Leucopaxillus candidus ?

Es gibt 15 Antworten in diesem Thema, welches 533 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Clavaria.

  • Hallo

    Wenn auch wenig wächst, den habe ich schon an drei Stellen gefunden.

    Besondere Merkmale:

    Stinkt fürchterlich, süßlich, mehlig, spermatisch

    Immer Laubbäume in der Nähe

    Rand im Alter noch eingerollt

    Lamellen lassen sich abschieben

    Sporenpulver Weiß

    Was mich stört, irgendwie unterscheiden sich die Beschreibungen. Besonders die "Wasserflecken" werden kaum erwähnt.



  • Hallo Uwe,


    das sind schon noch verschiedene Arten. Dein Fund sieht stark nach L. giganteus aus. Dazu passt auch der beschriebene Geruch. Übrigens schmeckt der auch pervers süßlich.

    Ich hatte hin und wieder was damit kulinarisch versucht. Ist nicht ganz so schlimm wie Nebelkappe, aber auch nicht weit weg. Insofern kommt das nicht mehr in den Topf. :grotwerd:

    Begleitbäume spielen eigentlich keine Rolle - das sind Folgezersetzer. Bei uns wachsen die im Rasen unter Kiefern.


    GR Ingo

  • Hallo Uwe,

    Gültiger Name ist jetzt Aspropaxillus giganteus. Hoffentlich recht lange.

    die nächsten zwei Wochen wird der schon Bestand haben.


    VG Jörg

  • Hallo zusammen,


    zur Vermeidung von Umbenennungsfrust würde ich nicht von "gültigen Namen" sprechen, denn schließlich ist es ja nicht so, daß der Papst, der König von England oder der Obermykologe festlegt, wie die Pilze diese Woche heißen. Stattdessen sollte man lieber von den "aktuell akzeptierten Namen" sprechen, denn nichts anderes sind die Namen ja: Der Name, den der Pilz nach unserem aktuellen Wissensstand haben sollte. Und der Wissensstand entwickelt sich ja immer weiter, so daß sich auch die aktuell akzeptierten Namen immer mal ändern.


    Björn

  • "aktuell akzeptierter Name" ist aber auch an irgend eine "Autorität" gebunden ;) Man kann ja generell Mycobank als Referenz angeben ... am besten kommt es aber, wenn man mit einer aktuellen Publikation aufwarten kann ;)


    Grühühüßle

    Jürgen

  • Hallo Jürgen,


    aktuell akzeptiert bezieht sich eben auf die wissenschaftliche Community. Und natürlich gibt es auch immer wieder Fälle, wo sich die Community nicht einig ist und sich dann erst nach einiger Zeit zeigt, in welche Richtung die Reise geht.


    Von Datenbanken wie Mycobank und Index Fungorum als Referenz für akzeptierte Namen würde ich dringend abraten (siehe auch einen längeren, sehr schönen Beitrag von Christoph Hahn zu dem Thema hier im Forum). Bei diesen Datenbanken geht es nur darum zu klären, welche Namen *gültig* beschrieben wurden. Es werden dann zwar auch Synonyme und "gültige"/"akzeptierte" Namen angegeben, aber die sind im Zweifelsfall mit Vorsicht zu genießen, weil dort eben keine Gattungsspezialisten mit einbezogen werden.


    Und auch aktuelle Publikationen sollte man mit Vorsicht genießen. Das sieht man sehr schön bei inaturalist, wo einige übereifrige Leute nach jeder Publikation hergehen und Pilze umbenennen. Wenn ein Paper gerade erst erschienen ist, kann man aber im Zweifelsfall ja noch gar nicht abschätzen, ob sich die entsprechenden Änderungsvorschläge auch langfristig durchsetzen. Und gerade wenn es sich z.B. um ein Paper von asiatischen Autor:innen handelt, wo es eigentlich um Inhaltsstoffe von Pilzen der Gattung X in China geht und wo nur nebenbei dann auch noch diskutiert wird, daß man die Gattung X in 5 Gattungen aufspalten sollte, wäre ich da erstmal vorsichtig, diesem Vorschlag blind hinterherzurennen.


    Björn

  • Hallo Uwe,


    da machst du sicherlich nichts verkehrt, wenn du dich an die Namen bei PD hältst. Wobei das Schöne ja auch ist, daß es eigentlich relativ egal ist, ob du einen Pilz Boletus badius, Imleria badia oder Xerocomus badius nennst. Das sind am Ende eben alles Synonyme und es ist unmittelbar klar, was gemeint ist.


    Björn

  • Hallo Björn,


    Dir wird meine ironische Spitze nicht entgangen sein. Einen "aktuell akzeptierten Namen" mit einer dubiosen "Wissenschaftlichen Community" santkionieren zu wollen ... da ist ja Deine anhängige, übrigens sehr gute und ausführliche Einlassung zu dem Thema, ein schönes Gegenbeispiel dazu;-)

  • Hallo zusammen


    Naja für private Zwecke halte ich es für eine pragmatische Lösung, wenn man einfach immer den Namen aus Mycobank oder Index Fungorum verwendet.

    Oder eine andere Datenbank, Pilze Deutschland ist auch gut. Es kann auch ein neueres, umfangreiches Buch sein.

    Dies aber wohlwissend, dass man halt hier und da einen Irrtum aus der Datenbank übernimmt, und dass das eigentlich nicht der Sinn dieser Datenbanken ist.

    Und später alles nachführen, wenn sich die Namen ändern... das würde ich nur machen, wenn man an dem Thema Interesse hat.

    Die früheren Namen werden ja nicht falsch, und dürfen weiterhin benutzt werden.


    Nicht jeder will sich für jeden gefundenen Pilz in die (teils nicht frei zugängliche) Fachliteratur stürzen, nur um dann nach einer Stunde Recherche zu erkennen, dass auch in der Fachwelt Uneinigkeit herrscht.

    Anders ist es, wenn man seriös publizieren will - dann kommt man an der Fachliteratur nicht vorbei.

    Wenn es dort Widersprüche gibt, muss man sich halt einer Meinung anschliessen, was dann aber zu begründen ist.


    Zurück zum Thema:

    Der Status von Aspropaxillus giganteus und candidus ist noch nicht geklärt. Für keine der Arten gibt es meines Wissens einen physischen Holotypus oder Neotypus.

    Niemand weiss so genau, was Sowery im Jahr 1815 in der Hand hatte, als er seinem Pilz den Namen Agaricus giganteus gab.

    Ebenso weiss auch niemand, was auf dem Tisch von Bresadola lag, als er im Jahr 1882 Clitocybe candida beschrieb.

    Somit ist alles, was danach kommt, nur eine Meinung oder Interpretation, aber nicht sakrosankt.

    Es könnten zwei ähnliche Arten sein, oder nur eine, wir wissen es nicht.


    Bis das geklärt ist (durch Neotypisierung), kann man es handhaben wie man will:

    Man darf mit gutem Gewissen alles in einen Topf werfen, oder aber einen der beiden Namen benutzen, wenn man eine Kollektion morphologisch zuordnen kann.


    LG Raphael

  • Hallo zusammen,


    also wenn dann würde ich raten, sich an Pilze Deutschland zu halten (oder wo auch immer man gerade kartiert). Wenn es z.B. um Phytoparasiten geht, wird bei Mycobank und Index Fungorum teilweise sehr viel synonymisiert, was nicht synonymisiert werden sollte.


    Björn

  • Hallo zusammen,


    also wenn dann würde ich raten, sich an Pilze Deutschland zu halten (oder wo auch immer man gerade kartiert). Wenn es z.B. um Phytoparasiten geht, wird bei Mycobank und Index Fungorum teilweise sehr viel synonymisiert, was nicht synonymisiert werden sollte.


    Björn

    Ihr seid in Deutschland verwöhnt, mit dieser akkurat gepflegten Datenbank. Unsere Kartierungsdatenbank bekommt nur alle paar Jahr ein Update. Es ist auch niemand da, um für jeden Namen zu entscheiden, ob das nun ein Synonym sein soll oder nicht.

    Also muss man meistens mit dem Stand von vor x Jahren kartieren, und in Kauf nehmen, dass manche Synonyme definitiv falsch sind. Die Möglichkeit, Artenaggregate zu kartieren, fehlt bei uns auch. Habe ich schon mehrmals angeregt.


    Für meine private Ablage ist das keine geeignete Referenz...