schrecklich schöner Frühling

Es gibt 17 Antworten in diesem Thema, welches 1.041 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Maronisto.

  • Juchu juchu der Frühling ist da.

    Und man kämpft sich nicht mehr durch das Buchendickicht auf der Suche nach abgestorbenen Bäumen und Austern etc, sonder schlendert die Waldwege lang.

    Es grünt und man geniesst die Natur und die Sonnenstrahlen.

    Warum "schrecklich" fragt ihr? Weil ich immer im Frühling bange, ob der Wald noch so ist, wie er es noch im Herbst war.


    Bei uns sind immer viele Forstfahrzeuge zugange und ich glaube die haben irgendwo einen Spitzel, dessen Hauptaufgabe es ist, meine Lieblingsstellen herauszufinden und dort ... ihr ahnt es sicher, wird dann Kahlschlag betrieben oder zumindest der Harvester rein geschickt, auf dass nichts mehr ist wie vorher.


    Ich hab einen wunderschönen Weg. Leicht abschüssig, links kleine Eichen, rechts wunderschöne Birken, dann ein herrlich bemoostest Kiefernstück. Der Weg selbst ist nicht breit, läuft sich angenehm und schlängelt sich durch dieses Idyll in denen zahlreiche Arten gerade am Wegrand wachsen und das Pilzherz erfreuen und nun ... ich schreibe den Artikel, weil ich eben von weitem gesehen habe, dass da die Forst rein ist. Zumindest der Weganfang ist aufgerissen, auf das Doppelte verbreitert und mit groben Schotter belegt worden. Und selbst der Schotter hat Spurrrillen vom schweren Gerät, was da rein ist ...


    Und nun ... ich trau mich gar nicht hin. Könnt echt heulen.

    Etwaige Bestimmungen meinerseits sind mit keiner "Verzehrfreigabe" verbunden. Bitte sucht hierfür einen Sachverständigen auf, der sich die Pilze vor Ort genau ansehen und sie hinsichtlich Verzehr viel besser bestimmen bzw. ihren Zustand bewerten kann.


    100-10(APR2024)+3(APR2024)=93

  • Hallo,


    tja, was sind die Alternativen zu einer Rodung ohne Maschinen? Richtig, es gibt keine.


    Wer sollte das denn auch händisch machen? Wie viele Waldarbeiter müsste es geben? Wie will man ohne den Einsatz von großen Maschinen der Menge an Totholz Herr werden?

    Es hat doch nicht einmal genügend Leute, um Bäume zu pflanzen.

    Das machen hier teils Arbeiter aus Rumänien. Die wohnen in kleinen Wohnwagen am Waldrand und setzen vom Hell- bis zum Dunkelwerden Bäume. Und jetzt stelle ich mir vor, wie das ist, Hunderte Bäume am Tag zu pflanzen …


    Hier bei mir hat es mich auch einige „schöne Pilzstellen“ gekostet. Aber bereits 2 Jahre später sieht das damalige Chaos nach dem Einsatz der Erntemaschinen, was mir viel Kopfschmerzen verursachte, ganz anders aus. Die Natur repariert das schneller, als ich dachte.


    Dafür kommen auf den Rodungsstellen eben andere Pilze.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • Ich weiss Steffen, ich weiss ja.

    Statts einen Gänseblümchenweg gibt es dann halt einen breiten Schotterweg. Als Pilzsammler in der sauren Dübener Heide die einzige Chance auch mal was basisches zu finden ;)

    Hatte aber trotzdem einen Kloß im Hals. Ich hoffe sie gehen da halbwegs "sauber" rein und machen nicht zuviel Colateralschäden.

    Etwaige Bestimmungen meinerseits sind mit keiner "Verzehrfreigabe" verbunden. Bitte sucht hierfür einen Sachverständigen auf, der sich die Pilze vor Ort genau ansehen und sie hinsichtlich Verzehr viel besser bestimmen bzw. ihren Zustand bewerten kann.


    100-10(APR2024)+3(APR2024)=93

  • Hallo in die Runde,


    Navajoa ich denke das täuscht, an der Oberfläche kann es schnell wieder grün aussehen, aber die Bodenfunktion bleibt leider oft lange gestört. Genau genommen dauert eine Erholung Jahrzehnte, nicht 2–3 Jahre. Die Schäden passieren vor allem im Boden, nicht sichtbar an der Oberfläche und die Verdichtungen gehen bis 60 cm tief. Und der Schaden betrifft dann nicht nur die Bodenrinnen, sondern auch die Umgebung von bis zu 30 Metern und indirekt das ganze Ökosystem vor Ort.


    Für Pilze bedeutet das: Es verschwindet nicht nur „die Spur“, sondern das gesamte ökologische Umfeld verändert sich – und damit oft auch die Pilzgemeinschaft, selbst dort, wo der Boden scheinbar unberührt aussieht. Hinzu kommt, das besonders Waldwege besonders artenreiche Standorte sind, weil sie Übergangszonen für verschiedene Habitate darstellen.


    Die Bodenporen unter den Fahrrillen werden zerstört und deswegen gibt es nicht genügend Sauerstoff und Wasserbewegung. Die Folgen sind dann eine schlechtere Durchwurzellung und drastisch weniger Bodenleben. Also weniger Myzel, vor allem weniger Mykorrhriza und weniger andere Mikroorganismen. Das Bodenmilieu verschiebt sich langfristig. Empfindliche Pilzarten verschwinden dann aus dem Gebiet und damit verschiebt sich das gesamte Artenspektrum des Gebietes.

    Es wird nicht nur punktuell an den Fahrrinnen das Bodenleben zerstört, sondern das ganze Milieu der Umgebung wird gestört. Die Oberflächen-Wasserbewegung des Gebietes wird abgeschnitten. Wenn Rodung dazu kommt, dass gibt es ja auch eine starke Belichtung und Wasserverdunstung dazu. Dh. Gebiete werden ansich trockener, aber es bilden sich Wasserlachen neben und in den Spurrinnen, die messbar ökologische Folgen haben. Alleine der Wurzelstress der Pflanzen hat folgen. Die Verdichtung ist bis 10-20 Jahre klar messbar und 30-50 Jahre später gibt es immer noch feststellbare Unterschiede zu unbefahrenen Flächen. Teilweise gibt es keine vollständige Regeneration. Bei so einem Schotterweg wird Oberboden komplett zerstört. Da werden Belüftungswege, Wassernetze und Myzelnetzwerke dauerhaft getrennt. Das ist sehr schade.


    Es gibt schon mit Studien belegte Alternativen für die konventionelle Waldbewirtschaftung:

    - ein sehr wichtiger Punkt ist die Befahrung der Böden bei Trockenheit. Dürren sind sehr gut geeignet dafür. Die Schäden bei trockenen Böden fallen sehr viel geringer aus. Das Frühjahr ist also oft an kein geeigneter Zeitpunkt, außer der Boden ist tief gefroren.

    - das Anlegen von Rückegassen ist zumindest für die Streifen ohne Befahrung schonender. Ich denke, dass der Schotterweg so eine Rückegasse sein könnte. Das Ökosystem Wald, wird dadurch zwar in Streifen geschnitten, was auch unschöne Konsequenzen hat, aber wenigstens werden dadurch größere Stellen geschont, weil die Maschinen nicht überall reinfahren.

    - leichtere Maschinen und seltener befahren reduziert das Risiko jahrzehntelanger Schäden (aber nur bei Trockenheit! Oder Bodenfrost)


    - das Befahren mit breiteren Reifen (Niederdrucksystem) oder Reissigmatten ist keine wirkliche Lösung- sie lösen das Problem der Unterbodenverdichtung nicht. Für den Oberflächenbewuchs macht das sichtbare Effekte und es gibt weniger sichtbare Spurrillen. Der Druck verteilt sich erstmal breiter. Aber leider entsteht durch breitere Fläche ein breiterer Kegel an Bodendruck, der dann teilweise sogar tiefer geht. Dh. breitere Reifen bedeuten größeres Schadenvolumen im Boden.


    Ich finde Finde Verantwortliche sollte genauer aufgeklärt werden. Selbst unter konventioneller Bewirtschaftung, können schon bessere Entscheidungen getroffen werden.


    Liebe Grüße

    Ria

  • Hallo Ria,


    ich schrieb nicht, dass die Erholung 2-3 dauert, sondern dass es nach dieser Zeit bei mir ganz anders aussieht.


    Rückegassen müssen sein, geht nicht ohne. Waldwege zu befestigen, wenn das Holz später abtransportiert werden soll, ist vollkommen normal und üblich. Geht auch nicht anders.


    Arbeiten nur durchzuführen, wenn aus ökl. Sicht alles optimal ist, ist mMn schlichtweg utopisch. Die vorhandenen Leute und die Technik müssen genutzt werden.


    Man muss unterscheiden, was realistisch, mit vorhandenem Personal, Technik und Zeit, auch mit den vorhandenen finanziellen Mitteln, machbar ist, und den Wünschen von Ökologen und Ergebnissen von Studien.


    Damit beende ich das Thema.


    Liebe Grüße,

    Steffen

  • Hallo

    So ist das im Nutzwald. Die vorhandenen Pilze sind erstmal (teilweise) weg. Aber so wie Steffen schreibt, ändert sich das schnell. Andere Arten sind plötzlich da. Ich schaue auch bei solchen Wäldern. Man entdeckt dann sogar Arten, die man nicht kennt. Wo nach Holzeinschlag etwas Holz liegen bleiben darf, wird es noch interessanter.

  • Ich finde die Auseinandersetzung mit dem Thema kann ruhig mehr Raum bekommen, weil es ein recht komplexes Thema ist.


    Und ich ich hoffe, dass Lösungen gefunden werden unsere Wälder nachhaltiger zu bewirtschaften. Ich bin unzufrieden damit.

    Ich finde es gibt bereits gute Ansätze. Es gibt Lösungen, die die verschiedene Bedürfnisse/ Spannungen unter einen Hut bringen. Das Problem ist nicht die Nutzung an sich, sondern das Management.

    Außerdem, dass das Wissen so langsam in die Ausbildung und Praxis der Forstwirtschaft plätschert.


    Natürlich müssen auch finanzielle Ressourcen beachtet werden. Aber Geld gibt es genug, es werden nur andere Dinge priorisiert. Genau da braucht es einen Paradigmenwechsel darüber was wichtig ist und was nicht.

  • Zitat

    Naja, erstens sind es keine Wälder, sondern Monokulturen. Und zweitens steht das Wort „bewirtschaften“ in vollem Gegensatz zu gesunden Wäldern….

    Hallo Uwe, ich bevorzuge ja den Begriff "Plantage", denn manchmal wird ja auch gemischt geplanzt und mit dem Alter finden sich schon andere Arten an, die aus der Monokultur eine Multikultur machen.


    Bewirtschaften und Wald kann schon zusammengehen. So wie andere Arten Wald nutzen - Biber fällen Bäume, Hirsche entrinden welche ... kann der Mensch, der unter anderem ja auch eine biologische Art ist (auch wenn das derweil in Vergessenheit geraten ist), den Wald auch nutzen (Holz, Beeren, Pilze, Kräuter). Und macht das seit Jahrtausenden. In unseren Breiten seit es nach der letzten Vergletscherung wieder Wald gibt. Dass Bewirtschaftung auch in geringerem Maße sich auf die Artenkomposition auswirkt, klar. Für manche Arten positiv, für andere negativ. So wie auf Wiesen, Magerwiesen - die es ohne Bewirtschaftung gar nicht geben würde.


    LG, Bernd

  • Hallo zusammen,


    betrachtet für Nord- und Mitteldeutschland würde für lange Zeit unbewirtschaftete Gebiete (also "Urwald") bedeuten, dass es einen an Baumarten eher armen, Rotbuchen dominierten Wald gäbe, der mit dichtem Kronendach wenig Licht auf den Waldboden durchlässt. Die Diversität sowohl an Bäumen, als auch an Unterholz und krautigen Pflanzen wäre eher gering und nur in Lichtungen bei umgestürzten Bäumen zu finden. Bei liegendem Totholz würde sich eine größere Artenvielfalt an Insekten und Pilzen finden, die allerdings sehr spezialisiert wäre. Für die Artenvielfalt wäre eine Mischung von unbewirtschafteten und bewirtschafteten Flächen am günstigsten. Ähnlich sieht es für die CO2 Bilanz aus. Dicke, alte Bäume speichern zwar primär mehr CO2, als jüngere Bäume, allerdings ist die regelmäßige Entnahme von Bauholz hier noch günstiger, weil weniger CO2 durch die Verrottung in den Kreislauf zurückgelangt. Es gibt also keine einfache Antwort auf die Frage, was jetzt ökologisch sinnvoller ist. Klar ist aber: Forstwirtschaft, die möglichst wenig Zerstörung v.a. in den Bodenstrukturen mitbringt, die Diversität bei der Bepflanzung mitbringt, die Umweltfaktoren, wie Feuchtigkeitshaushalt, Böden, Klima berücksichtigt sind aus ökologischer Sicht sinnvoller, als Fichtenplantagen im Flachland. Und: ein Umgang mit Flächenressourcen, der langfristig den Interessen und Bedürfnisse der möglichen Nutzenden widerspricht (z.B. Wald als Erholungsfläche) würde ich auch nicht als nachhaltig bezeichnen.


    LG Michael

    Schipse (Historie im Profil): 114+11(Platz 1 APR)+6(5.bester Phäle)+3(bester Phalschphal)+2(Teamphal)+3Kultur=139


    Warnhinweis

  • Hallo Bernd,

    den Begriff Plantage kann ich teilen.

    Natürlich hat der Mensch den Wald schon immer genutzt. Aber mit der Natur, heute geht es gegen die Natur. Natürlich gibt es auch andere Lebewesen die den Wald nutzen. Aber sie schaffen neue Lebensräume. Das macht der Mensch nicht. Und ja, Der Forst modelliert den Wald mit 6 neuen, klimaresistenten Arten. Diese Arten sind allerdings keine einheimischen, sondern importierte Arten wie die Douglasie. Diese Arten sind aber für die heimische Natur nutzlos weil unbekannt. Insekten und auch Vögel (Spechte) meiden sie. Allein das Wort „kreieren“ oder modelieren sagt schon alles…

  • Die Natur repariert das schneller, als ich dachte

    Ja, das muss ich auch zugeben. Letztes Jahr hat die Forstwirtschaft im März/April am Bornaer Lerchenberg gewütet,...und vor einem Monat herrschte dort wieder das von mir geliebte naturnahe Chaos, die menschlichen Spuren waren weitgehend untergegangen.

  • Hallo zusammen,


    betrachtet für Nord- und Mitteldeutschland würde für lange Zeit unbewirtschaftete Gebiete (also "Urwald") bedeuten, dass es einen an Baumarten eher armen, Rotbuchen dominierten Wald gäbe, der mit dichtem Kronendach wenig Licht auf den Waldboden durchlässt. Die Diversität sowohl an Bäumen, als auch an Unterholz und krautigen Pflanzen wäre eher gering und nur in Lichtungen bei umgestürzten Bäumen zu finden. Bei liegendem Totholz würde sich eine größere Artenvielfalt an Insekten und Pilzen finden, die allerdings sehr spezialisiert wäre. Für die Artenvielfalt wäre eine Mischung von unbewirtschafteten und bewirtschafteten Flächen am günstigsten. Ähnlich sieht es für die CO2 Bilanz aus. Dicke, alte Bäume speichern zwar primär mehr CO2, als jüngere Bäume, allerdings ist die regelmäßige Entnahme von Bauholz hier noch günstiger, weil weniger CO2 durch die Verrottung in den Kreislauf zurückgelangt. Es gibt also keine einfache Antwort auf die Frage, was jetzt ökologisch sinnvoller ist. Klar ist aber: Forstwirtschaft, die möglichst wenig Zerstörung v.a. in den Bodenstrukturen mitbringt, die Diversität bei der Bepflanzung mitbringt, die Umweltfaktoren, wie Feuchtigkeitshaushalt, Böden, Klima berücksichtigt sind aus ökologischer Sicht sinnvoller, als Fichtenplantagen im Flachland. Und: ein Umgang mit Flächenressourcen, der langfristig den Interessen und Bedürfnisse der möglichen Nutzenden widerspricht (z.B. Wald als Erholungsfläche) würde ich auch nicht als nachhaltig bezeichnen.


    LG Michael

    Hallo Michael,

    einzelne Entnahmen von Bäumen wäre natürlich sinnvoll, um die großen Pflanzenfresser zu ersetzen. Aber Kahlschlag mit danach folgender Modelierung mit sechs Baumarten ist wieder rein forstwirtschaftlich gedacht. Ein Urwald mit einzelnen Lichtinseln durch Entnahme einzelner Baumindividuen wäre sinnvoll. Die Aufforstung mit nicht autochthonen Baumarten ist meiner Meinung nach nicht die richtige Lösung.

  • Ein Urwald mit einzelnen Lichtinseln durch Entnahme einzelner Baumindividuen wäre sinnvoll.

    Hej Uwe,


    das würde ja, wenn es konsequent und wiederholt erfolgt, die zwischenzeitliche Besiedlung von Pionierbäumen bedingen und damit der Diversität dienlich sein. Solche Ansätze ließen sich auch mit forstwirtschaftlichen Interessen vereinbaren. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass sich Interessen des Umweltschutzes nur realisieren lassen, wenn auch andere, z.B. wirtschaftliche oder Ansprüche an die Erholungsqualitäten des Waldes, berücksichtigt werden.


    LG Michael

    Schipse (Historie im Profil): 114+11(Platz 1 APR)+6(5.bester Phäle)+3(bester Phalschphal)+2(Teamphal)+3Kultur=139


    Warnhinweis

  • Hi Michael,

    das wird leider in der Tat so sein. Schade, dass sich der Mensch über die Natur stellt. So wird das nichts mit dem Umweltschutz. Gerade heute, wo selbst FFH-Gebiete nicht mehr safe sind und Naturwaldinseln erst recht nicht. Gerade jetzt durch den großflächigen Schwund der Monokulturen wärest viel möglich…