Butterpilz, Ringloser Butterpilz und Körnchenröhrling im Direktvergleich

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  • Wie unterscheidet man zuverlässig den Butterpilz, den Ringlosen Butterpilz und den Körnchenröhrling?


    Ich treffe immer wieder auf typische Kollektionen und Fruchtkörper, bei denen die Bestimmung schnell und einfach ist. Und dann sehe ich ab und zu einzelne Fruchtkörper, bei denen ich mir nicht ganz sicher bin. Selbst im Pilzverein gibt es manchmal Diskussionen über einzelne mitgebrachte Pilze.

    Alle drei Arten sind Kiefernbegleiter und gehören zur selben Gattung. Sie sind nicht nur ähnlich, sondern auch nah miteinander verwandt. Ich kenne mindestens einen Waldabschnitt, in dem alle drei Arten gerne durcheinander wachsen (siehe Fotos unten). In diesem Jahr hatte ich Glück, zur richtigen Zeit dort zu sein, um die drei Arten nebeneinander zu sehen und zu dokumentieren. Das möchte ich hier teilen.

    Vielleicht lade ich später auch das eine oder andere Foto bei Wikipedia hoch.

    Alle drei Arten nebeneinander

    Foto vom 24.10.2026. Je zwei Fruchtkörper von Körnchenröhrlingen (links), Ringlosen Butterpilzen (Mitte) und Butterpilzen (rechts).

    Bei den Butterpilzen ist ein Fruchtkörper zu sehen, dessen Poren noch vollständig vom Velum bedeckt sind, sowie ein älterer mit Manschette.




    Butterpilz (Suillus luteus)

    Der Butterpilz hat ein besonderes Merkmal, das einen großen Vorteil bietet – nicht nur bei der Unterscheidung dieser drei Arten, sondern auch bei der Röhrlingsbestimmung allgemein: eine Manschette bzw. Velum, das bei jungen Pilzen die Poren bedeckt. Das haben nur wenige Röhrlinge. Allein dadurch lässt sich der Butterpilz eindeutig vom Ringlosen Butterpilz und vom Körnchenröhrling unterscheiden.

    Nachtrag 28.10.2026: Im Fall vom Butterpilz wird der Ring vom Gesamtvelum gebildet, nicht vom Teilvelum, dazu siehe Kommentar von Christoph (Tricholomposis) unten.


    Ein weiteres Merkmal ist die Haptik der Hutoberfläche bei jungen geschlossenen FK: sie fühlt sich an, als wäre der Hut gebuttert, irgendwie speckig und schmierig.


    Ist die Manschette verschwunden, weil sie abgefallen oder weggefressen wurde, ist die genaue Artbestimmung einzelner Fruchtkörper im Feld nicht immer möglich, insbesondere bei der Abgrenzung zum Körnchenröhrling, falls der Butterpilz einen eher hellen Hut hat und nicht seinen typischen Braunton zeigt.


    Die Huthaut lässt sich relativ leicht und vollständig abziehen.


    Fotos:


    Junge Butterpilze mit speckig-schmierigen braunen Hüten, die teilweise eingewachsen-faserig wirken. Manchmal zeigen sich auch helle, weißliche Stellen, an denen die Pilze beispielsweise von Gras bedeckt waren.


    Ringloser Butterpilz (links) im Direktvergleich mit einem Butterpilz (rechts), der unmittelbar daneben wuchs und eine sehr ähnliche Hutfarbe hat.


    Etwa 1 kg Butterpilze, die gleich geputzt und teilweise getrocknet werden.

    Ringloser Butterpilz (Suillus collinitus)


    Das beste Unterscheidungsmerkmal ist die pinkfarbene Stielbasis. Auch im Basismyzel sind eindeutig pinke Farbtöne, es ist nie rein weiß. Schneidet man den Pilz ab, geht dieses wichtige Merkmal verloren.


    Ein weiteres Merkmal: Die Hutfarbe ist tendenziell etwas dunkler als beim Butterpilz und deutlich dunkler als beim Körnchenröhrling. Es gibt allerdings auch hellere Kollektionen, wie auf einem der Fotos (Direktvergleich mit Butterpilz) zu sehen ist.


    Die Hüte zeigen ein eingewachsen-faseriges Muster, das vor allem bei der Abgrenzung vom Körnchenröhrling hilft. Bei manchen Fruchtkörpern gibt es außerdem einen Ring aus dunklen Flecken am Hutrand - das ist aber kein konstantes Merkmal.


    Die Huthaut lässt sich abziehen, allerdings nicht so leicht wie beim Butterpilz. Manchmal bleibt sie in der Hutmitte fest haften. Das Hutfleisch unter der abgezogenen Huthaut ist häufig dunkler, während es bei den beiden anderen Arten eher hellgelblich ist.


    Fotos:


    Ringloser Butterpilz: das wichtigste Merkmal – die auffällig pinkfarbene Stielbasis.


    Ringloser Butterpilz: der typisch eingewachsen-faserige Hut.


    Ringloser Butterpilz: manchmal bilden dunkle Flecken einen Kreis am Hutrand (KEIN konstantes Merkmal).


    Ringloser Butterpilz: eine hellere Kollektion.


    Ringloser Butterpilz: eine dunklere Kollektion.


    Ringloser Butterpilz: Sammelgut, knapp über 1 kg, das geputzt und größtenteils getrocknet wird.


    Ringloser Butterpilz: unter der abgezogenen Huthaut ist das Hutfleisch manchmal dunkel. Außerdem lässt sich die Huthaut in der Hutmitte nicht immer vollständig abziehen.

    Körnchenröhrling (Suillus granulatus)

    Die wichtigste Merkmalskombination sind die einheitlich (d.h. nicht faserig) hellbraun gefärbten Hüte und Guttationströpfchen an den Poren junger Fruchtkörper. Mit dieser Kombination lässt sich die Art recht zuverlässig von den beiden anderen im Feld abgrenzen.


    Die Huthaut lässt sich relativ leicht und meist vollständig abziehen, allerdings nicht ganz so leicht wie beim Butterpilz.


    Fotos:


    Körnchenröhrling: eine junge Kollektion mit einheitlich hellbraunen Hüten und den typischen Guttationströpfchen an den Poren.


    Körnchenröhrling (links) und Ringloser Butterpilz (rechts), die unmittelbar nebeneinander wachsen! Ich habe einige Fruchtkörper für das Foto stehen gelassen; das ist auf dem Bild zu sehen.


    Körnchenröhrling: eine ältere Kollektion. Die Guttationströpfchen an den Poren sind bereits verschwunden, die Hüte zeigen aber noch die typische hellbraune Färbung.


    Körnchenröhrling: weißes Basismyzel, wie auch beim Butterpilz – keine pinkfarbenen Töne. D.h. ganz sicher kein Ringloser Butterpilz.


    Körnchenröhrling: Sammelgut zum Putzen und Trocknen.

  • Hallo Alex,


    danke für's Einstellen dieses wirklich hervorragend gelungenen Beitrages zum Vergleich der drei Arten.


    Ich kann gut einschätzen, wie viel Arbeit Dein Betrag gemacht hat. Da geht viel Zeit drauf.


    Dank & Gruß,

    Steffen

  • Servus Alexander,


    eine schöne Gegenüberstellung! Nur eine Aussage möchte ich korrigieren. Der Ring wird vom Gesamtvelum gebildet, was man daran erkennen kann, dass es ein aufsteigender Ring ist. Das Velum kommt von der Stielbasis (u.a. Cauloblem nach Clemencon) und zieht von da aus auf den Hut. Ring bzw. Manschette ist nicht automatisch das Teilvelum. Beispiel Gifthäubling: der Ring ist vom Velum universale, oberhalb des Rings sieht man manchmal die Cortina, die das Teilvelum des Gifthäublings ist.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo Christoph,


    vielen Dank für diese wichtige Korrektur :thumbup: Ich habe das im Beitrag entsprechend geändert und ergänzt.

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für das positive Feedback! :thumbup:

    Sooo viel Arbeit war es nicht. Das schwierigste ist es zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und nicht vergessen Fotos zu machen. ;)

    Ich selbst schaue mir solche Gegenüberstellungen der Verwechslungekandidaten sehr gerne an.


    Übrigens, ich habe alle drei Arten artenrein gesammelt und getrocknet, für mein Trockenpilz-Verskostungs-Langzeitprivatprojekt. Ich werde Verkostungsberichte wie immer hier posten (hoffentlich irgendwann im nächsten Jahr, nicht vor Weihnachten):

    Ich bin gespannt, ob wir die Unterschiede überhaupt schmecken werden.