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letzter Beitrag von Pilzler 13 am

Agaricus xanthoderma = Karbolegerling

  • Agaricus xanthoderma Genev.
    Karbolegerling
    Synonyme:
    - Agaricus xanthodermus Genev.
    - Psalliota xanthoderma (Genev.) Richon & Roze
    - Agaricus pseudocretaceus Bon
    - Agaricus xanthodermus var. lepiotoides Maire
    - Agaricus xanthodermus var. griseus (A. Pearson) Bon & Capelli
    - Agaricus xanthodermus var. meleagrioides (A. Pearson) Bon & Capelli
    - Agaricus xanthodermus var. antibioicus Cleland & J.R. Harris
    - Agaricus xanthodermus var. croceus Raitelh.
    - Agaricus xanthodermus var. macrosporus Aparici & Mahiques



    Basidiomycota --> Agaricomycetes --> Agaricomycetidae --> Agaricales --> Agaricaceae --> Agaricus --> Agaricus xanthoderma



    Hut: bis 15 cm breit, meist recht dickfleischig; reinweiß bis beigegrau; fein radialfaserig bis schwach faserschuppig oder felderig aufplatzend, niemals deutlich geschuppt; bei Berührung meist stark gilbend, vor allem an den Huträndern, welche im Idealfall schon durch scharfes Angucken deutlich und sofort chromgelb verfärben; jung kugelig, später immer mehr verflachend aber fast immer auch im Alter mit herabgebogenen Huträndern; die besondere Kastenform lässt sich vor allem bei jungen Fruchtkörpern oft beobachten: Hutmitte abgeflacht und ab der Hälfte etwa promt nach unten abbiegend, was im Schnitt zu einer Trapezform führt, je nach Alter mit eher steilen oder eher flachen Seiten. Das Merkmal ist selbstverständlich nicht immer ausgeprägt.


    Stiel: meist so lang wie Hutbreite oder etwas kürzer; zylindrisch & meist mit etwas verdickter bis knolliger Stielbasis; gerne etwas verbogen; weißlich, längsfaserig, bei Berührung meist chromgelb verfärbend (vor allem an der Stielbasis); Ring häutig, hängend, gut ausgeprägt und ebenfalls gilbend


    Lamellen: frei; jung blassrosa, dann lange fleischrosa und oft mit Grautönen, zuletzt schokoladenbraun bis schwarzbraun


    Fleisch: fest, weißlich; stark gilbend, vor allem in der Stielbasis in der Regel schnell und kräftig chromgelb anlaufend; Geruch unangenehm nach Iod, Karbol (Tinte), Wundpflaster, Desinfektionsmittel, Krankenhaus usw.
    Besonders stark ist der Geruch beim Reiben an der Stielbasis und beim Erhitzen.
    Bei Kälte ist der Geruch schwach ausgeprägt bis nicht wahrnehmbar.
    Auch die Intensität der Gilbung ist bei Kälte beeinträchtigt.
    Ist eine Stielbasis stark von Maden befallen, gilbt da auch bestenfalls noch die Stielrinde, da das Fleisch um die Fraßgänge bräunlich ist.


    Speisewert: giftig


    Sporenpulver: dunkelbraun


    Vorkommen: Frühsommer bis Spätherbst; verbreitet, häufig;


    Verwechslungen: Standort, Hutoberfläche, Habitus, Verfärbungen und Geruch kennzeichnen die Art recht deutlich.
    Optisch sehr ähnlich müsste der Falsche Wiesenchampignon (Agaricus pseudopratensis) sein, der jedoch kleiner sein sollte und dessen Fleisch in der Stielbasis rasch von chromgelb zu weinrot umfärben soll.
    Ebenfalls leicht zu verwechseln: Der Sommer –“ Egerling (Agaricus albosericellus / aestivalis), der ebenfalls in der Stielbasis stark gilben kann und bisweilen jodartig riechen soll. Dieser ist aber eher ein Waldbewohner und neigt außen am Stiel und in der Stielspitze zu rosalichen Verfärbungen
    Der Wiesenchampignon und seine Verwandten verfärben in der Stielbasis bestenfalls ockerlich, riechen angenehm und haben niemals eine verdickte Stielbasis
    Die beiden Hühner (Agaricus moelleri und Agaricus phaeolepidotus) haben deutlich schuppige Hüte und sind Waldbewohner.
    Der Wurzel –“ Egerling unterschiedet sich durch seine auffällige Pseudorrhiza (Würzelchen an der Stielbasis), eher angenehmen und kaum karbolartigen Geruch sowie teilweise schwach rötendes Fleisch, eine schwach gilbende bzw. eher ockerlich verfärbende Stielbasis und ein meist hübsch rundliches Knöllchen oder nur schwach verdickte Stielbasis
    Weitere Gilber vom Schiefknolligen Anisegerling (Agaricus essettei) bis zum Schafchampignon (Agaricus arvensis) riechen angenehm nach Bittermandel oder Anis und gilben nicht in der Stielbasis.


    Wissenswertes: Bei kaltem Wetter ist der typische Geruch sehr schwach oder gar nicht mehr wahrnehmbar. Geiches gilt für die Gilbung. Beim Anwärmen und Reiben des Fruchtkörpers können beide Merkmale aber meist wieder deutlicher werden.
    Wahrscheinlich ist die Schreibweise –žAgaricus xanthodermus–œ korrekter, aber das mit dem –ža–œ ist irgend so eine Gewohnheitssache. Und das nicht nur bei mir, sondern auch bei einigen professionellen Autoren. ;)



    Bilder:





    Links zu verwandten und ähnlichen Arten im Archiv:
    >Agaricus campestris = Wiesenchampignon<
    >Agaricus pseudopratensis = Falscher Wiesenchampignon<
    >Agaricus moellerianus = Gilbender Wiesenchampignon<
    >Agaricus moelleri = Perlhuhnchampignon<
    >Agaricus phaeolepidotus = Rebhuhnchampignon<
    >Agaricus bresadolanus = Wurzel –“ Egerling<
    >Agaricus albosericellus = Sommeregerling<
    >Agaricus essettei = Schiefknolliger Anisegerling<

  • Hallo Pablo!
    Ich hätte noch zwei Bilder für das schöne Portrait. Ich hoffe es ist recht, dass ich sie hier anhänge.
    Gestern habe ich im Biergarten unserer Dorfgasstätte wunderschöne Exemplare gefunden.
    Die Aufnahmen sind nicht "im Feld" gemacht, aber ich denke, sie zeigen das Gilben der Stielbasis und die "Kastenform" bei dem jungen Exemplar sehr schön.
    Das Gilben am Hut funktionierte, auch nach massivem "Ärgern", bei diesen Exemplaren nicht.
    Der Geruch war jedoch gut ausgeprägt, obwohl ich das schon bei anderen Funden stärker gerochen hatte.



  • Hallo, Tuppie!


    Danke. Du bist immer eingeladen wie alle anderen auch, die Portraits durch eigene Bilder zu ergänzen.
    Das Gilben ist nicht immer in allen Teilen des Fruchtkörpers ausgeprägt, genauso wenig wie der Geruch. Gerade bei kaltem Wetter kann das schwach sein.



    LG, Pablo.

  • Hallo Tuppie,


    ich sage mal ja; bei meinen Funden, habe ich das auch beobachtet; oder sagen wir mal so: Es ist nicht untypisch. :D


    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Jein.


    Ich muss aber sagen, daß ich Karbolis nie so lange mit mir rumschleppe.
    Das Gilben bei Anischampis ist recht dauerhaft, das färbt sich etwas nach ocker um, verschwindet aber nicht. Bei Karbolegerlingen ist es wohl noch ein bisschen ein anderer Mechanismus, biochemisch gesehen.



    LG, Pablo.

  • Hallo Pablo,


    das ist anzunehmen; allerdings kenne ich dazu keine Veröffentlichungen und ich befürchte, dass das noch unerforscht ist...


    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo, zusammen,


    Hier ein Haufen Karbolchampignons,
    wie er mir auf die Pilzkontrolle gebracht wurde:



    Oft ist ja die Stielbasis verwurmt,
    da funktioniert das Reiben nicht mehr,
    oder die Sammler bringen die Pilze
    ohne Stielbasis in die Kontrolle.
    Die explosionsartige, spontane Gelbfärbung
    kann aber auch gut am Hutrand festgestellt werden.
    Darum hier noch Bilder mit Fokus Hut im Vergleich.


    Der Anischampignon spec. ist der zweite von links.
    Die Gelbfärbung bleibt.
    Bei den drei Karbolchampignons ist sie zu Grau verblasst:



    Hier noch zwei unbefasste Exemplare im Vergleich.
    Der Karbochampignon ist rechts,
    der nicht genauer bestimmte Anischampignon links.



    Lieben Gruss, Harald Andres

  • Hallo Harald,
    ganz große Klasse, wie du dies dargestellt hast und so deutlich durch die Bilder untermauerst. Vielen Dank!


    In Parey's Buch der Pilze von Marcel Bon schreibt dieser bei seinem kurzen Schlüssel zu den Champignons unter 10a:
    " Gilbung schnell und intensiv, aber bald verblassend; besonders auffallend in der Stielbasis und am Hutrand Sektion: Xanthodermatei" (A.V. Karbolegerlinge).


    Unter 10b: "Gilbung langsamer, aber dauerhaft; Geruch nach Anis, Bittermandel".
    Und kommt dabei zu der Sektion Minores und Sektion Arvenses.


    Dies bestätigt genau deine Feststellungen und Bilder.
    L.G.
    Thomas

  • Hallo.


    Tatsächlich auch eine sehr gelungene Gegenüberstellung, die auch zeigt, wie ähnlich sich karbolegerlinge und manche Anisegerlinge sehen können.
    Besonders schwierig wird es dann, wenn die Karbolis mal nicht deutlich gilben und / oder kaum so riechen wie sie sollten.



    LG, Pablo.

  • Zitat aus Beorns Beitrag:
    "Besonders schwierig wird es dann, wenn die Karbolis mal nicht deutlich gilben und / oder kaum so riechen wie sie sollten".
    Dann heißt das für mich: Absolutes Verzehrverbot. Eigentlich klar.
    V.G.
    Thomas

  • Hallo, Thomas!


    Jein. Wenn du eine Art hast, die einfach nicht zu den Karbo - Egerlingen passt, dann kannst du den ja schon essen. Also alles, was eindeutig anisartig riecht oder alles, was deutlich rötet. Und ein paar weitere Arten, die man so mit ein paar merkmalen gut abgrenzen kann.
    Agaricus xanthodermus ist auch nicht bösartig giftig. Der macht ein wenig Bauchgrimmen und shmeckt wohl eher entsetzlich. Selten führt er zu schwereren Symptomen, wenn man eine Unverträglichkeit hat. Auf der anderen Seite gibt es wohl auch Leute, die den schon problemlos verzehrt haben.
    Kein Drama bei einer Verwechslung, aber Unannehmlichkeiten müssen trotzdem nicht sein.



    LG, Pablo.

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