer wäre eine Kollektion von jung bis alt, um die Änderung der einzelnen Merkmale (makroskopisch) zu sehen. So ist beispielsweise wichtig, wann die Poren anfangen, schmutzig dunkel zu werden (bzw. ob sie das machen)... Bei Albinos wäre aber auch dieses Pigment weg.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo kso,


    prüfe doch am Standort mal nach, ob dort auch Pappeln stehen. Dann kämen noch Blässlinge weiterer Arten infrage, etwa von L. duriusculum oder leucopodium.


    Interessant wären auch ein paar floristische Angaben zur Fundregion (MTB, Meereshöhe, Topografie, Bodenverhältnisse).


    Grüße, Jürgen

  • Hallo Jürgen, Pappeln stehen nicht am Fundort sondern ca. 35 m weg. ich fotografiere morgen die Umgebung.


    Meereshöhe: 109m. Boden - nass, locker, war früher eine Kaolingrube und Salziger See Gebiet. Es wachsen Birken und Schilf am Fundort, kein Gras.

  • Das sind einige der Raufüsse die ich in diesen Gebiet auf 120 x 60 m in den letzten 3 Wochen fand. Zusätzlich noch den Moorbirkenpilz und auch Steinpilze. Vielleicht helfen die Fotos bei der Bestimmung. Nur die Rotkappen und weißen Röhrlinge verfärbten sich beim Anschnitt. Hauptsächlich die Raufüsse mit den sehr dunklen Hüten und boletenhaften Stielen sind fast in direkter Nachbarschaft oft verdrehten. Danke für eure Hilfe!!!

















    die Rotkappe auf den letzten Bild stand ebenso fast direkt in Nachbarschaft.

  • ich war heute Vormittag noch einmal bei den weißen Röhrlingen, sie wachsen und gedeihen :) Anbei noch weitere Fotos vom Standort und den Röhrlingen.


    hinter diesen Bäumen stehen sie



    ich steh bei den Röhrlingen, Blick nach vorne



    Blick nach hinten



    angrenzendes Gebiet



    Standort



    so sehen sie heute aus




  • Wow das sieht ja fantastisch aus! Ich habe hier bei mir auch einen relativ großen Birkenwald entdeckt, dort sind sehr viele Birkenpilze zu finden, auch einige Steinpilze, Rotkappen durfte ich allerdings noch nie finden. Die sehen ja teilweise aus wie gemalt bei dir. Glückwunsch!

  • Hallo kso, schicke Pilze. Könntest Du was zum Standort sagen? Die Bäume sind ja recht jung, was war das? Tagebau Sand/Kies, Torfstich, Truppenübungsplatz? Ist das in aktiver "Renaturierung" oder macht die Natur das einfach selbst? Ich finde meistens da, wo der Moorbirkenpilz wächst (recht häufig im benachbarten Moor), die anderen nicht mehr, denen ist es dann meistens zu nass. Spannend, dass bei Dir so viele zusammen vorkommen.


    LG, Bernd

  • kruenta Hallo Bernd,


    es ist ein Gelände, etwa so groß wie ein größerer Park. Früher war es eine Grube in welcher Kaolin abgebaut wurde. Hauptsächlich in der Mitte sieht man noch Kaolin (eine größere weiße zusammenhängende Fläche), dort stehen kaum Bäume, selten Pilze, Moos wächst.


    Kaolin, auch als Porzellanerde, Porzellanton, weiße Tonerde, China Clay oder in der Apotheke als Bolus alba oder Pfeifenerde bezeichnet, ist ein feines, eisenfreies, weißes Gestein, das als Hauptbestandteil Kaolinit, ein Verwitterungsprodukt des Feldspats, enthält. Weitere Bestandteile sind verschiedene andere Tonminerale und unzersetzte Feldspatteilchen.


    Der Boden im gesamten Gelände hat überall Spuren von Kaolin, ist nach Regen nass etwas schlammig und trocken eher locker. Staubtrockene Böden gibt es hier nicht. Schilf und Moos wächst. Schnecken gibt es sehr wenige, daher sind 95% der Pilze nicht angefressen. Rehe haben hier ihr Revier.


    Das Wäldchen wird nicht betrieben, jeder Baum und Strauch wächst alleine wo er will. Totholz, Bruchholz bleibt ebenso liegen. Ich mache meistens Fotos und nehme manchmal eine Handvoll Pilze mit, aber ich weiß von mindestens 5 anderen Leuten die dort 2 Mal wöchentlich Pilze sammeln. Hier war das Frühjahr sehr feucht, der Sommer hatte mehrmals heftigen Regen, sodass 2020 sehr viele Pilze wachsen. Raufüsse wachsen fast überall, in Gruppen. Rotkappen habe ich noch nie so viele gesehen und Steinpilze hatte ich hier noch nie gefunden. In 10 Tagen wurden 3 mal welche gefunden.

  • Heute früh hab ich nach den weißen Röhrlingen geschaut, sie standen an ihren Platz.




    Dann traf ich einen Pilzsammler und sah er ging Richtung Röhrlinge. Ich folgte nach 10 Minuten. Er hat den größten der Röhrlinge herausgezogen, den Stiel vom Hut abgerissen und hingeworfen.


    Ich machte noch Schnittbilder, der Sammler war noch in der Nähe und es goss wie aus Eimern, konnte keine weiteren Fotos machen. Den Röhrling hab ich zerschnitten und in der Umgebung verteilt. Beim Anschnitt wurde der Röhrling am Hutrand blau, der restliche Teil eher leicht rötlich. Außen am Stiel waren ebenso blau-grüne Verfärbungen.





  • Das sind wunderschöne Pilze, egal, als was sie sich schlussendlich entpuppen. Danke fürs Zeigen und fürs Dranbleiben. ==Pilz25


    Grüßle

    Heide

    Liebe Grüßle

    Heide



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    Hier entlang gehts’ zu meinen Themen.

    Erebus-Pilzkalender 2019:


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  • Die letzten Fotos von den weißen Röhrlingen von heute früh. Heute Nachmittag bei der Gassirunde war der Platz leer, die Röhrlinge wurden geerntet. Sie lagen auch nirgendwo, ein Sammler nahm sie mit und wird sie sich schmecken lassen. Schade, hätte sie gerne noch weiter wachsen gesehen :(



  • Servus kso,


    ich finde sowas immer traurig. Es ist völlig egal, wie selten etwas ist - wenn erkannt wird, dass es eine "essbare Gattung" ist, wird alles weggerupft. Neulich war hier mal ein Thread über einen Fund von Boletus fulvomaculatus im Forum - die Quintessenz: der wurde gegessen...


    Unabhängig davon, ob dieser Steinpilz wirklich Artrang verdient oder ob die hier vorgestellte weiße Rotkappe ein Blässling ist oder doch eigenständig - sobald man einen Pilz essen kann, spielen solch "unwichtigen" Punkte wie Seltenheit, Besonderheit, Biodiversität keine Rolle mehr. Gut, dass die sammler nicht wissen, dass man Orchideen essen kann...


    Das ist die Crux mit Röhrlingen - findet man etwas wirklich seltenes und will den Fund verifizieren, dann wird sehr häufig alles weggerupft, bevor es ausgereift ist. Oder schlimmer: ausgerupft und dann wieder weggeworfen. Wenn ich dann hier Anfragen über einen unbekannten Pilz sehe mit der Frage, ob man den essen kann - und da dann einen ganzen Korb voll gesammelt oder zig Fruchtkörper lieblos auf einem Tisch, dann muss ich mich oft sehr zusammenreißen, nicht wirklich deutlich zu werden.


    Auf dem untersten Bild sieht man, dass die Hutpberfläche wohl auf Druck deutlich bräunt, aber nicht schwärzt. Möglicherweise ist es Leccinum roseotinctum - den ich bisher nicht von so klein auf gesehen habe, sondern nur ältere Fruchtkörper (in einem streng bewachten Naturschutzgebiet - ich hatte dort einen Kartierungsauftrag). Daher war ich überrascht, wie filzig der Hut ganz jung ist. Wäre toll gewesen, den alt zu sehen. Zum Glück gibt es Schutzgebiete, in denen auch ein Röhrling ausreifen darf.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Vor zwei Tagen fand ich an der Stelle wo die weißen Röhrlinge wuchsen 3 neue Fruchtkörper. Ich habe alle Sammler die ich traf darauf hingewiesen, diese weißen Röhrlinge bitte stehen zu lassen. Sie stehen unter Schutz und sollen nur bestaunt und nicht gegessen werden. Vielleicht dürfen wir dieses Mal diese 3 Schönheiten beim Wachsen beobachten. Liebe Grüße kso


    09.11.2020




    11.11.2020



  • die weißen Rotkappen sind momentan einige der wenigen Röhrlinge die man im Wäldchen noch sieht. Sie haben einen schönen warmen Standort, wachsen und gedeihen. Hoffentlich sind sie morgen noch an ihren Platz, das Wochenende ist immer gefährlich, wegen Sammlern.


    13.11.2020





    14.11.2020




  • Servus kso,


    jetzt sieht man schön, dass die Hüte nach Berühren schwärzen (sieht man an mehreren Stellen). Daher wäre das, was du da zeigst, für mich ein wunderschöner Leccinum percandidum. Ich kenne die Art aus Zentralsibirien, sie kommt aber bis nach Mitteleuropa vor und wurde schließlich aus Frankreich offiziell beschrieben.


    Wäre ein absolut toller Fund.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Daher wäre das, was du da zeigst, für mich ein wunderschöner Leccinum percandidum. Ich kenne die Art aus Zentralsibirien, sie kommt aber bis nach Mitteleuropa vor und wurde schließlich aus Frankreich offiziell beschrieben.


    Wäre ein absolut toller Fund.


    Hallo Christoph,


    über diesen Namen bin ich die Tage auch auf einer Pilzseite "gestolpert". hab Fotos aus Schweden gesehen, und dachte "wow, so sehen meine auch aus.". Bitte alle gaaanz fest die Daumen drücken, dass die Röhrlinge morgen noch da sind. Sie hätten morgen einen großen Tag :D (Mehr verrate ich noch nicht).


    Sibirien würde auch vom Wetter passen, letzte Woche war es sehr kalt, Bodenfrost und Reif. Alle Röhrlinge verschwanden schlagartig, nur die weißen wachsen in einem Tempo weiter.

  • Die Röhrlinge haben die Nacht gut verbracht, sehr zu meiner Freude und zu der Freude zweier Pilzfreunde, welche heute aus Unterfranken anreisten um die Röhrlinge zu sehen und zu fotografieren. Ich zeigte den Beiden die Stelle, wo die Röhrlinge wachsen und schaute sehr interessiert bei der Fotoarbeit zu. Schön, welche Begegnungen durch dieses Forum ermöglicht werden. War schön euch zu treffen Männer :)


    Tricholomopsis, Christoph vielleicht erfahren wir jetzt noch mehr über die weißen Schönheiten. Zwei Stück stehen noch im Wald, falls sie jemand sehen möchte.


    heute früh




    bei der Fotoarbeit





  • Servus kso,


    das ist ja eine schwere Kameraausrüstung, die da mitgebracht wurde ^^


    Wirklich wunderschöne Fotos - bei Leccinum percandidum ist die Huthaut sehr empfindlich und schwärzt bald, wie man hier gut sehen kann, wenn man sie berührt (vorher schmutzig rotbraun, dann schwarz). Bei den ausgewachsenen Fruchtkörpern ist die Huthaut ziemlich glatt und recht einheitlich weiß, ohne rote Flecken... Passt alles sehr gut. Auch der kräftige Habitus (wobei das ja klar ist, ist ja eine Rotkappe).


    Habt ihr einen Beleg gemacht (damit das Vorkommen belegt ist und kartiert werden kann)?


    Liebe Grüße,

    Christoph

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