Praxisarten Wissensaneignung/-verfestigung - Neugierige Frage in die Runde

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  • Hallo miteinander,


    mich würde mal interessieren, wie ihr euch das Wissen um Pilzarten auf Gattungsebene aneignet bzw. verfestigt, was ja m.E. grundsätzlich nur durch ständiges Training (Exkursionen) u. Austausch mit erfahreneren Pilzfreunden geschehen kann, aber für mich braucht es dabei aktuell auch noch gewisser Hilfsmittel wie z.B. kurzen tabellarischen Gegenüberstellungen von makroskopischen Merkmalen/Charakteristika bei Arten mit klassischen Verwechslungskandidaten. So hatte ich für mich mal vor einiger Zeit für die Praxis (on-spot-ID) u. Nacherarbeitung eine kurze Gegenüberstellung von augenscheinlichen Attributen hier exemplarisch vom Pantherpilz mit seinen beiden häufigsten Verwechslungspartnern Grauer Wulstling und Perlpilz erarbeitet (nachstehend). Habe ja aktuell mal wieder das Vergnügen, der Raubkatze bei fast jeder Runde in der Arena zu begegnen.



    Panther Grauer Wulstling Perlpilz
    bevorzugtes Habitat Vielzahl verschiedener Waldformen, auch in Parkanlagen ältere Buchen- und Eichenmischwälder sowie bodensaure Fichten-Tannen- und Fichtenwälder, gelegentlich erscheint er auch in Kiefernbeständen, hin und wieder auch in Parkanlagen Buchen- und Eichen-Mischwäldern, in Fichten-Tannen-, Fichten- und Kiefernforsten sowie in Parks und Gärten
    Hut jung kugelig, dann ausgebreitet, flach, braun, 4–10 cm breit, Hutvelum (weiße Flocken) meist konzentrisch um Hutmitte, im Alter meist ausgedünnt, nach Regen auch gern ausgewaschen wie bei Fliegenpilzen, Hutfarbe dunkelbraun bis weißbräunlich, der Rand ist meist gerieft zunächst halbkugelig, dann aufgeschirmt, Hutbreite zw. 3-25 cm, weißliche bis graubraune, leicht abwischbare Flocken, Fetzen oder Warzen (ähnlich Fliegenpilz), Hutfarbe variiert in verschiedenen Grau-Brauntönen, Hutrand ist meist ungerieft anfangs kugelig, dann aufgeschirmt, Hutbreite 4-16 cm, meist fleischbraun, blass rötlich bis braunrot gefärbt, kann aber auch gelbbraune, graugelbe bis grauweißliche Töne besitzen; der Rand ist nicht oder kaum gerieft, mit grauweißen oder rötlichgrauen, flachen Velumresten bedeckt
    Lamellen weiß, weich und i.d.R. mäßig anstehend weiß, weich, dicht gedrängt stehend, flockige Schneiden, abgerundet am Stiel angeheftet weiß, im Alter rot-braune Flecken, recht breit, engstehend, weiche Konsistenz, oft am Stiel angeheftet
    Manschette mittig oder nur wenig höher am Stiel, keine oder (v.a. bei jungen Fk.) nur geringe/schwache Riefen als Abdrücke der Lamellenschneiden, bei jungen Fruchtkörpern steht sie in der Regel ab, wird jedoch im Alter schlaffer und liegt schließlich als dünner Ring an breit u. gerieft, stets deutlich vom Stiel abstehend; anfangs weiß, später im unteren Bereich grau gefärbt weiß, hängend, im obereren Teil deutlich gerieft
    Stiel 6–12 cm hoch, Durchmesser von 0,5–2 cm, gänzlich weiß, zartflockig kompakt, zylindrisch und flockig gegürtelt, 8–12 cm hoch, anfangs weiß, später über der Manschette gräulich und darunter eher bräunlich, oberhalb der Manschette gerieft oberhalb der Manschette weiß gestreift, darunter faserig-flockig bis kleinschuppig, anfangs weißlich, später vor allem im unteren Teil und an verletzten Stellen rot-braune Flecken oder Streifen, bis zu 16 cm hoch und 3 cm dick, nach oben hin verjüngt. Bei längerer Trockenzeit ist die Oberfläche deutlich quer zur Längsachse gebändert und erscheint daher genattert.
    Stielbasis Sehr schlanke Knolle, charakteristisch gerandet und mit einem Wulst scharf abgesetzt => „Bergsteigersöckchen“; darüber undeutlich eine, oder mehr ringförmige Gürtelzonen erkennbar 2–3 cm knollig verdickt, durch 2–3 Ringgürtel nur undeutlich vom Stiel abgesetzt, oft geht der Stielschaft auch überlaufend in die Knolle über knollig verdickt, kein abgesetzter Rand, nur ein allmählicher Übergang und am Übergangsbereich wenig ausgeprägte, ringartig um den Stiel angeordnete Warzen
    Geruch leicht nach Rettich schwach nach Rüben oder Rettich, gelegentlich auch kartoffelartig mehr oder weniger neutral
    Besonderheiten Allgemein von schlanker Statur insgesamt kräftiger und gedrungener als der Pantherpilz, der Hut ist trister graubraun gefärbt und mit im Normalfall ungerieftem Rand bei Verletzungen im Fleisch wie auch am Hut fleischrosafarbene, orangene oder rotbräunliche Töne, die dem Panther fehlen


    Für mich hat sich diese Art von Übersicht bisher gut bewährt; mit solchen tabellarischen Vergleichen und der ständigen Anwendung in der Praxis eigene ich mir das eine und andere Artwissen recht gut an bzw. klopfe es weiter fest. Daneben führe ich noch seit geraumer Zeit Steckbrief-Karteien zu jeweiligen Pilzarten mit Stichpunktnotizen. Hier mal, auch nur beispielhaft, meine Panther-Kartei.



    Wie handhabt ihr dies in der Regel für euch? Ich bin neugierig und für weitere praktische Anregungen dankbar.


    Viele Grüße

    -Marcel.

  • Hi,


    man lernt sehr viel über Foren, wenn man seine unsicheren Funde sauber dokumentiert einstellt. Hilfreich ist es immer, wenn man Kontakte zu Experten knüpft und sich mit denen austauscht. Tagungsbesuche sind auch immer sehr lehrreich.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo Marcel,


    es gibt viele unterschiedliche Möglichkeiten des Lernens und auch viele verschiedene Lerntypen. So muss jeder für sich entscheiden, was ihm am besten liegt.

    Mit Sicherheit kann ich aber sagen, dass aktives Lernen (beschreiben, dokumentieren, zeichnen, mikroskopieren, erzählen, Erfahrungen mit anderen austauschen,...) deutlich stärker verhaftet bleibt, als irgendwo gehörtes, gesehenes oder gelesenes.


    Das mit den Tabellen habe ich auch sehr gerne gemacht und die dann immer wieder verändert, erweitert, angepasst. Das hat mir selbst viel gebracht und das mache ich heute auch noch.


    Gruß

    Peter

  • Learning by doing in Verbindung mit dem Internet und natürlich auch dem Forum sind toll, aber m.E. geht auch nichts über Bücher; und auch dort kommt es auf den Lerntyp an, welches Buch einem mehr oder weniger "liegt". Meine Lieblingsbücher sind "Pareys Buch der Pilze" (wurde leider 2016 zuletzt aufgelegt), dessen Bebilderung nur aus tollen Zeichnungen besteht sowie "der große BLV Pilzführer". Zudem muss man sich wenigstens Grundlagenwissen über insbesondere Bäume und auch sonstige Vegetation aneignen. Sowie auch die Information, ob es sich in der Pilzsuchgegend um saure, basische oder neutrale Böden handelt, und woran man die überhaupt erkennt. Denn das schränkt doch häufig schon vieles ein bei der Pilzbestimmung. Genau dazu habe ich das Buch "Reiseführer ins Reich der Pilze" von Dirk Harmel, das zudem einen etwas anderen Ansatz zur Pilzbestimmung hat, nämlich auf der Grundlage der Morphologie zur Gattung usw. zu gelangen. Ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber jeder Jeck ist und lernt halt anders. Auf jeden Fall gibt es dort auch viele Informationen um die spezifischen Lebens-/Umweltgrundlagen von Pilzen (also die Fragen, wo/wie erkenne ich wo/welche Pilze überhaupt wachsen u.ä.).

  • Hallo Harald,

    Pilze, die man sammelt, selbst bestimmen, die blanke Theorie und Fremdhilfe ist da nur Mittel zum Zweck. Wenn man eine Art sicher selbst bestimmt hat, sollte man die einigermaßen drauf haben.

    Also, Erfahrung sammeln und nochmals Erfahrung...

    für mich ist die Pilzbestimmung seit jeher eine Art von Handwerk/praktischer "Ausbildung", womit ja klar ist, dass nur ständige Praxis u. Üben sowie Wissens- u. Erfahrungsaustausch u. das Vertiefen von Wissen, somit das eigenständige Ansammeln eines persönlichen Erfahrungsschatzes im Fokus stehen, was hier aber nochmals meine Frage in die Runde ist, die ich hiermit etwas präzisieren möchte: In welcher Art u. Weise erarbeitet bzw. vertieft hier sich der/die eine u. andere das praktische Wissen bei Pilzarten auf Gattungsebene, insbesondere bei den Verwechslungskandidaten.


    Ich verwende auch gern schon mal Eselsbrücken, wie zu Schulzeiten, auch schon für die Abklärung der Gattung (z.B. Ritterlinge = Burggraben) und die Karteikärtchen hab ich natürlich auch aus Schulzeiten übernommen, aber es hat ja ein jeder noch den einen od. anderen Kniff bzw. praktischen Tipp aus seinem individuellen Ansatz des Erlernens u. Festklopfens. Dies war jetzt so meine neugierige Anfrage hier in die Runde.


    Hallo Stefan,

    Hilfreich ist es immer, wenn man Kontakte zu Experten knüpft und sich mit denen austauscht. Tagungsbesuche sind auch immer sehr lehrreich.

    definitiv ein gewichtiger Faktor beim Ausbau des Wissensstandes, den ich seit jeher auch weitgehend umsetze. Letztlich erlangt man durch den Erfahrungsschatz der "alten Hasen" bzw. Gattungsspezialisten immer einen persönlichen Zugewinn an Know-how und ich persönlich lerne auch sehr viel durch meine Fehler bzw. Korrekturen seitens der erfahreneren Pilzfreunde/Spezialisten.


    Hallo Peter,

    ... dass aktives Lernen (beschreiben, dokumentieren, zeichnen, mikroskopieren, erzählen, Erfahrungen mit anderen austauschen,...) deutlich stärker verhaftet bleibt, als irgendwo gehörtes, gesehenes oder gelesenes.

    So geht es mir auch; nur intensives Erarbeiten u. Erfahrungsaustausch führt bei mir zu dem einen und anderen Lernfortschritt u. die Tabellen/Checklisten sind bei mir auch dynamischer Natur. ;)

    Und da ich seit den 90iger Jahren ein Excel-Nerd bin, komm ich damit am besten zurecht, wenn es um Details geht.


    Vielen Dank euch für euer Feedback!


    Beste Grüße

    -Marcel.

  • Hallo,


    Was ich ab und zu mache ist mein "Pilztagebuch" weiterzuführen:

    Ist leider recht aufwändig, aber gerade dadurch bleiben die eingetragenen Pilze eigentlich ganz gut im Gedächtnis - durch das Zeichnen ist man auch gezwungen, etwas genauer hinzuschauen...

    In der Hauptsaison hat man halt dann oft das Problem, aus der Schwemme "würdige" Kandidaten aussuchen zu müssen, und oft genug werden es dann die eher besonders attraktiven und weniger die unscheinbaren, aber vielleicht eigentlich wichtigeren.


    Viele Grüße

    Michael

  • Hallo Marcel (und andere Pilzfreunde),


    ich filosofiere jetzt als blutiger Bestimmungsanfänger außerhalb des Bereichs "Steinpilz-Pfifferling-Klassiker". Vielleicht ist es eher für die weniger erfahrenen Mitlesenden nützlich, was ich jetzt schreibe.


    Aufgrund der Tatsache, dass ich bald 60 bin, werde ich nie das Niveau der großen Meister hier in dem Forum erreichen. Deswegen liegen meine Bestimmungsansprüche nicht so hoch, Spassfaktor bleibt trotzdem riesig.


    Falls ich die Bestimmung irgendwannmal ernsthafter angehen würde, würde ich es genauso machen wie Marcel. Jedoch nicht in reiner Textform, sondern als Fotocollagen. Einfach Vergleiche mit aussagekräftigen Texten.


    Was meiner Meinung nach aber wichtig ist: egal in welcher Form das Ganze geschieht, es muss eigenhändig gemacht werden. Wie bei einem Schummelzettel in der Schule. Schreibt man ihn selbst, lernt man. Bekommt man ihn fertig von einem Kumpel, hat man keine Ahnung.


    Was mache ich ohne Literatur , ohne Kontakte zu einem PSV (leider) und ohne Zeit der Materie so viel Zeit zu widmen, die notwendig wäre?


    Ich nehme den Pilz in die Hand, ich seziere ihn und auf einem Video spreche ich an, was ich sehe und wahrnehme (eine schriftliche Form wäre sicher sogar besser, um sich alles zu merken). Ich habe keine primäre Ambition, den Pilz zu bestimmen. Ich will die Unterschiede zu den anderen ähnlichen Pilzen in dem gleichen Wald sehen, riechen und besonders in den Fingern spüren. Die Umgebung nehme ich auch auf Video auf und spreche nach, was ich sehe und wahrnheme (Bäume, Vegetation, Lichverhältnisse, usw.).


    Denn, woher kommt meine Sicherheit bei den Pilzen, die ich wirklich kenne? Aus der Kindheit. Gallenöhrling 100 mal angefasst, 100 mal umgedreht, 100 mal gekostet und 100 mal enttäuscht ausgespuckt.


    Also, für die Anfänger wie ich es bin (und das gilt für alle Objekte aus der Natur, die man benennen/bestimmen will): Dokumentieren und beschreiben. Diesen sorgfälltig gesammelten Daten kann man dann immer wieder einen Namen (oder Gruppennamen) geben, auch wenn der Bestimmungszettel immer wieder weggeschmissen wird.


    LG Paulis

  • Bei den über 10.000 Pilzarten Mitteleuropas wundere ich mich immer wieder über Personen, die sich mit jeder Gattung beschäftigen und den Anspruch haben in jeder Gattung nahezu alle Arten zu kennen. Wer kann das denn bei Pflanzen, bei denen die Artenvielfalt geringer ist? Es gibt z.B. Spezialisten, die sich rein mit Brombeeren beschäftigen.


    Wir sollten unseren Anspruch ein bisschen runter schrauben, denn die Artenvielfalt ist viel zu groß. Nehmt euch ein paar Gattungen raus und beschäftigt euch mit diesen. Natürlich ist das leichter gesagt als getan, denn man kann sich natürlich nicht mit Täublingen beschäftigen wenn man nur Röhrlinge findet.


    Ich finde den Thread jedenfalls interessant und hoffe ich kann mir auch ein paar Tipps raus holen, die Theorie fällt mir nicht gerade leicht. Die Merkmale optisch abzuspeichern ist für mich einfacher.

  • Hallo,


    so eine Art "Pilztagebuch" hatte ich auch viele Jahre geführt.



    Auch wenn ich heute bei einigen Einträgen schmunzeln muss, es hat mich weiter gebracht. Zeichnen fiel mir schon immer schwer und Farben zu treffen sowieso. Aber ein klein wenig habe ich mich vielleicht doch weiter entwickelt.

    Es sind mehrere solche Bücher entstanden, mal mehr, mal weniger schön.


    Wenn ich mich längere Zeit mit einem Pilz beschäftigt hatte, konnte ich mir den einfach besser einprägen. Die Merkmale nahm ich bewusster wahr und sie blieben länger verhaftet.


    Prinzipiell kann jeder sich so mit Pilzen beschäftigen, wie er möchte. Die Hauptsache ist doch, man hat Freude daran.


    Gruß

    Peter

  • Hallo Claudia,

    ... dazu habe ich das Buch "Reiseführer ins Reich der Pilze" von Dirk Harmel, das zudem einen etwas anderen Ansatz zur Pilzbestimmung hat, nämlich auf der Grundlage der Morphologie zur Gattung usw. zu gelangen.

    von diesem Werk habe ich bislang noch nichts gehört; klingt jedenfalls nach einem interessanten Ansatz und einer informativen Lektüre. Mit der Wald- u. Vegetationsökologie und auch einem gewissen Grundwissen über Bodenbeschaffenheit bzw. -art beginnt m.E. der Weg zur Pilzerkundung; dies habe ich seinerzeit recht schnell für mich erkannt und berücksichtige solche Faktoren stets.


    Danke für den Hinweis auf dieses wohl etwas andere Pilzbuch!


    Hallo Michael u. Peter,

    Was ich ab und zu mache ist mein "Pilztagebuch" weiterzuführen...


    so eine Art "Pilztagebuch" hatte ich auch viele Jahre geführt.

    diese Herangehensweise finde ich äußerst spannend und ich hatte so etwas auch schon in Erwägung gezogen. Wie ihr beide ganz zutreffend anmerkt, muss man sich dabei ja in der Tat mit den wesentlichen Details des jeweiligen Pilzes beschäftigen, angefangen beim Habitus mit allen charakteristischen Einzelheiten, weil man das Objekt der Begierde zeichnerisch zu Papier bringt, u. zudem hat man dann noch die relevantesten Detailinfos quasi als Steckbrief dazu. Die Methode werde ich nun vielleicht doch mal austesten u. umsetzen.


    Hallo "Paulis",

    ... nicht in reiner Textform, sondern als Fotocollagen. Einfach Vergleiche mit aussagekräftigen Texten.

    Also irgendwie dann auch eine Art von "Pilztagebuch". ;)


    auf einem Video spreche ich an, was ich sehe und wahrnehme...

    Ich nutze hier seit geraumer Zeit den Voice-Rekorder meines Smartphones, wo ich die makroskopischen/morphologischen Merkmale, Habitat usw. aufzeichne, eine Videoaufnahme ist sicherlich noch hilfreicher, weil man dort ja noch die ganzen visuellen Eindrücke mit dabei hat. Finde ich auch sehr interessant u. was zum Austesten. Danke!


    Hallo "Grafei",

    Bei den über 10.000 Pilzarten Mitteleuropas wundere ich mich immer wieder über Personen, die sich mit jeder Gattung beschäftigen und den Anspruch haben in jeder Gattung nahezu alle Arten zu kennen.

    meine Intention ist - wie eingangs erwähnt - anders gelagert. Ich will u. kann mich nicht mit jeder Pilzgattung und allen dortigen Arten inkl. Forma u. Varietäten beschäftigen, vielmehr geht es mir hauptsächlich darum etwas darüber zu erfahren, wie sich der eine u. andere das Wissen um die häufigeren Arten u. mögliche Verwechslungskandidaten erarbeitet hat bzw. noch weiter festklopft und ich finde es sehr spannend, was hierzu jetzt schon alles dargelegt wurde.


    Danke nochmals an alle u. viele Grüße

    -Marcel.

  • Bei den über 10.000 Pilzarten Mitteleuropas wundere ich mich immer wieder über Personen, die sich mit jeder Gattung beschäftigen und den Anspruch haben in jeder Gattung nahezu alle Arten zu kennen.

    Ich bin mir nicht sicher, ob es solche Leute überhaupt gibt. Niemand, auch nicht die allergrößten Experten, beschäftigt sich mit jeder Gattung oder gar mit 10.000 Pilzarten, und niemand hat den Anspruch, in jeder Gattung nahezu alle Arten zu kennen. Im Gegenteil: die besten Pilzauskenner sind meistens Gattungsspezialisten, die jenseits ihren Spezialgattungen nur "normales" Pilzwissen haben, manchmal sogar überhaupt kein Pilzwissen, weil sie immer nur "ihre" Gattung anschauen. Ich selber habe meine vier, fünf Gattungen, in denen ich mich gut auszukennen glaube, in anderen Gattungen koche ich sprichwörtlich nur mit Wasser, und in manchen Gattungen (z. B. Baumpilze, Boviste, ...) kenne ich mich überhaupt nicht aus. Solche Gattungen interessieren mich schließlich auch gar nicht.


    Dann noch zur Frage, wie man sich ein gutes Pilzwissen erwirbt: in erster Linie durch eigene Aktivität. Dein Wissen ist das Spiegelbild davon, ob du wirklich geistig aktiv warst und viel Mühe und Aufwand reinzustecken bereit warst. Ob du nerdigerweise jeden Tag im Wald warst, so dass andere Leute schon über dich den Kopf geschüttelt haben. Oder ob du nur so getan hast als ob. Oder ob du immer nur zugehört, rumtheoretisiert und nachgeplappert hast. Wie man dann zu seinem Wissen kommt, ist individuell höchst verschieden. Gegenüberstellungstabellen sind eine gute Sache, noch besser sind sie, wenn sie wirklich nur die unterscheidungsrelevanten Merkmale beinhalten, also z. B. bei Perlpilz vs. Grauer Wulstling vs. Pantherpilz das irgendwo rötende vs. das nur undeutlich bräunende oder weiß bleibende Fleisch. Dagegen gibt es auch Graue Wulstlinge mit gerieftem/geripptem Hutrand oder Pantherpilze mit leicht geriefter Manschette und ohne Bergsteigersöckchen, so dass man anzweifeln kann, ob all das wirklich bestimmungsrelevant ist. Mit der Zeit, wenn dein Wissen gewachsen ist, und du die Relevanz von Unterscheidungsmerkmalen besser einschätzen kannst, musst du deine Gegenüberstellungstabellen erneuern und anpassen. Und natürlich allgemein dein Wissen aktuell halten. Also z. B. deine Nase in immer neue Pilzbücher stecken.


    Die echten Pilzexperten machen ihr Leben lang tagein, tagaus nichts anderes, als sich mit Pilzen zu beschäftigen. Wer das nicht macht, weil ihm das zu mühsam ist oder er/sie zu wenig Zeit hat (so sagt man das ja heutzutage), wird halt kein Experte. Oder halt Experte für was anderes. Man kennt das ja auch von Musikvirtuosen - die machen in ihrem Leben nichts anderes als ihr Instrument zu spielen, die leben förmlich für ihr Spezialgebiet. Die sind unglücklich, wenn sie gerade nicht ihr Instrument spielen dürfen. Und ein gewisses Talent sollte halt auch vorhanden sein, da beißt die Maus keinen Faden ab. Vielleicht hat man ja für etwas anderes mehr Talent.


    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

    10 Mal editiert, zuletzt von Oehrling ()

  • Hallo Oehrling,


    meine Erfahrung: Die, die sich selbst gern als Experten bezeichnen und Wert darauf legen, als solche anmoderiert zu werden und als solche aufzutreten, und denen es überhaupt nichts ausmacht, als "Pilzpapst" oder mit ähnlichen Superlativ-Titeln bezeichnet zu werden, zählen meistens zur Kategorie "Maßlose Selbstüberschätzung".


    Seltsamerweise sind das oft Leute, die so um die 300 Pilzarten "drauf haben" ... das genügt denen für ihr Expertentum. So in der (meiner;-) Pilzlertypologie kann man drei Stadien ausmachen:


    1. Die bescheidenen und immer interessierten und nachfragenden Anfänger (50-100 Arten), die gern und schnell dazulernen

    2. die "Fortgeschrittenen", die sich bei 200-300 Arten als sichere Experten wähnen und auch so auftreten, im Brustton der Überzeugung ihre Bestimmungen raushauen

    3. und dann diejenigen, die mehr als 500 - 1000 Arten schon mikroskopiert und dokumentiert haben ... und mit ihren Bestimmungen noch vorsichtiger und bescheidener sind als die Anfänger ;-))