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letzter Beitrag von chris77 am

So ein schöner Kerl

  • Hallo, da fand ich heute früh auf der Wiese diesen schönen Pilz. So einen habe ich noch nie gesehen. Kennt den jemand? Der ist vom Ring und Fuß her wie Lepiota und aber auch etwas Agaricus dabei.:/Ich habe den noch nicht aufgeschnitten.Akku von der Kamera ist alle.Aber ihr wißt bestimmt auch so schon,was das für einer ist.:thumbup:

    Gruß, Jens

  • Hallo Jens,

    Das ist ein Leucoagaricus , wahrscheinlich L.leucothites , der rosablättrige Egerlingsschirmling.

    Kennzeichen : aufsteigender Ring und rosa Hauch in den Lamellen.

    Gruß Norbert

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    Pilzchips = 100 -5 APR 2015 +12 APR 2016 = 107 -7 Für APR 2017 = 100 + 5 APR 2018 =105 +5 APR 2019 =110
    Pilzbestimmung im Netz ist keine Essfreigabe

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  • Moin!


    Klar, passt, aber dieser rosa Hauch in den Lamellen ist im Grunde nur gelegentich bei sehr alten Fruchtkörpern sichtbar. Das Sporenpulver von Leucoagaricus leucothites ist nicht ganz weiß, sondern hat eine schwache, blassrosa Tönung. Die sieht man aber an den Lamellen so gut wie nie. Ist so ähnlich wie beim Rosablättrigen Helmling, der so heißt, weil die Lamellen in ganz seltenen Fällen mal nicht komplett weiß aussehen können. :gzwinkern:



    LG, Pablo.

  • Uff!

    Norbert,was sind solche Leucos? Die gibt es ja auch bei anderen Arten,wie ich im Buch gerade sehe. Sind das Zwischenglieder zwischen den einzelnen Familien?Sozusagen nur artverwandt,aber keiner eigenen Art zugehörig?

    Oder Bindeglieder in Sachen Mutation und Artverwaschung?

    Gruß, Jens

  • Hallo, Jens!


    Der Wortbaustein "Leuco" heißt einfach "weiß". Taucht in diversen Gattungs - und Artnamen auf. Das hat einfach nur eine beschreibende Funktion, im konkreten Fall: "Leuco"-agaricus meint eine Gattung mit agaricusähnlichen Pilzen und weißlichem Sporenpulver.



    LG, Pablo.

  • Beorn,Hallo, leuco also einfach weiß ist mir jetzt etwas suspekt,wenn du gleichzeitig von agaricusähnlichen Pilzen schreibst.

    Gibt es eigentlich eine Hierarchie der verschiedenen Arten in einer Tabelle oder Stammbaumskizze mit solchen Ähnlichkeiten und Verwandschaften als Abbildung hier im Pilzforum.de?

    Warum sind das jetzt nur agaricusähnliche und werden sie dann den Schirmlingen zugerechnet?

    Da kommt man ja nicht mehr mit.

    Gruß, Jens

  • Hallo, jens!


    Kann es nicht geben, weil es da bis auf das beschreibende Adjectiv als Namensbestandteil keine Gemeinsamkeiten geben muss.

    Es gibt da keinen Zusammenhang, außer das halt irgendwas an den Pilzen als "weißlich" beobachtet wurde.
    Mit den wissenschaftlichen Namen ist es ja nicht anders als mit den volkstümlichen: Es werden gerne irgendwelche beschreibenden Eigenschaften in den Namen verwendet, die aber nicht miteinander in Zusammenhang stehen müssen, und auch keine exklusiven Eigenschaften eines bestimmten Pilzes oder einer bestimmten Gattung beschreiben.
    Als bekanntes Vergleichsbeispiel: Der "Fichtensteinpilz" besteht nicht aus Gestein. Der andere Teil des Namens kommt daher, weil er vor allem bei Rotbuchen, Birken, Kiefern, Eichen, Hasel, Hainbuchen, Lärchen, Linden und so weiter wächst, gelegentlich aber auch Mykorrhiza mit Fichten bildet.
    So ähnlich kannst du dir das "leuco-" Namensbausteinchen auch erklären. Kommt hier und da vor, beschreibt eine Eigenschaft, die aber nicht mit anderen Arten / Gattungen mit "leuco-" im Namen in Verbindung stehen muss und auch kein exklusives Merkmal beschreiben muss.



    LG, Pablo.

  • Sehr verwirrend. Ich weiß nun aber immer noch nicht,ob das ein Egerling ist,wenn er doch nur agaricusähnlich ist . Von Leucoagaricus und leuco für weiß ausgehend würde ich praktisch nun auf einen weißen Agaricus schließen.

    Wenn aber nur Agaricusähnlich,dann wäre das etwas anderes.

    Ja was aber dann?

    Gruß, Jens

  • Hallo Jens,


    die Gattung Leucoagaricus ist eigenständig, gehört aber in die Familie der Champignonverwandten und es sind keine Egerlinge. Noch verwirrender wird es, wenn man die auch gängige Bezeichnung Egerlingsschirmling für Leucoagaricus ins Spiel bringt. Mit Lepiota gibt es nicht mal eine Verwandtschaft im engeren Sinne.


    Beste Grüße

    Stefan F.

  • Hallo Jens,

    die essbaren Champignons gehören alle in die Gattung Agaricus (deutsch: Champignon). Das, was du hier zeigst, gehört nicht in die Gattung Agaricus, sondern in die Gattung Leucoagaricus (deutsch: Egerlingsschirmling). Zum Essen kann ich eine Leucoagaricus-Art, welche auch immer, nicht empfehlen. Also bitte nicht für einen Champignon halten und essen. Stattdessen im Pilzbuch sich über die Gattungen Agaricus und Leucoagaricus schlaumachen. Wer Champignons zum Essen sammelt, sollte einigermaßen wissen, wie Leucoagaricusse so aussehen.

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Hallo zusammen!


    Ähm: Ja, Systematik ist auch wirklich bisweilen ein weites Feld und nicht immer ganz einfach.

    Im Grunde aber geht das wie auch bei Tieren oder Pflanzen:
    Es gibt Arten (da kann man noch Varietäten, Formen usw. abtrennen, manchmal wird auch der Begriff "Unterart" verwendet).

    Nächst gröbere Klassifizierung ist die Gattung. Eine Gattung kann also niemals die "Unterart" einer anderen Gattung sein, weil andere systematische Stufe.

    Als nächstes kommt die Familie, und eine Familie enthält diverse Gattungen, so sind in die Familie der Agaricaceae Gattungen eingeordnet wie zB Agaricus, Leucoagaricus, Leucocoprinus (also Gattungen mit recht unterschiedlicher Sporenpulverfarbe), aber auch Gattungen wie Macrolepiota, Chlorophyllum, und sogar Gattungen mit Arten, die absolut gar nicht wie "Champignons" aussehen, wie zB Tulostoma (Stielboviste).
    Die Tintlinge (Gattungen Coprinus, Coprinellus, Coprinopsis usw.) gehören aber in eine andere Familie, nämlich die Psathyrellaceae.
    Das ist etwas Arbeit, sich das irgendwie zu merken, muss man auch nicht unbedingt, und soll nur zeigen, daß man nicht nach den Namen von Arten und Gattungen gehen kann, um sich daraus eine Systematik herzuleiten.



    LG, Pablo.

  • Keine Angst Oehrling, so etwas esse ich nicht.

    Aber Wissen macht stolz. Und gerade heute fragte mich mein Arbeitskollege nach einem weißen Pilz,welcher im Blumenbeet steht.Und da stand doch tatsächlich auch so einer drin. Und schon konnte ich voller Stolz den Namen nennen.:):):)


    Pablo, genau diese Systematik hatte ich ja gemeint. Da muß es doch dann auch Tabellen dazu geben. Ich kenne das etwas bei Fossilien,wenn man sich mühsam durch diese Verwandschaften ackert.Schade,wenn es da nicht solche Stammbäume gibt.;(


    Gruß, Jens

  • Hallo, Jens!


    Doch, solche Stammbäume gibt es schon. Ich habe für's Forum mal sowas ählniches gebastelt, allerdings natürilich unvollständig und die Links sind raus, aber mal für einen groben Überblick:
    >Schlauchpilze<
    >Ständerpilze<

    Es ist wie im Tierreich bei Pilzen halt ähnlich komplex, weil die Arten- und Formenvielfalt kaum geringer ist. Zudem befinden sich diese systematischen Bäumchen ja im stetigen Fluss und Wandel, weil sich unser Wissen und unsere Betrachtungen dieser Lebewesen stets verändern.

    Es gibt eine Menge mehr oder weniger stark vereinfachte Darstellungen in "Baumform", würde man einen kompletten Baum bis auf Gattungsebene zeichnen wollen: Passt nicht auf ein Plakat. Jedenfalls nicht auf eins unter 10 Meter Breite. :gzwinkern:

    Bzw würde Mega7 auf meinem Rechner wohl abstürzen, bei der zu verarbeitenden Datenmenge.



    LG, Pablo.

  • Die Tintlinge (Gattungen Coprinus, Coprinellus, Coprinopsis usw.) gehören aber in eine andere Familie, nämlich die Psathyrellaceae.

    Servus Pablo,


    Einspruch, Euer Ehren. Coprinus s.str. gehört zu den Agaricaceae. Das Röten der Lamellen ist das rosa Pigment der Egerlinge, der freie Ring entspricht Macrolepiota/Chlorophyllum/Leucoagaricus, die dextrinoiden Rhizomorphen sind ganz typische Agaricaceae-Rhizomorphen und genetisch wurde das bestätigt (hier war Agerer mit klassischer Methode über die Rhizomorphen schneller als die Genetiker, aber erst dann wurden die Schlüsse endgültig gezogen). Coprinopsis und Co. sind aber nicht mit den Egerlingen / Schirmlingen näher verwandt. Deshalb wurden dann nach Extraktion von Coprinus s.str. gleich in mehrere Gattungen aufgesplittet (alles jetzt in den Psathyrellaceae).


    Servus Jens,


    es gibt auch kleinere Stammbäume, z.B. der Agaricaceae - die passen dann auf eine DIN-A4-Seite (oder auf zwei). Man findet die noch nur in Fachpublikationen. Für die Grobverwandtschaft kannst du aber immer in den tree of life schauen (tolweb.org) - sehr spannend. Zudem siehst du dann, wo die Pilze selber im System stehen - und es sind auch alle fossilen Taxa mit enthalten. Da ist auch das Surfen durch die Tierwelt (stammbaumtechnisch) spannend.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Pablo, das ist doch echt nicht von schlechten Eltern,was du da an Systematik erstellt hast. Mit solchen Tabellen kann man doch viel anfangen.

    Christoph,das tolweb.org ist bestimmt sehr genial. Leider bin ich des englischen nicht mächtig. Normalerweise mag ich solche Seiten,aber ohne Pfade in deutsch ist das schwer. Ich werde die Seite aber mal genauer durchforsten.Bissel was werde ich schon kapieren.


    Ich danke euch jedenfalls allen für die Fülle an Informationen,welche ich von euch hier sammeln durfte.Das braucht etwas Zeit,bis ich das alles verdaut habe.

    Gruß, Jens

  • Hallo Jens,


    von Rita Lüder gibt's ein Poster der Systematik: Link


    Vielleicht intressant für dich!


    LG, Chris

    ...........................:snail:


    Der Verzehr von Pilzen, nur weil jemand im Internet sagt das seien die oder die ist zutiefst leichtsinnig!!


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