Hallo liebe Pilzfreunde,
erstmal: Schade, dass wetterbedingt nicht alle so einen tollen September hatten wie wir hier im Südosten. Meine Daumen sind gedrückt, dass das Wetter- & Pilzglück im Oktober jetzt dann aber wirklich jeden Winkel im deutschsprachigen Raum so richtig erfasst, auch wenn der Regen immer noch nicht wirklich durchstarten will.
Es war bei uns in den Landkreisen Mühldorf, Alötting & Traunstein (und auch jenseits der deutsch-österreichischen Grenze) einer der schönsten & spannendsten September überhaupt mit - natürlich auch mit Speisepilzen ohne Ende, aber auch vielen spannenden Erst- & Zweitfunden. Fast jeden Tag gab es bei uns 1-2 Waldrunden & selbst wenn es während der Ferienzeit mal in den nahegelegenen Freizeitpark ging, standen dort vom Pappelraufuß über die Birkenrotkappe bis zur Espenrotkappe Arten selbst am Wegesrand, die wir normalerweise eher selten vor die Kamera bekommen. Arbeitsnachweis: 204 Gigabyte Bild- & Videomaterial verteilt auf 6675 Bildern & Videos - das sagt denke ich alles.
Erst der "langweilige Teil". Anfang September gab es bei uns einen der heftigsten Sommersteinpilz-Wachstumsschübe überhaupt. Die Sommersteinpilze stapelten sich teilweise beim Wachstum & stritten sich gerne auch mal mit anderen Arten, wie zum Beispiel Pantherpilzen, um jeden Zentimeter Waldboden
Selbst wenn man sich, wie wir, immer nur die besten 5% rausgepickt hat, war der Korb schnell voll - vor allem kulinarisch waren die ersten Septembertage ein echter Genuss.
Jetzt aber zum spannenden Teil:
Schon Jahre nicht mehr mit so schönen Fruchtkörpern & in dieser Anzahl gefunden - Neoboletus xanthopus, der Eichen-Flocki in einem reinen Eichen-Biotop:
Er teilt sich dort ein Habitat mit einem der schönsten Röhrlinge überhaupt - dem Rubinroten Zwergröhrling, der nach 2025 auch 2026 ein sensationelles Jahr mit weit über 30 Fruchtkörpern im September erwischt hat
Ebenfalls Anfang September gab es auf einer parkähnlichen Fläche nicht nur ein Massenvorkommen des Satansröhrlings mit sicher an die 100 Fruchtkörpern & solch extremen Clustern
Auch die bei uns sehr seltenen Pappelraufüße . . .
... und vor allem eine weitere für mich ganz besondere Art bildeten - neben Standardarten wie Netzhexe & Wurzelnder Bitterröhrling - zahlreiche Fruchtkörper: ENDLICH "brauchbare" Fruchtkörper vom Gehämmerten Röhrling. Es hat Jahre gedauert, bis wir die Art endlich mal zur rechten Zeit für unser Pilzbuch vor die Kamera bekommen haben. Vorher gelangen leider immer nur Funde überständiger, verschimmelter Fruchtkörper & das wirklich über Jahre.
Wer bei uns im Landkreis Mühldorf dieses Jahr ein wenig den Vogel abschießt, dass ist der eigentliche "Alltagspilz" Fliegenpilz. Die Art legt nicht nur unglaubliches Massenwachstum hin, sondern ist uns das erste mal in diesem Jahr bewusst mit den verschiedenen Formen vor die Linse gehüpft.
Gelber Fliegenpilz
Gelbflockiger Fliegenpilz
Vergleiche - alle im gleichen Habitat im Umkreis von wenigen Metern:
Vergleich Gelbflockiger & "normaler" Fliegenpilz
Wenn wir schon bei den Wulstlingen sind dürfen Champignons nicht fehlen
Der Perlhuhnchampignon mit hunderten Fruchtkörpern Ende September auf einer parkähnlichen Fläche
Auch der Pappelstreifling zeigte sich Ende September von seiner besten (schönsten) Seite
Im Vergleich zu anderen Jahren sehr häufig zu finden war dieses Jahr außerdem die elastische Lorchel
Für mich einer der schönsten Täublinge überhaupt - der Goldtäubling in den Bergwäldern 2026 fast schon häufig zu finden
Ebenfalls extrem häufig - ganz charakteristisch bei Tanne zwischen Heidelbeeren in den Chiemgauer Bergen mit gern 8-10-12-20 Fruchtkörpern pro Standort: die Gebirgskoralle (in diesem Fall nicht mikroskopisch bestätigt, aber sehr sehr wahrscheinlich)
Mindestens genau so schön, aber auch in den Bergen deutlich sporadischer zu finden als die Gebirgskoralle: Der Violettgelbe oder Gelbviolette Pfifferling
Und obwohl ich das schon spannend & wunderschön finde - auch Erstfund-Highlights gab es natürlich - z. B. (nur eine kleine Auswahl):
Der Hohlstieltäubling - extrem typisch bei Tanne im Bergwald mit deutlich hohlem Stiel, den früh zu gelb umfärbenden Lamellen & dem typischen "Totalversagen" der Guajakreaktion
Die Wiesen- oder Wurmförmige Keule am heimischen Friedhof über Jahre beobachten wir diese Wiese beim Abendspaziergang quasi täglich & trotzdem gelingen dort immer noch Erstfunde
Leider zu spät für ein schönes Pilzportrait, aber dennoch ein lange ersehnter Erstfund - der Weinrote Purpurröhrling, ebenfalls ein Bergwald-Fund
Der Berindete Seitling - ebenfalls ein Bergwaldfund-Erstfund
Der Gelbblättrige Holznabeling (mit einer wie ich finde erstaunlichen Ähnlichkeit zum Trompetenpfifferling)
Der Wechselblaue Edelreizker in einem Badesee-Moorgebiet in Österreich, natürlich bei Kiefer
Farblich ein besonderes Schmankerl - der Goldzahn-Schneckling
Der Schwarzweiße Rußporling - mitten am Weg in einem Bergwald zwischen Habichtspilzen.
Für die meisten wahrscheinlich lächerlich, für uns etwas ganz besonderes - unsere aller ersten brauchbaren Riesenboviste
Soweit zu unseren Highlights im September. Hoffen wir, dass der Wettergott nachsehen mit uns Pilzverrückten hat & wir im Oktober genau so schöne Funde & das möglichst dann doch auch langsam mal flächendeckend machen können. In diesem Sinne - euch allen eine tolle Zeit & an alle die immer noch unter der Dürre & Pilzflaute leiden: Meine Daumen für euch sind gedrückt.
Viele Grüße
