Röhrling mit sehr langem, dünnem Stiel

Es gibt 18 Antworten in diesem Thema, welches 945 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Schrumz.

  • Guten Tag,


    wir haben im Enzkreis im Nordschwarzwald in einem von Buchen dominierten Mischwald einen Röhrling gefunden, der mich nicht in Ruhe läßt. Leider ist der Röhrling nicht mehr frisch, ich habe mich dennoch an einen Bestimmungsversuch gewagt.


    Hutdurchmesser: 6 cm

    Stiellänge: 14 cm

    Geruch: fruchtig

    Geschmack: mild

    Hutoberfläche: braun, lederartig

    Stieloberfläche: unter dem Hut gelbliches Netz, darunter bräunliches/rötliches Netz und rötliche Flocken, am Grund Zone gelblich

    Porenfarbe: dunkel olivgrün, an einer Fraßstelle (?) auch rotbraun

    Blauen: vor allem Röhren und Hutfleisch über den Röhren, außerdem teilweise Stieloberfläche


    Auffällig ist der sehr lange und zylindrische Stiel. Ich hätte den Pilz dennoch zu den Dickröhrlingsartigen gesteckt, da ich Filzröhrlinge und ähnliche im Alter nicht so robust kenne. Die Röhrenwände zerreißen teilweise beim Trennen (spricht gegen Dickröhrlinge), das könnte aber auch am Alter des Gewebes liegen.


    Den milden Geschmack würde ich nicht überbewerten, da ich Bitterkeit nicht immer wahrnehme und der Pilz außerdem recht alt ist.


    Die Merkmale passen zu keinem Pilz eindeutig, den ich im Winkler und in Fungi of Temperate Europe nachschlage, was ich auf den nicht mehr frischen Zustand schiebe. Wenn ich die Stielfarbe, die Netzzeichnung und das Blauen der Röhren und über den Röhren stärker gewichte, kämen Butyriboletus fuscoroseus und fechtneri in Frage. Wenn ich die fehlenden Rosa- und Rottöne der Huthaut in die Waagschale werfe, wäre ich beim Silberröhrling.


    Ist der Fruchtkörper in diesem Zustand überhaupt bestimmbar? Geht meine Einschätzung in die richtige Richtung oder ist das sicher ein Holzweg?


    Vielen Dank für alle Antworten.


    Grüße,

    Benjamin


  • Hi,


    aus meiner Sicht Xerocomus s.st. Über die Art können wir noch reden. Allerdings ist das bei so alten FK eher müßig.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Danke für die Einschätzung. Da würde der fruchtige Geruch, die Stielform und einiges mehr voll passen. Aber ich hatte noch nie einen Xercomus mit so deutlicher Netzzeichnung in der Hand. Behalte ich als Möglichkeit im Hinterkopf...

  • Ich glaub das Netz nennt man da "Pseudo"-Netz.

    Kennt sich jemand damit aus und weiss ggf. warum und wie man den Unterschied erkennt? (zu den echten Netzen der Dickfußröhrlinge)

    Etwaige Bestimmungen meinerseits sind mit keiner "Verzehrfreigabe" verbunden. Bitte sucht hierfür einen Sachverständigen auf, der sich die Pilze vor Ort genau ansehen und sie hinsichtlich Verzehr viel besser bestimmen bzw. ihren Zustand bewerten kann.


    100-10(APR2024)+3(APR2024)=93

  • Hi,


    ich hatte so ein deutliches Pseudostielnetz schon sehr oft bei X. ferrugineus.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Ich kenne falsche Netze bei Filzröhrlingen vor allem dann, wenn die Stieloberfläche runzlig ist. Dadurch gibt es Erhebungen, die wie ein Netz wirken.


    Das, was man auf dem dritten Bild sieht, ist eine erhabene, regelmäßige Netzstruktur an einer relativ runden Stielstelle. Kennt ihr das von Xerocomus? Ich (bisher?!) nicht.

  • Hallo,


    sehr interessant, vielleicht kommen da noch mehrere FK, dann hätte man den Pilz einmal frisch.



    Viele Grüße,

    Steffen

  • Ich glaub das Netz nennt man da "Pseudo"-Netz.

    Kennt sich jemand damit aus und weiss ggf. warum und wie man den Unterschied erkennt? (zu den echten Netzen der Dickfußröhrlinge)

    Hallo,

    Ich weiß es leider auch nicht, aber falls es mich selbst interessiert, würde ich einfach amal eine Vermutung in den Raum werfen: Tricholomopsis hatte mal erklärt, dass das Netz der Dickröhrlinge eine Fortsetzung des Hymeniums am Stiel sei (wenn ich mich richtig erinnere). Ich habe das so verstanden, als würden da auch Basidien gebildet. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Bin bisher nicht dazu gekommen , einen Stiel unters Mikroskop zu legen. Aber vielleicht reize ich hier mit der Aussage jemanden, der mehr weiß, ja dazu, mich zu korrigieren ;)

  • Für den Schönfußröhrling spricht einiges - vor allem auch die relative Häufigkeit.


    Drei (schwache) Argumente habe ich dagegen:

    - Der Boden im Enzkreis ist meines Wissens kalkhaltig, der Schönfußröhrling soll es lieber sauer mögen. Aber nicht weit entfernt waren Heidelbeeren und Adlerfarn, also kann es an der Stelle zumindest oberflächlich sauer gewesen sein.

    - Die fehlende Bitterkeit wiegt wie schon gesagt nicht schwer.

    - Ich hab absolut niemals (auch nicht im Netz oder in Büchern) einen Schönfuß mit so langem, dünnen Stiel gesehen. Allerdings auch keinen anderen solchen Dickfußrörling... :D


    Damit gefällt mir der Vorschlag doch sehr gut.


    Leider komm ich aller Voraussicht nach in nächster Zeit nicht mehr an die Stelle und kann wohl erst im Herbst nachkucken, ob Geschwister nachgerückt sind.


    Vielen Dank für alle Beiträge.


    Benjamin

  • Hallo Benjamin,

    es gibt mit Caloboletus polygonius einen Doppelgänger der im kalkhaltigen Laubwald vorkommen kann, aber auch da kann man mit calopus rechnen. Schau mal hier: Caloboletus polygonius ist ohne Chemie nicht bestimmbar

    Man muss auch bei Trockenheit damit rechnen das Fruchtkörper sich nicht typisch entwickeln.

    Viele Grüsse

    Matthias

  • ...

    - Ich hab absolut niemals (auch nicht im Netz oder in Büchern) einen Schönfuß mit so langem, dünnen Stiel gesehen. Allerdings auch keinen anderen solchen Dickfußrörling... :D

    ...

    Hallo,


    so lange Stiele hat man dann, wenn der Pilz z. B. in Moos oder anderem Bewuchs wuchs. Oder in einer „Spalte“. Damit der Hut aus dem Moos oder Spalte gelangt, muss der Stiel so lang wachsen.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Hallo Benjamin,

    es gibt mit Caloboletus polygonius einen Doppelgänger der im kalkhaltigen Laubwald vorkommen kann, aber auch da kann man mit calopus rechnen. Schau mal hier: Caloboletus polygonius ist ohne Chemie nicht bestimmbar

    Man muss auch bei Trockenheit damit rechnen das Fruchtkörper sich nicht typisch entwickeln.

    Viele Grüsse

    Matthias

    :huh: Von C. polygonius hab ich ja noch nie etwas gehört. Winkler und FoTE führen den auch nicht auf. Zum Glück - wenn auch zum Unmut meines geliebten Eheweibes - habe ich den alten Schlappen im Kühlschrank aufbewahrt.


    Das Stielfleisch ist deutlich amyloid. Damit wäre C. polygonius wohl raus. Super, wieder was gelernt! :)


  • Hallo Benjamin,

    es gibt mit Caloboletus polygonius einen Doppelgänger der im kalkhaltigen Laubwald vorkommen kann, aber auch da kann man mit calopus rechnen. Schau mal hier: Caloboletus polygonius ist ohne Chemie nicht bestimmbar

    Man muss auch bei Trockenheit damit rechnen das Fruchtkörper sich nicht typisch entwickeln.

    Viele Grüsse

    Matthias

    Ich habe gehört da soll es sogar nochmal eine fünfte, unbeschrieben Art mit eher braunen Hutfarben, rotem Stiel ohne Netz und bei Eiche geben, die wohl demnächst beschrieben werden wird. C. polygonius ist übrigens auch nicht an Laubwälder gebunden sondern ist eine Art mit ähnlicher Ökologie wie Imperator torosus und Rubroboletus rubrosanguineus. Das heißt gern auch bei Tanne im etwas höher gelegenen, kalkigen Nadelmischwald; wie bei den anderen Arten sind Funde im reinen Laubwald wie bei Karl in der Eifel möglich aber eher selten.

    Viele Grüße

  • Wenn ich mir den in Karls thread so anschaue würde mich tatsächlich schwer wundern, wenn das C. calopus wäre, trotz der Melzers Reaktion. Karl W den hast du damals nicht zufällig sequenziert? Oder ein Exsikkat gemacht?

    Viele Grüße

  • Nee, Caloboletus sollte hier schon passen. Von dem was man erkennen kann sind die Röhren boletoid, Stielbasis amyloid, Netz vorhanden. Habitus kann unheimlich variabel sein, man schaue sich mal diese 2 Anhängselröhrlinge an; könnte man kaum glauben dass das die selbe Art ist.

    Viele Grüße