Hallo zusammen,
nun bin ich endlich dazu gekommen, mich noch einmal intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen.
1. Zwei- vs. viersporige Basidien
Argross Danke dir für den Link mit den Bildern! Dort sieht man ja auch ausschließlich Basidien mit (höchstens) zwei Sterigmen. Ich habe noch ein paar weitere Präparate gemacht und weiterhin überwiegend zweisporige Basidien gesehen. Dennoch habe ich auch einige viersporige erkennen können. Interessanterweise konnte ich aber nie alle vier Sterigmen zusammen in den Fokus bekommen – nicht einmal ansatzweise. Hier ein Bild, das viersporige Basidien zeigt:

Im Übrigen habe ich bei der Suche nach Basidien auch noch Hyphidien gefunden, die unauffällig und sehr rar waren:

Ich deute die Tatsache, dass mein Fruchtkörper sowohl zwei- als auch viersporige Basidien besitzt, als Kuriosität, aber dadurch, dass viersporige Basidien vorhanden sind und eine andere zuverlässige Quelle einen Fund mit zweisporigen Basidien auch als Radulomyces rickii bestimmt hat, nicht als Ausschlusskriterium. Was denkt ihr?
2. JKJ-Reaktion
In der Literatur stand auch noch, dass das Hymenium mit einer Jod-Kaliumjodid-Lösung rötlich reagieren soll. Das habe ich mit Melzers getestet und kann es bestätigen:

3. Sporen
Ich habe noch einmal im Präparat gesucht und 20 weitere Sporen zusammengekratzt:

Sporenmaße: 8,9 ± 0,7 µm × 7,2 ± 0,6 µm, Q̄ = 1,2 ± 0,1
Reichweite: 7,9–10,2 µm × 5,5–8,3 µm, Q = 1,1–1,4
n = 20
Die Sporenmaße sind hiermit sehr nah an den 12 anderen Sporen, die ich oben vorgestellt habe. Hier ein direkter Vergleich mit den Maßen von Ghobad-Nejhad & Kotiranta, 2007, p. 102:
| Merkmal |
Literatur |
Fund |
|---|
| Sporenlänge |
7,3–9,5 |
8,9 |
| Sporenbreite |
6,2–8,6 |
7,9 |
| Q-Wert |
0,9–1,24 |
1,2 |
Das würde also schon einmal passen. Vom Q-Wert könnte Radulomyces confluens zwar in Frage kommen (hier nach Literatur Q = 1,09–1,51), aber die Sporenbreite macht hier einen dicken Strich durch die Rechnung: Mit 7,9 µm liege ich deutlich außerhalb der Normalmaße (5,0–6,5 µm) und selbst der Ausreißer von 7 µm kommt an die Durchschnittsbreite nicht ran. Für mich spricht das eindeutig für Radulomyces rickii.
Was die biapiculaten Sporen betrifft, habe ich viel gesucht und nur eine Spore gefunden, bei der das eventuell passen könnte:

Unten rechts in meinem Bild ist eindeutig der Apiculus, aber ob das oben ein spitzer Keimporus ist, kann ich nicht sicher beurteilen; nicht wenige der Sporen waren auch schon – ähnlich wie die Basidien – kollabiert. Tricholomopsis Was denkst du? Vor dem Hintergrund, dass dieses Merkmal in einigen Kollektionen der Forschenden nicht vorhanden war, wäre es in jedem Fall kein Ausschlusskriterium, wenn meine Kollektion auch keine biapiculaten Sporen hätte.
4. Basidien
Von den Basidien her passt die Beschreibung an sich sehr gut – gerade, dass die Basidien gestielt und die Basidiolen wellig sind. Mit den obigen Merkmalen wäre die Bestimmung von Radulomyces rickii für mich nun eindeutig, wäre da nicht die Sache mit den Basalschnallen. Wie ich oben bereits gezeigt habe, sind die Basidien eindeutig schnallenlos. In Ghobad-Nejhad & Kotiranta, 2007 steht aber „Basidia basally clamped“ (S. 104) und auch in der Mikrozeichnung auf S. 106 werden die Basidien mit Schnallen gezeichnet:

Eine gute Erklärung dafür habe ich nicht. Das Vorhandensein von Schnallen ist doch solch ein grundlegendes Merkmal, dass es nicht sein kann, dass der eine Fruchtkörper es besitzt, der andere aber nicht – oder irre ich mich da?
An sich will ich dem Kind den Namen geben, nur die Basalschnallen lassen mich zweifen. Tricholomopsis Erinnerst du dich noch, ob dein Fund Basalschnallen hatte?
Herzliche Grüße,
Vitus
Literatur:
Ghobad-Nejhad, M., & Kotiranta, H. (2007). Re-evaluation of Radulomyces rickii and notes on Radulomyces and Phlebiella (Basidiomycota). Mycotaxon, 102, 101–111.