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letzter Beitrag von Beorn am

Welcher Raufußröhrling ist das?

  • Hallo in die Runde und eine Frage an alle, die etwas von der Fortpflanzungsbiologie der Basidiomyceten verstehen:

    angenommen in einem Biotop finden sich sowohl Pappeln als auch Hasel und Hainbuche und es wachsen dort sowohl Pappel-Raufuss als auch der Hainbuchen-Raufuss.

    Kann es nicht sein, dass da Primärmyzelien beider Arten (deren DNA evtl. hochgradig homolog ist) kompatibel sind und eine Plasmogamie stattfindet, die zur Folge hat, dass sich Fruchtkörper ausbilden, die Merkmale beider Arten besitzen. Gibt es Hybridisierung bei höheren Pilzen?

  • Servus Larchbolete,


    ja, Hybridisierung ist auch bei höheren Pilzen - so auch bei Agaricales und Boletales - bekannt. Das kann dann auch zu Hybridpopulationen führen, die sich etablieren. Sowas kann man dann teils auch genetisch nachweisen. Bei Flammulina gibt es in Südamerika eine Hybridpopulation von je einer amerikanischen und einer russischen Ausgangspopulation (zweier Arten).


    Zwischen Goldröhrling und Grauen Lärchenröhrling gibt es recht sicher auch Hybridpopulationen. Da wurde es m.W. aber noch nicht genetisch getestet.


    Bei Leccinum wurde halt bisher auch sehr wenig sequenziert. Nur ein Teil der ITS wurde bislang verwendet - abgesehen von einzelnen Belegen, die für die Gesamtphylogenie der Boletales verwendet wurden, aber das betrifft nur wenige Arten.


    Liebe Grüße,

    Christoph


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo!


    Wobei ich glaube, daß Leccinum pseudoscabrum / carpini und Leccinum duriusculum schon zu weit weg voneinander sein dürften, um Hybriden zu bilden. Das müssten ja zwei unterschiedliche Sektionen sein, also ich würde eher vermuten, daß es da nicht möglich ist. Bei so nahe verwandten Arten wie Suillus grevillei und Suillus viscidus ist es eher vorstellbar, oder eben bei Leccinum carpini und Leccinum crocipodium.


    Schaut euch nebenbei mal die vollständige ITS von Leccinum an: Die ist erstaunlich viel länger als die von anderen Röhrlingen. 8|



    LG, Pablo.

  • Hallo Pablo,


    mit der ITS wird es allein bei den Leccinen nicht getan sein. Ich beschäftige mich mit der Gattung wegen meines Vortrages im Herbst intensiver. Bei der Gattung wurden sog. Microsateliten in der ITS nachgewiesen, welche ein Allignment der ITS sehr erschweren.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Servus Stefan und Pablo,


    ja - die ITS ist sehr lang, was wohl an den Mikrosatelliten liegen dürfte.

    dan Bakker hat diese als solche identifiziert und sie aus den Sequenzen herausgenommen. Dadurch haben sich die Stammbäume im Vergleich zu früheren deutlich geändert. Das war eine tolle Leistung und verdient wirklich Respekt. Leider hat er dann die Ergebnisse als "ist so" angenommen und nur anhand der Rest-ITS (und teils auch ohne Genetik) taxonomische Schritte ausgeführt. Leider wurde ihm dann direkt so gut wie blind gefolgt, weshalb seitdem kaum noch jemand was mit der Gattung gemacht hat. Ich hatte deshalb auch aufgehört, was mit Leccinum zu machen (primär wegen Zeitmangels, aber die Situation, dass die ganzen Synonymisierungen angenommen wurden, haben den Spaß an der Gattung natürlich reduziert).


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Wenn es um die Bestimmung von braunhütigen Raufüßen geht, kommt es entscheidend auf das Verfärbeverhalten nach Anschnitt an (wobei ich noch nie einen nach Anschnitt blauenden Raufuß gesehen habe, die werden wenn überhaupt violettgrau bis schwarz, manche direkt nach dem Anschneiden auch leicht rosa).

    Hallo

    Das ist nicht ganz richtig. Der Vielfärbende Birkenpilz (Leccinum variicolor) bläut z. B..


  • Servus Uwe,


    Oehrling meinte nicht die Stielbasis, sondern das obere Fleisch (habe ich so jedenfalls aus seinem Posting interpretiert). Wobei das Blau der Stielbasis manchmal recht weit hochgehen kann (was aber eher selten ist).


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • N'Abend nochmal!


    Irgendwie macht das die Gattung ja noch mal umso spannender. Da müsste man natürlich für die Beurteilung der ITS - Sequenzen noch genauer morphologisch forschen, und dazu braucht man wohl einen Haufen Funde - die dann acuh ncoh umfassend dokumentiert sind. Makro- wie mikroskopisch, und vor allem auch das Frischmaterial. Schwierige Sache, da braucht es viele Leute, die mitarbeiten und zuarbeiten.



    LG, Pablo.

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