Beiträge von Vitus Schäfftlein

    Lieber Armin, lieber Frank,


    danke für eure Antworten! Endlich komme ich nun auch dazu, darauf zu reagieren.


    "deine dichten Basidien", habe ich nicht mehr parat.


    Alles gut, kein Problem. Ich habe in besagter Studie von 2015 noch einmal geschaut, dort steht "cystidia densely arranged" (S. 10), was zu meiner Beobachtung passen würde. Basierend auf der Studie habe ich eine Gegenüberstellung der drei Arten aus Phanerochaete sordida agg. erstellt, von der ich hoffe, dass sie zukünftig auch anderen bei der Bestimmung hilft:


    Merkmal Phanerochaete sordida s. str. Phanerochaete livescens Phanerochaete cumulodentata
    Substrat Nadelholz Laubholz Laubholz
    Hymenium glatt; bisweilen mit rötlichem Ton im Alter glatt tuberkulat bis raduloid
    Zystidenform schmal röhrenförmig bis schmal lageniform möhrenförmig bis lageniform schmal keulenförmig
    Zystiden-Spitze stumpf/gerundet zugespitzt stumpf/gerundet
    Zystidenwand zur Spitze hin ausdünnend gleichmäßig verdickt (bis 3 µm); jung dünnwandig dünnwandig bis basal leicht verdickt
    Inkrustierung (Zystiden) höchstens spärlich (Kristalle oder Harz) dicht, bis 1/3 der Zystide bedeckt fehlend
    Zystiden Breite (µm) 4,7–8,3; Ø 6,0 6,0–11,3; Ø 7,9 4,4–6,2; Ø 5,4
    Sporenlänge (µm) 5,1–7,3; Ø 6,05 5,8–7,7; Ø 6,30 4,6–6,3; Ø 5,44
    Sporenbreite (µm) 2,8–3,4; Ø 3,09 (≥ 3 µm) 2,4–3,1; Ø 2,74 (< 3 µm) 2,2–2,9; Ø 2,55 (< 3 µm)
    Sporen Q̄ 1,87–2,24; Ø 1,95 2,13–2,42; Ø 2,30 1,92–2,24; Ø 2,14

    Die Sporen zu P. sordida werden in CfoE Bd2 mit einem "slight bend near apiculus" beschrieben, was bei einigen deiner Sporen so ähnlich aussieht.


    Hier habe ich auch noch einmal recherchiert: In der Studie findet man für Phanerochaete livescens "ventral side flat or a little concave; longest spores slightly sigmoid", für Phanerochaete sordida "some spores slightly arcuate near apiculus, ventral side flat, rarely slightly concave" (S. 12). Der Unterschied in der Sporenform scheint mir also zum einen zu sein, dass die Bauchseite bei Phanerochaete livescens manchmal etwas nach innen gewölbt ist, während das bei Phanerochaete sordida nicht der Fall ist. Die Wölbung kann man bei einigen meiner Sporen auch gut erkennen. Zum anderen soll Phanerochaete sordida nahe dem Apiculus eine leichte bogenförmige Krümmung haben, Phanerochaete livescens aber nicht. Was genau damit gemeint ist, erschließt sich mir nicht recht, daher kann ich das nicht beurteilen. Da alle anderen obigen Merkmale zu Phanerochaete livescens passen, bin ich mir nun ausreichend sicher, dem Kind einen Namen zu geben.


    Phanerochaete livescens wurde ja erst 2015 neu beschrieben und von Ph. sordida abgetrennt. Die Art ist nicht selten und wird in den nächsten Jahren sicher oft kartiert werden. Im Aggregat Ph. sordida verbergen sich viele Funde dieser Art, was sich aber ohne Exsikkate nicht nachvollziehen lässt.

    So etwas hatte ich schon vermutet. In der Studie steht auch "P. livescens is widely distributed in nemoral and hemiboreal zones of Eurasia, inhabiting various angiosperm hosts". Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass in den letzten 11 Jahren nur wenige, die corticioide Pilze kartieren, diese Studie gelesen haben (oder zumindest bereit sind, sie bei der Bestimmung zu berücksichtigen). Ich schätze aber, das ist bei anderen Pilzgruppen nicht viel anders. Auf jeden Fall sind das sehr spannende Einblicke!


    Herzliche Grüße,

    Vitus


    Literatur:

    Larsson, K.-H., Hjortstam, K., & Ryvarden, L. (1979). The corticiaceae of north europe 5: Mycoaciella – phanerochaete. Fungiflora.

    Volobuev, S., Okun, M., Ordynets, A., & Spirin, V. (2015). The phanerochaete sordida group (polyporales, basidiomycota) in temperate eurasia, with a note on phanerochaete pallida. Mycological Progress, 14(10), 80. https://doi.org/10.1007/s11557-015-1097-0

    Hallo zusammen,


    ich bin mir recht sicher, dass auch ich Phanerochaete livescens auf Acer gefunden habe; lediglich die Kristalle an den Subiculum-Hyphen fehlen mir. Anbei ein paar Bilder mit der Bitte um Einschätzung.









    Auffällig fand ich die enorme Dichte der Basidien, die ich nur mit brachialer Gewalt einigermaßen auseinanderkriegen konnte. Argross Erinnerst du dich auch daran? Tomentella Weißt du, ob diese Art selten oder einfach chronisch unterkartiert ist? In NRW ist sie bisher nur fünfmal in pilze-deutschland gelistet, dabei ist die Gruppe um Phanerochaete sordida doch so häufig.


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo Christoph,


    vielen Dank für deine ausführlichen Erläuterungen! Dass Stephanozystiden Nematodenfangzellen sind, hatte ich schon gelesen, der Bogen zu ihrem Vorhandensein im Substrat/Subiculum fehlte mir aber. Ich habe nun zusammen mit einem Pilzfreund noch drei weitere Präparate erst ungefärbt und dann gefärbt durchgesehen und weder im Subiculum noch im Substrat eindeutige Stephanozystiden gefunden. Zwar fanden wir einige überraschungseiförmige Zellen, aber immer fehlte der namensgebende Kranz. Gerade im Eichenholz fiel mir die Unterscheidung schwer, was nun Holz und was Zystide sein könnte; ausschließen will ich deshalb nicht, dass Stephanozystiden vorhanden sind. Mein Fund war allerdings auch ziemlich jung. Da er auf der Morgenrunde liegt, könnte ich die Tage noch einmal ein Stück mitnehmen – vielleicht habe ich dann ja mehr Glück mit den Stephanozystiden!


    Danke dir auch für die taxonomischen Hinweise! Dass Peniophorella zu den Hymenochaetales gehört, war mir unklar. Was die in Hut und Stiel gegliederten Pilze betrifft, bin ich taxonomisch mittlerweile relativ fit, bei den corticioiden Pilzen darf ich noch viel dazulernen. Dass die Art ein Komplex ist, haben Larsson und Ryvarden ja schon vermutet; dass mittlerweile Arten abgetrennt wurden, ist interessant! Mit meinem Wissensstand diesbezüglich gebe ich ich mich aber gerne mit dem Komplex zufrieden. In pilze-deutschland ist im Übrigen ein einziger Fund von der subpraetermissa verzeichnet. Ist das ein Fehler, wenn die Art aus Taiwan kommt, oder kommt sie nun auch hier vor? Das wäre ja interessant zu wissen.


    Was die Färbung betrifft: Den Tipp in Wasser zu mikroskopieren hattest du mir ja schon einmal gegeben und ich habe ihn eine Zeit lang versucht zu beherzigen. Mit einem alten Leitz Dialux 20 mit Halogenlampe fiel es mir aber sehr schwer, die Strukturen auseinanderzuhalten, weil der Kontrast zwischen den Zellwänden (zumindest für mich) einfach zu klein war. Deshalb habe ich mir angewöhnt, die Präparate einzufärben, auszuwaschen und dann zu mikroskopieren. Dass ich bei den Gloeozystiden mit diesem Vorgehen Schiffbruch erlitten habe, zeigt mir aber, dass zumindest der erste Schnitt in Wasser sein sollte. Bald rüste ich von Halogen auf LED um und hoffe, dass mir die Kontraste dann in Wasser deutlich werden.


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Lieber Frank,


    danke dir für deine fixe Antwort und die wichtigen Infos! Bei Hyphoderma s. l. war ich auch bereits gelandet. Ich habe nun noch mehrere Präparate (insgesamt sieben) des Funds mikroskopiert und dabei die folgenden Dinge festgestellt:
    1. Der Fruchtkörper scheint insgesamt sehr dicht zu sein. Auch bei einem dünnen Querschnitt erscheinen Hymenium und Subhymenium gedrängt zu sein (Bild nach leichtem Quetschen, da vorher nichts sichtbar war):

    1. Neben den bereits oben gezeigten normalen Zystiden, die an beiden Enden dünner werden, habe ich noch kopfige Zystiden gefunden:

    1. Ich habe zudem auch noch Zystiden anzubieten, bei denen eine merkwürdige Masse ausläuft:


    Ich vermute, dass es sich hier um Gloeozystiden handeln könnte. Sie sind zwar SV-, allerdings fassen Larsson & Ryvarden, 1975, p. 27 diese Zystiden auch als Gloeozystiden auf und nennen dann SV+-Gloeozystiden „true gloeocystidia“.


    Folgt man dem Hyphoderma-Schlüssel der Autoren auf S. 449, gelangt man hier zu Hyphoderma praetermissum, heute Peniophorella praetermissa. Die Sporenmaße sowie die vielen Öltröpfchen passen perfekt – auch die Basidiengrößen. Das Einzige, was fehlt, sind die Stephanozystiden, allerdings schreiben die Autoren auf Seite 505:

    Zitat

    Stephanocysts […] very variable in number and must sometimes be looked for carefully before they are found, in many slides they are not found at all while in others they are numerous and easily found.

    Zudem zeigen sie auch eine Zeichnung von einem Fund ohne Stephanozystiden, aber mit amorpher Masse an den Zystiden, was mit meinem Fund vereinbar wäre. Denkst du, das könnte passen, Frank?


    Was die einsporigen Basidien betrifft: Ich habe hier noch ein gestacktes Bild, aus dem ersichtlich wird, dass das Gebilde, aus dem die einzelne Spore entspringt, tatsächlich genau so wie eine Basidie gebildet wird:



    Sehen so einsporige Basidien aus?


    Herzliche Grüße,

    Vitus


    Literatur:

    Larsson, K.-H., & Ryvarden, L. (1975). The Corticiaceae of North Europe 3: Coronicium – Hyphoderma. Fungiflora.

    Hallo zusammen,


    am 04.05. dieses Jahres fand ich auf Eichenrinde und der darunterliegenden Holzschicht einen weißlichen corticioiden Pilz:



    Die Sporen sind ellipsoid mit deutlichem Apiculus und scheinen viele kleine Öltröpfchen zu besitzen:



    Sporenmaße: 9,4 ± 0,6 µm × 4,6 ± 0,3 µm, Q̄ = 2,1 ± 0,1

    Reichweite: 8,6–10,6 µm × 4,2–4,9 µm, Q = 1,9–2,3

    n = 12


    Die Basidien sind viersporig und besitzen (zumindest jung) eine Basalschnalle:



    Das Hyphensystem ist monomitisch, die Hyphen tragen Schnallen:



    Im Hymenium befinden sich zudem Hyphidien:



    Zusätzlich findet man auch Zystiden. Diese scheinen aber dem Subhymenium zu entspringen und ragen nur selten über das Hymenium hinaus:



    Sie messen 70–100 µm, haben teils etwas dickere Zellwände und sind teils halsig:



    Das, was mich aber nun seit Tagen umtreibt, ist das folgende Phänomen: Die Sporen scheinen sich nicht nur auf den Sterigmen der Basidien zu befinden! Aus merkwürdigen, hyphidienähnlichen Gebilden scheinen auch Sporen zu entstehen, die so aussehen wie die normalen Sporen:



    Weiß jemand, um welches Phänomen es sich handelt, wo das in der Literatur beschrieben wird, und ggf. sogar, um welche Art es sich handelt?


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo zusammen,


    da ich mich gerade auf die PSV-Prüfung vorbereite und dabei in ein ziemliches rabbit hole gefallen bin, hoffe ich, deine Frage, Kabeloma, rechtlich richtig beantworten zu können. Climbingfreak, schaust du einmal drüber?


    Der Märzschneckling ist nicht streng geschützt – das ist kein Pilz –, sondern nach Anlage 1 zu § 1 der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders geschützt. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ist es verboten, besonders geschützte Arten ...

    • „oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, sie oder ihre Standorte zu beschädigen oder zu zerstören“ (§ 44 Abs. 1 Nr. 4),
    • „in Besitz oder Gewahrsam zu nehmen, in Besitz oder Gewahrsam zu haben oder zu be- oder verarbeiten“ (§ 44 Abs. 2 Nr. 1; Besitzverbot),
    • „zu verkaufen, zu kaufen, zum Verkauf oder Kauf anzubieten, zum Verkauf vorrätig zu halten oder zu befördern, zu tauschen oder entgeltlich zum Gebrauch oder zur Nutzung zu überlassen“ (§ 44 Abs. 2 Nr. 2; Vermarktungsverbot).

    Laut § 69 Abs. 2 Nr. 4 desselben Gesetzes stellt die Entnahme – sofern die in Frage kommende besonders geschützte Art nicht in § 2 Abs. 1 der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) als Ausnahme geführt ist – eine Ordnungswidrigkeit dar, die gemäß Abs. 7 „mit einer Geldbuße bis zu zehntausend Euro geahndet werden“ kann. Kurzum:

    1. Der Märzschneckling darf nicht gesammelt werden (keine Ausnahme nach § 2 Abs. 1 BArtSchV).
    2. Wer ihn sammelt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.
    3. Diese Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße von bis zu 10.000 € geahndet werden.

    Wie sinnvoll das Ganze ist und wie häufig es in der Praxis tatsächlich zu Bußgeldern kommt, lasse ich dabei einmal außen vor.


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo zusammen,


    lange ist es her, doch jetzt habe ich endlich die Sequenzierungsergebnisse! Tatsächlich handelte es sich bei der Art einfach um Sarcomyxa serotina:


    2026-3505-ALV60147 SSt02 = ITS polymorphism, 595bp ok, 100% Sarcomyxa serotina


    >2661112_G2_G2+60147_ITS_1FN+NLB4 AAAAAATGTTAACAGAATGTCATACAACGGTTCGCCCTAAAAAAGTGAGCTTTAAATTAA TACAACTTTCAACAACGGATCTCTTGGCTCTCGCATCGATGAAGAACGCAGCGAAATGCG ATAAGTAATGTGAATTGCAGAATTCAGTGAATCATCGAATCTTTGAACGCACCTTGCGCT CCTTGGTATTCCGAGGAGCATGCCTGTTTGAGTGTCATTAAATTCTCAACCTTCCTTGTC TTTATTGATGAGGTAGTGCTTGGACGTGGGGGTTGCGGGCTTCCTCAGAAGTCGGCTCTC CTTAAATGCATTAGCGGAACCTTTGTGGACCGTCTATTGGTGTGATAATTATCTACGCCA TCGACGCGGACGCTGTTATATGGGGTTCAGCTTCTAACCATCTCGCAAGAGATAACAACT TAATTGACATTTTGACCTCAAATCA


    boccaccio und Tricholomopsis, ihr beiden hattet also – mal wieder – völlig Recht: Hut ab! Für mich ist es immer wieder erstaunlich, zu sehen, wie stark die Variation innerhalb einer Art doch sein kann. Ich habe durch diese Konversation wieder einmal viel lernen dürfen. Vielen Dank an die Beteiligten!


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo zusammen,


    nach einiger Zeit – und einiger Mikroskopieerfahrung mehr – habe ich noch einmal Stereum rugosum mikroskopiert. Im Schnitt selbst fallen keine herausragenden Zystiden auf:



    Beim Quetschen des Schnitts wurde ich dann aber sofort fündig: Wie auch beim letzten Fund dominierten spitze Zystden ohne Auswüchse – oder höchstens einer Spitze (wie bei Stereum subtomentosum). Tatsächlich konnte ich dieses Mal aber auch Acanthozystiden finden, allerdings sind die Spitzen entgegen der Literatur klein und unauffällig. Hier eine Kollektion, wo ich mit Focus Stacking aus Videos gearbeitet habe:



    Die Acanthozystiden von Stereum insignitum sind deutlich zahlreicher und haben in der Tendenz mehr und längere Auswüchse, daher sind sie leicht zu erkennen.



    Sollte jemand in Zukunft auf dieselbe Problematik wie ich stoßen, hoffe ich, dass diese Informationen hilfreich sein werden.


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Lieber Frank, lieber Armin,


    vielen Dank für eure Antworten! Ich steige gerade erst in die Cortis ein und verzweifle regelmäßig an ihnen – auch gerade habe ich wieder ein Exemplar mit höchst merkwürdiger Sporenbildung gefunden. Umso mehr hilft es mir, von euren Erfahrungen lernen zu dürfen!


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo zusammen,


    vielen Dank für eure Antworten! Ohne eure Tipps hätte ich mich dumm und dämlich geschlüsselt. Das Problem mit dem Abschreiben von Fehlern habe ich auch schon bei einigen Büchern beobachtet. Gerade in den deutschen Übersichtswerken habe ich schon mehrere Sätze 1:1 vom Alten Henning & Kreisel gelesen, die aus meiner Perspektive schlichtweg irreführend waren.


    Argross Das ist ja ein Prachtexemplar! Falls du Lust hast, schick doch gerne mal ein paar Mikros. Mir ist aufgefallen, dass die Hyphidien im Schnitt nicht/kaum sichtbar waren, beim vorsichtigen Quetschen des Schnitts dann aber hervortraten. Vielleicht ist das bei dir ja auch so?


    Tomentella Gestern habe ich gesehen, dass der Band wohl zumindest in Großbritannien bestellbar ist. Ob die Seite nach Deutschland liefert oder nicht, weiß ich aber nicht. Was ich dafür weiß, ist, dass ich mich wie ein kleines Kind darauf freue!


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo Armin,


    danke dir für deine Antwort! An Hyphoderma roseocremeum bin ich eben auch kleben geblieben, habe sie aber aufgrund der zu kleinen Sporenmaße und der fehlenden Hyphidien in den Zeichnungen von Fungi Europaei und The Corticiaceae of North Europe verworfen. Und dabei hatte ich doch extra zusätzlich in Fungi of Temperate Europe nachgeschaut; da sind die Sporenmaße meiner Erfahrung nach recht zuverlässig. Aber Pustekuchen: Auch dort 3–4 µm in der Breite. Die großen Tropfen in Basidien und Sporen passen perfekt, die Beschreibung auf aphyllo.net und deine Mikros sind kurz davor, dass ich dem Kind einen Namen gebe. Was die Makroskopie betrifft: Der Rosaton wird zwar als häufig angegeben, aber nicht als zwingend. Bei dir war er ja auch praktisch nicht vorhanden, richtig? Ich weiß nicht, ob ich jetzt anfange, zu halluzinieren, doch jetzt, wo alles andere passt, meine ich, solche Töne auch erahnen zu können:



    Vielleicht brauche ich aber auch einfach eine neue Brille?


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo zusammen,


    gestern fand ich einen corticioiden Pilz auf altem, entrindetem und relativ stark zersetztem Laubholz, wahrscheinlich Rotbuche:



    Hier das Schnittbild (wie alle weiteren Bilder in Phloxin):



    Das Hymenium besteht hauptsächlich aus Basidien, allerdings kommen ab und zu auch Zystiden vor, die diese leicht überragen:


    Auch verhältnismäßig selten sind – ich hoffe, ich liege hier richtig – Hyphidien:



    Die Zystiden sind auffällig groß und überragen mit Leichtigkeit die 100 µm:



    Ob sie Schnallen haben oder nicht, konnte ich bei bestem Willen nicht feststellen. Die Hyphidien haben jedoch Schnallen:




    Die Basidien haben vier Sterigmen, eine Basalschnalle und neigen zum Wurzeln:




    Die inamyloiden Sporen sind zylindrisch-ellipsoid:



    Sporenmaße: 10,4 ± 0,8 µm × 4,5 ± 0,4 µm, Q̄ = 2,3 ± 0,3

    Reichweite: 9,1–12,2 µm × 3,9–5,2 µm, Q = 1,8–2,8

    n = 22


    Mit dem Schlüssel von Corticioid Fungi of Europe bin ich bei Hyphoderma gelandet, allerdings weiß ich weder, ob ich hier richtig bin, noch um welche Art es sich handeln könnte, sollte es sich um diese Gattung handeln. Habt ihr eine Idee, womit ich vergleichen sollte?


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo Frank,


    danke dir für deine Einschätzung! Da die Amyloidreaktion passt, muss es wohl Amyloporia xantha oder Amyloporia carbonica sein. Dennoch traue ich mich nicht, dem Kind ohne Sporen abschließend einen Namen zu geben. Aber ganz unabhängig davon habe ich wieder viel lernen dürfen!


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo Frank,


    erst einmal: Ich hoffe, du hattest einen schönen Urlaub! Die Infos, dass Amyloporia xantha auch rein weiß sein kann und der Geruch abhängig vom Reifegrad ist, sind schon einmal sehr hilfreich – vielen Dank!


    Dass ich keine Sporen habe, macht die Sache schwierig, ja. Leider ist der Fundort zu weit weg, um noch einmal hinzufahren und ein jetzt reiferes Stück mitzunehmen. Dass man mit dieser Grundlage aufgrund des Vorhandenseins aller Merkmale nicht auf die Art schließen kann, leuchtet mir völlig ein.


    Nun steht für mich die Frage im Raum, ob der Fund aufgrund des Ausschlussverfahrens als Amyloporia xantha kartiert werden darf. Wenn es Verwechslungspartner gäbe, die man anhand der vorhandenen Informationen nicht sicher ausschließen könnte, wäre das natürlich keine Option. Das scheinst du mit deiner Aussage "Ohne die dazugehörigen allantoiden Sporen ist eine Zuordnung unsicher" ja nahezulegen.


    Der Habitus, die Dichte der Poren sowie die makroskopisch deutlich wahrnehmbare Amyloidität schränken die Menge der Verwechslungspartner aber doch stark ein, oder irre ich mich? Der einzige resupinate Porling, der auf Picea vorkommen kann, nicht zur Gattung Amyloporia gehört und zumindest einigermaßen amyloide Skeletthyphen hat, ist meinen Recherchen nach Cinereomyces lindbladii. Den habe ich aber bereits gefunden und die mikroskopische KOH-Reaktion ist unverwechselbar. Allerdings kenne ich mich mit resupinaten Porlingen auch einfach nicht gut aus und kann mich irren! Deshalb die Frage an dich als Experten: Welche Verwechslungspartner würdest du hier in Verdacht haben?


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Lieber Christoph,


    danke dir für deine Rückmeldung! Dann teilen wir unsere Unsicherheit ja – mit dem Unterschied, dass ich die Art noch nie gefunden habe. Viele Alternativen gibt es aber nicht, wenn man die Gattungshypothese kauft.


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo zusammen,


    am 29.03.2026 wuchs ein weißer, resupinater Porling auf einem stark zersetzten Fichtenstumpf. Fruchtkörper waren sowohl in der Vertikalen als auch in der Horizontalen auf einem Motorsägenschnitt zu finden:



    Von dem ganz flach wachsenden Stück habe ich etwas abgebrochen. An der Bruchstelle erkennt man, dass auf das Substrat direkt die Röhren folgen:



    Der Geruch war intensiv angenehm pilzig mit dezent säuerlicher Note. Die Poren reagieren amyloid mit Melzers:



    Sie waren so eng, dass es mehrere Minuten dauerte, bis die Jodlösung eingezogen war und sich die bläuliche Verfärbung zeigte. Leider hatte ich nicht die üblichen Mittel, die Anzahl der Poren pro mm zu bestimmen, hier aber ein vermessenes Bild eines dünnen Skalpschnitts der Poren unter dem 10er-Objektiv:



    Da auf ca. 1/3 mm 2 Poren zu finden waren, sollten der Fund ca. 6 Poren/mm haben. Frisch waren die Poren weiß, nach zwei Tagen erinnerten sie mit ihrer gelb-bräunlichen Verfärbung an die ehemals weiße Tapete eines Raucherzimmers:



    Was die Mikromerkmale betrifft, konnte ich leider weniger feststellen, als mir lieb war – der Fruchtkörper ist schlichtweg zu jung. Hier eine Kollektion von halbwegs reifen Basidien:



    Zystiden waren zumindest prominent nicht vorhanden, ich konnte lediglich einen merkwürdigen Auswuchs im Hymenium feststellen (ganz rechts):



    Zudem dominieren im Dissepiment Skeletthyphen, bei denen ich mit Melzers keine amyloide Reaktion unter dem Mikroskop feststellen konnte. Sporen konnte ich keine sicher zuordenbaren finden.


    Anhand von Habitus (in der Vertikalen), Substrat, amyloider Reaktion der Poren, dimitischem Hyphensystem und zystidenfreiem Hymenium fühle ich mich auf Gattungsebene mit Amyloporia recht sicher. Was die Art betrifft, sind in Laessøe & Petersen, 2019, p. 935 vier aufgeführt: Amyloporia alpina, Amyloporia sinuosa, Amyloporia xantha und Amyloporia carbonica. Die erste Art fällt raus, weil die KOH-Reaktion (getestet mit 3 % und 20 %) bei meinem Fund negativ statt violett-rötlich war. Die zweite Art hat deutlich größere, labyrinthische Poren.


    Meiner Ansicht nach ist die am besten passende Art Amyloporia xantha, denn Amyloporia carbonica hätte gröbere Poren. Probleme habe ich allerdings mit diesen beiden Punkten:

    1. Die Poren sollen „pale lemon-yellow“ sein, waren aber weiß.
    2. Der Geruch soll „like lemon-scented soap“ sein, war aber höchstens leicht säuerlich.

    Punkt (1) lässt sich ggf. mit einer Erklärung aus dem alten Ryvarden, 1976, p. 95 (für Antrodia xantha) auflösen:

    Zitat

    Pore surface white to cream, pale to deep chrome yellow, to almost citric yellow.

    Hier wird also die weiße Farbe nicht ausgeschlossen. Für Punkt (2) habe ich allerdings keine Erklärung – außer, dass Gerüche höchst subjektiv sind.


    Mich interessiert nun eure Einschätzung, ob ihr mit diesen Informationen auch bei Amyloporia xantha wärt oder ob ihr Arten habt, die ich gegenprüfen sollte. Ich freue mich auf eure Antworten!


    Herzliche Grüße,

    Vitus



    Literatur:

    Laessøe, T., & Petersen, J. H. (2019). Fungi of temperate europe 2 (Vol. 2). Princeton University Press.

    Ryvarden, L. (1976). The Polyporaceae of North Europe 1: Albatrellus - Incrustoporia.

    Lieber Johann,


    Jens Rüdig hat sicherlich seine Berechtigung, allerdings läuft das Programm nur auf Windows. Da der Quellcode nicht open source ist, ist er nicht einmal für Linux anpassbar, Linux-Nutzer haben damit nur die Fiji-Alternative.


    Herzliche Grüße,

    Vitus

    Hallo zusammen,


    nun bin ich endlich dazu gekommen, mich noch einmal intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen.

    1. Zwei- vs. viersporige Basidien

    Argross Danke dir für den Link mit den Bildern! Dort sieht man ja auch ausschließlich Basidien mit (höchstens) zwei Sterigmen. Ich habe noch ein paar weitere Präparate gemacht und weiterhin überwiegend zweisporige Basidien gesehen. Dennoch habe ich auch einige viersporige erkennen können. Interessanterweise konnte ich aber nie alle vier Sterigmen zusammen in den Fokus bekommen – nicht einmal ansatzweise. Hier ein Bild, das viersporige Basidien zeigt:



    Im Übrigen habe ich bei der Suche nach Basidien auch noch Hyphidien gefunden, die unauffällig und sehr rar waren:



    Ich deute die Tatsache, dass mein Fruchtkörper sowohl zwei- als auch viersporige Basidien besitzt, als Kuriosität, aber dadurch, dass viersporige Basidien vorhanden sind und eine andere zuverlässige Quelle einen Fund mit zweisporigen Basidien auch als Radulomyces rickii bestimmt hat, nicht als Ausschlusskriterium. Was denkt ihr?

    2. JKJ-Reaktion

    In der Literatur stand auch noch, dass das Hymenium mit einer Jod-Kaliumjodid-Lösung rötlich reagieren soll. Das habe ich mit Melzers getestet und kann es bestätigen:


    3. Sporen

    Ich habe noch einmal im Präparat gesucht und 20 weitere Sporen zusammengekratzt:



    Sporenmaße: 8,9 ± 0,7 µm × 7,2 ± 0,6 µm, Q̄ = 1,2 ± 0,1

    Reichweite: 7,9–10,2 µm × 5,5–8,3 µm, Q = 1,1–1,4

    n = 20


    Die Sporenmaße sind hiermit sehr nah an den 12 anderen Sporen, die ich oben vorgestellt habe. Hier ein direkter Vergleich mit den Maßen von Ghobad-Nejhad & Kotiranta, 2007, p. 102:


    Merkmal Literatur Fund
    Sporenlänge 7,3–9,5 8,9
    Sporenbreite 6,2–8,6 7,9
    Q-Wert 0,9–1,24 1,2


    Das würde also schon einmal passen. Vom Q-Wert könnte Radulomyces confluens zwar in Frage kommen (hier nach Literatur Q = 1,09–1,51), aber die Sporenbreite macht hier einen dicken Strich durch die Rechnung: Mit 7,9 µm liege ich deutlich außerhalb der Normalmaße (5,0–6,5 µm) und selbst der Ausreißer von 7 µm kommt an die Durchschnittsbreite nicht ran. Für mich spricht das eindeutig für Radulomyces rickii.


    Was die biapiculaten Sporen betrifft, habe ich viel gesucht und nur eine Spore gefunden, bei der das eventuell passen könnte:



    Unten rechts in meinem Bild ist eindeutig der Apiculus, aber ob das oben ein spitzer Keimporus ist, kann ich nicht sicher beurteilen; nicht wenige der Sporen waren auch schon – ähnlich wie die Basidien – kollabiert. Tricholomopsis Was denkst du? Vor dem Hintergrund, dass dieses Merkmal in einigen Kollektionen der Forschenden nicht vorhanden war, wäre es in jedem Fall kein Ausschlusskriterium, wenn meine Kollektion auch keine biapiculaten Sporen hätte.

    4. Basidien

    Von den Basidien her passt die Beschreibung an sich sehr gut – gerade, dass die Basidien gestielt und die Basidiolen wellig sind. Mit den obigen Merkmalen wäre die Bestimmung von Radulomyces rickii für mich nun eindeutig, wäre da nicht die Sache mit den Basalschnallen. Wie ich oben bereits gezeigt habe, sind die Basidien eindeutig schnallenlos. In Ghobad-Nejhad & Kotiranta, 2007 steht aber „Basidia basally clamped“ (S. 104) und auch in der Mikrozeichnung auf S. 106 werden die Basidien mit Schnallen gezeichnet:



    Eine gute Erklärung dafür habe ich nicht. Das Vorhandensein von Schnallen ist doch solch ein grundlegendes Merkmal, dass es nicht sein kann, dass der eine Fruchtkörper es besitzt, der andere aber nicht – oder irre ich mich da?


    An sich will ich dem Kind den Namen geben, nur die Basalschnallen lassen mich zweifen. Tricholomopsis Erinnerst du dich noch, ob dein Fund Basalschnallen hatte?


    Herzliche Grüße,

    Vitus



    Literatur:

    Ghobad-Nejhad, M., & Kotiranta, H. (2007). Re-evaluation of Radulomyces rickii and notes on Radulomyces and Phlebiella (Basidiomycota). Mycotaxon, 102, 101–111.

    Hallo zusammen,


    Argross Danke dir für den Hinweis zu Radulomyces confluens! Tatsächlich haben die Hyphen Schnallen:



    Das würde also schon einmal wunderbar passen – genau so wie die fehlenden Zystiden, das monomitische Hyphensystem und der deutlich erkennbare Apiculus der Sporen. Was mich allerdings noch stutzig macht, sind diese Dinge:

    1. Schlüsselt man in Fungi Europaei rückwärts, erhält man „Basidia normally with 4 sterigmata“ (Koppel 169, S. 52). Auf meinen Bildern sieht man aber – bis auf die eine Ausnahme – zwei Sterigmen, selbst bei der Basidie mit Spore an einem Sterigma. Auch, wenn man die Tiefenschärfe verstellt, erkennt man nur zwei Sterigmen. Aber dann habe ich doch eine Basidie mit mehr als zwei Sterigmen gefunden. Im Übrigen, Armin, behauptest du, dass diese Basidie viersporig ist, weil du vier Sterigmen siehst, oder weil es keine dreisporigen Sterigmen gibt?
    2. Das Hymenium soll sich makroskopisch gelb verfärben, wenn man 3% KOH darauf gibt. Meine Verfärbung ist aber eher bräunlich als gelblich:

    1. In der Annahme, dass wir Punkte 1 und 2 lösen: Es gibt neben Radulomyces confluens noch Radulomyces rickii; siehe diese Studie. Diese Art soll globosere Sporen und ein glatteres Hymenium haben, was in unserem Fall besser passen würde. Hier der dazugehörige Forenpost. Die Studie erwähnt aber explizit, dass die „Basidia basally clamped“ sind, dabei sind die Basidiolen, die ich finde, ohne Schnallen:

    zuehli Danke dir für die Verlinkung zu deinem Post! Da verzweifeln wir wohl beide mit Rindenpilzen – aber geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid. Wenn du Stereum rugosum ausschließen möchtest, lass mal Leitungswasser über ein Stückchen laufen und warte ein paar Minuten. Bei mir wurde auch ein sehr ausgetrocknetes Exemplar blutrot (siehe diesen Post).


    Tricholomopsis Du hast ja Radulomyces rickii damals mikroskopiert – was ist deine Einschätzung?


    Herzliche Grüße,

    Vitus