Scheidenstreifling?

Es gibt 10 Antworten in diesem Thema, welches 810 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Eddie.

  • Hallo,

    weiß jemand, welche Art das ist?

    Bei Fichte, auf Kalk, aber wohl mit saurer Oberfläche habe ich ihn gefunden.

    Geruch unauffällig, etwas pilzig - aber meine Nase ist gerade nicht wirklich funktionsfähig.

    Das Fleisch reagierte mit Guajak spät grün-blau. Mit Eisensulfat keine Reaktion.

    LG, Eddie

  • Hallo Eddie,


    Ich kenne bei Streiflingen weder FeSO4 noch Guajak als diagnostische Merkmale. Weißt Du da mehr, oder hast Du nur mal Täublings-Reagenzien ausprobiert? Wenn Guajak "spät" reagiert, reagiert es eigentlich gar nicht. Es wird irgendwann auch nur an der Luft blau. Die Reaktion hat nur eine Aussage innerhalb Sekunden bis wenigen Minuten.


    Gruß,


    Wolfgang

  • Hallo Peter und Wolfgang,


    danke, ich schwanke zwischen crocea, die ich aber hier noch nie gefunden habe, und fluva.

    Der junge Pilz hat keine Rostflecken im Inneren der Scheide, dort nur einheitlich schwach cremefarbend.

    Bilden die groben Velumreste später die Natterung von crocea?

    Laut 123-Pilze und "700 Pilze in Farbfotos" von Dähnke werden hier vers. chemische Nachweise zur Artbestimmung vorgeschlagen.

    So sollte Eisensulfat das Fleisch von fulva schokoladenbraun färben und Guajak nach 2 Min. eine Blaufärbung anzeigen, während bei crocea beide Nachweise negativ sein sollten. Bei meinem Guajaknachweis hatte ich leider nicht die Zeit gemessen.

    VG, Eddie

  • Hallo Eddie,


    fulva kenne ich viel schlanker und mit glattem Stiel, und auch eher fuchsbräunlich als safran.

    Die Ökologie ist auch verschieden: crocea meist in basischem Laubwald, fulva meist im sauren Nadelwald.


    Makrochemisch soll laut Großpilze BaWü (Band 4) fulva im Stielfleisch mit Phenol braun werden, und crocea weinrot, aber das habe ich noch nie selbst ausprobiert. Normal erkennt man fulva ja schon an den Rostflecken in der Scheide.


    Gruß,


    Wolfgang

  • Die Reaktion hat nur eine Aussage innerhalb Sekunden bis wenigen Minuten.

    Hi,


    Bei den braunen Ritterlingen habe ich folgendes beobachtet. Bei einigen Arten ist eine Blaufärbung innerhalb von 2-3 Minuten zu erkennen; bei anderen Arten erfolgt die

    Blaufärbung erst nach 20-30! min. Also Ausnahmen gibt es immer und eine "negative" Reaktion über einen so langen Zeitraum halte ich durchaus für relevant.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Moin, A. crocea hab ich hier gern und manchmal auch reichlich auf saurem Boden bei Fichte und Birke.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

  • Blaufärbung erst nach 20-30! min. Also Ausnahmen gibt es immer und eine "negative" Reaktion über einen so langen Zeitraum halte ich durchaus für relevant.

    Hi Climbingfreak,

    bei so langen Reaktionszeiten solltest Du auf jeden Fall eine Vergleichsprobe mit Papier machen. Hängt ja auch von Deinem Guajak ab, wie schnell es ohnehin oxidiert.


    "2-3 Minuten" halte ich auch für relevant, das hatte ich ja oben geschrieben.


    Gruß,


    Wolfgang

  • Laut 123-Pilze und "700 Pilze in Farbfotos" von Dähnke werden hier vers. chemische Nachweise zur Artbestimmung vorgeschlagen.

    Hallo an alle,


    ich hab' aus Neugier mal in Meixner (1975): Chemische Farbreaktionen von Pilzen und in Charbonnel (1995): Les reactifs mycologiques nachgesehen.


    "Der Meixner" war jahrzehntelang das Standardwerk, das sollte auch Frau Dähnke schon als Quelle verwendet haben.

    Charbonnel lässt eigentlich nicht weg, was mal vernünftig untersucht wurde.


    Für FeSO4 geben beide keine Reaktion mit Streiflingen an.

    A. fulva soll mit Guajak nach Meixner an Huthaut und Volva nach 2 min blau werden.

    Charbonnel schlägt zur Unterscheidung von fulva und crocea Phenol vor (siehe oben).



    123 und Dähnke sind leider beide keine zuverlässigen Quellen.


    Grüße,



    Wolfgang

  • Servus beinand,


    zunächst auch von mir: der abgebildete Pilz ist eindeutig Amanita crocea.Die Stieloberfläche schließt Arten um Amanita fulva s.l. aus. Die Phenolreaktion, mit der man Amanita crocea (s.l.) von Amanita fulva (s.l.) getrennt hat, kenne ich noch aus den 80er Jahre. Vielleicht gilt sie ja für alle beteiligten Arten nach heutigem Konzept, das weiß ich aber nicht.


    Wenn man Amanita crocea verwechselt, dann mit Amanita subnudipes (das war der Grund für den Phenoltest). Früher hatte man die "fast glattstielige crocea" nicht als eigenständig erkannt und da einen gewissen Übergang zu Amanita fulva s.l. gesehen.


    Das, was hier im Thread als typische Amanita fulva beschrieben wird (mit den Flecken an der Volva etc.) ist wohl Amanita deflexa. Die "echte" Amanita fulva soll auf (hochmontane) Bergnadelwälder beschränkt sein (und hat auch Fleckenan der Volva). Es gibt noch Amanita griseofulva, die – nomen est omen – einen graubraunen Hut hat. Deren Stiel ist wiederum zebriert. Und dann gibt es noch Amanita fulvoides, die kräftiger ist und Braunton am Hut zeigt, bei dem das Fuchsige fehlt, was für Amanita deflexa typisch ist.


    Die Zeit, nur Amanita crocea von Amanita fulva trennen zu müssen, ist lange vorbei. Früher war man wohl unsicher, weil Amanita fulva (als Aggregat) so variabel erschien, mit unterschiedlichen Huttönen und Stieloberfäche und Amanita crocea s.l. auch, was den Stiel betrifft, sehr variabel erschien. Heute geht man davon aus, dass das einige eigenständige Arten sind, die in sich weniger variabel sind. Die Hutfarbe des hier gezeigten Pilzes gibt es nur bei Amanita crocea und Amanita subnudipes. Und die Stieloberfläche schließt letztere Art völlig aus, ergo: Amanita crocea (und eben sehr typisch).


    Liebe Grüße,

    Christoph


    P.S. Guajak positiv nach mehr als wenigen Minuten ist für mich klar Guajak negativ. Eigentlich auch dann, wenn es mehr als sagen wir 30 Sekunden dauert. Es wäre zu prüfen, ob die besagten Ritterlinge, die reproduzierbar nach 2-3 Minuten positiv sind, die späte Reaktion bewirken oder ob das indirekte Effekte sind, die da eben reproduzierbar auftreten. Wenn der Fruchtkörper Phenoloxidasen enthält, was mit Guajak getestet wird, sollte die Reaktion in spätestens 30 Sekunden, eher früher, erfolgen. Baktierien und auch freie Radikale können Guajak auch spalten. Der Vergleich auf Papier ist eine gute Idee, der oben genannt wurde. Guajak oxidiert an der Luft von allein, es dauert nur...