Beiträge von Alexander

    Hallo Steffen,


    man muss sicherlich nicht und auch nicht unbedingt. Bei sicherer Bestimmung und kulinarischer Neugier kann man sich durch die essbaren Pilzarten durchprobieren. Warum auch nicht probieren und frei zugänglich dokumentieren? Ob etwas gut oder schlecht schmeckt wird oft sehr individuell verschieden empfunden.

    Wer nicht will der soll nicht, jeder hat seine freie Wahl.


    Was Mitleser und Anfänger angeht die theroetisch auf dumme Gedanken kommen könnten: entweder haben sie "common sense" und sammeln erst mal nur die gängigen Speisepilze, orientieren sich an gängige Pilzbücher bzw DGfM-Positivliste... oder nicht - dann finden sie auch ohne Pilzforum irgendwelche Random Leute die im Internet irgendetwas zur Essbarkeit irgendwelcher Pilze behaupten. Ich behaupte auch mal, dass Cortinarius-Arten überhaupt nichts für Anfänger sind. Die Anfänger können sie nicht bestimmen, auch nicht die Cortinarien die auf DGfM Positivliste als Speisepilze stehen.

    Hallo Thiemo, sehr schön, Danke fürs Teilen!
    Ich habe gerade heute die Tabelle ebenso um eine essbare Cortinarius-Art erweitert: Anis-Klumpfuß. Dazu noch Rostroter Lärchenröhrling und Leccinum cyaneobasileucum hinzugefügt.


    Anis-Klumpfuß und Rostroter Lärchenröhrling waren Erstfunde gestern, worüber ich mich natürlich sehr gefreut habe. Bei mir zuhause habe ich sie noch nicht gefunden, dafür aber gestern hier im Urlaub im Berchtesgadener Land im Gebirgs-Nadelwald auf Kalk.


    Anis-Klumpfuß, Cortinarius odorifer



    Rostroter Lärchenröhrling, Suillus tridentinus

    Hallo zusammen,


    jetzt mal eine kleine Extra-Verkostung einer gewissen Tricholoma-Art, die inzwischen nicht mehr zum Verzehr empfohlen bzw. sogar als giftig eingestuft wird. Es gibt dazu dokumentierte letale Vergiftungsfälle, die allesamt mit einem übermäßigen Konsum zusammenhängen – also etwa über mehrere Tage hinweg bei jeder Mahlzeit.

    Daher an alle Neulinge, die hier mitlesen, meine Empfehlung: nicht nachmachen und sich an die DGFM Positivliste der essbaren Pilzarten orientieren! Ich erwähne die Art deshalb auch ganz bewusst nicht explizit – das Thema hier soll friedlich bleiben 😉 Vollständigkeitshalber will ich die Geschmackswertung dennoch teilen.


    Unsere Wertung: Testperson 1: 7+, Testperson 2: 7−, Durchschnitt: 7.

    Die Pilze lagen allerdings schon mehrere Jahre getrocknet im Glas. Vielleicht wären frisch getrocknete Pilze geschmacklich etwas besser gewesen.


    Getrocknet:


    Eingeweicht und als Pilzpulver:


    Suppe:

    Oh, sehr interessant. Bei uns (Rhein-Neckar) ist nach meiner Erfahrung der gemeine Birkenpilz (L. scabrum) wahrscheinlich der häufigste, gefolgt vom Wollstieligen Raufuß (L. cyaneobasileucum). Man findet ab und zu wenige Rotkappen (L. aurantiacum, L. leucopodium und L. versipelle die ich hier verkostet habe), Hainbuchenraufüße und Vielverfärbende Birkenpilze (L. variicolor). Der Gelbporige sollte auch in der Umgebung wachsen, ich habe ihn aber selbst noch nicht gefunden.

    Mich stört bei allen Arten von Raufüßen etwas, wenn die getrocknet werden. Friere sie nur noch vakuumiert ein, wenn sie haltbar sein sollen. Bevorzugt ist aber frisch angebraten bei sehr hoher Hitze. Der beste Raufuß ist für mich der Gelbporige von Geschmack und Konsistenz her. Da Rotkappen bei mir selten sind (und wenn sie mal auftauchen sind es auch oft die ohnehin seltenen Fichtenrotkappen), lasse ich sie in der Regel stehen.


    LG Christopher

    Hallo Christopher, sehr interessant!


    Wie findest du den gemeinen Birkenpilz - L. scabrum? Interessanterweise hat diese Art sowohl bei mir als auch bei meiner Frau (die die Rotkappen überhaupt nicht mag) die höchste Bewertung unter getrockneten Pilzen. Sowohl was sein Geschmack als auch was die Konsistentz angeht. Frisch dagegen wird er in der Pfanne schnell zur weichen Pilzpampe.


    Den Gelbporigen Raufuss habe ich noch nie bewusst gefunden, würde natürlich gerne finden und probieren.

    Eichen-Rotkappe (Leccinum aurantiacum, Syn. Leccinum quercinum)


    Wir fanden Eichen-Rotkappen geschmacklich ähnlich wie andere Rotkappen die wir zuvor getestet haben (u.a. Birken-Rotkappen).

    Allerdings gibt es gerade bei Rotkappen einen riesigen Unterschied in Bewertung von meiner Frau und von mir. Ich finde getrocknete Rotkappen zwar bei weitem nicht so lecker wie Birkenpilze, aber durchaus OK. Sie schmeckt aber irgendwas bei Rotkappen heraus was sie total stört, und zwar bei allen drei Verkostungen mit diversen Rotkappen-Arten. Diesmal habe ich ihr nicht mal vorher gesagt, dasss es Rotkappen sind, so ist Experiment am saubersten. Wir sind uns nur einig, dass Rotkappen eine tolle Konsistenz und ordentlich Eigengeschmack haben.

    Meine Wertung: 9 Punkte, ihre Wertung: 6 Punkte. Durchschnitt: 7+


    Wie schaut's bei euch aus mit getrockneten Rotkappen? Gibt es noch jemanden wer etwas störendes an Rotkappen empfindet?


    Getrocknete Eichen-Rotkappen:


    Eichenrotkappen fertig gemacht um die Suppe daraus zu kochen: als Pilzpulver und eingeweicht


    Suppe aus Eichen-Rotkappen:

    Die Geschmäcker sind tatschlich verschieden.

    Da hilft nur alles selber zu probieren.

    2025 war halt ein sehr gutes Jahr für Reifpilze in unserer Region. Sie sind gefühlt an allen Stellen sehr gut gewachsen, wo ich sie je gesehen habe und an neuen Stellen auch! Da müsste ich etwas zum Trocknen einsammeln, die Reifpilze haben mich praktisch darum gebeten ^^
    "Honig-Kräuterartig" beschreibt meiner Meinung nach den Geschmack (und vor allem den Geruch!) ganz gut.

    Reifpilz (Cortinarius caperatus)

    Testesser-1: 8- Punkte, Testesser-2: 8 Punkte. Gesamturteil: 8


    Wir (die beiden Testesser) waren uns einig, dass Reifpilze sehr gut zum Trocknen geeignet sind, und die Suppe daraus sehr gut wird, man muss aber den Geschmack mögen. Dieser Reifpilz-Beigeschmack hat uns bereits bei frisch zubereiteten Pilzen gestört, er störte auch bei getrockneten Pilzen, obwohl weniger. Der Grundgeschmack ist aber ziemlich gut und die Konsistenz ebenso. Wir fanden also, dass die Reifpilze durch das Trocknen aus kulinarischer Sicht nur besser werden.


    Den speziellen Eigengeschmack empfanden wir als etwas süßlich, sogar leicht an Fenchel oder Anis erinnernd, vielleicht sogar mit einer Honignote, wie auch bei den anderen Cortinarien. Bei Reifpilzen rieche ich persönlich etwas Süßliches erst beim Erhitzen und nicht bei frischen Fruchtkörpern (wie bspw. bei Cortinarius stillatitius).


    Getrocknete Reifpilze:


    Eingeweichte Reifpilze:


    Pilzpulver aus Reifpilzen:


    Reifpilz-Kartoffel-Suppe:

    Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis)

    Stockschwämmchen wird oft als sehr guter Suppenpilz bewertet und diese Einschätzung teile ich jetzt auch.


    Testesser-1: 9 Punkte, Testesser-2: 8-9 Punkte. Gesamturteil: 9-

    Es wären 9 oder sogar 10 Punkte wenn die Pilze etwas aromatischer wären. Stockschwämmchen-Pilzgeschmack ist ziemlich gut, könnte aber etwas stärker sein. Wir fanden die Konsistenz sehr gut.


    Getrocknete Stockschwämmchen


    Stockschwämmchen eingeweicht und als Pilzpulver


    Stockschwämmchen-Suppe.

    Riesenporling (Meripilus giganteus)

    Ich muss zugeben, dass ich bereits seit ein paar Jahren ein großes Glas getrocknete Riesenporlinge habe. Die Pilze waren also nicht vom Vorjahr. Ich habe immer wieder etwas davon für Pilzmischungen in verschiedenen Rezepten genommen.

    Jetzt haben wir diese Pilzart auch pur probiert. Das Ergebnis war durchaus gut: mildes Aroma, milder pilziger Geschmack. Es wären genau 8 Punkte geworden, wenn die Konsistenz pilziger gewesen wäre. Die Konsistenz hat mich eher an getrocknete Reizker erinnert (d.h. etwas trocken), deshalb gibt es nicht die Note 8, sondern eine gute 8-. Das Urteil der beiden Tester war einstimmig.


    Die getrockneten Riesenporlinge. Ich habe es leider versäumt einen Teil zum Pilzpulver zu verarbeiten.


    Die Farbe der Suppe war, anders als erwartet, nicht schwarz sondern hellbraun.

    Danke Jörg! Die Pilze standen auf jeden Fall zusammen und in dem Gebiet sind die Rotkappen selten - mir sind weit und breit keine andere Stellen bekannt. Ich gehe davon aus, dass sie alle vom selben Myzel kommen.

    Rotkappen

    Bestimmung unsicher, ich bin bei ? Weißstieligen oder Espen-Rotkappe (Leccinum leucopodium, syn. Leccinum albostipitatum) ?


    Zuerst bitte ich um Hilfe bei Bestimmung. Leider sehe ich diverse Rotkappen viel zu selten.

    Ich bin hier bei Weißstieligen oder Espen-Rotkappe (Leccinum leucopodium, syn. Leccinum albostipitatum), weil:

    • die Stielschuppen sind am Anfang weiß und später ziegelrot/rötlich
    • sie waren direkt unter Espe

    Allerdings gab es auch andere Bäume in der Nähe, vor allem Birke, und etwas weiter noch mehr diverse Bäume, u.a. Eichen und Kiefer.


    Die Fotos sind vom 28.09.2025:


    Und hier die Suppe aus diesen Rotkappen + wenige weitere FK die ich an exakt selben Stelle zwei Wochen später gesammelt habe.


    Getrocknet:


    Pilzpulver und eingeweicht. Einweichwasser wird schwarz/dunkelbraun, genau wie bei Birken-Rotkappen. Da unterscheiden sich scheinbar Rotkappen von Birkenpilzen aus derselben Gattung. Bei Birkenpilzen (L. scabrum, L. cyaneobasileucum) ist Farbe ist hellbraun.


    Die Suppe. Wir fanden sie OK. Bewertungen: Testesser-1 8+ bis 9-, Testesser-2 7-8 Punkte von 10. Testesser-2 fand etwas am Geschmack und Geruch leicht störend.

    Mönchskopf (Infundibulicybe geotropa)

    Das Ergebnis war gut. Wir fanden, dass der typische Mönchskopf-Geruch sowie -Geschmack beim Trocknen zwar erkennbar bleibt, allerdings nicht besser wird (im Vergleich mit frischen Pilzen). Wir fanden den Geschmack etwas aufdringlich. Also, man kann den Pilz gut trocknen und dann etwas daraus kochen, frisch zubereitet fanden wir ihn aber besser.

    Die Pilzstückchen sind bissfest, die Farben sind erwartungsgemäß hell/beige bis ocker.

    Die beiden Testesser waren sich bei der Bewertung mit 7–8 Punkten von 10 einig :)


    Getrockneten Mönchsköpfe:


    Teils eingeweicht, teils zu Pilzpulver verarbeitet:


    Pilzsuppe/Eintopf mit Mönchsköpfen.

    > Link zum Rezept

    Hallo zusammen,


    es freut mich total diese chilenische Pilze bei Pilzforum zu finden!

    Grüni, vielen Dank für dieses Thema! :thumbup: Und allen anderen vielen Dank für die Beiträge! :thumbup:


    Ich habe den Pilz leider selbst nie gesehen, wurde aber vor meiner Südamerika-Rundreise von einem Pilzfreund darauf aufmerksam, der selbst halb-Chilene ist und teilweise in Chile gelebt hat. Er hat mir gesagt, ich soll auf "Digüeñe" achten - so heißt der Pilz dort, und soll auch in manchen Restaurants auf der Karte stehen. Digüeñe ist wohl Cyttaria espinosae.

    Ich war lediglich in Santiago de Chile in Februar, und obwohl ich alle Bäume in Parks und Grünanlagen fast automatisch auf Pilze abgecheckt habe, habe ich diese schöne Pilze nicht finden können. Schade, sie sehen auf den Bildern einfach nur toll aus!


    Ich finde den deutschen Namen der Gattung auch Klasse - Golfkugelpilze!

    Zumindest wird Familienname Cyttariaceae in Wikipedia als "Golfkugelpilzverwandte" übersetzt!

    Ich habe schon davon gehört, konnte es aber aus eigener Erfahrung nicht bestätigen, zumindest nicht beim Einfrieren. Ich friere im Herbst öfters bereits gekochte Semmelstoppelpilze ein und esse sie in den nächsten Monaten. Sie sind immer gut gewesen, nie deutlich bitter. Wahrscheinlich spielen da die Temperatur in Gefriertruhe und Dauer der Lagerung eine Rolle. Ich vermute, dass je höher die Temperatur und länger die Lagerung, desto bitterer werden die Pilze. Meine Gefriertruhe ist extrem kalt, -24 bis -30°, vielleicht hatte ich deswegen nie solche Probleme.

    Goldröhrlinge wie frische Maronenröhrlinge? Ja, so etwa in die Richtung geht es :thumbup: Wir sind auf jeden Fall positiv überrascht gewesen.

    Goldröhrling (Suillus grevillei)

    Die Pilze waren auch schon ein paar Jahre alt wie die Semmelstoppelpilze. Ich glaube inzwischen geschmacklich zu merken, dass die getrockneten Pilze nicht so frisch (d.h. nicht vom Vorjahr) sind. Es gibt da einen Beigeschmack, der allerdings nicht sehr stört.
    Dennoch ergaben die Goldröhrlinge einen guten Geschmack mit angenehmen Pilzaroma. Die beiden Testesser vergaben 8 Punkte von 10.


    Getrocknete Goldröhrlinge:


    Wie immer, teils pulverisiert teils eingeweicht:


    Leckere Suppe/Eintopf:

    Die nächste Pilzart war Semmelstoppelpilz.

    Leider ohne Wertung. Die Suppe war so bitter, dass wir sie nicht gegessen haben. ;(


    Ich weiß nicht was genau passiert ist. Meine Vermutung ist es, dass die getrockneten Semmelstoppelpilze nicht so lange halten wie bspw. Steinpilze. Getrocknete Pilze sind theoretisch endlos haltbar, falls knuspertrocken und luftdicht aufbewahrt. Das mag ja stimmen, aber ewig haltbar bedeutet nicht automatisch ewig lecker... Die Semmelstoppelpilze waren etwa 5 Jahre alt, die ganze Zeit luftdicht und an dunklem Ort gelagert. Ich habe noch nie erlebt, dass getrocknete Pilze schelcht oder bitter werden, auch nach 5 Jahren nicht. Die Fotos will ich dennoch mit euch teilen:


    Maronen-Röhrling (Imleria badia).


    Längst überfällig: Maronen-Verkostung. Ich habe schon vor Jahren getrocknete Maronen gehabt, fand sie aber damals warum auch immer nicht so toll. Jetzt müsste ich noch mal die Marone genauer testen. Also, unser Urteil: sehr aromatisch, geschmacklich auch ganz gut, Gesamtnote um die 9 Punkte von 10. Auch die bräunliche Farbe fanden wir schön.


    25g von getrockneten Maronen-Röhrlingen:


    wie immer, für meine Suppe/Eintopf teils als Pilzpulver, teils eingeweicht:


    Die Suppe:

    Hallo Christoph,

    vielen Dank für diese interessante Anmerkungen! Tatsächlich kenne ich mindestens eine Stelle wo die beiden Arten auf mehreren hundert Meter scheinbar nebeneinander wachsen, jeweils mit mehreren Myzelien nehme ich an. Dort habe sie im Oktober mehrmals gesammelt, hier für das Bild nebeneinander gelegt (links 2x L. scabrum, rechts 3x L. cyaneobasileucum):

    Es ist Kiefernwald mit eingestreuten Kastanien und Birken (Pfälzer Wald halt). Es kann sein, dass es dort Übergänge zwischen saurem und neutralem Boden gibt, oder vielleicht auch "gekalkte" Wege. Ich finde dort vorwiegend Pilze die saueren Boden mögen (Maronen, Fliegenpilze, Trompetenpfifferlinge), auch Heidelbeeren wachsen stellenweise viel, aber stellenweise (nur vereinzelt!) finde ich dort Stellen mit solchen Kalkpilzen wie Totentrompeten und Mönchsköpfen.


    Und Danke für die Erklärung von "cyaneobasileucum", jetzt ergibt der lange Name Sinn für mich :) Solche Sachen soll man in Pilzbüchern erklären, finde ich. Ich kenne ein Pilzbuch auf Italienisch (Oppicelli, Funghi in Italia) wo wirklich alle wissenschaftlichen Namen ausführlich erklärt sind, habe mir nur deswegen das Buch sogar fast gekauft gehabt :D