Beiträge von Florian1986

    Hallo zusammen,


    bereits am dritten Januar sammelte ich bei einem Familienausflug in ein Heidestück bei Schneverdingen einige Proben von Heidschnuckendung ein. Zuhause fielen mir dann ein paar rotbraune Becherchen mit einem Hauch violett auf einer Probe auf. Unter dem Mikroskop bestätigte sich mein Verdacht einer Pseudombrophila, die sich jedoch meinen Schlüsselversuchen widersetzte, da die Sporenmaße nicht so richtig zu einer der bekannten Arten passten. Ich nahm also zu Uwe Lindemann Kontakt auf, der sich intensiver mit dieser Gattung beschäftigt. Er bot mir an, die Kollektion sequenzieren zu lassen, allerdings war nicht mehr genug Material übrig geblieben. Kurzerhand fuhr ich ein paar Tage später zusammen mit Eike nochmals zu dem Fundort und nach langer Suche gelang tatsächlich der Fund eines weiteren Köddels mit einigen Apothecien. Nach einiger Zeit kam nun das Ergebnis aus dem Labor und brachte eine Überraschung: Trotz der ungewöhnlich breiten Sporen handelt es sich bei der Kollektion um Pseudombrophila fuscolilacina! Die Art dürfte wohl bislang in Deutschland noch nicht gemeldet worden sein und auch weltweit bislang nur selten gemeldet. Bekannt sind aus der jüngeren Zeit zwei Funde aus Spanien, sowie ein Fundort in Frankreich, der wunderbar (leider auf Französisch) publiziert wurde (Artikel). Ich freue mich sehr, dass die Kollektion einen Namen bekommen konnte und wir einen weiteren Fund hier aus der Lüneburger Heide vermelden können.


    Hier noch ein paar Daten:
    - Gefunden am 03.01.2021 in einer Heidefläche bei Schneverdingen auf Dung von Heidschnucken

    - Apothecien lange tönnchenförmig, später dann Becherförmig. Apothecien bis zu 2 mm im Durchmesser, rotbraun mit einem Hauch Lila gefärbt. Rand etwas dunkler abgesetzt mit verklebten Hyphenbüscheln

    - Asci uniseriat, 8-sporig, 220 - 250 x 20 -24 µm, IKI -

    - Paraphysen fädig, mehrfach septiert, apikal nicht erweitert

    - Sporen breitelliptisch, 20 - 21 x 12,5 - 14,2 µm. Zellkern deutlich erkennbar. Die Außenhülle scheint sich leicht abzulösen


    Und noch ein paar Bilder:


    Ein ganz großes Dankeschön geht vor allem an Uwe für die Sequenzierung dieser Kollektion!


    Liebe Grüße,

    Florian

    Hallo Marco,


    das passt meiner Meinung nach sehr gut zu Iodopharnus carneus. Reif sollten die Sporen in Baumwollblau fein ornamentiert sein (isolierte punktförmige Warzen). Das kannst du ja vielleicht noch prüfen. Chilis freuen sich als Starkzehrer über reichlich Nährstoffe in der Erde, da fühlt sich auch diese Art oftmals wohl.


    Liebe Grüße,

    Florian

    Hallo Kersten,


    rein makroskopisch würde es mich nicht überraschen, wenn bei deinem Becherling Phylloscypha pphyllogen herauskommen würde (Felli hatte kürzlich darauf hingewiesen, dass die Art wohl nicht mehr zu Peziza gehört). Eine mikroskopische Untersuchung könnte näheren Aufschluss bringen.


    Liebe Grüße,

    Florian

    Hallo Bernd,


    wie Manfred schon geschrieben hat, da geht ohne Mikroskop nichts. Ich würde mich bei den Bildern nicht mal auf eine Gattung festlegen wollen. Hast du ein Mikroskop zur Verfügung? Da offenbaren sich gerade bei den Dungis tolle Welten.


    Liebe Grüße,

    Florian

    Hallo Hilmhrid,


    sehr schön! Dein Fund sollte in der Gattung Sordaria zu finden sein. Für die Bestimmung der Art wäre die Sporenmaße wichtig. In Baumwollblau werden die Sporen so deformiert und der Inhalt läuft zusammen, wie du es auf dem Bild zeigst.

    Zum Start kann ich dir noch folgenden Beitrag von Ralf sehr empfehlen: Bestimmungshilfen, der ist wirklich super, um viele Funde direkt in die richtige Gattung stecken zu können.


    Liebe Grüße,

    Florian

    Auch Peter Püwert sind bisher keine deutschen Funde bekannt!


    Liebe Grüße,

    Florian

    Hallo Nobi,


    vielen Dank für deine Nachricht! Wir bleiben da auf jeden Fall dran. Es wäre super, wenn du bei Eberhard nachfragen kannst, bei Peter Püwert wird Eike nachfragen.


    Liebe Grüße,

    Florian

    Hallo zusammen,


    Nobi hatte in einem anderen Thread vorgeschlagen, dass ich auf älterem Rinderdung aus einem möglichst naturbelassenen Standort nach der Sporormiella octonalis Ausschau halten solle - gesagt getan! Ich fuhr also zusammen mit Eike an einen Standort in der Heide, an dem es einen Bestand an robusten Rindern gibt, die bei der Beweidung und Offenhaltung der Heide helfen.


    Unter den neugierigen Blicken der Rinder sammelten wir einige Proben ein, auf denen sich bereits vor Ort hübsche orange Becherlinge zeigten, die sich dann unter dem Mikroskop als Cheilymenia stercorea entpuppten, ein persönlicher Erstfund!


    Doch es kam noch besser! Winzige schwarze Kügelchen enthüllten wunderschöne Sporen, die eindeutig der Gattung Pleophragmia zuzuordnen waren! Mit Pleophragmia leporum konnten wir ja bereits eine Art aus der Gattung in der Lüneburger Heide nachweisen, bei diesem Fund waren die Sporen jedoch ein gutes Stück größer (52 - 58 x 14 - 17 µm), so dass ich bei Pleophragmia ontariensis lande. Ein deutscher Fund dieser Art ist mir nicht bekannt und generell scheint die Art nochmal deutlich seltener gefunden zu werden, als die auch nicht gerade häufige P. leporum.


    Liebe Grüße,

    Florian

    Hallo Thorben,


    es gibt wohl immer wieder Aufsammlungen mit so breiten Sporen, zudem spricht die deutlich ausgeprägte Gelhülle für diese Art. Ich wüsste zumindest nicht, was es sonst sein sollte, bin aber auch gespannt auf weitere Meinungen:). Das Perithecium sieht schon "vollreif" mit vielen freien Sporen aus, ich kann mir gut vorstellen, dass deswegen keine jüngeren Sporen mehr zu finden sind.


    Liebe Grüße,

    Florian

    Hallo Nobi,


    vielen Dank für die lieben Worte! Der Titel ist natürlich nicht zufällig gewählt, wobei ich die Band bisher nicht kannte;). Den Beitrag von Ulla habe ich gelesen, genauso wie diverse Beiträge von Ralf und andere Beiträge hier im Pilzforum. Du erwähntest in einem Beitrag übrigens mal, dass einige Brandstellenpilze wohl die Hitze bräuchten, damit die Sporen aktiviert werden. Weißt du zufällig, woher du diese Information hattest?


    Liebe Grüße,

    Florian

    Hallo zusammen,


    ich möchte euch gerne von einer Exkursion berichten, die ich am Sonntag zusammen mit Eike unternommen habe. Im August gab es in der Südheide direkt an der A7 einen durch einen Reifenplatzer eines LKW verursachten Böschungsbrand, der sich auf den benachbarten Kiefernwald ausbreitete (Bericht). Für die Rettungskräfte war es ein echter Kraftakt war, dennoch brannten etwa 28 Hektar Wald ab. Für uns nun natürlich ein Grund, dem Gebiet so langsam mal einen Besuch abzustatten. Obwohl ich bisher auf Brandstellen (findet man leider ja nicht sehr oft) keinen Erfolg hatte und daher eher skeptisch war, konnten wir dann doch einige tolle Funde machen. Für mich (und ich glaube auch für Eike) waren es alles persönliche Erstfunde. Nachdem wir uns beide besonders für Ascomyceten interessieren haben wir uns natürlich gefreut, dass wir vor allem diese fanden. Im Folgenden möchte ich gerne 5 Arten zeigen, eine sechste hatte Eike noch eingesammelt, daher gibt es dazu von mir keine Bilder.


    Vorhang auf:

    So sieht unser Suchgebiet aus:


    Eike bei Temperaturen knapp über 0 °C auf der Suche nach Becherlingen:


    Gelb-orange leuchtet uns die erste Art in großen Gruppe entgegen:


    Es handelt sich um Anthracobia melaloma, die sich durch die teils zu Büscheln verklebten Randhaare, sowie die Sporenmaße gut bestimmen lässt. Mit Anthracobia macrocystis konnte Eike noch eine zweite Art der Gattung nachweisen.


    Als nächstes schöner Fund auf einem verkohlten Eichenbalken, der wohl auch neu für Niedersachsen ist: Trichophaea abundans! Mit Haarlängen von weniger als 250 µm, sowie den Sporenmaßen gut von anderen Arten der Gattung und Nachbargattungen abgrenzbar. Zudem mag die Art wohl Brandstellen.


    Eine wunderschön gefärbte Peziza ließ sich als Nächstes finden. Mit der lila Farbe der Apothecien und sehr kleinen Sporen mit warzigem Ornament kommt man mit dem Hohmeyer-Schlüssel direkt zu Peziza violacea:


    Der vierte Ascomycet, den ich euch gerne zeigen möchte ist wohl ein recht häufiger Bewohner von Brandstellen, an diesem Tag fanden wir allerdings nur drei Exemplare. Mit kleinen runden Sporen landet man dann in der Gattung Plicaria bei Plicaria endocarpoides:


    Der letzte Ascomycet, den ich euch zeigen möchte ist meines Wissens nach ebenfalls neu für Niedersachsen nachgewiesen. Makroskopisch fanden wir die Art sehr vielgestaltig, von sehr kleinen Apothecien bis hin zu mehreren cm Durchmesser, von rot bis fast schwarz gefärbt und besonders interessant fanden wir ein Exemplar, das richtig gestielt daher kam. Bei dem wusste ich makroskopisch erst mal gar nicht, was mich erwartet, dann erwies es sich dann doch als die Art mit den wunderschönen runden Sporen mit abgestutztem, teils gratigem Ornament: Plicaria trachycarpa!



    Nach all den Ascos noch eine kleine Abwechslung, die es neben einem frisch aussehenden Steinpilz und vielen, teils noch festen Maronen und Frostschnecklingen auch noch gab: Sparassis crispa (Krause Glucke):


    Wir werden definitiv nicht das letzte Mal an diesem beeindruckenden Ort gewesen sein und hoffen, dass die Aufräum- und Aufforstungsarbeiten nicht zu schnell voranschreiten. Wir werden gerne wieder berichten!


    Liebe Grüße,

    Florian und Eike

    Hallo Nobi,


    super, vielen Dank! Das PDF habe ich gleich mal abgespeichert, auch wenn mich die Sporenbilder von Doveri manchmal etwas verwirren... Die Art sollte wohl auch neu für Niedersachsen sein:). Die Bilder in Ascofrance sind richtig genial, da sieht man auch diesen "Kanal" in den Caudae, den ich in meinem Präparat zumindest erahnen konnte.


    Felli: Vielen Dank auch für deine Nachricht! Für Cercophora hatte mir die Form der unreifen Sporen (soweit die überhaupt erkennbar waren) nicht so gut gefallen. Bombardia hatte ich als Gattung auf Dung gar nicht auf dem Schirm bisher, da muss ich mich mal schlau machen.


    In der Arbeit, die Nobi verlinkt hat schreibt Doveri übrigens zu der Sektion:

    "Section Podospora is characterised by a coriaceous, multi-layered, gelatinous (pseudo-bombardioid) peridium, perithecia fully covered with hairs hyaline at their tips, clavate immature ascospores, and asci with a thin apical apparatus. The close relationship between this section and the genus Cercophora Fuckel in Lasiosphaeriaceae Nannf. was emphasized by LUNDQVIST (1972) after finding that P. appendiculata and P. fimiseda have a layered, gelatinous peridium, like

    some coprophilous Cercophora spp. [C. albicollis N. Lundq., C. elephantina (Henn.) N. Lundq., C. scortea (Cain) N. Lundq.], asci with an occasional subapical globulus and ascospores able to germinate when still at the hyaline stage, as seen throughout Cercophora as a whole."


    Von daher ist die Idee Cercophora keinesfalls abwegig gewesen:):thumbup:.


    Liebe Grüße,

    Florian

    Hallo zusammen,


    auf Hase und Heidschnucke aus der Krelinger Heide zeigte sich ein Pilzchen, das ich gerne zeigen möchte. Es erinnert nicht zu Unrecht an eine Holzkeule, da es zur gleichen Familie zählt und ist wohl einer der wenigen Dungpilze, die man schon mit bloßem Auge gut erkennen kann. Die Art kann Rizomorphen bilden und sich auch auf den umliegenden Boden erstrecken. Obwohl Sie hierzulande wohl die häufigste Art der Gattung ist, wird Sie nicht oft gefunden. Die Art scheint eine Vorliebe für Feldhasendung und sandige Böden zu haben.

    Anbei noch ein paar Bilder der eindrucksvollen Podosordaria tulaesnii:



    Liebe Grüße,

    Florian

    Hallo zusammen,


    auf Heidschnucke aus der Krelinger Heide fand ich eine vermeintliche Podospora, bei der ich zu keinem guten Namen finde. Leider hielt ich die makroskopisch für eine Delitschia, die bei mir die meisten Proben überwuchern und dazu konnte ich nur ein einzelnes Perithecium finden, so dass ich nur wenig Bilder machen konnte. Aus dem Substrat schaut der Perithecienhals, der leicht haarig aussah. Die Sporen erinnern stark an Zopfiella, allerdings gibt es am Pedicel und am entgegengesetzten Ende der Sporen jeweils Caudae. Leider ließen die sich in der Probe nicht gut anfärben. Es gibt ja eine Reihe Podospora-Arten, deren Sporen an Zopfiella-Sporen erinnern, allerdings lässt sich da leider nur wenig Information dazu finden. Kann man denn trotzdem die Art etwas eingrenzen, oder hilft da doch nur wiederfinden?

    Die Sporen messen 28 - 33 x 13 - 15,7 µm.

    Anbei ein paar Bilder:


    Vielen Dank und liebe Grüße,

    Florian