Pilzbestimmung ...ist das ein Wiesenchampi

Es gibt 14 Antworten in diesem Thema, welches 10.576 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von zuehli.

  • Hallo liebes Forum,


    erstmal möchte ich mich vorstellen. Ich bin Holger und eigentlich treibt mich die Jagd in Wald und Flur. Nun stoße ich unweigerlich immer wieder auf sehr viele Pilze, was in mir mein Intressengeist geweckt hat. Nun sind Pilzkurse leider in unserer Gegend selten und daher würde ich mich über eure Hilfe freuen. Natürlich werde ich nicht alle gleich genussvoll verspeisen, aus dem Alter bin ich raus :).


    Heute habe ich diesen leider bereits ausgerodeten Pilz gefunden und werde damit beginnen... Ich freue mich zur Bestimmung auf eure Antworten. Auch würde mich intressieren, wie Ihr auf die Bestimmung kommt. Vielen Dank.

  • Zunächst mal mußt du beurteilen ob die Farbe der Lamellen weiß ist oder ob sie eher fleischfarben, rosa aussieht.

    Ist letzteres der Fall bleibt es beim Champignon. Sind die Lamellen weiß hast du es mit anderen Pilzen zu tun. Da bekommt du es schon mit Pilzen zu tun die auch gefährlich sein können.

    Aber davon mal abgesehen gibt es auch giftige Champignons unter den, grob geschätzt, 60 Arten.


    Auf dem Monitor sieht es für mich aus als wären die Lamellen rosalich. Aber nicht auf jedem Bild. Deshalb die einführende Erklärung zu den Lamellen. Entscheide selbst.

    Mit der Zeit werden die Lamellen bei Champignons dann auch schwarz durch die Sporenreife.


    Von der Optik her käme der Wiesenchampignon für mich schon gut hin.


    Du brauchst aber weitere Merkmale um der Art auf die Schliche zu kommen.

    Ein Merkmal ist der Geruch. Schnupper mal und versuch das zu deuten. Grundsätzlich wichtig dabei ist, wenn du wissen willst ob das eine essbare Art ist oder womöglich doch nicht, ob der Pilz angenehm riecht oder nicht. Wenn er irgendwie müffelt dann solltest du den auch nicht für die Pfanne in betracht ziehen. Nicht weil er müffelt sondern weil das auf eine evtl. nicht als essbar anzusehende Art hindeutet.

    Schnupper auch nochmal nachdem du den Pilz, vor allem, am Stiel gerubbelt hast.


    Desweiteren achte darauf ob sich am Pilz, insbesondere am Stiel, die Farbe verändert. Dort kann der Pilz gilben, röten oder unverändert bleiben.


    Außerdem solltest du den Champignon vom Scheitel bis hin zur Stielbasis durchschneiden. Auch dort kann sich der Pilz farblich verändern und gibt damit weitere Hinweise auf die Art wider.

    Bei Pilzen generell ist es übrigens meist nicht unwichtig daß man die Basis des Pilzes komplett zu sehen bekommt. Gibt es eine Knolle? Welche Form hat sie usw? Also immer den kompletten Pilz zeigen wenn du ihn bestimmt haben willst.

    Beim giftigen Karbol-Champignon z.B. wäre die Knolle der aussagekräftigste Teil wenn man diese anschneidet und eine gelbe Verfärbung dort erkennt. Dort riecht man dann häufig auch den Geruch von Karbol.


    Soweit für´s erste.


    Ach ja.

    Wo gefunden?

    Wiese? Wald? Weiden da bestimmte Tiere?

  • Hallo,


    also den Pilz habe ich in/an einer Hecke gefunden aus Goldregen, Eiche, WiesenahornMeine Schafe, Enten, Hühner und Esel weiden in unmittelbarer Nähe.


    Auf Grund der Anhaltspunkte könnte ich dem Wiesnchamp folgen, denn der Geruch ist nicht muffig, eher angenehm pilzig. Und nach dem Aufschneiden verfärbt er nicht. Vielen Dank für die sehr ausführliche Antwort.

    • Offizieller Beitrag

    Hi,


    an der Stelle muss ich intervenieren, denn der Pilz ist wahrscheinlich kein Wiesenchampi, denn die Lamellen sind einfach zu weißlich dafür. Noch ein wichtiges Bestimmungsmerkmal hat Mausmann leider nicht genannt; die Abziehbarkeit des Ringes. Ist dieser nach oben oder unten abziehbar?


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

    • Offizieller Beitrag

    Salve!


    Lamellenfarbe und Sporenpulverfarbe sind zwei verschiedene Dinge.

    Es gibt keine einzige Champignon - Art mit braunen Lamellen (außer sie wären völlig verfault). Aber alle Champignons haben dunkel braunes Sporenpulver: Wenn viele reife Sporen auf den Lamellen kleben, überdeckt die Sporenpulverfarbe die Lamellenfarbe. Die Lamellenfarbe von Champis ist weiß, rosa bis (wenn angetrocknet / gilbend) bleich strohgelb.
    Der Wiesenchampignon im strengen Sinne (Agaricus campestris s.str.) ist eine Art mit nur ganz jung weißen Lamellen, die schon sehr bald freudig rosa werden.

    Neben der ziemlcih kräftigen Statur und den großen fruchtkörpern wäre das hier ein Grund, warum ich da Agaricus campestris eher für unwahrscheinlich halte.


    Die Ringstruktur ist natürlich wichtig: Hier schaut das fast aus, als wäre der Ring undeutlich doppelt - also zusammengesetzt aus Teilvelum und Gesamtvelum, und dann eben sowohl nach oben als auch nach unten abziehbar. Kann aber auch täuschen, das wäre genauer zu beobachten. Die Arten, die ich selbst mit so einer Ringstruktur (doppelt, aber weniger deutlich als beim Stadtchampi zB) in der Hand und mit Ach und krach auch vage bestimmt habe, sahen allerdings auch noch mal irgendwie anders aus.

    Schwieriger Fall - mal wieder. Champis gehören für mich zu den gattungen, wo man am häufigsten bei Bestimmungsversuchen nur Speck* rausbekommt. Trotz MIkroskopie und Gedöns und reichlich bestimmungstechnischem Aufwand.


    * Geflügeltes Wort: Speck abgeleitet aus "spec." = "species" = als zusatz hinterm Gattungsnamen bei Mykologen oft verwendet, wenn man die Art nicht bestimmen kann.



    LG; Pablo.

  • Servus,


    Agaricus campestris kann man ausschließen - das finde ich auch. Dazu passt weder der Habitus noch die Lamellenfarbe.


    Ganz ehrlich glaube ich nicht einmal an einen Egerling. Der Rosaton sieht für mich mehr nach den rosa verfärbten Lamellen von Leucoagaricus leucothites s.l. aus. Dazu passt auch der Habitus und der Ring (von dessen Strukutr her). Kann mich da natürlich irren, aber wenn dem so wäre, dann wäre das ein Weißsporer. Daher zum Bestimmen unbekannter Arten bitte immer einen Sporenabwurf machen. Die Sporenpulverfarbe ist meist wichtig.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Ich würde bei dem sopontan auch Agaricus campestris ausschließen, zu groß, zu stämmig und für das Stadium der Schirmöffnung viel zu helle Lamellen Auf MEINEM Bildschirm wären aber wiederum die Lamellen für den rosablättrigen Egerlingsschirmling auch wieder zu! Rosa. Da sieht man mal wieder , was Bildschirme und natürlich auch das eigentliche Foto für Unterschiede .machen. Auf meinem Bildschirm hat der Pilz sogar gelbliche Verfärbungen

    • Offizieller Beitrag

    MoinMoin!


    Stimmt. Leucoagaricus leucothites (Rosablättriger Egerlingsschirmling) würde mir von der gesamten Form des Fruchtkörpers her gut gefallen. Den habe ich aber bisher extrem selten nur mit rosalich einfärbenden Lamellen gefunden, bei den allermeisten Funden waren die Lamellen weißlich (cremefarben).

    Bei einigen großfrüchtigen, marzipanig riechenden Champis gibt es das aber auch, daß die Lamellen sehr lange sehr hell sind (weil Sporen spät reifend). Beim Braunschuppigen Riesenchampignon (Agaricus augustus) ist das zB sehr auffällig, daß man da auch oft weit aufgeschirmte Fruchtkörper mit fast weißen Lamellen findet.

    Das hier kann natürlich wegen der Ringstruktur keine Art aus der Gruppe sein (Geruch lassen wir mal außen vor, das ist bekanntlich nicht so einfach und auch variabel), soll aber nur noch mal unterstreichen: Ja, Sporenabwurf wäre sehr wichtig.



    LG; Pablo.

  • Hallo,


    ich freue mich sehr über die rege Teilnahme und die Bestimmungsdiskussion. Natürlich erwartet niemand eine 100prozentige Bestimmung. Was ich sehr intressant finde ist die Anhaltspunkte, die ich vorher nicht beachtet habe.

    Wie gesagt, leider gibt es in unserer Region wenig oder keine Bestimmungsanlaufpunkte. Das finde ich sehr schade.


    Vielen Dank.

  • Hallo Kirchbergjäger,

    in Göttingen gibt es eine PSV, und anscheinend auch einen Pilztreff. Schau mal hier herein: https://www.dgfm-ev.de/speise-…tung/pilzsachverstaendige.

    "Raum Göttingen" kann natürlich weit gefaßt sein und darum immer noch zu weit weg für dich? Ich kenne das Problem: "Mein" nächster Pilzsachverständiger wohnt nur auf der anderen Seite des Flusses, im nächsten Dorf, aber ich habe trotzdem noch nie Pilze zum Bestimmen zu ihm gebracht (gelle, Zühli?!?)...ich sammle allerdings auch nicht zum Essen.

    Gnolmige Gnüße,

    Gnüni/Kagni ==11


    119 Pilzchips


    (Stand Nov. 2021=117 -15 Einsatz APR 2021 +4 1000. Beitrag APR +4 Ü200 Punkte im APR +4 Segmentwette =114 (Stand Nov. 2022) -15 Einsatz APR 2022 =99 +5 Gewinn aus Wette mit Suku =104 +5 9.Platz APR 2022 =109 +3 Gnolmkultur-Bonus APR 2022 =112 +7 Zieleinlaufswette APR 2022 =119)


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    Meine Zeichnungen und Fotos sind außerhalb dieses Forums
    nicht ohne meine vorherige Genehmigung zu verwenden!


    Grünis/Kagis verrückte Pilzwerkstatt

    Pilze an ungewöhnlichen Orten finden!

  • "Mein" nächster Pilzsachverständiger wohnt nur auf der anderen Seite des Flusses, im nächsten Dorf, aber ich habe trotzdem noch nie Pilze zum Bestimmen zu ihm gebracht (gelle, Zühli?!?)...ich sammle allerdings auch nicht zum Essen.

    Ach, liebe Grüni, am liebsten habe ich die, die nur zu mir kommen um zu wissen, ob sie mit ihrer Bestimmung richtig liegen. Das sind meist auch diejenigen, die eher weniger kulinarisch an Pilzen interessiert sind.

    Ich selbst esse auch schon lange keine Wildpilze mehr...


    :) Harald