Vergleich UV-Fluoreszenz mit einfachen Taschenlampen

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  • Hallo,


    da ich mittlerweile mehrere UV-Taschenlampen (Preisklasse < 10 €) besitze, wollte ich mal einen Vergleich der UV-Anregung bei 395nm (Lampen A & B und bei 365nm (Lampe C) darstellen, da es vielleicht den einen oder anderen hier interessieren könnte.

    Natürlich sind die physikalischen Lichtleistungen etc. nicht direkt vergleichbar, aber letztlich ist nur der visuelle Eindruck entscheidend.


    Das Ergebnis entspricht den Erwartungen, da die langwelligen Lichtquellen bei 395nm einen nicht unerheblichen Anteil der Lichtleistung im sichtbaren violetten Spektralbereich abstrahlen, welcher bei der Beurteilung stören kann und dessen Leistung zudem auch für Anregung fehlt.



    Beispiel 1 - Rhizocarpon geographicum, Probe mit sehr viel eingelagertem Flechtenstoff.

    Bei der Rhizocarpon ist mit allen drei UV-Lampen die orange Fluoreszenz erkennbar, bei 365nm aber brilliant und ohne Violettüberlagerung.



    Beispiel 2 - Dünner, gelber Thallus von Chaenotheca furfuracea auf Rinde:

    Das Problem wird deutlich(er), wenn man kleinere Flechtenproben mit wenig Volumen anleuchtet.

    Die nicht fluoreszierende Umgebung im Bild reflektiert das sichtbare violette Licht.

    Der violette Anteil stört erheblich und überstrahlt die schwache Fluoreszenz, sodass davon nur wenig erkennbar ist.

    Mit Anregung bei 365nm ist die gelbe Fluoreszenz noch am deutlichsten erkennbar, gleichzeitig der störende violette Anteil am geringsten.



    Beispiel 3 - Dicker, ockerfarbener Thallus von Chaenotheca ferruginea auf Rinde:

    Es ist schwer, bei dieser Probe überhaupt eine Fluoreszenz bei "Anregung" mit 395nm zu erkennen.

    Das ganze Bild erscheint mehr oder minder violett.

    Nur Anregung bei 365 nm liefert eine deutliche orange Fluoreszenz.


    Alte Karmellen, aber im Bild gegenübergestellt nicht uninteressant...

    Letzlich ist (nur) eine Lampe mit Anregung bei 365nm zu empfehlen.


    Viele Grüße, Martin



    Taschenlampen:
    Lampe A (15cm-Klasse, 3x AAA) kann von Weißlicht auf "395nm" UV umgeschaltet werden und ist deutlich größer und lichtstärker als die beiden folgenden Lampen B & C.

    Lampe B ist eine reine UV-Quelle (10cm-Klasse, 1x AA) mit Abstrahlung laut Hersteller u.a. bei 395nm.

    Lampe C ist ebenfalls eine reine UV-Quelle (10cm-Klasse, Akku) mit Spezifikation 300nm - 365nm.

  • Hallo Martin,


    vielen Dank für diese informative Gegenüberstellung der verschiedenen Lichtquellen. Magst du noch genauer sagen, um welche Taschenlampen es sich handelt (oder zumindest bei Lampe C)?


    Björn

  • Hallo Martin,


    als Taschenlampenfan habe ich auch mehrere UV-Lampen. Preisklasse allerdings > 10 Euro.


    Die Unterschiede sind teils frappierend. Das liegt zum Teil an den unterschiedlichen Chips, zum Teil an der Optik.


    Lampen von „Alonefire“ haben z. B. mittig eine fast dunkle Stelle. Bei anderen ist es genau umgekehrt. Es ist schwierig, eine Lampe mit gleichmäßiger Ausleuchtung zu finden.


    Was ich nunmehr allein nutze, ist eine „Convoy S2“; 365 nm. Diese hat eine großartige Optik und Helligkeit. Wer sich mit Taschenlampen, und eben speziellen mit UV-Lampen, beschäftigt, dem ist die S2 ein Begriff.



    Wobei ich noch ergänzen muss, das die meisten dieser Mini-UV-Lampen mit nur einer LED in den allermeisten Fällen unbrauchbar sind. Was da als UV-Lampe verkauft wird, verdient den Namen nicht.



    Viele Grüße,

    Steffen

  • So ein schöner Flyer :love:

    Ja, vom Besucherberkwerk Pöhla, „Zinn Kammern“ im Erzgebirge.

    Manche wohnen da sogar im Erzgebirge ...


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Manche wohnen da sogar im Erzgebirge ...

    Das habe ich auch schon gehört :/ muss echt schön sein da :kaffee:

    Ja, stimmt, es gibt schon tolle Ecken da. g:-)

  • Hallo Martin,


    das ist eine tolle Gegenüberstellung. Vielen Dank!


    Ich schließe mich Björns Frage an (danke, Steffen, für deinen Tipp).


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Hallo Martin und alle anderen!


    Schön, dass sich noch jemand für UV interessiert :) Ich kann vor allem die Makrofotografie von Pflanzen und Insekten für die Fotografie von UV-induzierter, sichtbarer Fluoreszenz empfehlen! Bei Pilzen lohnt sich das allerdings weit weniger.


    Ich würde dir noch einen ZWB2-Filter nahelegen, das eliminiert das restliche, sichtbare Licht recht gut. Und 365 nm ist - na klar - 395 nm weit überlegen. Das fällt schon beim Geldscheinprüfen auf.


    Also falls jemanden die UVIVF-Fotografie interessiert, da kann ich gerne Tipps zu geben. Im Grunde reicht eine Systemkamera oder DSLR auf einem Stativ. Bildausschnitt und Fokus stellt man selbstverständlich in sichtbarem Licht ein und ich empfehle außerdem auch ein Foto mit sichtbarem Licht zu machen, um einen direkten Vergleich zu haben. Langzeitbelichtung und Belichtungszeit am besten ausprobieren. Je nach Blende kann man mit einigen Sekunden anfangen und sich dann herantasten. Weißabgleich kann man hier quasi kreativ einsetzen, also wie es einem gefällt, zb bei 12000 K.


    Safety first: Sicherheitshalber kann eine Schutzbrille nicht schaden, die UV-Licht abschirmt! Wobei ich doch sehr hoffen möchte, dass ohnehin keiner in das UV-Licht der Taschenlampe guckt, die nur dunkel aussieht, aber die Augen stark schädigen kann. Aber u. U. kann es Reflektionen geben (von Metallflächen etc). In der freien Natur ist das reflektierte Licht harmlos, da dort fast alles UV absorbiert. Also, letzten Endes muss jeder für sich selbst entscheiden, ob und wie er sich schützt, ich wollte nur darauf hinweisen.


    Ich weiß nicht, ob ich schon mal ein UVIVF-Foto von mir gepostet hatte, kann ich aber gleich gerne mal machen. :)

    LG Oliver

  • Ich würde dir noch einen ZWB2-Filter nahelegen, das eliminiert das restliche, sichtbare Licht recht gut. Und 365 nm ist - na klar - 395 nm weit überlegen.

    Ja, ein Lampe mit solch einem Filter hat nur noch sehr geringen sichtbaren Anteil und wirkt zwar dunkel, aber funktioniert besser. Der Hersteller gibt in der Regel an, dass ein Filter verbaut ist und man kann es auch sehen, weil der bei Tageslicht fast schwarz ist.

    Eine Schutzbrille ist sehr sinnvoll und wenn man eine Staroperation hinter sich hat praktisch unvermeidlich. Zumindest meine künstliche Linse fluoresziert deutlich stärker als die natürliche und der Seheindruck mit einer schlechten oder gar ohne Schutzbrille ist unangenehm.

    Ich habe mehrere hochwertige Schutzbrillen ausprobiert und deutliche Unterschiede bezüglich Transmisionsspektrum gefunden, obwohl alle Polycarbonat Scheiben haben.
    Sehr gut ist die Schutzbrille Infield Ontor, klar, Überbrille, schwarz-türkis, für Brillenträger, die es bei Böttcher für unter 20 EUR gibt.

  • Hallo Mikromeister,


    bei Schutzbrillen würde ich nicht raten und schon gar nicht selbst eine Messreihe starten wollen. Schutzbrillen nach EN166 und der Schutzklasse 2C-1.2 sind ausreichend. Brillen vom Optiker verfügen in der Regel auch über einen wirksamen UV-Schutz.

    Aber so oder so sollte man keinesfalls direkt in die Taschenlampe gucken und auch nicht wild damit herumfuchteln, wenn noch andere Menschen in der Nähe sind, die vielleicht keine Schutzbrille tragen, z. B. andere Familienmitglieder. Wenn man verantwortungsvoll mit so einer Taschenlampe umgeht, passiert auch nichts. Ich weise auch nur extra darauf hin, weil man UV-Strahlung halt nicht sieht und sie hochenergetisch ist, Zellen und DNA schädigen kann.

  • Hallo,


    da direkt nach den Lampen gefragt wird, hier gerne noch ein wenig mehr dazu, auch die Bezeichnungen der Lampen.

    Alle drei Taschenlampen verfügen über verschiebbare Linsen, um die Breite des Streukegels einzustellen (Spotbeleuchtung, Weitwinkel). Hier im Bild wurde der maximale Streukegel eingestellt.

    Die eingeschalteten Lampen liegen auf einem Briefkuvert und regen das Papier zur Fluoreszens an. Lampen A & B erreichen bei weitem nicht die Intensität von Lampe C.

    Der normale Betriebsmodus von Lampe A ist allerdings Weißlicht.


    Taschenlampe A:

    "LETION LE-100D" ist umschaltbar von Weißlicht auf UV 395nm.

    Ich verwende sie meist als Lichtquelle in schräger Beleuchtung am Mikroskop (quasi von der Seite), was ein auflichtartiges Mikroskopbild erzielt. Den UV-Modus verwende ich normalerweise nicht.

    Bei Apothecienquerschnitten kommt so die Eigenfabe der Strukturen natürlicher und brillianter als im Durchlicht heraus. Das funktioniert aber nur bei hinreichend großem Objektiv-Proben-Abstand, d.h. bei dem 4x und dem 10x Objektiv.

    Hier ist zudem der Lichtfluss (pro Fläche) für den Zweck völlig ausreichend.

    Die Taschenlampe gibt es unter diesem Namen zwar nicht mehr, aber eine Taschenlampe namens MOWETOO wirkt absolut identisch (derzeit 10 €).


    Beispiele für Durchlicht / Auflicht im Vergleich (mit Lampe A):

    Gyalecta geoica


    Lathagrium cristatum


    Eine kleine, kräftige Weißlichttaschenlampe braucht man, wie ich finde unbedingt am Mikroskop.

    Für diesen Zweck bin ich mit der Lampe vollauf zufrieden.



    Taschenlampe B:

    "Eletorot UV-Taschenlampe 395 nm" (derzeit 9 €).

    Würde ich nicht wirklich empfehlen, siehe UV-Vergleichsaufnahmen oben.

    Sie vergammelt im Schubfach...



    Taschenlampe C:

    "Darkbeam A300" kostet tatsächlich 16 €, emittiert aber bei einer brauchbaren Weelelänge von 365 nm und hat die höchste Intensität, wenn ich mal den direkten (s.o.) Vergleich heranziehe.

    Die UV-Fluoreszenz ist bei Flechtenbestimmungen eine hilfreiche Kenngröße. die im Zeifel weiterhilft.

    Für diesen Zweck ist diese Taschenlampe durchaus geeignet.

    Aufgrund der abgestrhlten Wellenlänge und Intensität trägt sie als einzige natürlich einen Warnhinweis.


    Die Ausleuchtung der Lampe ist für meinen Zweck absolut homogen genug.

    Letztlich verwende ich sie im Spot-Modus, um möglichst viel UV-Strahlung in den Probenabschnitt im Gesichtsfeld unter dem Mikroskop einzukoppeln.

    Intensitätsverteilung im Weitwinkel- und Spotmodus


    Floureszenz einer Krustenflechte


    LG, Martin

  • Hallo Mikromeister,

    Eine Schutzbrille ist sehr sinnvoll und wenn man eine Staroperation hinter sich hat praktisch unvermeidlich

    Eine Schutzbrille ist nie verkehrt! Bzgl deiner Star-Linsen kann ich aber vermutlich Entwarnung geben: falls du sie in den letzten 20 Jahren in D bekommen hast, haben sie recht sicher einen UV Schutz drin. VG Ingo

  • Hallo Mikromeister,

    Eine Schutzbrille ist sehr sinnvoll und wenn man eine Staroperation hinter sich hat praktisch unvermeidlich

    Eine Schutzbrille ist nie verkehrt! Bzgl deiner Linsen kann ich aber vermutlich Entwarnung geben: falls du sie in den letzten 20 Jahren in D bekommen hast, haben sie recht sicher einen UV Schutz drin. VG Ingo

    Hallo,


    das stimmt, sorgsamer Umgang mit den UV-Lampen ist geboten. Niemals in die Augen leuchten, besonders bei Lampen mit hoher Leistung.


    Was mMn noch wichtig für UV-Lampen ist, ist, dass diese von Haus aus einen Filter besitzen, welcher nur UV-Licht durchlässt. Viele Lampen haben genau das nicht. Somit hat man dann den unvermeidbaren, sichtbaren Lichtanteil mit. Die von mir oben gezeigte „Conoy S2“ hat ein solches Filter verbaut.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Was mMn noch wichtig für UV-Lampen ist, ist, dass diese von Haus aus einen Filter besitzen, welcher nur UV-Licht durchlässt. Viele Lampen haben genau das nicht. Somit hat man dann den unvermeidbaren, sichtbaren Lichtanteil mit. Die von mir oben gezeigte „Conoy S2“ hat ein solches Filter verbaut.

    Hallo Steffen und alle,


    es hängt natürlich von der Taschenlampe ab, aber oft kann man so einen Filter auch nachrüsten. So habe ich das auch gemacht. Der ZWB2-Filter, den ich dafür verwende, war nicht teuer. Allerdings findet man inzwischen viele Taschenlampen, die bereits einen solchen Filter mitbringen, wenn man z.B. "365nm ZWB2" in die Suche eingibt.

    Aber es gibt auch andere Möglichkeiten! Da gibt es z. B. einen kanadischen Fotografen (Don Komarechka), der benutzt einen umgebauten, alten Blitz für UV-Fotos. Das ist ein netter Typ und ist vor allem durch andere Fotos bekannt, denn er hat mal einen Bildband herausgebracht mit fotografierten Schneeflocken. Ohne Mikroskop! ;)

    Falls jemand zu viel Geld hat: Interessant sind auch die Umbauten zu einer Multispektralkamera (idealerweise durch einen Fachmann!). Dann muss man zwar immer Filter verwenden, hat aber ganz andere Möglichkeiten und mitunter deutlich kürzere Verschlusszeiten. Dann kann man u.a. auch im IR-Bereich mit kurzen Belichtungszeiten Landschaftsfotos machen. Im nahen IR geht das mit langen Belichtungszeiten und passendem Filter auch so. Für reines UV muss man sich entweder eine billige Plastiklinse als Objektiv suchen oder tief in die Tasche greifen für ein spezielles UV-Objektiv. Für den Normalanwender ist das aber sicherlich nicht geeignet.

    Beste Grüße

    Oliver

  • Hallo Oliver,


    danke für die Inspiration.


    Filter nachrüsten ist manchmal nicht einfach. Denn der Durchmesser muss passen, wie befestigen usw. Alles nur Gebastel …

    Daher: Beim Kauf einfach darauf achten, dass von Haus aus ein Filter verbaut ist.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Mein Hinweis zur Star-Linse und Schutzbrille war, weil zumindest meine Linse im UV Licht fluoresziert.

    Das ist sehr unangenehm, weil man dadurch Streulicht direkt im Auge produziert und der Seheindruck unterirdisch schlecht wird. Es reicht eine physiologisch unbedenkliche Resttransmission für einen deutlichen Effekt.
    Deshalb ist hier eine sehr gute UV-Schutzbrille besonders hilfreich und man merkt einen deutlichen Unterschied im Seheindruck, selbst wenn die Modelle nominal alle die selbe Spezifikation haben.

  • Hallo MM, danke für die interessante Information. Dass die Linse selbst fluoresziert war mir nicht bekannt. Lichtstreuung kann bisweilen ein Problem sein, insbesondere bei multifokalen Linsen. In Kombination glaube ich dir, dass das unangenehm ist! Schön, dass eine Schutzbrille das Problem löst!

    Ingo