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letzter Beitrag von hilmgridd am

Squamanita contortipes - Häublings-Schuppenwulstling

  • Hallo zusammen, vorab eine Bitte an die Moderatoren: Ein richtiges Artenprofil ist das jetzt nicht, eher so eine Prosa- Artenbeschreibung von Laien für Laien. Bitte verschiebt den Beitrag dahin, wo er hingehört.


    Auf einer extensiv bewirtschafteten Wiese oberhalb von Katzhütte entdeckt ich bei der Saftlingsschau einen Pilz, den ich nicht zuordnen konnte und den ich für selten hielt. Deshalb ließ ich ihn zunächst stehen. Als ich hier im pilzforum.eu die Fotos zeigte, machte mich Ingo ( Sennepilz) darauf aufmerksam, dass ich vermutlich eine Rarität gefunden hatte. Mit etwas Glück fand ich den Pilz dann am 13. Oktober wieder und nahm ihn zur Bestimmung mit. Es handelt sich tatsächlich um den Häublings-Schuppenwulstling - Squamanita contortipes, der in Deutschland erst zwei mal kartiert ist.


    Squamanita contortipes hat eine im Pilzreich nicht allzu häufige Lebensweise, denn er lebt parasitisch auf einem anderen Pilz, dem Gestiefelten Häubling (Galerina pumila). Der grauviolette Pilz hat einen Hutdurchmesser von nur 1 cm. Die untere Hälfte des 6 cm langen Stieles ist ockerfarben und erweckt den Eindruck eines Sklerotiums. Tatsächlich handelt es sich hierbei aber um den parasitierten Gestiefelten Häubling (Galerina pumila), der durch den auf ihm lebenden Schmarotzer zur Unkenntlichkeit deformiert wurde und von dem nur noch die Farbe erkennbar ist.


    Für alle, die mehr über den Häublings-Schuppenwulstling und seine Verwandtschaft wissen wollen, gibt es einen ausführlichen Beitrag von Andreas Gminder.

    (PDF) Rhodophana stangliana und Squamanita contortipes, zwei selten berichtete mykoparasitische Basidiomyzeten aus der Gattung Squamanita s.l.


    Hier einige Makro- und Mikroaufnahmen:


    Der Fundort


    Am 11. Oktober 2020


    Am 13.Oktober 2020. Hier sehe ich auf dem Foto eine Verfärbung der Häublinge rechts. Zwei Tage vorher waren es noch ganz normal gefärbte Häublinge s.o. Beginnt hier vielleicht der nächste Parasitismus?




    Der Stiel ist hohl, die Lamellen waren breit angewachsen



    40fache Vergrößerung


    400fache Vergrößerung - ein Blick auf die Lamellen, Basidien mit 4 Sterigmien


    1000fache Vergrößerung mit Sporen


    400fach Hutdeckschicht


    400 fach Stielspitze


    400fach Stielbasis


    400fach Stielbasis, hier kleben erstaunlich viele Sporen, die nicht mehr so kreisrund, dafür aber etwas größer und körniger in der Oberflächenstruktur sind. edit: Nobi wies darauf hin, dass es sich hierbei um Chlamydosporen handelt.


    1000fach Stielbasis



    1000fach - die an der Stielbasis liegenden Sporen

    Lieben Gruß


    Claudia


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    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    2 Mal editiert, zuletzt von Wutzi ()

  • Hi Claudia,


    herzlichen Glückwunsch zu deinem tollen Fund. Mein Pilzfreund Steffen=Toffel hier im Forum hat sich auf Pilzparasiten spezialisiert. Darf er deine Bilder verwenden? Ich werde ihn mal auf deinen Fund aufmerksam machen.


    Ansonsten freue ich mit dir über den Fund. ==Gnolm8Ich werde wunschgemäß deinen Beitrag an die entsprechende Stelle verschieben; bzw doch nicht. Er steht genau dort, wo er stehen soll.


    Danke fürs Zeigen.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Danke Stefan, ich hab mich auch sehr über den Pilzzwerg gefreut, als ich erfahren hatte, was das für eine Kostbarkeit ist. Und die Biologie des Pilzchens ist ja auch recht speziell.

    Die Bilder kann jeder verwenden, der sie verwenden möchte. Der Pilz hat nichts dagegen==Gnolm13.

    Lieben Gruß


    Claudia


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  • Wow, Claudia!

    Was für eine tolle Vorstellung dieser überaus interessanten und seltenen Art.:thumbup:

    Die größeren warzigen Sporen im unteren Stielbereich sind die in Andreas' Aufsatz erwähnten Chlamydosporen.

    Sehr schön, dass Du diese auch gefunden und uns gezeigt hast.


    Liebe Grüße,

    Nobi

    Hier geht es zu meinen Themen.

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  • Danke Nobi für die Nachhilfe. Von Chlamydosporen habe ich noch nie gehört. Ich hielt sie für herabgefallene Sporen und habe mich gewundert, dass sie so stark von denen an den Lamellen abweichen. Es ist schon verrückt, was das Pilzreich alles zu bieten hat.

    Lieben Gruß


    Claudia


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  • Hallo Claudia,


    das ist ein super Fund. Für mich mit das Beste, das man in der Natur überhaupt finden kann.

    Am 13.Oktober 2020. Hier sehe ich auf dem Foto eine Verfärbung der Häublinge rechts. Zwei Tage vorher waren es noch ganz normal gefärbte Häublinge s.o. Beginnt hier vielleicht der nächste Parasitismus?

    Ich weiß gar nicht, ob die Entwicklung dieses Pilzes überhaupt so genau bekannt ist. Er soll ja auch direkt auf den Hüten des Wirtes wachsen können. Möglicherweise ist das aber auch eine andere Art. Ich könnte mir aber vorstellen, dass diese Fruchtkörper auch befallen sind. S. paradoxa wächst anscheinend auch von innen aus vollständig entwickelten Cystoderma-Fruchtkörpern. Es wäre auf jeden Fall interessant, wenn du das mal beobachten könntest.


    Kannst du Mikrobilder vom Übergang des Parasiten in den Wirt machen?


    Viele Grüße

    Steffen

  • Hallo Raphael,

    danke für die Glückwünsche. Das geht ja heute wie beim Geburtstag;). Die Dokumentation war ich euch schuldig, denn ohne das Forum hätte ich den Pilz gesehen und gleich wieder vergessen.


    Hallo Toffel,

    ja, spannend sind die schon. Ich würde gern Fotos machen, wenn ich a - den Ort wiederfinde, wo der Pilz stand und b - es tatsächlich einen Übergang gibt. Bei Andreas Gminder hatte ich glaube ich gelesen, dass Squamaria sich nur auf dem Stiel breit macht. Aber wie sicher das ist, weiß ich auch nicht. Ich werde mein bestes tun, den Ort wiederzufinden und berichten, wenn es etwas zu berichten gibt. .

    Lieben Gruß


    Claudia


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  • Hallo Claudia,


    dein Fund entspricht m. E. dem von Andreas. Er wächst hier auch wie er soll - direkt auf den Stiel aufgepfropft. Es gibt aber u. a. eine Beschreibung von Redhead, in der S. contortipes auf dem Hut des Wirtes wachsend beschrieben wird. Dadurch hat man überhaupt erst erkannt, dass es sich hier um einen Parasiten handelt. In der Originalbeschreibung ist davon natürlich nichts zu lesen. (Dafür aber, dass er auf einem Stück Nadelholz gefunden wurde, was mich jetzt wieder etwas irritiert.) Insgesamt scheint die Lebensweise dieses Pilzes noch etwas unklar zu sein.


    Viele Grüße

    Steffen

  • Hallo Steffen, das sehe ich auch so. Die Fotos von Andreas zeigen denselben Pilz. Ich habe gestern noch einmal die Wiese durchkämmt. Es sind unzählige Exemplare von Galerina pumila gewachsen, allerdings ohne von Squamanita parasitiert zu werden. Ich werde weiter die Augen offen halten, aber habe wenig Hoffnung. Es war schon ein großer Zufall einen dieser Pilze zu entdecken.

    Lieben Gruß


    Claudia


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    Einmal editiert, zuletzt von Wutzi ()

  • Hallo Claudia!


    Sehr schöne Vorstellung eines Pilzes, welcher sofort auf meine Will-Find-Liste wandert!

  • Hallo Claudia!


    Sehr schöne Vorstellung eines Pilzes, welcher sofort auf meine Will-Find-Liste wandert!

    Schön, dass dir das Pilzlein zusagt, Enno. Ich weiß immer noch nicht, ob der wirklich so selten ist, oder ob er nur oft übersehen wird. Eigentlich fällt er schon auf, wenn der Blick auf ihn fällt. Dazu muss man aber schon sehr dicht dran sein. Viel Glück beim Finden.

    Lieben Gruß


    Claudia


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