Armillaria eine nicht so einfache Gattung ?

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema, welches 610 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Tricholomopsis.

  • Hallo zusammen,


    ich habe mich letztes Jahr wieder getraut und zwei 0815 Pilze eingesammelt und Mikroskopiert.

    Das Objekt der Begierde waren zwei Armillarias.

    Eingesammelt Mikroskopiert, beiseitegelegt und später verglichen, aber schon bei der ersten Armillaria habe ich bemerkt, dass es kaum Mikromerkmale dazu gibt.

    Die zweite Armillaria eingesammelt, wieder Mikroskopiert, beiseitegelegt und genau wie bei der ersten Armillaria war auch die zweite für mich nicht zuzuordnen.

    Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Gattung Armillaria doch nicht so einfach ist.

    Oder sollte ich lieber auf das Mikroskopieren verzichten ;)


    Die erste Armillaria wurde am 28.09.25 am Wegesrand von einem Buchenwald (Fagus) gemacht.

    Um der Armillaria herum wuchs Gras, Brombeeren (Rubus) und Brennnesseln (Urtica).

    1.0


    1.1


    1.2 HDS mit gelben Inhalt


    1.3 Cheilozystiden


    1.4 Stiel


    1.5




    Die zweite Armillaria wurde am 01.11.25 an einem Baumstumpf von Buche (Fagus) gemacht.


    2.0


    2.1


    2.2


    2.3 HDS


    2.4 Cheilozystiden


    2.5 Cheilozystiden


    2.6 Stiel vom Beleg mikroskopiert


    2.7


    Vielleicht habt ihr zu meinen Funden Ideen, denn momentan steht bei beiden nur Armillaria sp.

    Ich werde auf jeden Fall weiter Armillarias Mikroskopieren und sammeln.


    VG : Thorben

  • Hallo zusammen,


    Armillaria mellea ist übrigens ein dankbarer Hallimasch für Mikroskopiker, denn er hat keine Schnallen, während die anderen Arten wenigstens teilweise Schnallen an den Basidienbasen haben.


    Björn

  • Hallo zusammen,


    Nr. 1 ist für mich klar A. mellea. Die ist makroskopisch typischerweise recht einfach zu erkennen und Schnallen habe ich auf den Bildern auch nicht gesehen.


    Schwieriger ist Nr. 2. Da kämen für mich sowohl A. ostoyae, als auch die extrem wandelbare (und häufige) A. gallica sowie A. borealis infrage. Typische Kollektionen erkennt man, aber wenn die typischen Merkmale nicht eindeutig sind, kann es sehr schwierig werden, insbesondere bei Einzelexemplaren.


    Viele Grüße

    Emil

  • Hallo an alle,

    vieles ist schon gesagt: außer mellea (ohne Schnallen) sind die Armillarias mikroskopisch nicht unterscheidbar.


    Das wichtigste makroskopische Merkmal ist der Ring: häutig bei mellea, häutig-wattig mit braunem Zahnkranz bei ostoyae, wattig-spinnwebartig bei den anderen Arten.


    Der zweite wäre für ostoyae vom Ring her also sehr untypisch. Für gallica wäre er auch untypisch, weil jedes Gelb am Stiel fehlt, aber das kann schon mal sein.

    Ein Einzelfruchtkörper ist aber meist ohnehin nicht zu bestimmen.


    Von borealis habe ich selbst kein so klares Bild, aber das wäre beim zweiten wohl eine gute Option. Die Art soll in Mittelgebirgen deutlich häufiger sein als im Flachland, von welcher Höhe stammt denn der Fund?


    Grüße,


    Wolfgang

  • Hallo Thorben,

    wie Wolfgang schreibt, abgesehen von den Schnallen spielt die Mikroskopie bei der Armillaria-Bestimmung keine große Rolle.


    Es gibt von Helga Marxmüller einen schönen Artikel zur Hallimasch Bestimmung, in Ausgabe 4 der Mycologia Bavarica.

    Kann man alle hier downloaden:


    Download Archiv – Mycologia Bavarica


    Viele Grüße

    Vroni

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für eure Hinweise :)
    Ich nehme die Armillaria mellea als Namen für den ersten Fund.

    Den Fund werde ich mir trotzdem noch einmal anschauen, denn nach Schnallen hatte ich nicht gesucht gehabt.

    Auch bei dem zweiten Fund werde ich nach Schnallen suchen.


    Von borealis habe ich selbst kein so klares Bild, aber das wäre beim zweiten wohl eine gute Option. Die Art soll in Mittelgebirgen deutlich häufiger sein als im Flachland, von welcher Höhe stammt denn der Fund?

    Nicht hoch 131m vom Mittelgebirge noch weit entfernt :)


    Es gibt von Helga Marxmüller einen schönen Artikel zur Hallimasch Bestimmung, in Ausgabe 4 der Mycologia Bavarica.

    Kann man alle hier downloaden:

    Vielen Dank für den Link zu dem Artikel :)


    VG : Thorben

  • Servus Thomas,


    ja, damals hatte ich noch lange Haare – wie die Zeit vergeht ;)


    Es wurde ja schon einiges geschrieben – z. B. zu den Schnallen, die bei Armillaria mellea s. str. fehlen.


    Ich bin bei 1. auch bei Armillaria mellea.


    2. Ist halt nur ein Einzelfruchtkörper, aber der sieht schon nach Armillaria borealis aus. Die Art beginnt jedenfalls "bei mir" (Bayerischer Wald, Alpen) als allererste zu fruktifizieren, in den Bergen oft schon im Juli, vor den anderen Hallimascharten (ist bei mir immer der Erste, was bei dem Fund hier nicht hilft, da der vom November stammt). Die Stielbasis ist bei A. gallica und A. cepistipes deutlicher basal verdickt (deshalb schaue ich gerne Büschel statt Einzelfruchtkörpern an) und da sind deutlicher Gelbtöne. Armillaria borealis hat eine (zylindrisch bis etwas verjüngte, eben nicht (oder wenn mal doch, dann nur kaum) verdickte Stielbasis und zeigt nur Nuancen von Gelb. Der Ring ist dünner als bei A. ostoyae (aber eben auch wattig) und hat feinere, heller braune Flocken am Ring. Die Fruchtkörper sind insgesamt blasser als bei typischen A. ostoyae. Ich finde sie an Laub- und Nadelholz.


    Es gibt die Publikation Nierhaus-Wunderwald et al. (2012): Hallimasch – Biologie und forstliche Bedeutung. Merkbl. Prax. 21: 1-8 (ISSN 1422-2876, Veröffentlichung der WSL) – das ist eine schöne Bestimmungstabelle für Hallimasche (und natürlich die Arbeiten von Helga Marxmüller).


    Was die Mikroskopie angeht, ist das letzte Wort noch nicht gesagt. Es wurden z. B. Armillaria ostoyae (europäisch) und Armillaria solidipes (nordamerikanisch, wurde da auch als A. ostoyae bestimmt) offenbar doch Unterschiede, z. B. bezüglich der Zystiden und der HDS-Zellen. Mich würde nicht wundern, wenn auch bei den europäischen Arten Unterschied eherausgearbeitet werden könnten. Heutzutage geht das Korellieren der Merkmale mit Sequenzergebnissen einfacher als früher. Es ist halt aufwändig und für uns Amatuere teuer (die Sequenzierung) und "Profis" brauchen vermutlich keine dezenten Mikromerkmale bei so einer kleinen Gattung, bei der viel makroskopisch geht (und zur Not eben schnell per Sequenz).


    Armillaria borealis ist im Bayerischen Wald und den Alpen sehr häufig, kommt aber sicher auch in tieferen Lagen durchaus vor, aber eben nicht so häufig.


    Soweit in Kurzfassung von meiner Seite. Ich schaue mir gerne Hallimasche an, habe nur immer wieder kleinere Probleme bei Armillaria gallica vs. Armillaria cepistipes, was wohl auch daran liegt, dass A. cepistipes bei mir häufig ist, A. gallica wohl selten (odereben von mir nicht sauber genug erkannt).


    Liebe Grüße,

    Christoph