Welche Gattungen muss man (als PSV) sicher kennen?

Es gibt 53 Antworten in diesem Thema, welches 4.512 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Navajoa.

  • Hallöchen und einen schönen zweiten Weihnachtsfeiertag allerseits!


    Ich hätte da mal eine Frage, da ich perspektivisch unheimlich gerne PSV werden würde. In Zusammenhang mit der praktischen Prüfung höre ich immer wieder, dass Pilze mindestens auf Gattungsebene bestimmt werden müssen - und man die wichtigsten Gattungen sicher kennen muss, bei anderen wäre es wiederum ausreichend sie zumindest mit Hilfsmitteln zu bestimmen.

    Aber was sind denn "die wichtigsten" Gattungen?


    Anhand von Recherche und eigener Vermutung schätze ich mal, dass mindestens folgende wichtig sein könnten:


    Agaricus, Mycena, Paxillus, Laccaria, Cantharellus, Lactarius, Inocybe, Lepista, Boletus, Rubroboletus, Leccinum, Volvariella, Russula, Coprinus, Clitocybe, Amanita, Suillus, Flammulina, Xerocomus, Xerocomellus, Hypholoma, Craterellus, Morchella, Gyromitra, Calvatia, Lepiota, sowie Porlinge, Streiflinge, ...


    Meiner Logik nach sollten vermutlich auch alle Gattungen benannt werden können, welche tödlich giftige Arten beinhalten, oder?


    Hättet ihr Ergänzungen für mich oder würdet sogar Gattungen von der Liste streichen? Sorry für die Frage die einigen erfahrenen Sammlern sicher überflüssig vorkommt, aber ich kann nicht gänzlich einschätzen welche Gattungen wirklich bedeutsam sind und möchte mir das Wissen dazu aneignen.


    Herzlichen Dank und liebe Grüße aus Sachsen. 😊🎄

  • Hallo Pilinosa,


    Hier findest Du den Katalog der Prüfungsfragen für die theoretische Prüfung zum PSV.

    Wenn Du die Pilze, die hier beschrieben werden sollen, kennst, dann sollte das auch für die Artenkenntnis der praktischen Prüfung reichen.

    Schönen Gruß,
    Hans aus Bremen
    ------------------
    "Es gibt Gottsucher, Ichsucher und Schwammerlsucher" (G. Polt)



  • Anhand von Recherche und eigener Vermutung schätze ich mal, dass mindestens folgende wichtig sein könnten:


    Agaricus, Mycena, Paxillus, Laccaria, Cantharellus, Lactarius, Inocybe, Lepista, Boletus, Rubroboletus, Leccinum, Volvariella, Russula, Coprinus, Clitocybe, Amanita, Suillus, Flammulina, Xerocomus, Xerocomellus, Hypholoma, Craterellus, Morchella, Gyromitra, Calvatia, Lepiota, sowie Porlinge, Streiflinge, ...

    Hi,


    von keinem PSV wird verlangt 100%ig Xerocomus/Xercocomellus/Hortiboletus usw. sauber zu trennen. Das fällt sogar Profis zuweilen schwer!


    Wie Hans schon schrieb; orientiere dich an den PSV-Fragen.


    Ansonsten wichtige Gattungen, die du erkennen musst (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):


    Amanita; inkl. Scheidenstreiflinge; dort ist es wichtig die wichtigsten Arten sauber zu trennen! Pluteus, Agaricus, Coprinus s.st., Lepiota s.l., Macrolepiota/Chlorophyllum; Volvariella ist nicht so wichtig. Leucoagaricus leucothites agg. ist noch wichtig. Das wären die Freiblättler.


    Ansonsten Mycena s.l., Tricholoma (s.l.), Armillaria, Lepista, Clitocybe s.l., Collybia s.l., Hygrocybe s.l., Hygrophorus, evtl. noch Laccaria - Hellsporer


    Entoloma, Clitopilus - Rosasporer


    Cortinarius (s.l.), Inoycbe (s.l.), Galerina, Gynopilus, Pholiota (s.l.), Hypholoma, Stropharia, Hebeloma, Psathyrella s.l., "echte Tintlinge", Conocybe, Agrocybe,


    Röhrlinge: nur die wichtigsten Arten, welche Speiserelevanz haben, bzw. auch wichtige Giftpilze sind, bzw. auch die "Bitterlinge". Es verlangt niemand zur Prüfung, Unterschiede zwischen Neoboletus, Suillellus, Caloboletus und Imperator abzufragen. Das ist Spezialwissen! Es ist auch vollkommen ok. wenn du die ganzen Dickröhrlinge noch mit Boletus ansprichst.


    Russulales: Da sollstest du die wichtigsten Standardarten kennen. Russula und Lactarius/Lactifluus als Gattung erkennen versteht sich von selbst.


    Porlinge: nur die auf Artniveau welche im Fragekatalog enthalten sind


    sonstige Pilze: auch dort nur insoweit, wie in den Fragen gestellt/gefordert werden. Du musst nicht mal die Unterschiede zwischen Clavulina und Ramaria wissen! Es schadet nicht zu wissen, was ein humanpathogener Pilz ist und auch zu wissen, was ein Rostpilz/Brandpilz und Mehltau ist. Aber das nur wirklich im Groben.


    Vergiftungssyndrome sind sehr wichtig. Dort hapert es oft.


    Praktische Prüfung: Ich habe Prüfungen erlebt, wo der Prüfling viel theoretisch wusste, dann aber in der Praxis viele einfache Standardarten, wie z.B. den Wurzelnden Bitterröhrling nicht erkannte und deswegen auch durchfiel. Dort ist die Hauptkrux für viele. Felderfahrung (insbesondere Pilze in den Habitaten, wo man sonst nicht so viel unterwegs ist) fehlt oft den Prüflingen. Die Prüfung ist sofort vorbei, wenn du einen Giftpilz oder bitteren Röhrling zum Verzehr freigibst. Es ist nicht schlimm, wenn du 1-2 Arten nicht (er)kennst und das auch entsprechend kommunizierst. Kritisch wird es, wenn du das bei deutlich mehr Arten passiert.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Climbingfreak Herzlichen Dank für die ausführliche Antwort. Das hat auf jeden Fall geholfen.


    Verstehe ich es also richtig, dass ich die Pilze in der praktischen Prüfung im besten Fall auch auf Artebene erkenne? Du sagst es ist nicht schlimm mal 1,2 nicht zu wissen solange das eher die Ausnahme bleibt. Ich stell mir das eben unheimlich schwer machbar vor, wenn da z.B. diverse Täublinge, Rötlinge, Helmlinge oder Ritterlinge auf dem Tisch oder im Korb liegen, wo es unheimlich viele ähnliche Arten gibt die über die Gattung hinaus schwer zu bestimmen sind. Hoffe du verstehst was ich meine.


    Lieben Dank!

  • Hi,


    es geht immer um beratungsrelevante Arten, bzw. Giftpilze. Bei den Ritterlingen solltest du schon Schwefel- und Grünling trennen können, ebenso Erdritterlinge auf Aggregatsniveau. Risspilze, Helmlinge und Rötlinge auf Gattungsniveau, Cortinatien ebenso bis auf ein paar leicht kenntliche, bzw. tödlich giftige Arten. Orientiere dich ruhig an dem Fragenkatalog. Da hast du deine Richtschnur. Die wichtigsten einfach zu erkennenden Täublinge solltest du kennen: Speise, Frau, Ocker, Galle, Grüngefeldert, Pfirsich, RotLeder, Heringe als Gruppe, Spei als Gruppe, Stachelbeer und Zitronenblättriger, evtl. noch Zedernholz. Eben die wichtigsten Speise und giftigen Arten. Auch bei den Milchlingen: die Reizker idealer Weise auf Artebene, Brätlinge, Mohrenkopf, Maggipilz. Viel hängt auch davon ab, wo der Prüfer so unterwegs ist und welche Pilze er/sie in den entsprechenden Habitaten findet.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Großartig! Vielen lieben Dank für die Hilfe 😊

  • Hallo

    Ich bin ein wenig verwundert. Bevor man PSV werden möchte, muß man doch erstmal die Pilze in der näheren und etwas weiteren Umgebung kennenlernen, und das die 12 Monate im Jahr. Dazu braucht man schon ein paar Jahre. Es wachsen doch nicht jedes Jahr alle üblichen Arten. Ja und dann kann man diese Anfragen stellen.

  • Ich denke auch, dass man hier zunächst über eine etwas längere Zeit die heimische Pilzflora "studieren" sollte und dies sowohl im Feld, also im Wald und auf der Wiese, als auch am Mikro und mit der entsprechenden Literatur usw.


    Dann ist aber m.E. auch der regelmäßige und kritische Austausch mit Kennern/Fachleuten wichtig, weil man letztlich gerade über diese noch sehr viel dazu lernt, und man sollte sich bei alldem nicht nur auf die Mykologie beschränken, vielmehr steht die Funga (Pilzwelt) immer in Verbindung mindestens mit der Flora.


    Mit anderen Worten: Der Weg zum PSV ist lange, hart und auch niemals zu Ende.

    »Experts do not exist,

    we all are beginners

    with greater or lesser knowledge.«

    Luis Alberto Parra Sánchez

  • Dann ist aber m.E. auch der regelmäßige und kritische Austausch mit Kennern/Fachleuten wichtig, weil man letztlich gerade über diese noch sehr viel dazu lernt, und man sollte sich bei alldem nicht nur auf die Mykologie beschränken, vielmehr steht die Funga (Pilzwelt) immer in Verbindung mindestens mit der Flora.


    Mit anderen Worten: Der Weg zum PSV ist lange, hart und auch niemals zu Ende.

    Hi,


    verwechsel hier mal nicht PSV und Mykologe. PSV ist hauptsächlich für Korbkontrollen da und dazu braucht es keinen jahrelangen Erfahrungsaustausch mit Experten. Wenn man sich denn über die Korbkontrolle hinaus mit der Mykologie befassen möchte, gebe ich dir recht. Ich kenne viele PSV, die sehr gute Korbkontrollen machen und sich darüber hinaus nicht weiterbilden möchten (="Pfannenpilzberater"). Andererseits kenne ich nicht viele Experten, die PSV sind.


    l.g.

    Stefan

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  • N’abend Stefan,


    selbst wenn man den PSV nur auf eine Pilzkorbsichtung/-prüfung beschränken würde, so kann man dies auch wohl erst nur dann profesionell durchführen, wenn man sich über Jahre hinweg einen entsprechenden Erfahrungsschatz "erworben" hat und sich da immer wieder fortbildet, sowohl Outdoor (Wald & Wiese) als auch mit Literatur und in einem Austausch mit anderen Fachleuten.


    Will man darüber hinaus mehr auf diesem Gebiet erreichen, dann geht es selbstverständlich in eine andere, mehr wissenschaftlichere Richtung.


    Schönen 2. Weihnachtstag/-abend!

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    we all are beginners

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    Luis Alberto Parra Sánchez

  • Hallo

    Ich bin ein wenig verwundert. Bevor man PSV werden möchte, muß man doch erstmal die Pilze in der näheren und etwas weiteren Umgebung kennenlernen, und das die 12 Monate im Jahr. Dazu braucht man schon ein paar Jahre. Es wachsen doch nicht jedes Jahr alle üblichen Arten. Ja und dann kann man diese Anfragen stellen.

    Ich bin auch ein wenig verwundert über diese schnippische Antwort zu einer einfachen Frage. Und das ist nicht das erste Mal, dass ich sowas im Forum lese. Wer sagt, dass ich mir über die letzten Jahre nicht bereits ein gutes Artenwissen aneignen konnte? Ich stelle die Frage auch um für mich selbst eine bessere Einordnung bekommen zu können wo ich stehe und was ich als PSV - der ich PERSPEKTIVISCH werden möchte - einmal brauche.


    Ich empfinde die Frage zu jeder Zeit als angebracht. Hilft sicherlich auch anderen weiter, die gern mehr lernen und PSV werden möchten.

  • Ich denke auch, dass man hier zunächst über eine etwas längere Zeit die heimische Pilzflora "studieren" sollte und dies sowohl im Feld, also im Wald und auf der Wiese, als auch am Mikro und mit der entsprechenden Literatur usw.


    Dann ist aber m.E. auch der regelmäßige und kritische Austausch mit Kennern/Fachleuten wichtig, weil man letztlich gerade über diese noch sehr viel dazu lernt, und man sollte sich bei alldem nicht nur auf die Mykologie beschränken, vielmehr steht die Funga (Pilzwelt) immer in Verbindung mindestens mit der Flora.


    Mit anderen Worten: Der Weg zum PSV ist lange, hart und auch niemals zu Ende.

    Ich persönlich finde es sowieso wichtig und interessant sich Wissensgebiete außerhalb des reinen Artenwissens zu erschließen. Trägt ja im Endeffekt alles dazu bei ein noch besseres Verständnis für Ökologie zu bekommen. Bevor ich mit Pilzen angefangen habe, war ich schon recht intensiv in den Themen Böden, Gewässer und heimische Fauna drin - einige Zusammenhänge mit Pilzen sind nun natürlich verständlicher und hilfreich, wenn man nach speziellen Arten sucht. 😊


    Liebe Grüße und schon vorab einen guten Rutsch.

  • Hi,


    na ja sagen wir mal so. Jahrelang finde ich schon etwas übertrieben. 2-3 Jahre mit recht normaler Witterung auf jeden Fall, aber mehr auch nicht. Ansonsten gibt es ja die Regel, dass jeder PSV sich innerhalb von 5 Jahren mindestns ein Mal fortbilden muss. PSV sein ist kein Hexenwerk und ist nicht mit dem Fachberater für Mykologie gleichzusetzen.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


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  • Hallo zusammen,


    ich bin weder Experte, noch PSV, aber solange derjenige, der es werden will, sich selbst gut einschätzen kann und weiß, worüber er keine Ahnung hat, denke ich, wird nicht viel Schaden in der späteren Tätigkeit als PSV entstehen.


    Mich würde es aber interessieren, wie das mit den Vergiftungen aussieht. Ein PSV sollte doch prinzipiell bei einer Vergiftung aushelfen können. Nur frage ich mich, ob das schon alleine durch das Kennen von Giftpilzen und deren Syndromen der Fall ist. Ich persönlich z.B. würde gerne irgendwann mal den PSV machen, weil ich doch Lust habe Menschen etwas zu erklären und denen die Pilze näher zu bringen und ich glaube, dass geht mit so einem Titel besser. Ich selbst plädiere ja generell jedem, den ich kenne, keine Bestimmungen eines nichtPSVs (somit eigentlich auch mir) entgegenzunehmen, wenn es um das Sammeln von Speißepilzen geht. Leider gibt es doch auch immer wieder Geschichten, wie angebliche Pilzkenner als Nachbar oder Freund dann doch Giftpilze freigegeben haben.

    Zurück zur Frage: Wie kompetent muss man denn hinsichtlich der Vergiftungen sein? Muss ich mit einem Mikroskop und dem Diagnoseschlüssel von Hahn (war es Christopher Hahn? bin mir gerade nicht ganz sicher) denn nicht eigentlich mit Pilzresten und Erbrochenen arbeiten können? Ich weiß zwar, dass man beim Eintragen angeben kann, soetwas nicht machen zu wollen, aber da - soweit ich weiß - die PSV dafür zuständig sind, müsste das doch jeder können oder nicht?


    Grüße

    Oliver

  • Hi,


    du musst die wichtigsten Giftpilze in der Korbkontrolle erkennen. Die Syndrome musst du für die Prüfung lernen.


    Selbst mit dem Mikro Putzreste und/oder Erbrochenes zu untersuchen würde ich nur Leuten mit viel Mikroskopieerfahrung und nach Teilnahne eines entsprechenden Kurses empfehlen.


    Ansonsten: Auch PSV können sich irren und ich kenne einige gute Mykologen, die kein PSV sind, sich aber trotzdem mit Pilzen besser auskennen als manch gestandener PSV.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Ich fürchte, manch Pilzkartierer/Feldtaxonom mit Mikro (also die "Wissenschaftler") dürfte hier letztlich eine genauere Bestimmung liefern als ein PSV. Im Zweifel würde aber ein guter bzw. erfahrener PSV einen Pilz nicht zum Verspeisen freigeben, wenn er auch nur ein wenig Zweifel bei der jeweiligen Bestimmung hätte.

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    Luis Alberto Parra Sánchez

  • Hallo zusammen,


    hier noch mein Senf zu diesem Thema.


    Wie viele Jahre der Weg zum PSV dauert, ist sicher individuell verschieden und abhängig davon, wie man die Pilzerei in der Vergangenheit betrieben hat. In einem Pilzverein wie dem unseren kann man durch den Austausch mit anderen, auch mit Auskennern, recht schnell auf das Fortgeschrittenen1-Niveau kommen, wenn man sich mit der Materie aktiv auseinandersetzt und sich nicht immer nur passiv berieseln lässt. Sehr nützlich ist auch, wenn man sich mit der Bestimmungsmethodik auseinandersetzt, statt zu versuchen, jede relevante Art auswendig zu lernen und immer alles durch Fotoblätterei zu bestimmen, oder sich gar angewöhnt, die Pilze, die man findet, von anderen Auskennern bestimmen zu lassen.


    Immer muss man sich auch klar darüber sein, was der PSV können und leisten soll. Er muss in einem vorliegenden Fundkorb zielsicher alles Giftige und Pathogene erkennen und grundsätzlich auch benennen können und dabei Fachkompetenz ausstrahlen, so dass der Anfragende die kontrollierten Pilze mit einem Gefühl der Sicherheit nach Hause tragen kann. Die anderen Beschäftigungen des PSV, wie z. B. Lehrexkursionen durchführen, Fachvorträge halten, Pilzausstellungen betreuen usw. sind mMn schmückendes Beiwerk für diejenigen, die sich dies zutrauen. Pilz-/Vergiftungsdiagnostik im Krankenhaus ist optional, da man als PSV angeben kann, ob man für solche Dienste zur Verfügung steht oder nicht. Jedenfalls ist der Arzt immer Herr des Behandlungsverfahrens, da sollte man als PSV nicht ungefragt reinreden, auch wenn man noch so viel theoretisches Wissen über Vergiftungssyndrome hat.


    Daraus ergibt sich, dass man als PSV idealerweise jede Giftpilzart, die in einem Sammlerkorb vorkommen könnte, kennen muss, egal ob die im heimischen Wald wächst oder nicht, damit einem nichts durchrutscht. Wünschenswert ist es, dass man auch jede Speisepilzart, die in einem Sammlerkorb üblicherweise auftaucht, kennt, damit man nicht allzu oft sagen muss: kenne ich nicht, gebe ich nicht frei (was man ja darf und soll). Insgesamt dürften das etwa 200 bis 300 Arten sein, die man sicher kennen sollte. Für das schnelle und sichere (Er-)kennen von Speise- und Giftpilzarten ist extrem nützlich, wenn man einem Pilz die Gattung ansieht, in der er taxonomisch steht. Langes Blättern im Pilzbuch zu Bestimmungszwecken ist zu vermeiden. Es muss in gewisser Weise schnell gehen. Dafür ist ein überblicksmäßiges Gattungswissen erforderlich. Es wird z. B. erwartet, dass man Gattungen, in denen Giftpilze vorkommen, ansprechen kann, z. B. dass man einen Risspilz als Risspilz, einen Schleierling als Schleierling, einen Rötling als Rötling oder einen Schirmling als Schirmling (diese Aufzählung ist willkürlich und unvollständig) erkennt.


    Auch wird ein gewisses zweckgemäßes begriffliches Fachwissen erwartet. Wer nicht weiß, was etwa Mykorrhizapartner, Saprobiontik, Universalvelum oder Amyloidität bedeutet, kann bestimmte für die Tätigkeit als PSV relevante Informationen nicht aufnehmen, da er den entsprechenden Texten inhaltlich nicht folgen kann.


    Die Pilze, die im Prüfungskorb auftauchen, sind nicht zufällig drin. Im Gegenteil hat der Prüfer sich bei jedem einzelnen Pilz, den er in den Prüfungskorb gelegt hat, etwas dabei gedacht. Manchmal ist es die angeschimmelte Marone (die man erst nach dem Umdrehen als angeschimmelt erkennt), manchmal ist es der junge Fliegenpilz (der dem Flaschenbovist so verdammt ähnlich sieht, zumeist liegen noch ein paar richtige Flaschenboviste oben im Korb!), manchmal ist es der mitten am Stiel abgeschnittene oder sogar nur als Hut vorhandene Knollenblätterpilz (der also sein Hauptbestimmungsmerkmal nicht mehr bei sich trägt) oder andere "Gemeinheiten", bei denen man aber erkennen kann, ob der Prüfungskandidat nur ein guter Theoretiker, nicht aber auch ein guter Praktiker ist.


    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • und ich glaube, dass geht mit so einem Titel besser

    Oliver, da gebe ich Dir, aus Erfahrung, recht.

    Ausschlaggebend ist hier, ob der Titel geprüft ist oder nicht.

    Das schafft Vertrauen (was ja dann auch eher gerechtfertigt ist als bei ungeprüft) und Respekt.


    LG

    Link zu Pilzlehrwanderungen: Pilzschule Rhein-Main

    Link: Verzehrfreigaben gibt es online nicht

    Galerie: Pilzfotos "zum Anfassen"/Stereobilder

    Der frühe Vogel fängt den Wurm. Soll er doch im Dunkeln tappen...ich fange lieber Pilze. Fossas sind auch nur aktiv, wenn es sich lohnt.

    Meine Fotos und Artwork dürfen nicht ohne meine vorherige ausdrückliche Genehmigung außerhalb dieses Forums verwendet werden!

    Pilz-Chips: 90+8 für Nobis Pilz-Cover-Rätsel=98, +2 Interne Tribünen-Punkte-Wette APR 2022=100, +4 PhalschPhal-Gedicht APR = 104 +5 Rätselgedicht = 109, 3 als Rätselprämie an Lupus = 106

  • Eigene Erfahrung: "Leiter der Fachgruppe Mykologie Dresden" zieht mehr als PSV. Mich fragt in der Position keiner ob ich PSV bin oder nicht. Ist auch nicht verwunderlich, denn in der Vergangenheit waren wir hauptsächlich in der Kartierung untrwegs.


    l.g.

    Stefan

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    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


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  • Mehr als irgendein Titel zählt für mich die Fachkompetenz/Erfahrung und die findet sich oft unabhängig von irgendwelchen Titeln, Abschlüssen od. dergleichen. ;)

    »Experts do not exist,

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    Luis Alberto Parra Sánchez

  • Hallo zusammen,


    ich wollte auf keinen Fall sagen, dass Menschen ohne den Titel des PSVs nicht kompetent beraten können. In dem Pilzverein, in dem ich gerne mitgehe gibt es auch einige Leute, die ein unglaubliches Wissen haben, aber kein PSV sind.

    Jedoch würde ich Laien trotzdem dazu raten, sich die Funde nur von einem PSV freigeben zu lassen. Denn wenn man selbst keine Ahnung von der Materie hat, kann man selbst schlecht einschätzen, ob jemand ein Experte trotz fehlenden PSV Titels ist oder ob das nur eine Person ist, die sich maßlos überschätzt und andere damit in Gefahr bringt.


    Zur Zeit will ich die PSV Prüfung gar nicht belegen. Wenn ich aber irgendwann mal etwas mit Laien (bin ja selbst noch einer) zusammen machen sollte, werde ich mich darum bemühen, diese Prüfung zu bestehen, damit die Personen, die ich dann beraten sollte, eben keinem potentiellen selbsternannten Pilzexperten vertrauen müssen. In meinen Augen ist das auch der einzige Grund, diese Prüfung anzugehen und diesen Titel dann zu erlangen. Ich bin nämlich jedes Mal erschrocken, wenn ich sehe, dass Menschen, die nichts von Pilzen wissen, von Fremden im Internet eine Bestimmung oder sogar eine Essensfreigabe erwarten; das ist lebensmüde. (Was ich euch ja nicht erklären muss)


    Grüße

    Oliver

  • Mehr als irgendein Titel zählt für mich die Fachkompetenz/Erfahrung und die findet sich oft unabhängig von irgendwelchen Titeln, Abschlüssen od. dergleichen. ;)

    Ja, im Nachhinein. Gehst du aber das erste Mal zu jemandem in die Pilzberatung, kannst du seine Fachkompetenz/Erfahrung sicherlich nicht einschätzen. Fürs erste hilft dir ein vorhandener Titel natürlich schon.

    FG

    Oehrling

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  • Mehr als irgendein Titel zählt für mich die Fachkompetenz/Erfahrung und die findet sich oft unabhängig von irgendwelchen Titeln, Abschlüssen od. dergleichen. ;)

    Würde ich so nicht sehen. Fachberater für Mykologie z.B. ist definitiv was. Ansonsten bin ich schon der Meinung, dass Leute mit (universitären) Abschlüssen schon Ahnung von dem haben sollten, was sie studiert haben.


    Bei PSV und dergleichen gebe ich dir Recht. Da habe ich auch Negativbeispiele erlebt; wenn auch nicht viele. Dennoch kann niemand so ohne weiteres Fachkompetenz bei Pilzen sofort erkennen. Das geht nur, wenn er/sie schnell grobe fachl. Schnitzer leisten. Dann kommen noch die ganzen Gattungs- und Pilzgruppenxperten hinzu. Oft kennen sie sich nur in der jeweiligen Pilzgruppe aus, das dann aber mit sehr großem Fachwissen.


    l.g.

    Stefan

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    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Mehr als irgendein Titel zählt für mich die Fachkompetenz/Erfahrung und die findet sich oft unabhängig von irgendwelchen Titeln, Abschlüssen od. dergleichen. ;)

    Oft, aber nicht immer. Um es genauer zu sagen, findet sich echte vertrauenswürdige Fachkompetenz nur selten, wo kein Titel bzw. Abschluss vorhanden ist. Das ist meine Erfahrung, und ich komme öfters mal mit Leuten in Kontakt, die Titel oder Abschlüsse haben.

    FG

    Oehrling

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  • Hallo zusammen,


    ich wollte auf keinen Fall sagen, dass Menschen ohne den Titel des PSVs nicht kompetent beraten können.

    ... Jedoch würde ich Laien trotzdem dazu raten, sich die Funde nur von einem PSV freigeben zu lassen.

    Hallo Oliver,


    du hast es gut erkannt. Es ist wie mit dem Führerschein für's Auto. Wer den "Pappendeckel" hat, kann (mehr oder weniger gut) Auto fahren und darf auf die Allgemeinheit losgelassen werden.

    Es gibt auch Leute ohne "Pappe", die das besser können, aber nur sehr wenige. Deutlich mehr Personen gibt es, die glauben, dass sie so einen Nachweis nicht nötig haben, weil sie auch glauben, dass sie es "auch ohne besser können".


    Für einen der wichtigsten Punkte, neben der Sachkenntnis, halte ich beim Pilzsachverständigen tatsächlich die Didaktik beim Beraten seiner Kunden. Er muss sich seiner Verantwortung bewusst sein und sollte sich einstellen können, auf die Personen, die er vor sich hat. Und da macht es einen großen Unterschied, ob das der geübte Speisepilzsammler, der allen bekannte Pilzfresser, der große Besserwisser oder der unsichere Krankenhausarzt ist. Nicht umsonst gab es (jetzt leider nicht mehr) Kurse "Didaktik der Pilzberatung".


    Gruß

    Peter