Clitopilus cf. cystidiatus mit Abweichungen

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  • Hallo zusammen,


    am 05.09.26 fand ich eine Clitopilus im Botanischen Garten Münster, die bei Quercus wuchs.

    Ich dachte erst an Clitopilus prunulus, dann fand ich Cheilozystiden und war überzeugt Clitopilus cystidiatus (Fund vor 2022) gefunden zu haben.

    Leider passt die Sporengröße nicht und die Sporenform ist etwas anders.

    Bisher habe ich keine Idee dazu.
    Hier sind die Bilder:
    1.


    2.


    3.


    4.


    5. Cheilozystiden


    6. Cheilozystiden


    7.


    VG : Thorben

  • Hallo Thorben,


    ich habe gerade mal in den Schlüsselband der Fungi of Temperate Europe geschaut. C. cystidiatus paßt, wie du schon bemerkst, von der Sporengröße her nicht, soll laut Schlüssel auch eher creme-grau bis gelbbraun sein. Wählt man die andere Schlüsselalternative (weißlich bis blaß gräulich) kommt man zu C. chrischonensis als Art mit Cheilozystiden und Sporen von 9,5-11,5 x 5-6 µm. Das scheint insgesamt besser zu deinem Fund zu passen.


    Björn

  • Hallo Thorben


    Ja, Clitopilus chrischonensis wäre ein guter Kandidat.

    Der kreideweisse, etwas samtige Hut passt gut dazu.

    Um das abzusichern, müsstest du noch Pleurozystiden suchen, Cl. chrischonensis muss nämlich welche haben.


    Hier zum Vergleich: WK-Tagung 2023


    LG Raphael

  • Hallo Raphael und Björn,


    danke für euren Tipp mit Clitopilus chrischonensis.

    Ich werde die Tage mal nach Pleurozystiden suchen, aber ich denke nicht das es diese Art ist.

    Die Sporen sind bei mir zu klein und die Sporenform ist bei C. chrischonensis eher wie C. cystidiatus.

    Bei mir sind die Sporen nicht so lang auseinandergezogen, sondern eher gequetscht.

    VG : Thorben

  • Hast du die Lamellentrama mit Brilliantkresylblau gecheckt, bzw. die Lamellentrama überhaupt gecheckt?

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Servus beinand,


    Clitopilus cystidiatus wird aktuell nicht mehr als eigenständige Art anerkannt, sondern mit Clitopilus prunulus synonymisiert, der eben auch Cystiden haben kann. Im Prinzip sind es zurzeit drei Arten:


    Clitopilus prunulus

    Clitopilus abprunulus

    Clitopilus chrischonensis


    Letzterer hat, wie Stefan schon andeutete, Hyphen mit verdickten, lichtbrechenden (metachromatischen) Zellwänden in der Lamellentrama, Pleurocystiden und ist rein weiß.

    Clitopilus abprunulus und Cl. prunulus haben keine metachromatische Zellwände in der Lamellentrama, keine Pleurocystiden und sind grau am Hut (Cl. abprunulus) oder weiß bis grau (Cl. prunulus).


    Makroskopisch geht da also nichts, man kann nur bei grauhütigen Cl. chrischonensis ausschließen (nach jetzigem Kenntnisstand, muss geprüft werden, ob der nicht doch grauhütig sein kann) und bei weißhütigen Clitopilus abprunulus.


    Clitopilus abprunulus hat breitere Zellen (bis über 20 µm dick) in der Lamellentrama als Clitopilus prunulus (unter 10 µm dick).


    Literatur dazu:

    Jian et al. (2020): Clitopilus abprunulus, a new species from North Macedonia with note sin C. ravus and pleuromutilin producing species. Mycol. Prog. 19: 805-816.

    Vizzini et al. (2011): Clitopilus chrischonensis sp. nov. (Agaricales, Entolomataceae), a striking new fungal species from Switzerland. Nova Hedwigia 92(3-4): 425-434.


    Falls es zu Clitopilus chrischonensis Neues geben sollte, wäre ich natürlich neugierig.


    Wegen der rein weißen Fruchtkörper, die Clitopilus abprunulus ausschließen und dem Fehlen von Pleurocystiden wäre ich hier auch ohne die Lamellentrama anzuschauen bei Clitopilus prunulus s.str.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo Stefan,

    Hast du die Lamellentrama mit Brilliantkresylblau gecheckt, bzw. die Lamellentrama überhaupt gecheckt?

    Die Lamellentrama hatte ich leider nicht gecheckt und versuche diese nachträglich am Beleg zu untersuchen sind gescheitert :(


    VG : Thorben

  • Hallo Christoph,


    das sind interessante Neuigkeiten, denn bisher dachte ich das Clitopilus cystidiatus eine noch eigenständige Art ist.

    Den Botanischen Garten Münster werde ich nicht mehr besuchen, aber bei zukünftigen Funden werde ich auf die Lamellentrama achten.

    Erst einmal lasse ich ihn als Clitopilus prunulus s.str. stehen.

    Vielleicht lasse ich den Fund auch irgendwann einmal sequenzieren.


    VG : Thorben

  • Clitopilus abprunulus hat breitere Zellen (bis über 20 µm dick) in der Lamellentrama als Clitopilus prunulus (unter 10 µm dick).

    Ich hatte letzthin einen abprunulus - so habe ich zumindest bestimmt. Auffällig war der exzentrische Stiel und die Sporengrößen um 8,5µ, während prunulus ja so um 10µ daherkommt. So habe ich es zumindest meiner Literatur entnommen (FTE-Schlüssel & Kibby).

    Nach meiner Auffassung lassen sich zumindest die beiden Arten leicht durch die Sporengrößen auseinanderhalten.


    Beste Grüße

    Harald