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letzter Beitrag von Steinpilz73 am

Waldchickeneier (vom Schwefelporling)

  • Mir war eben mal danach zu dokumentieren wie ich heute meinen Gemeinen Schwefelporling, Laetiporus sulphureus zubereitet habe.


    Vielleicht ein wenig Inspiration für solche, die ihn mal probieren möchten.





    Vorweg etwas allgemeines.
    Den Schwefelporling sollte man nur in seinem jungen Zustand essen. Er ist dann butterweich zu schneiden, riecht sehr aromatisch und hat keine weißen Stellen. Altern tut dieser Pilz vom Stamm weg, soll heißen, die äußeren Bereiche des Pilzes sind die jüngsten, am besten geeignetsten.
    Schwefelporlinge die an Eichen oder Robinien gewachsen sind verursachen bei manchen Leuten Verdauungsprobleme die einen auf die Toilette nötigen. Jene von Eichen schmecken zudem gerne mal weniger gut weil die Eiche sehr viele Gerbstoffe hat.


    Bekannt ist der Schwefelporling auch als "Chicken of the woods", das Hühnchen des Waldes. Es kann auch durchaus so schmecken.


    Nun zu dem Gericht von heute. :)


    Man braucht ...



      * Schwefelporling (genug um einen Pfannenboden zu bedecken)
      * 3 kleine Scheiben Brot
      * 4 Eier
      * 1 Scheibe Schinken (in Streifen geschnitten)
      * Öl (und Butter)
      * 1 geschnittene Zwiebel
      * 2 Esslöffel Hönig
      * Salz
      * Pfeffer aus der Mühle
      * (Paprika, Cayennepfeffer, andere Gewürze nach gusto)



    Am einfachsten lässt die Sache sich zubereiten mit zwei Pfannen. Eine größere für die Pilze und ´ne kleinere für die anderen Sachen.


    Als erstes wird der Pilz gewaschen und von Krams befreit. In der Regel geht das superfix. Manchmal muß man ein wenig Augenmerk darauf richten ob etwas vom Pilz eingeschlossen wurde. Aus diesem Grunde habe ich ein bißchen großzügig Teile weggeschnitten.


    Ist das erledigt, so schneidet man sich den Pilz so wie man ihn möchte.
    Ich habe ihn in kleine Scheibchen geschnitten, nicht zu dick.




    Ich handhabe es gerne so, alles vorzubereiten bevor ich mit dem Brutzeln beginne. Deshalb auch heute, alles parat - Schinken in Streifen geschnitten, Zwiebel ebenso und die zerschlagenen Eier an die Seite gestellt.


    Außerdem habe ich mir drei Scheiben Brot geschmiert und auf einen Teller platziert. Da sollen die Zutaten später drauf.



    Ich hätte mich für Rührei oder Spiegelei entscheiden können, mag aber noch eine andere Variante sehr gerne. Die liegt irgendwo zwischen den beiden. Ich verrühre die Eier bewußt nur leicht damit ich später in der Pfanne das Eigelb relativ gleichflächig über dem Weißen verteilt bekomme.
    Salzen und Pfeffern nicht vergessen!



    Sodann können wir loslegen.


    Die größere Pfanne erhitzen, dann Öl hinein. Wer keine Lust hat auf Fett oder Cholesterin zu achten tut danach Butter hinzu. Geschmacksträger, you know ?! :P


    In die heiße Pfanne verteilen wir jetzt unsere Chicken-Scheibchen.



    5 Minuten später wenden und salzen wir sie. Man sieht, sie sind außen schon knusprig geworden.



    Insgesamt möchte ich die Pilze 15-20 Minuten garen um zweifelsfrei alle Problemstoffe kaputt zu bekommen. Besser schmecken tun sie wahrscheinlich jedoch, wenn sie nicht so lange in der Pfanne bleiben müssen. Sie dürften dann weicher und fleischähnlicher sein.


    Während die Pilze nun brutzeln wird die zweite Pfanne bemüht.
    Erhitzen, Öl hinzu geben, wer mag auch Butter und dann die Schinkenstreifen hinein. Je nachdem wie kross man sie möchte entscheidet man ihre Bratzeit.



    Ist der Schinken soweit wird er auf den Teller bewegt.



    Den frei gewordenen Platz in der Pfanne nehmen nun die Zwiebeln ein. Kurz glasieren lassen und dann mit etwas Honig schwenken. Wenige Sekunden später sind leckere süße Zwiebeln entstanden.



    Die kommen rasch mit auf den Teller über das Brot.


    Unsere Pilze sind nun fast fertig und daher würzen wir sie jetzt. Ein guter Pfeffer, frisch gemahlen, ist dabei nie verkehrt. Ich habe zudem etwas Paprika und Cayennepfeffer dazu getan. Viel Geschmack ist davon allerdings nicht angekommen, wie ich feststellen konnte.


    Wer nicht erst am Ende des Garens würzt betrügt sich selbst um den Geschmack denn der verbrennt teilweise.



    Rubbeldiekatz will auch die andere Pfanne ihr Ei bekommen. Am besten macht alles gleichzeitig weil man es eilig hat. :D



    Gleich danach die "Chicken" aus der Pfanne geholt und auf den Teller verteilt bevor alles kalt wird.
    Sieht schon appetitlich aus.



    Das Ei, so wie ich es gerne mag, ist auch gleich soweit. Ein bißchen Pfeffer noch mal druff wer es schmackig mag.



    Sobald das Ei fertig ist ... zack ... rüber über das Brot.
    Man kann ja noch etwas Schnickschnack dazu machen wenn man möchte.



    Voila!
    Es ist angerichtet.
    Nebenbei habe ich mir noch einen Gurken-Dill-Saat gemacht.


    Zugegeben, ohne die Pilze würde es auch gut schmecken. :D
    Man kann so aber gut testen wie man den Pilz findet und ein wenig zusammen mit den einzelnen Zutaten probieren.


    Denkt auch daran daß Pilze schwer verdaulich sind. Zusammen mit dieser energiereichen Mahlzeit ist der Magen sehr gesättigt!


    Bis zum nächsten mal in diesem Kino. :freebsd:

  • Hi Mausmann,
    nette Doku :alright:, verleitet richtig zum probieren und das werde ich auch machen.
    Muss erst einen finden, zubereiten und dann..............mein Kommentar.


    Danke, bis bald, Hans

    Wenn du eine weise Antwort verlangst, musst du vernünftig fragen.


    Johann Wolfgang von Goethe


    Derzeitige PC 100 - 2 - 2 - 6 = 90 (23.10.14) :(

  • Wow Mausmann,


    das sieht klasse aus. Vielen Dank für diese ausführliche Dokumentation. Wenn ich mal die Zeit und die Muße finde, werde ich es sicher mal testen!


    lg,


    Jan-Arne

                                                                               
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  • WoW - super Sache !


    Wie es der Zufall will habe ich heute Abend meinen ersten Schwefelporling probiert. Ich hatte ihn deshalb nur mit Salz gewürzt und nicht paniert.


    Hat mich jetzt zwar nicht von den Socken gehauen, aber wenn ich nochmal einen finde kommt dein Rezept definitiv in die engere Wahl ! ;)

  • Mausmann, ein dickes Lob für diesen prächtig anzusehenden Beitrag :alright:


    Aber so richtig ausgelassen hast Du Dich am Ende nicht, wie lecker Du den Pilz so zubereitet letztendlich fandest. Deinem Kommentar, dass das Gericht auch ohne Pilze bereits sehr lecker ist, entnehme ich mal, dass Dich die Schwefis mal wieder nicht so überzeugt haben, richtig? ;)


    Ich finde, man kann ihn essen (ich bevorzuge allerdings die fiese mit-Panade-Variante), aber er ist definitiv nicht der "Burner" :)

  • Ja, für mich ist das ein "Kann-Pilz". Man kann ihn sammeln, hervortun kann es sich aber nicht so richtig, für meinen Geschmack.
    Ab und zu mal was mit dem auszuprobieren hat aber seinen Reiz. Ich denke, wenn man ihn auf eine saftige Weise hinbekommt und passabel würzt, dann ist er ein guter Fleischersatz. Man muß mit dem experimentieren. Potenzial ist schon da.
    Beim nächsten mal werde ich wohl mehr in Richtung Suppe gehen oder eine Art ihn zu marinieren überlegen.


    Mal testen sollte man den Pilz schon mal. Wie immer auch Frage des eigenen Geschmacks. Und wie man sieht, manche mögen ihn gerne.


  • Vielleicht ein wenig Inspiration für solche, die ihn mal probieren möchten.


    Hallo Mausmann,


    vielen Dank für das Rezept und Vorstellung, wie man den Gemeinen Schwefelporling zubereiten kann. :alright:


    Inspiration habe ich auf jeden Fall bekommen, würde auch sehr gerne ausprobieren, aber zuerst muss ich ihn finden... :)


    Heute ist bei uns ein wunderschöner Tag (zumindest im Vgl. zu gestern). Ein paar alte Exemplare/Trümmer des Schwefelporlings habe ich im Winter gefunden, deshalb mache ich mich gleich "auf die Socken" auf die Suche nach den frischen Schwefelporlingen...


    Liebe Grüße


    Joli

    LG
    Joli

    Alles ist miteinander verbunden, und hat einen Sinn. Obwohl dieser Sinn meist verborgen bleibt, wissen wir, daß wir unserer wahren Mission auf Erden nah sind, wenn unser Tun von der Energie der Begeisterung durchdrungen ist.
    - Paulo Coelho, Der Zahir -

    Einmal editiert, zuletzt von Joli ()

  • Ich habe festgestellt, dass der Schwefelporling zarter und saftiger bleibt, wenn man ihn 5 Min. abkocht, abtropfen lässt und ihn dann nur in Butter in der Pfanne anröstet, aber nicht totbrät. Wenn er knusprig wird, ist er meist schon wieder zu trocken. Für meinen Geschmack jedenfalls :)


    Als Suppenpilz kann ich ihn mir gar nicht vorstellen, aber lecker mariniert... ja, das klingt gut :plate:

  • Meine Hühneraugen prophezeien dir gute Aussichten. :freebsd:


    Hier fühlt es ebenfalls danach an als wenn jetzt jetzt ein paar aktive Pilztage anstehen. Gestern bemerkte ich einen Champignon der es binnen 20 Std. von Null auf die Statur einer großen Kartoffel geschafft hat. 20 Grad haben wir auch schon ein paar Tage jetzt. Da geht was. :P


  • Meine Hühneraugen prophezeien dir gute Aussichten. :freebsd:


    :D :D :D


    Was für eine Belastung, jeden Tag nach Pilzen sehen zu müssen. Da lobe ich mir doch meinen nervigen Job, mit Aussicht auf noch mehr Arbeit. DAS ist entspannend sage ich Dir *grummel*


    Ich gehe dann mal in die nächste Besprechung... :angry:


    Grüß' den Wald von mir!!

  • Hallo Mausmann,


    wirklich Klasse gemacht.


    Jetzt bekomme ich jedes Mal Hunger, wenn ich an dein Rezept denke.


    Liebe Grüße,


    Markus

  • Huhu,


    Danke für den Bericht - und die Küche sieht wie ein Ort aus, an dem man arbeiten kann . Was ist denn in der Cookies-Dose? :P
    @ Kuschel : das mache ich auch so, mit dem Überbrühen. Leider wurden meine beiden Hauptfundstellen diesen Winter gefällt und abtransportiert. :veryannoyed:


    Schaut doch mal nach diesem Buch: ISBN 978 184400 163 7
    Gibt einem noch ein paar Rezeptideen. Viel Spaß noch!


    Schöne Grüße ,
    Marcus

  • Ich kann Dir gerne ein paar übersetzen ;)


    Wie wär–™s mit Raviolo mit Schwefelporling und Krauser Glucke? Ist aber etwas länglich, Pilz-Kaviar (eigentlich ein Aufstrich) ist deutlich kürzer. ..


    Gruß,
    Marcus

  • Huhu,


    keine Sorge, der eine wird reichen - auf dem Bild ist der Teller voll. Mit einem.


    Signore Carluccio hat auch schon in Wien und Hamburg Unternehmen gehabt, da kennt er anscheinend die Bedürfnisse nicht nur von Briten. Wäre er in Paris gewesen, machte ich mir mehr Sorgen...

    Die Hokkaido-Steinpilz-Suppe, serviert im Kürbis, kann ich allerdings uneingeschränkt empfehlen :P


    Gruß
    Marcus

  • Also nochmals zu Mausmann`s Rezept.


    Gelesen ==> Hunger bekommen.
    Gedanklich verdrängt ==> und doch gefunden (gestern)
    Gefreut ==> Rezept probiert.


    Das Ergebnis kurzum:
    Ich habe gerade gegessen :plate: .
    Die Zutaten und Rezeptur in dieser Zusammenstellung fand ich sehr lecker. Optisch und von der Konsistenz erinnert der Schwefelporling in der Tat an Streifen von Hühnerbrustfilets. Auch geschmacklich darf etwas nachgeholfen werden, genau die beschriebenen Zutaten passen sehr gut. Eine Kombination mit gegrillten Tomaten oder Tomatensauce (separat zubereitet) und etwas Chilli könnte ich mir auch gut vorstellen. Es war jedenfalls sehr lecker.
    Danke Mausmann. :alright:


    Liebe Grüße,
    Markus


  • Die Zutaten und Rezeptur in dieser Zusammenstellung fand ich sehr lecker. Optisch und von der Konsistenz erinnert der Schwefelporling in der Tat an Streifen von Hühnerbrustfilets. Auch geschmacklich darf etwas nachgeholfen werden, genau die beschriebenen Zutaten passen sehr gut. Eine Kombination mit gegrillten Tomaten oder Tomatensauce (separat zubereitet) und etwas Chilli könnte ich mir auch gut vorstellen. Es war jedenfalls sehr lecker.


    Hallo Markus,


    danke für die Erfahrungsaustausch und Ergänzungstipps zum Rezept von Mausmann! Werde morgen ausprobieren. Meine erste Schwefelporlinge liegen bereits im Kühlschrank. ;)


    LG
    Joli

    LG
    Joli

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