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letzter Beitrag von Nosozia am

Dachpilz ja, aber welcher? Pluteus pellitus?

  • Hallo zusammen,


    ein weiterer Fund, bei dem ich noch im Dunkeln tappe:


    - Gefunden an einem gerodeten und mit jungen Tannen neu angepflanzten Hang, auf dem seit ca. drei Jahren eine dicke Schicht grober Holzschnitzel aufgebracht wurde. Was für Bäume (Nadel- oder Laubholz) ehemals da standen, weiß ich nicht. Die Stelle ist sehr sonnig, da knallt die Sonne fast den ganzen Nachmittag hin.

    - Sehr kräftig, der größte Hut hatte etwa 16 cm Durchmesser. Der Hut ist weiß, in der Mitte sitzen bräunliche Flecken/Schüppchen.

    - Der Geruch ist ähnlich wie beim Rehbraunen Dachpilz, aber nicht so intensiv, meine ich. Vielleicht liegt das auch daran, dass er so sonnig steht, und nicht im schattigen Wald.

    - Sporenfarbe – siehe Foto.

    - Schnittbild - Mist, hab ich vergessen.


    Hier die Bilder:










    Das sind zwei ältere Exemplare, sie verfärben sich offensichtlich braun, wenn sie alt werden.




    Und hier das Foto von 2017:



    Ich vermute den Weißen Dachpilz (Pluteus pellitus). 2017 habe ich die Pilze dort schon mal fotografiert (siehe letztes Foto), sogar beim Fotowettbewerb eingereicht. Aber sie waren schon so alt und in der Hitze gedörrt und geröstet, dass ich den Rehbraunen vermutet hatte.


    Was meint ihr?


    Grüßle

    Heide

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  • Hallo, Heide!


    Mit der Wuchsform und Wuchsweise (Holzhäcksel, nicht massives Totholz) wirkt das auf mich jedenfalls nicht wie eine gewöhlniche helle Form vom Rehbraunen (Pluteus cervinus s.l.).
    Was es aber ist... Da fehlt mir die Dachpilzerfahrung. Also gespanntes Abwarten, welche Auskenner sich noch mit Ideen dazu melden.



    LG; Pablo.

  • Hallo an alle,


    bei dem Standort und der Größe, den eher kurzfaserigen Huthauthyphen, und dem bereiften Stiel wäre mein erster Tipp Pluteus roseipes, der Rosastielige Dachpilz (dessen Stiel nicht immer rosa sein muss).


    Das würde ich immer mit Mikros absichern, aber ich würde keine Hakenzystiden erwarten (das ist ja leicht zu sehen).


    Gruß,

    Wolfgang

  • Hallo,


    sehr schön. Bei Zuehli wären die Belege in besten Händen. Ich bin gespannt, was dabei rauskommt. :


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo,

    schöner Pilz. Ahnungslos habe ich gerade mal im "Ludwig" geblättert und Pluteus petasatus ("Braunschuppiger Dachpilz") gefunden. Passt augenscheinlich wie Arsch auf Eimer :grolleyes:. Dieser hätte Hakenzystiden ("...durch die stets vorhandenen bräunlichen Töne gut von anderen blassen Arten mit Hakenzystiden zu unterscheiden" .... HDS: "Schnallen überall fehlend.."). Im Netz habe ich auf die schnelle wenig gefunden, was der von Ludwig gezeichneten Variationsbreite entspricht, am ehesten: --> -- <-- .


    LG


    Andreas

  • Servus Andreas,


    Pluteus petasatus passt makroskopisch sicherlich am besten. Pluteus roseipes, der weiter oben vorgeschlagen wurde, ist es ganz sicher nicht. Allerdings sollte man jeden Pluteus petasatus genau mikroskopieren - er hat keine Schnallen in der HDS, die intermediären Zystiden haben keine Haken, sondern sind fusiform und die Cheilos bedecken nicht die gesamte Schneide. Wenn es so aussieht, dann passt es.


    Dachpilze der Pl.-cervinus-Verwandtschaft lassen sich im Moment wohl nur mit der Arbeit von Justo et al. (2014): Molecular phylogeny and phylogeography of Holarctic species of Pluteus section Pluteus (Agaricales: Pluteaceae), with description of twelve new species. Phytotaxa 180(1): 1-85 bestimmen.


    Wobei Pluteus petasatus noch halbwegs makroskopisch geht.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo zusammen,


    danke für eure Einschätzung. Ich bin auch gespannt, was das nun tatsächlich ist. Vor allem der Stiel lässt mich eigentlich auf den Rehbraunen schließen. Bei allen anderen Arten ist der Stiel nicht so ausgeprägt längsfaserig.


    Harald, danke für das Angebot, ich schicke dir gern einen Beleg, wenn du mir deine Adresse per PN miitteilst. Einen Fruchtkörper habe ich hier zum Trocknen in die Sonne ausgelegt. Leider habe ich ihn über Nacht draußen vergessen und heute morgen sahen die Lamellen aus, als hätte sich ein bisschen Schimmel dran gebildet. :grotwerd: Ob der noch für eine Untersuchung taugt? Er ist aber auch noch nicht ganz trocken. Falls er nicht mehr brauchbar ist, schau ich am Wochenende, ob noch Fruchtkörper da sind. Es waren noch etliche Babys da. Aber in der Zwischenzeit hat es nicht mehr geregnet und war ständig sonnig und heiß. Ich bin gespannt, ob die noch gewachsen sind ...


    Muss man bei einem Beleg fürs Mikroskop auf etwas Besonderes achten? Ganzer Fruchtkörper? Reicht ein Teil davon? Ich hab noch nie einen gemacht. Klar, Schimmel sollte nicht sein ... :gkopfwand:


    Grüßle

    Heide

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  • Hallo Heide,


    gerade so große, fleischige Fruchtkörper lassen sich nicht gut am Stück trocknen, und danach auch nicht gut per Brief verschicken.


    Das, was man am Ende unter's Mikroskop legt, ist ja nur ein Stecknadelkopf. Wenn die Stücke so klein werden, dass man sie nur mit der Pinzette greifen kann, wird es aber lästig für den Mikroskopierer. Lieber mal eine 5mm dicke Scheibe aus der Mitte 'rausschneiden und einzeln trocknen (am besten auf der Heizung, wenn man die jetzt schon an hat), sowas kann man gut handhaben.


    Bei Dachpilzen kommt es auf Huthaut, reife Sporen und die Zystiden (große Zellen an der Lamelle) an, das könnte sogar mit etwas Schimmel noch klappen.

    Auf reife Sporen achten, also nicht nur ganz junge Fruchtkörper ernten.


    Bei anderen Pilzgattungen gelten ggf. andere Spielregeln.


    Gruß,


    Wolfgang


    Für Sonntag ist Regen angekündigt

    :-))

  • Hier isser, der Nachtrag.

    Immer wieder mühsam, bei Trockenmaterial was gescheites zu sehen, beim siebten Schnitt hats jetzt einigermaßen funktioniert. In der Hutmitte gabs dann auch ein paar aufrecht stehende HDS-Endzellen. Die sind am Ende verdickt, mitunter leicht keulig, demnach liegt der Verdacht auf P. petasatus doch sehr nahe. Was besseres wirds einstweilen nicht werden.


    Beste Grüße

    Harald

  • Allerdings sollte man jeden Pluteus petasatus genau mikroskopieren - er hat keine Schnallen in der HDS, die intermediären Zystiden haben keine Haken, sondern sind fusiform und die Cheilos bedecken nicht die gesamte Schneide. Wenn es so aussieht, dann passt es.


    Dachpilze der Pl.-cervinus-Verwandtschaft lassen sich im Moment wohl nur mit der Arbeit von Justo et al. (2014): Molecular phylogeny and phylogeography of Holarctic species of Pluteus section Pluteus (Agaricales: Pluteaceae), with description of twelve new species. Phytotaxa 180(1): 1-85 bestimmen.

    Servus Harald,


    ich gehe makroskopisch ja völlig konform mit der Bestimmung, aber ohne die Prüfung der genannten Mikromerkmale ist die Bestimmung nicht abgeklärt.


    In der Hutmitte gabs dann auch ein paar aufrecht stehende HDS-Endzellen. Die sind am Ende verdickt, mitunter leicht keulig, demnach liegt der Verdacht auf P. petasatus doch sehr nahe.


    Die Form der HDS-Zellen allein?! Keine Schnallen in der HDS ist wichtig, ebenso die lückigen Cheilocystiden und ebenso die Ausprägung der intermediären Cystiden...


    Hast du die Arbeit von Justo et al.? Falls nicht - email-Adresse per PN und ich schicke sie dir. ;-)


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo Harald,


    vielen Dank für das Untersuchen, ==Pilz25 ich hoffe, er hat dich nicht allzu sehr "geärgert" - und wenn doch, dass es nicht an der Art meiner Trocknung lag.


    Prima, dann kann ich ihn als P. petasatus abheften - mit einem klitzekleinen Fragezeichen nach den Anmerkungen von Christoph.


    Ein dickes Danke auch an Wolfgang - deinen Beitrag hab ich erst jetzt gesehen. Irgendwie habe ich keine Benachrichtigung bekommen, dass noch ein Beitrag dazugekommen ist. Aber die Hinweise zum Trocknen merke ich mir für die nächsten Belegexemplare. Ich hatte Harald den ganzen getrockneten Hut geschickt. Zum Glück hatte ich ein neues Exemplar gefunden und das auch richtig an der Sonne getrocknet - diesmal ohne Schimmel.


    Grüßle

    Heide

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  • Hast du die Arbeit von Justo et al.? Falls nicht - email-Adresse per PN und ich schicke sie dir.

    Ja, habe ich, allerdings noch nicht so vertiefend reingeguckt. Ca. 30 Seiten mit "Rehbraunen" Dachpilzen überfordern mich gerade, zumal da auch etliche außereuropäische Arten dabei sind.

    Bestimmt habe ich konservativ, nämlich mit Ludwig und Gröger, nehme aber deine Hinweise zum Anlass mir die Sache beizeiten nochmal näher zu Gemüte zu führen.


    Beste Grüße

    Harald

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