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letzter Beitrag von Graubart am

Wer verspeist das Moos an einem Baumstamm

  • Guten Abend,
    vor ein paar Wochen und auch heute habe ich an Buchen (Fagus sylvatica) gesehen, dass das Moos, das auf den Stämmen wächst, anscheinend abgefressen wird. In diesem Jahr fällt es besonders auf. Es regnet seit einigen Wochen häufig.



    Meine Frage ist zunächst: wird das Moos von einem Schleimpilz gefutter? Oder gibt es andere Lebewesen, die hier aktiv sind?


    Fotos vom 28. November 2015


    (1) In dieser Art gab es viele Baumstämme. Am Rand verliert das Moos sein Blattgrün. Beim Moos handelt es sich um das Zypressen-Schlafmoos (Hypnum cupressiformis), das den Stamm mattenförmig bedeckt. Dazwischen wächst auch in Büscheln das Laubmoos Orthotrichum spec.


    (2) Am oberen Bildrand sieht man, dunkelgrün, ein beblättertes Lebermoos: Radula complanata. Das wird anscheinend nicht gefressen.



    Fotos von heute (17. Dezember 2015):


    (3) Heute ist anscheinend ein früheres Entwicklungsstadium zu sehen. Der "Befall" breitet sich kreisförmig aus.


    (4) Erst auf dem Foto entdeckt: handelt es sich bei den weißen Punkte um die Köpfchen von Fruchtkörpern?



    Viele Grüße
    Lothar

  • Hallo Graubart!


    Ich denke, das müsste man genauer untersuchen. Beim runden Abdruck kann ich mir schon einen dagewesenen Schleimpilz vorstellen.

    Zitat


    .... aber wer auch immer es war, hat Dir ein Herzchen hinterlassen!


    Beim Herz? Naja, ich sag ´s hier lieber nicht, was ich denke, wer da seine Späße gemacht hat.


    VG Ingo W

    ________________________________________________________________
    "Pilz nur von oben ist wie Käfer nur von unten"
    oder wie sogar die Gnolme wissen:
    "Pilzis ne bloß von o'm anguck!! Unt'n au' wichtich is!" ==Gnolm2


    137-15 (Gebühr APR 2018) = 122+12 (APR 2018 Platz 4) = 134+1 (Segmentwette APR 2018) = 135+2 (schöner Falsch-Phal APR 2018 = 137+9 (3.Platz schöner Phal APR 2018) = 146-15 (Gebühr APR 2019) = 131-10 vom Gnausi-Gnolm umgesiedelte = 121



    Link: Bühren, Nanzen, Schäfte für APÄ 2019

    Link: Gnolmengalerie

  • Hallo Tuppie und Sarifa,
    das mit dem Herz war mir gar nicht aufgefallen :shy: . Das Moos ist also herzkrank !
    Und ich hab inzwischen gedacht, dass es die puddelnackich kränk hat. :freebsd:


    Beim Herzchen-Thread ergänze ich das Bild natürlich. Den Thread hatte vergessen.


    Viele Grüße
    Lothar

  • Hallo, Lothar!


    Kannst du an die kleinen, weißen Pilzchen näher dran? Also wenigstens ungefähr die Form erkennen?
    Solche Strukturen in Mosen an stehenden Bäumen hatten wir neulich beim Moddi - Treffen auch. Die kleinen weißen Pilzchen im Zentrum (meist an abgestorbenen Moosen) haben sich als Chromocyphella muscicola herausgestellt. >Link zum Fund<
    Ist aber nicht ganz einfach bei den kleinen cyphelloiden an Moosen, da gibt es wohl etliche Arten aus unteschiedlichen gattungen, die teils gar nicht leicht abzugrenzen sind. Ob die auch solche Spuren an den befallenen Moosen hinterlassen, ist mir aber nicht bekannt.



    LG, Pablo.


  • Hallo Pablo!
    danke Dir für Deinen Beitrag, hat er doch bei mir ein UMO (unbekanntes mykologisches Objekt) aufgelöst.
    Vor kurzen fielen mir auch solche kranke Stellen an Moosen am Baum auf, auf denen dann diese cyphelloiden Pilzchen wuchsen.
    Da hatte ich gar keine Ahnung was das sein könnte, außer das es was cyphelloides war.
    Aber nun habe ich das dann überprüft und es stimmte.
    Ist auch ein Erstfund für mich und für unser Bundesland, freu!! :D
    LG Ulla

  • Hallo, Ulla!


    Das freut mich: Ein weiterer Pilz wurde bestimmt. :alright:
    Und wenn's noch das erste Mal in deinem Bundesland ist, darf man ja auch mal glückwünschen.
    Wobei ich vermute, daß die Art in vielen Gegenden nicht selten ist, nur halt oft übersehen wird.



    LG, Pablo.

  • Hallo Ulla und Pablo,
    obwohl es um ca 15:45 Uhr durch die dicken Wolken schon relativ dunkel war, bin ich noch mal in mein Lieblingswäldchen. Dieses Mal war ich zu einem anderen Baum gegangen, der eine größere Fehlstelle (ca 15 cm Durchmesser) hatte. Ich habe gehofft, dass ich dort genügend Funde machen kann.


    (5) Wenn man auf das Bild klickt, kann man viele weiße Punkte erkennen.


    Mit einer Handlupe mit Beleuchtung waren vor Ort die weißen Punkte als Becherchen zu erkennen. Außerdem gab es dort Soredienhaufen einer Lepraflechte (Lepraria cf incana), die etwas bläulich schimmern. Sie haben im Moos und am Baumstamm gehaftet. Deshalb musste man etwas genauer hinschauen.



    Heute Abend gelangen mir Lupenaufnahmen (Standlupe, 20x). Die Fotos habe ich aus der Hand mit meiner Kompaktkamera gemacht, daher die bescheidene Qualität. Die Farben sind etwas zu warm, die Becherchen sind in etwa cremefarben.



    (6) Durchmesser der Becherchen ca 1 mm.


    (7) In der Mitte kann man die haarige Struktur der Becher erkennen, im "Südosten" einen relativ großen Becher.


    Es gab sehr viele junge Becher, nur ein geringer Anteil war schon so entwickelt wie hier.


    Verstehe ich es richtig, dass es auf Moos nur eine Art gibt, die makroskopisch so ausschaut:


    Chromocyphella muscicola = Moosbewohnendes Flaumschälchen ?


    Ich habe den Eindruck, dass die Behaarung bei "meinen" Becherchen länger ist als auf Euren Bildern.


    Ich hätte nicht gedacht, dass diese hübschen winzigen Becherchen so eine verheerende Wirkung auf Moos haben. Naja, es sind ja nicht die Becherchen, sonder das Mycel, was die Wirkung erzeugt.


    Viele Grüße
    Lothar

  • Hallo, Lothar!


    Verstehe ich es richtig, dass es auf Moos nur eine Art gibt, die makroskopisch so ausschaut:


    Chromocyphella muscicola = Moosbewohnendes Flaumschälchen ?


    Leider nein.
    Da sind schon mehrere arten aus unterschiedlichen Gattungen zu berücksichtigen.
    Genaueres müsste ich aber nun auch nachschlagen, Literatur ist zu diesen Cyphelloiden aber eher dünn gesät.
    GEschlüsselt hatte ich den Fund glaube ich mit Funga Nordica (zweibändige Auflage) und mit den Großpilzen BWs.
    Ausführliche Beschreibungen sucht man da aber vergebens.
    Notiert als Charalteristika hatte ich neben den makroskopischen merkmalen und der Ökologie eben die braunen, unregelmäßig subglobosen, dickwandigen und fein warzigen Sporen, fehlende Zystiden und vorhandene Schnallen.
    Ich glaube um mit den Schlüsseln zur richtigen gattung zu kommen, muss man auch irgendwas bei den Haaren angucken, was ich aber umgangen hatte indem ich zwei Pfaden gefolgt bin.



    LG; pablo.

  • Hallo Pablo,
    jetzt habe ich erst kapiert: cyphelloide Pilze sind keine Ascos, sondern Basidiomyceten. :shy:  
    Das macht es aber auch nicht besser beim Bestimmen.


    Viele Grüße
    Lothar

  • Guten Morgen Ihr Lieben,



    ich sitze gerade fassungslos vor meinem PC. Vor Staunen. Meine Güte, was Ihr da so alles aufzeigt. Wow.


    Und Lothar, das mit der Lupe.........wie hast Du das fotografiert? Lupe auf den Pilz drauf gehalten..........Kamera auf die Lupe und........knips. So ungefähr? Oder hast du eine ganz andere Technik? Ich wollte das gestern nämlich auch machen...........und habs nicht geschafft. Deswegen mich würde das sehr intereesieren. Ich danke Dir schon mal.




    Liebe Grüße




    Heidi

    Jeder Tag an dem Du nicht gelacht hast, ist ein verlorener Tag.
    Auch von mir gibt es keine Essensfreigabe.



    100 Chips, da Islandwette verloren = 95 Chips
    95-2 Chips für Jan-Arnes Rätsel = 93 Chips
    93-5 Chips für Grünis Grauen Wulstling= 88 Chips
    88-10 Chips für APR 2017 = 78
    78 + 10 (APR 2017 als erste über die Hälfte der Gesamtpunkte gekommen) = 88

    88-3 Chipse für OPR = 85

    85 - 10 Chips für APR 2018 = 75

    75 + 5 fürs APR = 80

    80 -10 Chipse für APR 2019 = 70 Chipse


    Keine Veröffentlichung ohne mein Einverständnis!!!!!!


  • Und Lothar, das mit der Lupe.........wie hast Du das fotografiert? Lupe auf den Pilz drauf gehalten..........Kamera auf die Lupe und........knips. So ungefähr? Oder hast du eine ganz andere Technik? Ich wollte das gestern nämlich auch machen...........und habs nicht geschafft. Deswegen mich würde das sehr intereesieren. Ich danke Dir schon mal.


    Hallo Heidi,
    es ist eine Standlupe (ein Binokular, russisches Fabrikat MBS-10) mit mehreren Vergrößerungsstufen. Beleuchtung: eine Halogen-Schreibtischlampe. Sie reicht für die Arbeit mit der Lupe aus.
    Kamera: Lumix LX7, Einstellung: IA+ . Dann: probieren, Kamera in der Hand, ohne an das Lupen-Okular zu kommen und ohne das Kamera-Objektiv festzuhalten. Die IA+ -Einstellung hat den ISO-Wert hochgesetzt, so dass die Belichtungszeiten ok waren, so um die 1/20 Sekunde. Das war bei den beiden Bildern so. Das geht bei den anderen Automatiken sicher auch, ich wollte aber schnell zu einem Ergebnis kommen, weil ich ja noch die Antwort schreiben wollte. Wahrscheinlich bekommt man mit manuellen Einstellungen bessere Ergebnisse. Das müsste ich mal ausprobieren. Aber dazu müsste ich mich ins Handbuch vertiefen ...


    Voriges Jahr hatte ich gesehen, dass jemand mit einem Smartphone gute Bilder an einem Mikroskop gemacht hat. Vorteil beim Smartphone ist, dass die Linse sehr klein ist. Bisher habe ich mir noch keins zugelegt. Für mich wäre das zur Zeit nur "nice to have", aber kein "must have", solange es das alte Nokia-Handy noch tut. Es wäre interessant zu sehen, ob es tatsächlich damit geht - was sicher von der Qualität der Optik abhängt.


    Viele Grüße
    Lothar


    Hier sind ein paar Kennzahlen aus der EXIF-Datei im IA+ Modus:



    ExposureTime - 1/20 seconds
    FNumber - 1.90
    ExposureProgram - Normal program
    ISOSpeedRatings - 800
    MaxApertureValue - F 1.90
    MeteringMode - Multi-segment
    LightSource - Auto
    FocalLength - 10.80 mm
    ExposureMode - Auto
    White Balance - Auto
    DigitalZoomRatio - 0.00 x
    FocalLengthIn35mmFilm - 55 mm
    GainControl - High gain up

  • Hallo,
    ich habe einen schönen Aufsatz zu Chromocyphella muscicola in einer niederländischen Zeitschrift gefunden:


    Nico Dam & Menno Boomsluiter : Heksenkringen in het mos. In: Coolia 2009 vol.52(2) p. 67-72
        ->LINK


    Die Zeitschrift der Niederländischen Mykologischen Vereinigung ist kostenfrei zugänglich:
    http://www.mycologen.nl/OldCooliaas.html


    In den Niederlanden gab es bis zur Untersuchung der Autoren nur wenige Nachweise des Pilzes. Nachdem die Autoren in der Provinz Geldern systematisch die typischen Hexenringe auf Buchen gesucht haben, hat sich die Zahl der Fundorte stark erhöht. Aus Großbritannien ist bekannt, dass die Art auch auf anderen Baumarten vorkommen kann. In der Gattung gibt es nur eine andere Art, die elliptische Sporen hat (Chromocyphella pinsapinea), für die es aber nach der Erstbeschreibung keinen weiteren Nachweis gegeben hat. Die Gattung gehört zur Familie Cyphellaceae, die wiederum zur Ordnung Agaricales (Champignongartige) gehört, also zu den "normalen" Lamellenpilzen.


    Die Autoren schreiben, dass man die Art findet, wenn man nach scharf berandeten Hexenringen im Moos auf stehenden Baumstämmen sucht. Als Moos, auf der die Art gefunden wurde, wird ebenfalls die Gattung Hypnum (Schlafmoos) genannt. Die Fruchtkörper können bis 5 mm groß werden. In der Zeit vom 31.7. bis 31.12.2008 ist einer der Hexenringe um 5 cm gewachsen. Da es Hexenringe von 30 cm Durchmesser gab, scheint die Art ganzjährig vorzukommen, ist aber bei regnerischem Wetter besser zu finden.


    Der Aufsatz enthält zahlreiche Abbildungen.


    Zum Abschluss noch ein Foto von dem Baum, von dem ich die Probe genommen habe:


    (6) Eigentlich ist das Erscheinungsbild sehr auffällig. Man muss nur erst mal darauf kommen, worum es sich handelt.


    Viele Grüße
    Lothar

  • Grüß Dich Lothar,



    ich danke Dir für Deine Erklärung. Und.....ich habe auch eine Lumix. Und meine steht auch auf iA. Meine ist eine Panasonic DMC-FZ 200, Lumix.
    Das wäre also für mich was identisches. Nur das mit der Standlupe.........das habe ich jetzt nicht. Ich merke schon....ich brauche noch sooo vieles. Ich möchte als nächstes einen Fernauslöser. Das würde mir das ein oder andere sehr erleichtern. Ein Kirschkernsäckchen kaufe ich mir dann auch noch. Und dann werde ich erst mal wieder üben.
    Wie habe ich mir die Standlupe in etwa vorzustellen?


    Auf jeden Fall danke Ich Dir für Deine Erklärung.




    Liebe Grüße



    Heidi

    Jeder Tag an dem Du nicht gelacht hast, ist ein verlorener Tag.
    Auch von mir gibt es keine Essensfreigabe.



    100 Chips, da Islandwette verloren = 95 Chips
    95-2 Chips für Jan-Arnes Rätsel = 93 Chips
    93-5 Chips für Grünis Grauen Wulstling= 88 Chips
    88-10 Chips für APR 2017 = 78
    78 + 10 (APR 2017 als erste über die Hälfte der Gesamtpunkte gekommen) = 88

    88-3 Chipse für OPR = 85

    85 - 10 Chips für APR 2018 = 75

    75 + 5 fürs APR = 80

    80 -10 Chipse für APR 2019 = 70 Chipse


    Keine Veröffentlichung ohne mein Einverständnis!!!!!!

  • Hallo Heidi,
    der richtige Suchbegriff ist "Stereolupe". Damit findest Du in Suchmaschinen viele Abbildungen. Manchmal ist von Stereomikroskop die Rede, aber Mikroskope haben genau genommen eine andere physikalische Struktur. Das will ich nicht ausführen. Ich meine, dass es hier im Forum auch schon Berichte über Stereolupen gab, ansonsten: "Fragen Sie die Suchmaschine Ihres Vertrauens".


    Das Modell, das ich habe, ist hier auf einem Thread bei den Bärtierchen abgebildet:
    http://www.baertierchen.de/apr2012.html
    Ich hatte die Lupe vor ein paar Jahren günstig gebraucht zusammen mit einem Mikroskop gekauft. Für meine Zwecke reicht die Stereolupe. Die Probleme, die in dem Aufsatz beschrieben werden, hatte ich bisher nicht.



    Die Bärtierchen-Seite ist großartig. Seit Juli 2000 gibt es sogar ein Bärtierchen-Journal dazu. Alles zu finden unter:


    http://www.baertierchen.de/


    Ich muss da auch wieder mal stöbern. :)


    Viele Grüße
    Lothar

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