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letzter Beitrag von MarionS am

Was ist die biologische Funktion des Pilzfruchtkörpers?

  • Hallo,


    ich habe mich ganz neu angemeldet, ich bitte daher um etwas Welpenschutz :-)


    Ich frage mich was die biologische Funktion des Pilzfruchtkörpers ist?


    Eine google Suche hat mir keine Klarheit verschafft. Auch hier im Forum konnte ich nichts finden. Weiß da einer was?


    Danke&Grüße,

    Julian

  • Hallo Pilzkopf7.

    Na, da geht es um Arterhaltung.

    Vermehrung durch Sporenabwurf.

    Genau wie bei den Pflanzenfrüchten (z.B. Apfelkerne).

    Schönen Gruß,
    Hans aus Bremen
    ------------------
    "Es gibt Gottsucher, Ichsucher und Schwammerlsucher" (G. Polt)


    260115-20-jpg

  • Danke, Hans. Hätte ich selbst draufkommen können. Ich frage mich in dem Zusammenhang wie lange ein Pilz überleben kann wenn die Fruchtkörper beständig von Sammlern abgeerntet werden. Oder anders gefragt: Was ist die Lebenswerwartung eines Pilzes in Jahren? Sagen wir zB eines Steinpilzes?

    Das ist mehr eine "akademische" Frage. Ich will damit keine Grundsatzdiskussion Sammler vs Schaden am Pilz anzetteln :-)

  • Hallo,

    da greife ich das Beispiel des Apfelbaumes doch mal auf: Verkürzt es das Leben eines Apfelbaumes, wenn du immer alle Äpfel abpflückst? Nein!


    Das Pilz-Myzel, auf dem die Fruchtkörper gebildet werden, wächst solange weiter, solange es ein gutes Milieu dafür vorfindet bzw. der nötige Baumpartner lebt oder bis das Substrat, auf dem der Pilz wächst, verbraucht ist.

    Wenn du das Myzel beim Pflücken nicht zerstörst, dann wächst es immer weiter.


    Gruß

    Bernd

    Ich bin kein PSV, also gibt es von mir auch niemals eine Freigabe zum Verzehr! Wenn ich "essbar" schreibe, dann bezeichnet das eine Art im idealen Zustand, das lässt sich anhand von Fotos niemals beurteilen!

  • Salve!


    OK, also erstmal richtig: Die Fruchtkörper, die wir sammeln, sind nur die Fortpflanzungsorgane der Pilze. Dem Pilz (Mycelgeflecht im Boden, Holz oder wo auch immer der gerade wohnt), ist es relativ egal, wenn die abgesammelt werden.
    Aber: Für die Entwicklung und den Fortbestand einer Art (also der Summe aller Mycelien der selben Art) ist es sehr wichtig, daß in einem Wald immer genug Fruchtkörper bis zur Sporenreife kommen und somit für eine stete Weiterentwicklung sorgen.


    Zudem haben die Pilzfruchtkörper auch noch weitere biologische Funktionen, in erster Linie als Nahrungsgrundlage für tausende Insekten, Schnecken, kleine Waldtiere, Milben, Würmchen und auch Säugetiere und und und. Auch an der Kommunikation des "Ökosystem Wald" sind sie beteiligt. Pilze - und auch ihre Fruchtkörper - spielen eine sehr wichtige Rolle für das gesamte Ökostytem eines Waldes (oder einer Wiese, Sanddüne, Felslandschaft etc.).


    Insofern: Sammeln ist schon ok, damit rechnet ein Pilz (ist ja egal, ob der Fruchtkörper von einer Schnecke oder einem Mensch gegessen wird). Aber idealerweise hält man es in Maßen, entnimmt nur fruchtkörper im verzehrbaren Zustand (alles, was zu jung und zu alt ist stehen lassen) und idealerweise nur von häufigen Arten. Alles andere lässt man einfach stehen - es sei denn, es ginge um Bestimmungen, da darf man durchaus auch mal zwei, drei fruchtkörper aus einer Kollektion entnehmen.



    LG; Pablo.

  • Hallo Julian,


    Schön, dass Du ins Forum gefunden hast!


    Der Vergleich passt schon sehr gut ("=" steht für entspricht):


    Mycel = Apfelbaum

    Pilzfruchtkörper (Schwammerl) = Apfel

    Spore = Apfelkern


    Allerdings ist ein Apfelkern alleine in der Lage ein Apfelbaum, etc. zu werden. Das funktioniert normalerweise bei Ständerpilzen so nicht.


    Wenn Du die Suchbegriffe "Fortpflanzung Pilz Wiki" eingibst, findest Du ausführliche Info zur Funktion von Fruchtkörpern und Sporen.


    Grüßle

    RudiS

  • Was ist die Lebenswerwartung eines Pilzes in Jahren? Sagen wir zB eines Steinpilzes?

    Hallo Julian,


    der eigentliche Pilz im Boden lebt Jahrzehnte bis Jahrhunderte, vielleicht -tausende? Hängt sicher von der Art ab, aber gerade die Dickröhrlinge finden sich meist in Wäldern mit langer konstanter Waldbewirtschaftung. Das deute ich als Zeichen, dass sie sehr alt werden.


    Vergleiche mit dem größten Lebewesen der Welt:

    Gift- und Speisepilze: Das weltgrößte Lebewesen - Lebensmittel - Gesellschaft - Planet Wissen


    Der Fruchtkörper des Pilzes, also das was wir landläufig "Pilz" nennen, ist gewöhnlich erstmal für viele Wochen erbsengroß im Boden, um sich dann in Rekordzeit von wenigen Tagen mit Wasser vollzupumpen und aus dem Boden zu strecken ("Wachsen" im Sinne von Zellteilung muss er dann nicht mehr). Nach ca. 2 Wochen hat er dann seine Sporen ejakuliert und ist zerfallen.


    Gruß,


    Wolfgang

  • Man kann nicht sagen, wie alt ein Pilzmyzel werden kann.

    Vom Hallimasch wurden zwei Myzele gefunden, die man auf 1000 bzw 2400 Jahre schätzt.

    Aber das ist auch ein Saprobiont. Ein Symbiont, der von seinen Wirtsbäumen abhängig ist, könnte vermutlich auch mit deren Ableben ein Problem bekommen.


    Gleichzeitig stellt sich die Frage, inwiefern dasselbe Individuum Pilz sich möglicherweise aufteilen könnte und an mehreren von einander entfernten Stellen existieren kann. So wie man von einem Baum Ableger zieht. Es gab schon Überlegungen, ob Bäume eben durch diese Verjüngungskur theoretisch unendlich alt werden könnten, weit mehr als eine einzelne 1000jährige Eiche oder Linde oder 4500 Jahre alte Kiefer. Denn Bäume sterben in der Regel dadurch, dass sie sich einen fatalen Schädling zuziehen (ggf, durch Stress durch äußere EInflüsse) oder sich tatsächlich selber zu schwer werden und z.B. bei einem Sturm brechen.


    Die Fruchtkörper wachsen immer am Rand eines Myzels, damit die Sporen vom Myzel möglichst weggetragen werden. Im Idealfall hat du ein kreisrundes Myzel, gesäumt von Pilzen, den sogenannten Hexenring. Wachsen Pilze in einer auffallenden Linie, ist es schon ein verdammt großer Hexenring. Da ist es sehr wahrscheinlich, dass das ursprüngliche Myzel inzwischen "zerlegt" worden ist und die Einzelteile unabhängig voneinander weiter wandern. Wenn davon jetzt eines irgendwie immer weiter durch kommt, wächst, sich wieder aufteilt...


  • Aber das ist auch ein Saprobiont. Ein Symbiont, der von seinen Wirtsbäumen abhängig ist, könnte vermutlich auch mit deren Ableben ein Problem bekommen.

    Hi Marion,


    deswegen ist ein Mykorrhiza-myzel nicht nur mit einem Baum verbunden, sondern mit vielen. Je nach Pilzart sogar mit verschiedenen Baumarten. So kann der Pilz seine Abhängigkeit von einzelnen Baumpartnern reduzieren.

    Der Pilz übermittelt ja sogar organische Nährstoffe vom Mutterbaum an seine Sämlinge - das hilft dem Baum seine Kinder groß zu ziehen, und der Pilz ist gleich mit den Bäumen von morgen verbandelt.


    Dass Pilze potenziell unendlich alt werden können, mag stimmen. Allerdings ist hierzulande die letzte Eiszeit erst 10.000 Jahre zu Ende, und danach mussten erstmal die Bäume und die Pilze über Samen bzw. Sporen einwandern. Buchen gibt es ja erst seit 8000 Jahren wieder. Und die wurden dann zu Beginn der Industrialisierung fast flächendeckend abgeholzt und "verköhlert".


    Das, was Mykorrhizapilze wirklich nicht vertragen, ist eine Forstwirtschaft mit Kahlschlag. Oder der Wechsel der Baumart, z.B. von Eiche/Hainbuche zu Fichte wie vielerorts im 19. Jahrhundert (als Grubenholz für die Stahlindustrie und den Kohlebergbau), oder von Fichte zu (amerikanischer) Douglasie, wie es jetzt wegen dem Klimawandel diskutiert bzw. schon praktiziert wird.


    Bis sich eine stabile Douglasien-Pilzgemeinschaft bildet, wird es Jahrhunderte dauern. Für wirklich langlebige Pilze sind die Umweltbedingungen in Deutschland also viel zu wechselhaft.


    Grüße,


    Wolfgang

  • Gleichzeitig stellt sich die Frage, inwiefern dasselbe Individuum Pilz sich möglicherweise aufteilen könnte und an mehreren von einander entfernten Stellen existieren kann. So wie man von einem Baum Ableger zieht.


    In der Pilzzucht ist das eine gängige Vermehrungsmethode, man spricht zwar nicht vom Ableger, sondern vom Klon, aber die Bedeutung ist die selbe. In der Theorie muss man nur ein kleines Stück Pilzmycel entnehmen und auf einen geeigneten Nährboden platzieren. Daraus wächst ein neues Mycel heran und schon wächst ein genetisch identischer Pilz an verschiedenen Orten. Es funktioniert sogar mit einem Stück Fruchtkörper, da der aus Hyphenfäden besteht, die durchaus unter geeigneten Bedingungen wieder zu einem kräftigen Mycel heranwachsen können. Praktisch wird das in der Natur allerdings sehr selten vorkommen, denn das Verfahren funktioniert nur unter Reinraum-Bedingungen und mit sterilisierten Substrat (meist zuerst sterile Agar-Nährböden, danach steriles Getreide und erst dann bspw. Holz für holzbewohnende Pilze) zuverlässig.

  • Gleichzeitig stellt sich die Frage, inwiefern dasselbe Individuum Pilz sich möglicherweise aufteilen könnte und an mehreren von einander entfernten Stellen existieren kann.


    Also ein "sich aufteilen" gibt es sicher nicht. Ein Myzel wächst und wächst, immer weiter solange die Bedingungen passen. Und dann können natürlich Teile davon absterben und es verbleiben von dem ursprünglichen Myzel dann abgetrennte, für sich lebensfähige Teile, auch an scheinbar entfernten Orten, übrig.


    Gruß

    Bernd

    Ich bin kein PSV, also gibt es von mir auch niemals eine Freigabe zum Verzehr! Wenn ich "essbar" schreibe, dann bezeichnet das eine Art im idealen Zustand, das lässt sich anhand von Fotos niemals beurteilen!

  • "Hi Marion,


    deswegen ist ein Mykorrhiza-myzel nicht nur mit einem Baum verbunden, sondern mit vielen. Je nach Pilzart sogar mit verschiedenen Baumarten. So kann der Pilz seine Abhängigkeit von einzelnen Baumpartnern reduzieren..."

    Hallo allseits, (ich komme jetzt ein wenig vom Thema ab), hallo Wolfgang,

    kannst Du dazu eventuell eine (auch mehrere) Publikation empfehlen, in der genauer beschrieben ist, wie diese Verbindung mit mehreren Bäumen untersucht/nachgewíesen werden konnte? Ich bin da schon länger auf der Suche nach Literatur zum Thema, die einigermaßen fundiert ist.


    schöne Grüße,

    Eberhard

    Chiprechnerei:
    202 (Leben vor d. APR 2018) - 20 (für selbiges) + 16 (für den 2. dann); +7 (Segmentwette) +9(Treppchenwette) +11 +2 für '0'm\ - und pvalschpvahl, +10(+1Pilzwette) -2 (Top6wette#2), -2 und +10(Top6wette#3)... Sind 243

  • Also ein "sich aufteilen" gibt es sicher nicht.


    Weiß nicht. Weiß man das?

    Okay, es gibt natürlich genügend Einflüsse von außen, wie das geschehen kann. So wie hier im Hof die Pilze über die Jahre schon herumgewandert sind, kann man von gegenseitiger Verdrängung ausgehen. Je größer der Hexenkreis wird, desto unwahrscheinlicher wird es sein, dass das ganze Rund diesem einen Pilz gehört.

  • Dann musst du mal definieren, was du unter "sich aufteilen" verstehst.. Für mich ist das eine aktive Handlung und ich bezweifle sehr, dass Pilze handeln können.

    Wenn du meinst, dass ein Pilz irgendwo seine Aktivität einstellt und abstirbt, weil das Weiterleben an einer andern Stelle des Myzels einfacher ist, und dadurch scheinbar meheree Myzele entstanden sind, weil in der Mitte jetzt ein Teil fehlt, kann das natürlich sein.

    Gruß

    Bernd

    Ich bin kein PSV, also gibt es von mir auch niemals eine Freigabe zum Verzehr! Wenn ich "essbar" schreibe, dann bezeichnet das eine Art im idealen Zustand, das lässt sich anhand von Fotos niemals beurteilen!

  • Okay, dann ist es zweifellos nachlässig formuliert.

    Man müsste dann wohl sagen, dass das ursprünglich kreisrunde Myzel, das aus den aufgetroffenen Sporen entstanden ist (oder einem weggeworfenen Pilzfruchtkörper) aus "unbekannter Ursache" zu mehreren räumlich voneinander getrennten Myzelen wird.


    Ich habe beobachtet, dass 2008 auf einer 20qm großen Wiese mehr als hundert Kremplinge wuchsen. Danach nie wieder an dieser Stelle, nur rund herum mal hier und da der eine oder andere. Wo sind sie hin?

    In den Jahren darauf wuchsen dort mehr und mehr andere Mykorrhizapilze, Täublinge, Filzröhrlinge.

    Dieses Jahr haben wir wieder eine Kremplingsschwemme, wenn auch viel kleiner mit vielleicht 30-40 FK: Die sitzen aber nicht auf diesen 20qm von vor elf Jahren. Einige sitzen daneben, andere etwa 10m weit weg mit anderen Myzelen dazwischen, 3 Täublingsarten (von denen ich heuer kaum was gesehen habe), vermutlich 2 Birkenpilze, der eine oder andere Filzer, und ein Fliegenpilz hat sich auch schon mal blicken lassen.

    Hat sich jetzt der Krempling mit der Schwemme ausgepowert und sich sozusagen in Sporen und FK aufgelöst? Die Reste die Verbindung verloren? Oder haben die anderen Myzele, die in anderen Jahren stark wurden, den Krempling von sich aus aktiv verdrängt und damit geteilt? Machen die Pilze das womöglich abwechselnd, fast schon sowas wie einvernehmlich, oder sind sie eine Ellenbogengesellschaft?

    Wer weiß das?

  • Mir ist bekannt, dass man beim Züchten schnell man von Klon spricht - aber wenn man Sporen nimmt, dann haben sich ja praktisch schon die Pilzpartner gefunden und neue genetisch differente Sporen gebildet. Wozu in aller Welt braucht einer meiner Lieblingspilze 23.328 verschiedene Geschlechter ? Ich finde das eigentlich mit 2 Geschlechtern schon ziemlich kompliziert, die müssen sich ja auch finden - bei drei geht der Stress erst richtig los, denn es gibt dann 2 potenzielle Großväter oder Mütter (?) für 1 Pilz und bei 23.328 Geschlechtern - das will ich mir jetzt gar nicht vorstellen.... Aber Ernst, das wird zwar immer so in den Raum gestellt, aber welchen Sinn das Ganze hat, dafür habe ich noch keine Erklärung gefunden. Ich hab nur mal was gefunden, dass sich nur die Individuen mit der exakt gleichen Kombination an Geschlechtmerkmalen nicht paaren können, alle anderen schon. Was im Prinzip wieder auf eine 2-er Beziehung ausläuft - halt nur umgekehrt - es wird von 23.328 nur eine Option ausgeschlossen. Alle anderen 23.327 können sich paaren. Wenn ich das richtig verstanden habe.

  • ...

    Dieses Jahr haben wir wieder eine Kremplingsschwemme, wenn auch viel kleiner mit vielleicht 30-40 FK: Die sitzen aber nicht auf diesen 20qm von vor elf Jahren. Einige sitzen daneben, andere etwa 10m weit weg mit anderen Myzelen dazwischen, ...

    Hallo Marion,

    Nach meinem Kenntnisstand bilden die Myzele an ihrem physiologisch aktivsten Teil die Fruchtkörper. Bei einem Myzel, das stetig kreisförmig nach außen wächst, soll das in der Regel der äußere Kreis sein, siehe Hexenring. Deine Kremplinge haben sich in der Zeit, auch wenn sie keine FK gebildet haben, nach außen von dem ersten Spot entfernt.

    Gruß

    Bernd

    Ich bin kein PSV, also gibt es von mir auch niemals eine Freigabe zum Verzehr! Wenn ich "essbar" schreibe, dann bezeichnet das eine Art im idealen Zustand, das lässt sich anhand von Fotos niemals beurteilen!

  • Wozu in aller Welt braucht einer meiner Lieblingspilze 23.328 verschiedene Geschlechter ?


    Wow.

    Wie cool eigentlich!

    Ich würde das intuitiv eigentlich so verstehen, dass es bei Pilzen praktisch überhaupt kein Geschlecht gibt und alle Sporen neutrum sind und deswegen auch jeder mit jedem kann außer zwei genau Gleichen. Verschmelzung ist immer gut, einer der Partner kann evolutionäre Neuerungen mitbringen, die einen Fortschritt bringen!

    Hat die Evolution so eingerichtet, hat sich an der Umwelt messen müssen und bestanden: ist zweckmäßig.


    Macht aber auch Sinn. Bei den meisten anderen Lebewesen ist ja einer schließlich der Variationsspender, der andere der Austräger des neuen Lebens. Da müssen wir schon zwei spezifische haben. Zumindest der Sanddorn ist in der Lage, immer so alle paar Jahre mal das Geschlecht zu wechseln, sodass sich im Buschbestand immer mal wieder neue Kompatibilitäten ergeben. Die Variationsvielfalt explodiert!

    Bei Pilzen ist das noch einfacher: verschmelzen und loslegen. Vorteil obendrein: alle können Früchte tragen!


  • Deine Kremplinge haben sich in der Zeit, auch wenn sie keine FK gebildet haben, nach außen von dem ersten Spot entfernt.


    Viel weiter wandern können die FK auch nicht, da ist plattiert und betoniert.

    Die hatten wahrscheinlich 2008 so viel Munition auf Halde, dass sie damals ein 4m x 5m Rechteck ausgefüllt haben.


    Aber gut, dass du mich erinnerst, das weiterwandern hatte ich vergessen.


    Wobei ich mich auch gerade frag, was passiert, wenn ein Mykorrhizapilz den Rand des Einflussbereichs eines Baumes erreicht hat wie in diesem Fall. Die Birke befindet sich in einer Insel zwischen Bebauung. Ich frag mich gerade, ob der Hexenkreis dann wieder reflektiert und zurückwandert wie eine Wasserwelle? Denn im Inneren des Hexenkreises ist der Pilz ja nicht mehr.

  • Da hänge ich mich mal mit dran.


    Können Pilze auch umgedreht wieder rückwärts Myzel zum Baum-/Pflanzenpartner bilden? Eher nicht oder, sonst wäre ja die Zucht von Mykorrhiza-Pilzen etwas einfacher.


    Also quasi angenommen man trennt das Myzel das zum Fruchtkörper führt irgendwo in der Mitte vollständig durch. Dann würde der Teil der zum Fruchtkörper führt absterben und der andere weiter wachsen, oder?


    Frage nur, weil Schleimpilze beispielsweise (andere Lebensform natürlich) ja den kürzesten Weg durch ein Labyrinth zur Nahrungsquelle finden können. Das geht bei echten Pilzen nicht, nehme ich an?

    Bin lediglich fortgeschrittener Anfänger.
    Posts sind nicht als Essensfreigabe zu verstehen. :-]

  • Hallo Zusammen,


    Spannende Diskussion!


    Kann ein Mycel, das sich ausgehend von einem initialem Punkt 0, immer weiter ausbreitet, sich auch wieder zurückentwickeln hinein in Bereiche, wo es schon mal war (vorausgesetzt, das Substrat hat sich so weit regeneriert, dass es wiederbesiedelbar ist)? Oder ist schonmal besiedeltes Gebiet für genau dieses eine Mycel, dann "tabu"?


    Vielleicht bleibt das Mycel ja auch in der ganzen Fläche vital, und nur der Ort der Fruchtkörperbildung wandert immer vorwärts?


    Bei Destruenten, Holzzersetzern, stelle i h mir das recht simpel vor. Aber bei Mykhorrizabildnern? Kommen da plötzlich neue Bäume ins System, können Schösslinge die Funktion von absterbenden alten Pilzen übernehmen?


    Virle Fragen - kein Plan.


    Gibt es die Mykorrhiza/Mycel-Bibel schon? Wenn nicht, wer schreibt sie? Und wer übersetzt die Fachsprache dann in für mich verständliche Alltagssprache?


    Grüßle

    RudiS

  • Ich habe schon erfolgreich junge Bäume mit Mykorrhiza geimpft. Zwei Stieleichen beantworten das mit einer deutlichen Resistenz gegen den allgegenwärtigen Mehltau. Ich habe seither nicht mehr gespritzt, die werden selber damit fertig.

    Wir überlegten hier im Forum natürlich, ob der Baum nun mit dem Fruchtfleisch oder den Sporen geimpft wurde, da ich mit den ganzen, frischen Fruchtkörpern Beides eingebracht habe.


    Meiner Theorie zu Folge hat sich das Fruchtfleisch wieder zu Myzel verwandelt, es war nämlich weg. Und das in dem vergleichsweise sterilen Umfeld eines größtenteils mineralischen Pflanzgranulats.

    In den Jahren danach fielen drei meiner Bäume durch einen deutlichen Pilzgeruch zur Pilzzeit auf - auch meiner Theorie zu Folge sowas wie ein ungeschlechtlicher Sporenausstoß. Das hat sich inzwischen gelegt, kein Duft, keine Fruchtkörper. Aber immer noch die Resistenz der Eichen.


    Dazu noch wurde mir von mindestens einem älteren Pilzsammler erzählt, dass man Pilze, die man nicht verwerten will, abseits von ihrem Myzel wegwerfen sollte, damit sie sich dort wieder ansiedeln. Okay, das war unabhängig von der Art gesagt, könnte natürlich auch nur für Saprobionten gelten. Ein PSV berichtete auch davon, dass sein Garten, auf dessen Kompost er die verworfenen Pilze seiner Kunden schmeißt, ziemlich bunt sei.


    Wir haben hier im Forum schon überlegt, dass Mykorrhizapilzsporen, die irgendwo hinfallen, meistens ja nicht gleich Anschluss finden. Die Frage wäre, ob die nicht erst mal eine Zeitlang saprobiotisch leben könnten. Nur so zum Überleben, um weiterzuwandern, ohne FK bilden zu können.


    Während Saprobionten ihr (totes) Material jahrein jahraus verwerten können, solange ihnen das Klima angenehm ist, sind die Symbionten auf die Zuckergabe ihrer Partner angewiesen, wenn diese ihre Reproduktionsarbeit für die Saison erledigt haben und in voller Blattpracht bis zum Blattfall Energie tanken und einlagern. Um "nebenbei" Pilze anzufüttern braucht es aber einen großen Baum. Nur ist der mehr als besetzt mit Kandidaten, sodass man für Farmen junge Bäume impfen muss, die erst mal ein paar Dekädchen brauchen.

  • Kann ein Mycel, das sich ausgehend von einem initialem Punkt 0, immer weiter ausbreitet, sich auch wieder zurückentwickeln hinein in Bereiche, wo es schon mal war (vorausgesetzt, das Substrat hat sich so weit regeneriert, dass es wiederbesiedelbar ist)?


    Ich kann da auch nur theoretisch vorgehen.

    Mykorrhiza - warum nicht, wo man Anschluss an einen Baum hat, da geht das immer.

    Saprobionten: wenn Futter alle, dann alle.


    Zu den Saprobionten: der Baumstumpf im Garten meiner Eltern wartet immer wieder mit neuen Pilzen auf, die alten kommen bislang nicht wieder. Ich müsste auch mal auf dem Laptop die Fotos aus meinen Urlauben sichten, die ich an einer bestimmten Baumleiche gemacht habe, was da so alles schon gekommen ist. Blutmilchpilze hatte die z.B. auch nur einmal letztes Jahr.

  • Hallo MarionS,


    Zu den Schleimern fällt mir nur ein, dass die Wandern. Vielleicht kommt ja immer mal wieder eine Lycogala vorbei.


    Ich wäre schon froh, wenn ich echte Pilze besser verstünde!


    RudiS

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