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letzter Beitrag von silbergrau am

Birkenpilz roh essbar?

  • Hallo zusammen.


    Hier ein Ausschnitt aus einem Interview mit dem Sechsjährigen Michael Oliver Apel.
    Zitat aus der aktuellen ZEIT WISSEN (Nr. 04 Juni/Juli 2015) Seite 18:


    Da ich den Text so verstehe, dass der Junge Birkenpilze roh isst, stellt sich mir die Frage, ob diese wirklich roh essbar sind, bzw. welche (schädlichen) Folgen es haben könnte.
    Im weiteren Interviewverlauf zeigt der Junge recht gute Pilzkenntnisse für sein Alter (spricht über Tintlinge, Maronen und Karbol-Champignons).


    Ist jemandem von euch bekannt, dass der Birkenpilz roh essbar ist oder auch explizit nicht?
    Bisher habe ich noch keine Quelle gefunden, welche nicht nur "essbar" schreibt.
    Mir waren bisher nur wenige roh essbare Pilze bekannt (Zuchtchampignon und Steinpilz) und alle sonstigen in Pilzbüchern als essbar deklarierten Pilze habe ich kategorisch als nur erhitzt essbar angenommen.


    Ich würde mich freuen, falls jemand mehr weiß, da ich im schlechten Fall eine EMail an ZEIT WISSEN schreiben würde und im guten neues Wissen gewonnen habe. ;)


    Viele Grüße
    Tim

  • Man wird`s wohl überleben (sonst hätte er das Interview nicht geben können), aber ich persönlich finde es sehr risikoreich und nicht sehr appetitanregend (man isst ja dann auch Dinge mit, die man vielleichtnicht so sieht (Parasiten, Maden etc.). Aber vielleicht ist es ja der Sohn von Bear Grylls oder Rüdiger Nehberg ;-)

    Hallo, liebe Freunde der FKK - ...der FruchtKörperKultur natürlich ! ;)


    ...leider nur noch 97 Pilzchips....(Dörrpilze-Rätsel)

  • Hallo Tim,
    meines Wissens sind Birkenpilze so wie alle Raustielröhrlinge roh genossen giftig. Das entsprechende Gift bzw. der Giftcocktail lässt sich sicherlich mit FLAMMER/HORAK recherchieren. In Thüringen kennt man z. B. Fälle von Verzehr roher Rotkappen, die mit einem mehrtägigen Krankenhausaufenthalt der Betroffenen endeten. Daher kann man nur sagen: Finger weg von rohen Birkenpilzen.
    Man sieht daran, dass sogar in einer seriösen Zeitschrift wie dem ZEIT Wissen (was die so alles zu wissen glauben!?) unkommentierter, nicht richtiggestellter Blödsinn stehen kann.
    LG
    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

    Einmal editiert, zuletzt von Oehrling ()

  • Hallo zusammen!


    Was mir im Rahmen der Beiträge zu diesem Thread als erstes aufgefallen ist:



    Zitat


    ....aber ich persönlich finde es sehr risikoreich und nicht sehr appetitanregend (man isst ja dann auch Dinge mit, die man vielleicht nicht so sieht (Parasiten, Maden etc.). Aber vielleicht ist es ja der Sohn von Bear Grylls oder Rüdiger Nehberg ;-)


    Da wird für für Pilzologe das esstechnische Leben aber äußerst schwierig... schon der Genuss eines Salatblattes kann gemäß dieser Formulierung zum "Risiko" werden!


    Um selbst ungewollt zum" würmeressenden" Rüdiger Nehberg zu werden bedarf es nicht viel, selbst wenn man vom Verzehr roher Pilze einmal absieht...


    Ich bin mir sicher, dass auch Rüdiger Nehberg seine in rohem Zustand genossenen Pilze in jedem Fall vor dem Verzehr auf die eine oder andere effektive Art zu reinigen verstehen würde und sicherlich auch eine Art Auswahlsystem anwenden würde, dem zumindest schimmlige oder mit sonstigen offensichtlichen gesundheitsrelevanten Dingen behaftete Fruchtkörper schon vor dem Verzehr zum Opfer fallen würde... Was er mit eventuell vorhandenen Maden und Würmern macht überlasse ich ihm selbstverständlich voll und ganz selbst...



    Das kann also der Grund nicht sein, warum man nur wenige Pilze roh essen kann (und ganz davon abgesehen werden gerade Raufüße bekanntermaßen von "proteinhaltigen Mitbewohnern" besonders verschont!).



    Die Arten der Gattung Raufußrörhling sind in rohem Zustand aber tatsächlich giftig, darauf würde ich nach dem Besuch der Seiten auf Wikipedia und dem Natur-Lexikon wetten wollen (ich bin als Pilzlaie leider nicht im Besitz eines Werkes von Horak und somit auf andere Quellen für meine Informationen angewiesen)!


    Die Frage nach der Giftigkeit von rohen Raufüßen würde ich also mit "Ja" beantworten und eine Mail an die entsprechende Redaktion in Betracht ziehen.


    Ohne den genauen Kontext des aufgeführten Zitats zu kennen, erscheint es mir allerdings unmöglich, dieses Vorgehen definitiv zu unterstützen!


    Leider ist es für mich auch mit gewissen Schwierigkeiten verbunden, der Quellenangabe von Tim zu folgen: eine Recherche im Internet gestaltet sich sehr unübersichtlich. Einen Link zur Quelle zu setzen (falls vorhanden) ist in solchen Fällen sicherlich stets die beste Wahl!



    Gruß,


    Fredy

  • Fredy, daher versuche ich auch Salat zu vermeiden...könnte ja gesund sein....In Schokolade dagegen habe ich noch keine Made gefunden...liegt wohl daran, dass diese imer von mir frisch verzehrt wird.... ;-)

    Hallo, liebe Freunde der FKK - ...der FruchtKörperKultur natürlich ! ;)


    ...leider nur noch 97 Pilzchips....(Dörrpilze-Rätsel)

  • Bei dieser Fragestellung frage ich mich, welche weitereren Pilze roh ungiftig wären. Steinis, Champis, Judasohren klar, aber gibt es denn nicht auch andere roh ungiftige Pilze? Bei vielen Pilzen findet man ja die explizite Angabe, daß sie roh giftig sind, aber, wenn so eine Angabe fehlt....? Bzw. sind noch weitere Pilze roh eßbar?Ich kann mir eigentlich kaum vorstellen, daß es da nicht auch weitere gäbe.
    Gehen wir mal davon aus, daß der zitierte Beitrag stimmt und der kleine tatsächlich Birkenpilze roh gegessen hat,und nicht erkrankt ist: Eine nicht ganz unerhebliche Frage wäre dabei dann Gewiss auch die Menge Es gibt ja auch so viele schwach giftige Pilze, wenn man einen von denen im Gericht hätte würde das nichts machen, ein komplettes Pilzgericht nur aus denen würde aber sehr wohl zu Bauch-Aua führen, wenn auch nicht mehr. Ein Naschen von einem Piz ist was anderes, als wenn der gleich ein Pfund davon verspeist.


    Von den vielen jetzt als giftig erkannten Pilzen, die aber jahrelang von vielen unbeschadet gegessen wurden, will ich mal gar nicht anfangen. Im Moment frage ich mich schon ständig, welcher meiner Speisepilze als nächstes auf der Giftliste landet.


  • Bei dieser Fragestellung frage ich mich, welche weitereren Pilze roh ungiftig wären. ...


    Brätlinge fallen mir noch ein und die Stielringe der Parasole.


  • ...In Schokolade dagegen habe ich noch keine Made gefunden...


    Da findet man aber andere Sachen und zwar tatsächlich giftiges Zeugs ... unter Umständen. :freebsd:
    Ich erinnere mich daß zu Zeiten als ich bei einer Tankstelle arbeitete die Gesundheitsbehörde dort Giftstoffe in der zu verkaufenden Schokolade untersuchte. Druckerschwärze und die Dämpfe der Treibstoffe waren wohl im Visier, wenn ich mich recht erinnere. Schoki scheint wohl gut darin zu sein solches Zeug aufzunehmen!



    Zurück zu den Rauhfüßen.
    Ich habe nur den neuen Flammer, nicht den alten Horak/Flammer.
    Dort wird die Gattung Leccinum zwar nicht gesondert dargestellt aber zumindest erwähnt daß sie zusammen mit anderen giftigen Pilzen auch als Marktpilze in Finnland auftauchen. In diesem Zusammenhang sollte man eine Giftigkeit ableiten können. Meines Wissens ist ein gastrointestinales Syndrom bei den Rauhfüßen, roh verzehrt, zu erwarten. Drei Arten werden bei den finnischen Marktpilzen namentlich genannt, Leccinum aurantiacum, L. versipelle und L. vulpinum. [font="Courier New"]Rene Flammer, Giftpilze S.65[/font]
    [hr]


    ... Im Moment frage ich mich schon ständig, welcher meiner Speisepilze als nächstes auf der Giftliste landet.


    Soll ich dich mal ärgern ? Dann schreibe Champignon auf die Liste.
    Nur der Zuchtchampignon ist meines Wissens wirklich als ungiftig anzusehen. Da ist auch ein neues Werk zu in Arbeit (oder gar schon fertig? :hmmm: ) Kommt aus Amerika, meine ich. Ich las einen Ausblick darauf im letzten Jahr.


    Aber als wirklich giftig wird der Champignon dann doch nicht enden. Nur "ungiftig" ist er dann nicht mehr.

  • Danke für die vielen Antworten.


    Heute Nachmittag habe ich wie empfohlen nach Werken von Horak/Flammer gesucht, bin jedoch in der Literatursuche meiner Universitätsbibliothek nur auf "Giftpilze, Pilzgifte" von Lutz Roth aus dem Jahr 1990 gestoßen.
    Dieses habe ich dann in der Institutsbibliothek für Hygiene/Umweltmedizin/Arbeitsmedizin gefunden und erfreut festgestellt, dass der Birkenpilz (Leccinum scabrum) auf Seite 84 f. enthalten ist.


    Dort steht, dass die enthaltenen Pilzgifte unbekannt sind.
    Der Wirkmechanismus wird beschrieben als roh genossen giftig durch Reizsubstanzen, welche erst beim Kochen vernichtet werden und Verdauungsstörungen hervorrufen (Pilzindigestion).
    Symptome werden beschrieben als Übelkeit, Völlegefühl, Brechreiz und Durchfall nach einer Latenzzeit von Minuten bis 24 Stunden.
    Nach zwei bis drei Tagen sei auch ohne Therapie Beschwerdefreiheit möglich.
    Abschließender Gefährlichkeitsgrad: Roh giftig.


    Das deckt sich ja mit deinen Informationen aus dem Flammer zu den Rauhfüßen allgemein, Mausmann. :alright:


    Dass der Junge anscheinend keine Probleme hatte, würde ich mir auch mit der verzehrten Menge erklären, jedoch steht dazu nichts in dem Abschnitt zum Birkenpilz in dem Buch.
    Ich werde heute Abend jedoch auf jeden Fall noch eine Email an die Redaktion schreiben.


    Zum Kontext des Zitats:
    In dem Magazin gibt es immer eine Rubrik "U-Acht & Ü-Achtzig" in der eine Person unter 8 Jahren und eine über 80 Jahren zu deren momentanen Interessen und Beschäftigungen befragt werden.
    Das Zitat kommt aus dem Interview mit dem Jungen "U-Acht".
    Da ich nicht weiß, wie das rechtlich aussieht einen ganzen Artikel hier zu veröffentlichen, habe ich nur den relevanten Abschnitt zitiert.
    Einen Link kann ich leider nicht geben, da es sich um ein gedrucktes Magazin handelt.


    Bezüglich weiteren roh essbaren Pilzen ist mir folgender Thread hier im Forum bekannt:
    http://www.pilzforum.eu/board/thema-welche-pilze-roh-essbar
    Bevor ein Pilz roh gegessen wird, würde ich jedoch zusätzlich prüfen, ob er in der oben empfohlenen Literatur zufinden ist, da Erfahrungsberichte von unbekannten Personen im Internet natürlich nicht als seriöse Quelle herhalten können.
    Ich persönlich werde jedoch weiterhin bei gegarten Pilzen bleiben. ;)


    Viele Grüße
    Tim

  • Hallo,


    ich muss Oehrling korrigieren. ;) Im Flammer/Horak steht nichts direkt über die Stoffe drin, die das Indigestions-Syndrom auslösen. (Ausgabe 2003).


    Das ist meines Wissens einfach noch nicht erforscht. Bei anderen Giftpilzen, die das Gastrointestinale Frühsyndrom auslösen, stehen auch nur Substanzklassen; Sesquiterpene z.B.; also auch keine genauen chem. Strukturen.


    Und ja; alle Leccinum Arten sind roh giftig; sowohl im Flammer-Horak als auch in einer Veröffentlichung des BfR.


    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.


  • Ich bin mir sicher, dass auch Rüdiger Nehberg seine in rohem Zustand genossenen Pilze in jedem Fall vor dem Verzehr auf die eine oder andere effektive Art zu reinigen verstehen würde und sicherlich auch eine Art Auswahlsystem anwenden würde, dem zumindest schimmlige oder mit sonstigen offensichtlichen gesundheitsrelevanten Dingen behaftete Fruchtkörper schon vor dem Verzehr zum Opfer fallen würde... Was er mit eventuell vorhandenen Maden und Würmern macht überlasse ich ihm selbstverständlich voll und ganz selbst...


    Servus,


    um 'mal hier ein wenig meines unnützen Wissens beizusteuern: ich erinnere mich vor längerer Zeit ein Interview mit besagtem Rüdiger Nehberg gelesen zu haben, wo dieser zum Thema Ernährung in der Wildnis sinngemäß etwas in der Art von "Pilze sammle ich generell gar nicht, das Risiko einer Verwechslung ist mir zu groß".


    Gruß,
    Sascha

  • Hallo erstmal - ich bin wieder da :-)


    Fehlen auf der Liste nicht auch noch Pfifferlinge?


    Ich knabbere gern ein wenig roh daran und hatte noch nie Probleme.

    Grüßle ... und so :)


    Meine, meist falschen und dilettantischen, oft auch einfach so hingeworfenen, Bestimmungsversuche stellen in keinem Fall und niemals eine Essensfreigabe dar!


    Schwammerl! Es heißt Schwammerl!
    94 Chipse. 2 x 3 verloren für Porlingswette.

  • Hallo, Silbergrau!


    Es ist bei vielen Pilzen ja auch so, daß es ein wenig vom Magen abhängt. ich hatte auch schon Pfifferlinge roh genascht, ohne das etwas passiert ist. Viele Leute bekommen aber schon mächtig Bauchweh dadurch. Im Grunde ist es kein klassischer "Rohkost - Pilz". ;)


    Nicht wie Stinkmorchelhexenei, Kaiserling, Brätling, Mohrenkopf, Steinpilz, Champignon, Zitterzahn, Albatrüffel usw.


    Eigentlich empfielt es sich bei allen Pilzen, die gut durchzugaren. Auch bei eher harmlosen Arten kann Rohverzehr zu unangenehmen MD - Problemen führen, je nach individueller Verträglichkeit.



    LG, Pablo.

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