Leucoagaricus-Fund? Evtl. leucothites-Komplex-Kandidat?

Es gibt 12 Antworten in diesem Thema, welches 470 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von EmilS.

  • N'abend zusammen,


    wie im Onlinetreff-Thread kurz angemerkt, habe ich letzten Sonntag bei mir Zuhause in einem vernachlässigten Blumentopf auf meiner Terrasse einen unerwarteten Pilzfund gemacht. Über den Fruchtkörper war eine ganze Weile ein Orchideentopf drübergestülpt, weshalb ich ihn bislang garnicht bemerkt hatte. Erst als ich am Sonntag einige meiner temperaturempflindlicheren Pflanzen von der Terrasse geräumt hatte und ich diesen Topf dabei mit in der Hand hatte, bemerkte ich den Pilz.


    Hut: leicht gewölbt, Mitte etwas gebuckelt, glatt seidig, weißlich blaß cremig (Buckel etwas nachgedunkelt), knapp 7 cm breit

    Lamellen: weiß mit einem Hauch von rosa, dichtstehend, nicht am Stiel angewachsen

    Stiel: gleichfarben mit Hut, nach unten hin leicht bräunlich (?) nachdunkelnd, Manschette dünnhäutig anhaftend, ziemlich schmal, Stielbasis ohne Volva, knollig

    Geruch: unbestimmt

    Sporenpulver: weiß mit einem zarten rosa


    Gesamter Fk. war knapp 9 cm groß


    Die Sporen waren glatt, elliptisch u. mit Keimporus, bis zu 8 µm lang und rd. 6 µm breit, für die Huthaut u. Cheilos hatte ich leider keine Zeit mehr.


    Ich vermute hier eine Art aus dem Leucoagaricus-leucothites-Komplex, weiß aber, dass es dort noch ein paar anderweitige Möglichkeiten gibt.


    Wer hätte hier evtl. noch sachdienliche Hinweise für mich? Evtl. E. Schupfnudel, Stefan Climbingfreak ?


    Vielen Dank vorab.


    VG

    -Marcel.





  • Hi,


    mit L. leucothites agg. wirst du hier schon richtig liegen. Ich habe mich bisher noch nicht groß mit der Gattung beschäftigt.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hi,


    ist bei mir ähnlich - ich spreche die aus der Hand an, im Wissen, dass es vermutlich ein Aggregat ist und da genetisch wohl diverse Arten draus gebacken werden (oder schon wurden). Habe die ehrlich gesagt noch nie mikroskopiert.


    LG.

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  • Hi,


    vielen Dank zunächst für eure kurzen Rückkopplungen hierzu.


    Ich werde mir den Fund am Wochenende nochmals etwas näher anschauen, insbesondere die Cheilozystiden, wobei diese ja, folgt man dem FoTE-Basidiomyceten-Schlüssel, bei leucothites 'extremly variable' sein können.


    Aber mir reicht es letztlich auch, wenn ich das Kerlchen als L. leucothites sensu Vellinga ansprechen kann. Ein Pilzfund unmittelbar an der Haustürschwelle braucht ja schließlich einen Namen. ^^


    LG

    -Marcel.

  • Seltsam, den kennte ich nur glockig aufschirmend. Ich denke eher in Richtung Lepiota, aber Synonymdschungel und letztlich meist die Labore beanspruchen die letztgenaue Benamsung.. :/

    Dann setz dich bitte mit den Merkmalen von Leucoagaricus auseinander

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo zusammen,


    ich hätte den Fund jetzt auch schon rein makroskopisch als L. leucothites angesprochen. Ich konnte bei meiner anschließenden Recherche auch keine Veröffentlichungen finden, die sich in letzter Zeit mit dieser Gattung genetisch vergnügt hätten. Von daher stelle ich mal die Gegenfrage: Was soll es außer L. leucothites sein?


    Björn

  • Hallo an alle,


    ich hab' gerade zum Spaß mal alle 149 ITS-Sequenzen von leucothites von der Genbank heruntergeladen und in MEGA11 aligned.

    In der Genbank steht die Art übrigens gerade bei Leucocoprinus.


    Einen Baum zu rechnen hab' ich mir schon gespart, weil alle Sequenzen schon nach bloßem Augenschein bis auf 2 variable Basenpaare identisch aussehen.

    Nur eine Sequenz aus Israel ist anders - falsch bestimmt?

    Derzeit gibt es in der Genbank also keinen Hinweis darauf, dass es sich um ein kryptisches Artenaggregat handeln könnte.


    Gruß,


    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang Wolfgang P. !

    Derzeit gibt es in der Genbank also keinen Hinweis darauf, dass es sich um ein kryptisches Artenaggregat handeln könnte.

    Vielen Dank für den Abgleich und die Mühen!


    Dies bedeutet wohl nun, dass die seinerzeitige Kontroverse bei leucothites nunmehr Geschichte ist? Ich hab dort noch irgendwie den Kenntnisstand, dass wir es mit einem immer noch zur Debatte stehenden Artenkomplex zu tun haben, wo es einerseits die Position von Else Vellinga gibt, die hier leucothites u. dem sehr ähnliche, makro- u. mikroskopisch schwer abzugrenzende Arten als eine Artengruppe betrachtet und andererseits die Ansicht, dass wir es jeweils noch mit anderen Leuco-Arten zu tun haben.


    Gruß

    -Marcel.

  • Hallo Marcel,

    man kann natürlich immer die These vertreten, dass in diesem Artkomplex die ITS kein geeigneter Locus sei.

    Von "besseren" Loci wie rpb2 oder tef liegen aber viel zu wenig Daten vor.


    Oder man kann sich von allen Fakten lossagen und Sequenzierung als Teufelszeug verdammen und auf makroskopischen Trennmerkmalen beharren.


    Ich möchte also nicht von mir behaupten, dass ich in einer 10-min-Fingerübung einen alten Streit final entscheiden könne.


    Ich würde mich nur, nachdem ich zumindest ein Faktum selbst nachgeprüft habe, auf die Seite von Vellinga stellen (wie übrigens auch bei Macrolepiota).


    Wolfgang