Beiträge von Vitus Schäfftlein

    Hallo zusammen,


    ich bin jetzt dazu gekommen, noch einmal Kollektionen von Pleuro- und Cheilozystiden zu erstellen. Zunächst die Pleurozystiden:



    Nun die Cheilozystiden:



    Zu Protokoll möchte ich auch geben, dass drei der Cheilozystiden im Präparat braungelblich waren:



    Da es aber auf der einen Seite nur ein Bruchteil der untersuchten Zystiden ist und auf der anderen Seite die für den Schlüssel ausschlaggebenden Pleurozystiden alle unverfärbt waren, halte ich dieses Merkmal nicht für diagnostisch.


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo Stefan,


    danke dir für deine Antwort! Meinst du mit "Du solltest noch ein paar Zystiden zeigen" spezifisch Pleurozystiden? Ich kann gerne noch eine Kollektion erstellen. Die Zystidenform, die du beschreibst, wird auch im Paper aufgegriffen und als "often ventricose and extending upwards into a defined neck" beschrieben (S. 219). Darüber war ich auch gestolpert, aber da ich keine Vergleichswerte habe und einige der gezeichneten Zystiden zu meinen passten, habe ich mir darüber keine großen Gedanken gemacht. Jetzt weiß ich aber, dass es wichtig ist, darauf zu achten!


    Den Schlüssel zu FoTE besitze ich leider nicht. Mit Funga Nordica komme ich zunächst wie folgt zur Sektion Marginatae:


    1. Pleurocystidia almost always present -> 3
    2. Sp ± nodulose to angular or spiny -> 4
    3. Cortina absent; stem pruinose all over or at least descending to the middle part, with or without a marginate bulb -> 5
    4. Sp angular-nodulose -> 6
    5. Stem with a bulb at the base, generally marginate -> sect. Marginatae

    Im darauf folgenden Schüssel zur Sektion bin ich wie folgt vorgegangen:

    1. Cap ± yellow or brown -> 5
    2. Not reddening -> 6
    3. Stem white, ochraceous or sometimes with a brown tinge -> 14
    4. Cap finely fibrillose-rimose, sometimes breaking up in large scales -> 15
    5. Sp on av > 10 μm long -> 16
    6. Sp distinctly and often very prominently nodulose -> 18
    7. Cap predominantly yellow to yellowish brown; sp with very distinct nodules -> 20
    8. Sp with prominent, subacute nodules -> 21

    Hier wird zwischen zwei Arten unterschieden, wobei I. salicis-herbaceae ausscheidet, da in der Nähe keine Weide und auch keine Silberwurz war. Mit dem Schlüssel von Funga Nordica würde man folglich bei Inocybe praetervisa landen. Mit Sporen von 9–12 × 7–10 µm kämen wir hier näher an meine Messung von 12,5 × 9,5 µm, lägen aber immer noch etwas zu hoch.


    Was mich an Inocybe praetervisa (sowie an Inocybe xanthomelas) zweifeln lässt, ist die Beschreibung "hymenial cystidia [...] yellowish in KOH". Denn ja, ich habe in KOH mikroskopiert, und die Zystiden haben sich eben nicht gelblich verfärbt.


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo zusammen,


    bei der vorgestrigen Exkursion mit den Pilzfreunden Kreuztal habe ich meinen ersten Risspilz aus einem bodensauren Laubwald mit eingestreuten Fichten mitgenommen; der Fruchtkörper wuchs einzeln. Anhand der fehlenden Cortina, dem ganz bereiften Stiel und der ± gerandet-knolligen Stielbasis habe ich bereits im Feld Inocybe mixtilis s.l. vermutet. Hier ein paar Makrofotos:







    Spätestens bei den nodulosen Sporen war ich mir sicher, dass ich mich in der richtigen Artengruppe bewege:



    Gestolpert bin ich direkt über ihre auffällige Größe:


    Sporenmaße: 12,5 ± 0,6 µm × 9,5 ± 0,5 µm, Q̄ = 1,3 ± 0,1

    Reichweite: 11,2–13,3 µm × 8,5–10,7 µm, Q = 1,2–1,5

    n = 24


    Aus dem Hymenium ragen prominent Pleurozystiden heraus:



    Hier noch eine Kollektion:



    Die Cheilozystiden sehen ähnlich aus, haben einen zumindest etwas betonteren Hals:



    Im Hymenium stehen dicht gedrängt relativ dicke Basidien:



    Hier eine Kollektion aus einem Quetschpräparat (sowohl zwei- als auch viersporige Basidien vorhanden):


    Anhand dieser Daten habe ich mich bemüht, den Fund auf Artebene zu bestimmen und dabei dieses Paper zu Rate gezogen. Mit dem dortigen Schlüssel auf Seite 234 landet man mit einem Q-Wert von 1,3 sowie den auffällig erhabenen Höckern bei Punkt 4, womit nur noch Inocybe mixtilis s. str., I. ceskae und I. occulta übrigbleiben. Glaubt man dem Schlüssel, fallen aufgrund des zu niedrigen Q-Werts meines Funds auch direkt I. ceskae und I. occulta raus. Das ist auch mit Rücksicht auf andere Merkmale schlüssig, da die Zystiden fast alle deutlich größer als 50 µm sind, womit I. ceskae unplausibel wird, und die Hutoberseite nicht dunkel war, womit I. occulta aus dem Spiel ist.


    An sich bliebe damit nur noch Inocybe mixtilis s. str. – und viele Merkmale passen wunderbar: auf saurem Boden, Hut mit deutlichen Gelbtönen, leichter Violettstich in den Lamellen, volva-artiger Knollenrand, Q-Wert von 1,3 und deutlich nodulose Sporen. Das, was mich aber abschreckt, dem Kind einen Namen zu geben, sind zwei Dinge:


    1. die gesichert übermäßig langen und breiten Sporen, die den Rahmen für alle Arten dieser Gruppe sprengen (Ich habe noch einmal mit dem Objektmikrometer sichergestellt, dass ich mit dem richtigen Pixel/µm-Wert rechne und die Sporen ein zweites Mal mit fast identischem Ergebnis ausgemessen)
    2. der folgende Satz aus dem Paper (S. 234): "Thus, I. mixtilis, I. ceskae and I. occulta, distinct species according to our phylogenetic analyses (Fig. 1), cannot always be reliably identified through morphological species recognition and we consider them ‘semicryptic’ species."

    Da das der erste Risspilz ist, den ich unter dem scharfen Glas habe, möchte ich nicht der Illusion unterliegen, entscheiden zu können, ob bei meinem Fund eine zuverlässige morphologische Bestimmung möglich ist. Was denkt ihr dazu? Ditte Kannst du mir als Co-Autorin des Papers helfen?


    Ich freue mich auf eure Antworten!


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Lieber Armin, lieber Frank,


    danke für eure Antworten! Endlich komme ich nun auch dazu, darauf zu reagieren.


    "deine dichten Basidien", habe ich nicht mehr parat.


    Alles gut, kein Problem. Ich habe in besagter Studie von 2015 noch einmal geschaut, dort steht "cystidia densely arranged" (S. 10), was zu meiner Beobachtung passen würde. Basierend auf der Studie habe ich eine Gegenüberstellung der drei Arten aus Phanerochaete sordida agg. erstellt, von der ich hoffe, dass sie zukünftig auch anderen bei der Bestimmung hilft:


    Merkmal Phanerochaete sordida s. str. Phanerochaete livescens Phanerochaete cumulodentata
    Substrat Nadelholz Laubholz Laubholz
    Hymenium glatt; bisweilen mit rötlichem Ton im Alter glatt tuberkulat bis raduloid
    Zystidenform schmal röhrenförmig bis schmal lageniform möhrenförmig bis lageniform schmal keulenförmig
    Zystiden-Spitze stumpf/gerundet zugespitzt stumpf/gerundet
    Zystidenwand zur Spitze hin ausdünnend gleichmäßig verdickt (bis 3 µm); jung dünnwandig dünnwandig bis basal leicht verdickt
    Inkrustierung (Zystiden) höchstens spärlich (Kristalle oder Harz) dicht, bis 1/3 der Zystide bedeckt fehlend
    Zystiden Breite (µm) 4,7–8,3; Ø 6,0 6,0–11,3; Ø 7,9 4,4–6,2; Ø 5,4
    Sporenlänge (µm) 5,1–7,3; Ø 6,05 5,8–7,7; Ø 6,30 4,6–6,3; Ø 5,44
    Sporenbreite (µm) 2,8–3,4; Ø 3,09 (≥ 3 µm) 2,4–3,1; Ø 2,74 (< 3 µm) 2,2–2,9; Ø 2,55 (< 3 µm)
    Sporen Q̄ 1,87–2,24; Ø 1,95 2,13–2,42; Ø 2,30 1,92–2,24; Ø 2,14

    Die Sporen zu P. sordida werden in CfoE Bd2 mit einem "slight bend near apiculus" beschrieben, was bei einigen deiner Sporen so ähnlich aussieht.


    Hier habe ich auch noch einmal recherchiert: In der Studie findet man für Phanerochaete livescens "ventral side flat or a little concave; longest spores slightly sigmoid", für Phanerochaete sordida "some spores slightly arcuate near apiculus, ventral side flat, rarely slightly concave" (S. 12). Der Unterschied in der Sporenform scheint mir also zum einen zu sein, dass die Bauchseite bei Phanerochaete livescens manchmal etwas nach innen gewölbt ist, während das bei Phanerochaete sordida nicht der Fall ist. Die Wölbung kann man bei einigen meiner Sporen auch gut erkennen. Zum anderen soll Phanerochaete sordida nahe dem Apiculus eine leichte bogenförmige Krümmung haben, Phanerochaete livescens aber nicht. Was genau damit gemeint ist, erschließt sich mir nicht recht, daher kann ich das nicht beurteilen. Da alle anderen obigen Merkmale zu Phanerochaete livescens passen, bin ich mir nun ausreichend sicher, dem Kind einen Namen zu geben.


    Phanerochaete livescens wurde ja erst 2015 neu beschrieben und von Ph. sordida abgetrennt. Die Art ist nicht selten und wird in den nächsten Jahren sicher oft kartiert werden. Im Aggregat Ph. sordida verbergen sich viele Funde dieser Art, was sich aber ohne Exsikkate nicht nachvollziehen lässt.

    So etwas hatte ich schon vermutet. In der Studie steht auch "P. livescens is widely distributed in nemoral and hemiboreal zones of Eurasia, inhabiting various angiosperm hosts". Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass in den letzten 11 Jahren nur wenige, die corticioide Pilze kartieren, diese Studie gelesen haben (oder zumindest bereit sind, sie bei der Bestimmung zu berücksichtigen). Ich schätze aber, das ist bei anderen Pilzgruppen nicht viel anders. Auf jeden Fall sind das sehr spannende Einblicke!


    Herzliche Grüße,

    Vitus


    Literatur:

    Larsson, K.-H., Hjortstam, K., & Ryvarden, L. (1979). The corticiaceae of north europe 5: Mycoaciella – phanerochaete. Fungiflora.

    Volobuev, S., Okun, M., Ordynets, A., & Spirin, V. (2015). The phanerochaete sordida group (polyporales, basidiomycota) in temperate eurasia, with a note on phanerochaete pallida. Mycological Progress, 14(10), 80. https://doi.org/10.1007/s11557-015-1097-0

    Hallo zusammen,


    ich bin mir recht sicher, dass auch ich Phanerochaete livescens auf Acer gefunden habe; lediglich die Kristalle an den Subiculum-Hyphen fehlen mir. Anbei ein paar Bilder mit der Bitte um Einschätzung.









    Auffällig fand ich die enorme Dichte der Basidien, die ich nur mit brachialer Gewalt einigermaßen auseinanderkriegen konnte. Argross Erinnerst du dich auch daran? Tomentella Weißt du, ob diese Art selten oder einfach chronisch unterkartiert ist? In NRW ist sie bisher nur fünfmal in pilze-deutschland gelistet, dabei ist die Gruppe um Phanerochaete sordida doch so häufig.


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo Christoph,


    vielen Dank für deine ausführlichen Erläuterungen! Dass Stephanozystiden Nematodenfangzellen sind, hatte ich schon gelesen, der Bogen zu ihrem Vorhandensein im Substrat/Subiculum fehlte mir aber. Ich habe nun zusammen mit einem Pilzfreund noch drei weitere Präparate erst ungefärbt und dann gefärbt durchgesehen und weder im Subiculum noch im Substrat eindeutige Stephanozystiden gefunden. Zwar fanden wir einige überraschungseiförmige Zellen, aber immer fehlte der namensgebende Kranz. Gerade im Eichenholz fiel mir die Unterscheidung schwer, was nun Holz und was Zystide sein könnte; ausschließen will ich deshalb nicht, dass Stephanozystiden vorhanden sind. Mein Fund war allerdings auch ziemlich jung. Da er auf der Morgenrunde liegt, könnte ich die Tage noch einmal ein Stück mitnehmen – vielleicht habe ich dann ja mehr Glück mit den Stephanozystiden!


    Danke dir auch für die taxonomischen Hinweise! Dass Peniophorella zu den Hymenochaetales gehört, war mir unklar. Was die in Hut und Stiel gegliederten Pilze betrifft, bin ich taxonomisch mittlerweile relativ fit, bei den corticioiden Pilzen darf ich noch viel dazulernen. Dass die Art ein Komplex ist, haben Larsson und Ryvarden ja schon vermutet; dass mittlerweile Arten abgetrennt wurden, ist interessant! Mit meinem Wissensstand diesbezüglich gebe ich ich mich aber gerne mit dem Komplex zufrieden. In pilze-deutschland ist im Übrigen ein einziger Fund von der subpraetermissa verzeichnet. Ist das ein Fehler, wenn die Art aus Taiwan kommt, oder kommt sie nun auch hier vor? Das wäre ja interessant zu wissen.


    Was die Färbung betrifft: Den Tipp in Wasser zu mikroskopieren hattest du mir ja schon einmal gegeben und ich habe ihn eine Zeit lang versucht zu beherzigen. Mit einem alten Leitz Dialux 20 mit Halogenlampe fiel es mir aber sehr schwer, die Strukturen auseinanderzuhalten, weil der Kontrast zwischen den Zellwänden (zumindest für mich) einfach zu klein war. Deshalb habe ich mir angewöhnt, die Präparate einzufärben, auszuwaschen und dann zu mikroskopieren. Dass ich bei den Gloeozystiden mit diesem Vorgehen Schiffbruch erlitten habe, zeigt mir aber, dass zumindest der erste Schnitt in Wasser sein sollte. Bald rüste ich von Halogen auf LED um und hoffe, dass mir die Kontraste dann in Wasser deutlich werden.


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Lieber Frank,


    danke dir für deine fixe Antwort und die wichtigen Infos! Bei Hyphoderma s. l. war ich auch bereits gelandet. Ich habe nun noch mehrere Präparate (insgesamt sieben) des Funds mikroskopiert und dabei die folgenden Dinge festgestellt:
    1. Der Fruchtkörper scheint insgesamt sehr dicht zu sein. Auch bei einem dünnen Querschnitt erscheinen Hymenium und Subhymenium gedrängt zu sein (Bild nach leichtem Quetschen, da vorher nichts sichtbar war):

    1. Neben den bereits oben gezeigten normalen Zystiden, die an beiden Enden dünner werden, habe ich noch kopfige Zystiden gefunden:

    1. Ich habe zudem auch noch Zystiden anzubieten, bei denen eine merkwürdige Masse ausläuft:


    Ich vermute, dass es sich hier um Gloeozystiden handeln könnte. Sie sind zwar SV-, allerdings fassen Larsson & Ryvarden, 1975, p. 27 diese Zystiden auch als Gloeozystiden auf und nennen dann SV+-Gloeozystiden „true gloeocystidia“.


    Folgt man dem Hyphoderma-Schlüssel der Autoren auf S. 449, gelangt man hier zu Hyphoderma praetermissum, heute Peniophorella praetermissa. Die Sporenmaße sowie die vielen Öltröpfchen passen perfekt – auch die Basidiengrößen. Das Einzige, was fehlt, sind die Stephanozystiden, allerdings schreiben die Autoren auf Seite 505:

    Zitat

    Stephanocysts […] very variable in number and must sometimes be looked for carefully before they are found, in many slides they are not found at all while in others they are numerous and easily found.

    Zudem zeigen sie auch eine Zeichnung von einem Fund ohne Stephanozystiden, aber mit amorpher Masse an den Zystiden, was mit meinem Fund vereinbar wäre. Denkst du, das könnte passen, Frank?


    Was die einsporigen Basidien betrifft: Ich habe hier noch ein gestacktes Bild, aus dem ersichtlich wird, dass das Gebilde, aus dem die einzelne Spore entspringt, tatsächlich genau so wie eine Basidie gebildet wird:



    Sehen so einsporige Basidien aus?


    Herzliche Grüße,

    Vitus


    Literatur:

    Larsson, K.-H., & Ryvarden, L. (1975). The Corticiaceae of North Europe 3: Coronicium – Hyphoderma. Fungiflora.

    Hallo zusammen,


    am 04.05. dieses Jahres fand ich auf Eichenrinde und der darunterliegenden Holzschicht einen weißlichen corticioiden Pilz:



    Die Sporen sind ellipsoid mit deutlichem Apiculus und scheinen viele kleine Öltröpfchen zu besitzen:



    Sporenmaße: 9,4 ± 0,6 µm × 4,6 ± 0,3 µm, Q̄ = 2,1 ± 0,1

    Reichweite: 8,6–10,6 µm × 4,2–4,9 µm, Q = 1,9–2,3

    n = 12


    Die Basidien sind viersporig und besitzen (zumindest jung) eine Basalschnalle:



    Das Hyphensystem ist monomitisch, die Hyphen tragen Schnallen:



    Im Hymenium befinden sich zudem Hyphidien:



    Zusätzlich findet man auch Zystiden. Diese scheinen aber dem Subhymenium zu entspringen und ragen nur selten über das Hymenium hinaus:



    Sie messen 70–100 µm, haben teils etwas dickere Zellwände und sind teils halsig:



    Das, was mich aber nun seit Tagen umtreibt, ist das folgende Phänomen: Die Sporen scheinen sich nicht nur auf den Sterigmen der Basidien zu befinden! Aus merkwürdigen, hyphidienähnlichen Gebilden scheinen auch Sporen zu entstehen, die so aussehen wie die normalen Sporen:



    Weiß jemand, um welches Phänomen es sich handelt, wo das in der Literatur beschrieben wird, und ggf. sogar, um welche Art es sich handelt?


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo zusammen,


    da ich mich gerade auf die PSV-Prüfung vorbereite und dabei in ein ziemliches rabbit hole gefallen bin, hoffe ich, deine Frage, Kabeloma, rechtlich richtig beantworten zu können. Climbingfreak, schaust du einmal drüber?


    Der Märzschneckling ist nicht streng geschützt – das ist kein Pilz –, sondern nach Anlage 1 zu § 1 der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders geschützt. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ist es verboten, besonders geschützte Arten ...

    • „oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, sie oder ihre Standorte zu beschädigen oder zu zerstören“ (§ 44 Abs. 1 Nr. 4),
    • „in Besitz oder Gewahrsam zu nehmen, in Besitz oder Gewahrsam zu haben oder zu be- oder verarbeiten“ (§ 44 Abs. 2 Nr. 1; Besitzverbot),
    • „zu verkaufen, zu kaufen, zum Verkauf oder Kauf anzubieten, zum Verkauf vorrätig zu halten oder zu befördern, zu tauschen oder entgeltlich zum Gebrauch oder zur Nutzung zu überlassen“ (§ 44 Abs. 2 Nr. 2; Vermarktungsverbot).

    Laut § 69 Abs. 2 Nr. 4 desselben Gesetzes stellt die Entnahme – sofern die in Frage kommende besonders geschützte Art nicht in § 2 Abs. 1 der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) als Ausnahme geführt ist – eine Ordnungswidrigkeit dar, die gemäß Abs. 7 „mit einer Geldbuße bis zu zehntausend Euro geahndet werden“ kann. Kurzum:

    1. Der Märzschneckling darf nicht gesammelt werden (keine Ausnahme nach § 2 Abs. 1 BArtSchV).
    2. Wer ihn sammelt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.
    3. Diese Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße von bis zu 10.000 € geahndet werden.

    Wie sinnvoll das Ganze ist und wie häufig es in der Praxis tatsächlich zu Bußgeldern kommt, lasse ich dabei einmal außen vor.


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo zusammen,


    lange ist es her, doch jetzt habe ich endlich die Sequenzierungsergebnisse! Tatsächlich handelte es sich bei der Art einfach um Sarcomyxa serotina:


    2026-3505-ALV60147 SSt02 = ITS polymorphism, 595bp ok, 100% Sarcomyxa serotina


    >2661112_G2_G2+60147_ITS_1FN+NLB4 AAAAAATGTTAACAGAATGTCATACAACGGTTCGCCCTAAAAAAGTGAGCTTTAAATTAA TACAACTTTCAACAACGGATCTCTTGGCTCTCGCATCGATGAAGAACGCAGCGAAATGCG ATAAGTAATGTGAATTGCAGAATTCAGTGAATCATCGAATCTTTGAACGCACCTTGCGCT CCTTGGTATTCCGAGGAGCATGCCTGTTTGAGTGTCATTAAATTCTCAACCTTCCTTGTC TTTATTGATGAGGTAGTGCTTGGACGTGGGGGTTGCGGGCTTCCTCAGAAGTCGGCTCTC CTTAAATGCATTAGCGGAACCTTTGTGGACCGTCTATTGGTGTGATAATTATCTACGCCA TCGACGCGGACGCTGTTATATGGGGTTCAGCTTCTAACCATCTCGCAAGAGATAACAACT TAATTGACATTTTGACCTCAAATCA


    boccaccio und Tricholomopsis, ihr beiden hattet also – mal wieder – völlig Recht: Hut ab! Für mich ist es immer wieder erstaunlich, zu sehen, wie stark die Variation innerhalb einer Art doch sein kann. Ich habe durch diese Konversation wieder einmal viel lernen dürfen. Vielen Dank an die Beteiligten!


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo zusammen,


    nach einiger Zeit – und einiger Mikroskopieerfahrung mehr – habe ich noch einmal Stereum rugosum mikroskopiert. Im Schnitt selbst fallen keine herausragenden Zystiden auf:



    Beim Quetschen des Schnitts wurde ich dann aber sofort fündig: Wie auch beim letzten Fund dominierten spitze Zystden ohne Auswüchse – oder höchstens einer Spitze (wie bei Stereum subtomentosum). Tatsächlich konnte ich dieses Mal aber auch Acanthozystiden finden, allerdings sind die Spitzen entgegen der Literatur klein und unauffällig. Hier eine Kollektion, wo ich mit Focus Stacking aus Videos gearbeitet habe:



    Die Acanthozystiden von Stereum insignitum sind deutlich zahlreicher und haben in der Tendenz mehr und längere Auswüchse, daher sind sie leicht zu erkennen.



    Sollte jemand in Zukunft auf dieselbe Problematik wie ich stoßen, hoffe ich, dass diese Informationen hilfreich sein werden.


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Lieber Frank, lieber Armin,


    vielen Dank für eure Antworten! Ich steige gerade erst in die Cortis ein und verzweifle regelmäßig an ihnen – auch gerade habe ich wieder ein Exemplar mit höchst merkwürdiger Sporenbildung gefunden. Umso mehr hilft es mir, von euren Erfahrungen lernen zu dürfen!


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo zusammen,


    vielen Dank für eure Antworten! Ohne eure Tipps hätte ich mich dumm und dämlich geschlüsselt. Das Problem mit dem Abschreiben von Fehlern habe ich auch schon bei einigen Büchern beobachtet. Gerade in den deutschen Übersichtswerken habe ich schon mehrere Sätze 1:1 vom Alten Henning & Kreisel gelesen, die aus meiner Perspektive schlichtweg irreführend waren.


    Argross Das ist ja ein Prachtexemplar! Falls du Lust hast, schick doch gerne mal ein paar Mikros. Mir ist aufgefallen, dass die Hyphidien im Schnitt nicht/kaum sichtbar waren, beim vorsichtigen Quetschen des Schnitts dann aber hervortraten. Vielleicht ist das bei dir ja auch so?


    Tomentella Gestern habe ich gesehen, dass der Band wohl zumindest in Großbritannien bestellbar ist. Ob die Seite nach Deutschland liefert oder nicht, weiß ich aber nicht. Was ich dafür weiß, ist, dass ich mich wie ein kleines Kind darauf freue!


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo Armin,


    danke dir für deine Antwort! An Hyphoderma roseocremeum bin ich eben auch kleben geblieben, habe sie aber aufgrund der zu kleinen Sporenmaße und der fehlenden Hyphidien in den Zeichnungen von Fungi Europaei und The Corticiaceae of North Europe verworfen. Und dabei hatte ich doch extra zusätzlich in Fungi of Temperate Europe nachgeschaut; da sind die Sporenmaße meiner Erfahrung nach recht zuverlässig. Aber Pustekuchen: Auch dort 3–4 µm in der Breite. Die großen Tropfen in Basidien und Sporen passen perfekt, die Beschreibung auf aphyllo.net und deine Mikros sind kurz davor, dass ich dem Kind einen Namen gebe. Was die Makroskopie betrifft: Der Rosaton wird zwar als häufig angegeben, aber nicht als zwingend. Bei dir war er ja auch praktisch nicht vorhanden, richtig? Ich weiß nicht, ob ich jetzt anfange, zu halluzinieren, doch jetzt, wo alles andere passt, meine ich, solche Töne auch erahnen zu können:



    Vielleicht brauche ich aber auch einfach eine neue Brille?


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo zusammen,


    gestern fand ich einen corticioiden Pilz auf altem, entrindetem und relativ stark zersetztem Laubholz, wahrscheinlich Rotbuche:



    Hier das Schnittbild (wie alle weiteren Bilder in Phloxin):



    Das Hymenium besteht hauptsächlich aus Basidien, allerdings kommen ab und zu auch Zystiden vor, die diese leicht überragen:


    Auch verhältnismäßig selten sind – ich hoffe, ich liege hier richtig – Hyphidien:



    Die Zystiden sind auffällig groß und überragen mit Leichtigkeit die 100 µm:



    Ob sie Schnallen haben oder nicht, konnte ich bei bestem Willen nicht feststellen. Die Hyphidien haben jedoch Schnallen:




    Die Basidien haben vier Sterigmen, eine Basalschnalle und neigen zum Wurzeln:




    Die inamyloiden Sporen sind zylindrisch-ellipsoid:



    Sporenmaße: 10,4 ± 0,8 µm × 4,5 ± 0,4 µm, Q̄ = 2,3 ± 0,3

    Reichweite: 9,1–12,2 µm × 3,9–5,2 µm, Q = 1,8–2,8

    n = 22


    Mit dem Schlüssel von Corticioid Fungi of Europe bin ich bei Hyphoderma gelandet, allerdings weiß ich weder, ob ich hier richtig bin, noch um welche Art es sich handeln könnte, sollte es sich um diese Gattung handeln. Habt ihr eine Idee, womit ich vergleichen sollte?


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo Frank,


    danke dir für deine Einschätzung! Da die Amyloidreaktion passt, muss es wohl Amyloporia xantha oder Amyloporia carbonica sein. Dennoch traue ich mich nicht, dem Kind ohne Sporen abschließend einen Namen zu geben. Aber ganz unabhängig davon habe ich wieder viel lernen dürfen!


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo Frank,


    erst einmal: Ich hoffe, du hattest einen schönen Urlaub! Die Infos, dass Amyloporia xantha auch rein weiß sein kann und der Geruch abhängig vom Reifegrad ist, sind schon einmal sehr hilfreich – vielen Dank!


    Dass ich keine Sporen habe, macht die Sache schwierig, ja. Leider ist der Fundort zu weit weg, um noch einmal hinzufahren und ein jetzt reiferes Stück mitzunehmen. Dass man mit dieser Grundlage aufgrund des Vorhandenseins aller Merkmale nicht auf die Art schließen kann, leuchtet mir völlig ein.


    Nun steht für mich die Frage im Raum, ob der Fund aufgrund des Ausschlussverfahrens als Amyloporia xantha kartiert werden darf. Wenn es Verwechslungspartner gäbe, die man anhand der vorhandenen Informationen nicht sicher ausschließen könnte, wäre das natürlich keine Option. Das scheinst du mit deiner Aussage "Ohne die dazugehörigen allantoiden Sporen ist eine Zuordnung unsicher" ja nahezulegen.


    Der Habitus, die Dichte der Poren sowie die makroskopisch deutlich wahrnehmbare Amyloidität schränken die Menge der Verwechslungspartner aber doch stark ein, oder irre ich mich? Der einzige resupinate Porling, der auf Picea vorkommen kann, nicht zur Gattung Amyloporia gehört und zumindest einigermaßen amyloide Skeletthyphen hat, ist meinen Recherchen nach Cinereomyces lindbladii. Den habe ich aber bereits gefunden und die mikroskopische KOH-Reaktion ist unverwechselbar. Allerdings kenne ich mich mit resupinaten Porlingen auch einfach nicht gut aus und kann mich irren! Deshalb die Frage an dich als Experten: Welche Verwechslungspartner würdest du hier in Verdacht haben?


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Lieber Christoph,


    danke dir für deine Rückmeldung! Dann teilen wir unsere Unsicherheit ja – mit dem Unterschied, dass ich die Art noch nie gefunden habe. Viele Alternativen gibt es aber nicht, wenn man die Gattungshypothese kauft.


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo zusammen,


    am 29.03.2026 wuchs ein weißer, resupinater Porling auf einem stark zersetzten Fichtenstumpf. Fruchtkörper waren sowohl in der Vertikalen als auch in der Horizontalen auf einem Motorsägenschnitt zu finden:



    Von dem ganz flach wachsenden Stück habe ich etwas abgebrochen. An der Bruchstelle erkennt man, dass auf das Substrat direkt die Röhren folgen:



    Der Geruch war intensiv angenehm pilzig mit dezent säuerlicher Note. Die Poren reagieren amyloid mit Melzers:



    Sie waren so eng, dass es mehrere Minuten dauerte, bis die Jodlösung eingezogen war und sich die bläuliche Verfärbung zeigte. Leider hatte ich nicht die üblichen Mittel, die Anzahl der Poren pro mm zu bestimmen, hier aber ein vermessenes Bild eines dünnen Skalpschnitts der Poren unter dem 10er-Objektiv:



    Da auf ca. 1/3 mm 2 Poren zu finden waren, sollten der Fund ca. 6 Poren/mm haben. Frisch waren die Poren weiß, nach zwei Tagen erinnerten sie mit ihrer gelb-bräunlichen Verfärbung an die ehemals weiße Tapete eines Raucherzimmers:



    Was die Mikromerkmale betrifft, konnte ich leider weniger feststellen, als mir lieb war – der Fruchtkörper ist schlichtweg zu jung. Hier eine Kollektion von halbwegs reifen Basidien:



    Zystiden waren zumindest prominent nicht vorhanden, ich konnte lediglich einen merkwürdigen Auswuchs im Hymenium feststellen (ganz rechts):



    Zudem dominieren im Dissepiment Skeletthyphen, bei denen ich mit Melzers keine amyloide Reaktion unter dem Mikroskop feststellen konnte. Sporen konnte ich keine sicher zuordenbaren finden.


    Anhand von Habitus (in der Vertikalen), Substrat, amyloider Reaktion der Poren, dimitischem Hyphensystem und zystidenfreiem Hymenium fühle ich mich auf Gattungsebene mit Amyloporia recht sicher. Was die Art betrifft, sind in Laessøe & Petersen, 2019, p. 935 vier aufgeführt: Amyloporia alpina, Amyloporia sinuosa, Amyloporia xantha und Amyloporia carbonica. Die erste Art fällt raus, weil die KOH-Reaktion (getestet mit 3 % und 20 %) bei meinem Fund negativ statt violett-rötlich war. Die zweite Art hat deutlich größere, labyrinthische Poren.


    Meiner Ansicht nach ist die am besten passende Art Amyloporia xantha, denn Amyloporia carbonica hätte gröbere Poren. Probleme habe ich allerdings mit diesen beiden Punkten:

    1. Die Poren sollen „pale lemon-yellow“ sein, waren aber weiß.
    2. Der Geruch soll „like lemon-scented soap“ sein, war aber höchstens leicht säuerlich.

    Punkt (1) lässt sich ggf. mit einer Erklärung aus dem alten Ryvarden, 1976, p. 95 (für Antrodia xantha) auflösen:

    Zitat

    Pore surface white to cream, pale to deep chrome yellow, to almost citric yellow.

    Hier wird also die weiße Farbe nicht ausgeschlossen. Für Punkt (2) habe ich allerdings keine Erklärung – außer, dass Gerüche höchst subjektiv sind.


    Mich interessiert nun eure Einschätzung, ob ihr mit diesen Informationen auch bei Amyloporia xantha wärt oder ob ihr Arten habt, die ich gegenprüfen sollte. Ich freue mich auf eure Antworten!


    Herzliche Grüße,

    Vitus



    Literatur:

    Laessøe, T., & Petersen, J. H. (2019). Fungi of temperate europe 2 (Vol. 2). Princeton University Press.

    Ryvarden, L. (1976). The Polyporaceae of North Europe 1: Albatrellus - Incrustoporia.