Blutige Anfängerin will ein Waldpilzbeet erstellen und hat Fragen

Es gibt 11 Antworten in diesem Thema, welches 697 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Oehrling.

  • Hallo zusammen,


    Ich hoffe ich eröffne nicht ein schon häufig diskutiertes Thema. Meine Recherche hat mir nicht wirklich weitergeholfen, bzw. Ich bin auf widersprüchliche Aussagen gestoßen.


    Kurz vorweg die Lage: Ich lege gerade in einer sehr alten Güllegrube ein Beet an. Das Beet verfügt über eine Drainage damit in der wasserdichten Grube nicht alles absäuft.

    Ich baue die Schichtung ein wenig wie ein Hügelbeet (oder Hochbeet aber ebenerdig weil in einem tiefen Loch) auf, also unten dicke Äste, darüber dünnere, dann Zweige, Stroh und Holzhackschnitzel, dann (recht lehmige) Erde.

    Die Wege im Beet mache ich auch mit Holzhackschnitzeln.

    Das Beet liegt durch die umliegenden Gebäude (leider) den ganzen Tag im Schatten (außer im Hochsommer für ein paar Stunden wenn die Sonne senkrecht steht).


    Ich bin bei meine Suche was man in dem Beet anpflanzen könnte neben Beerensträuchern auch auf Pilze gestoßen. Auf Youtube gibt es ja einige Videos zum Anlegen von Waldpilzbeeten.


    Am passendsten/ unkompliziertesten schien mir der Kulturträuschling (Braunkappe), aber es wurde auf den Videos auf Youtube auch damit geworben, dass man auch einfach ein Beet für Kräutersaitlinge anlegen kann.

    Die gefallen mir etwas besser.


    Zum Problem, den Fragen:

    Ich finde kein Beispiel bei dem das tatsächlich geklappt hat. Die Bewertungen für die Sets bei Amazon sind unterirdisch. In den Videos ist immer nur zu sehen wie Beete mit Kräutersaitlingen angelegt werden, aber nie Ergebnisse. Auf anderen Seiten steht, dass das garnicht geht.

    Haben die Kräutersaitlings-Waldpilzbeetssets irgendeine Existenzberechtigung?


    Wenn der Kräutersaitling aussichtslos ist würde ich es gerne mit dem Kulturträuschling versuchen. Dort stelle ich mir aber die Frage was ich von den immer mal wieder am Rande erwähnten leichten Vergiftungserscheinungen halten soll, die in Zusammenhang mit dem Kulturträuschling gebracht werden. Haben die Leute dann etwas Flasches gepflückt? Ist der Kulturträuschling latent giftig?


    Nebeninfos: Ich habe vor das Beet immer im Herbst mit einer großen Ladung Holzhackschnitzel zu düngen, die im Entenstall als Einstreu gedieht haben und dementsprechend mit Entenkot durchsetzt sind.

    Mögen das die Pilze, oder ist das eher schädlich? Die Enten hätten potenziell auch Zugang zu den Pilzen, muss ich da vorsichtig sein dass diese die nicht anknabbern? Gibt es hier auch Entenfans mit Pilzerfahrung?


    Viele Liebe Grüße und danke vorweg für jeden der sich Gedanken macht,

    Lilli

  • Hallo Lilli, Herzlich willkommen hier im Forum!


    Wenn du noch gar keine Pilz(zucht)-Vorerfahrung hast, auf jeden Fall so einfach halten wie möglich.


    Ich bin der Meinung, dass Kräuterseitling kein geeigneter Pilz für Pilzbeete ist - wild parasitiert der an den Wurzeln bestimmter Kräuter (Mannstreu/Erygnium, daher der Name), in Zucht braucht er für gute Ernten sehr nährstoffreiches Substrat (hoher Körneranteil), im Beet wäre das ein gefundenes Fressen für Mäuse und co, ein Beet-Standort wäre auch entsprechend sehr naturfern und selbst wenn er die Holzschnitzel besiedelt, würde er kaum fruktifizieren.


    Kulturträuschling wäre sehr viel passender - der siedelt sich auch von allein manchmal auf mit Holzschnetzeln gemulchten Flächen an. Ob das mit der Enteneinstreu gut geht, kann dir hier vermutlich niemand sagen. Wenn die Schnetzel schon eine längere Zeit unter nicht ganz trockenen Bedingungen bei den Enten drin lagen, sind sie pilzlich jedenfalls vermutlich nicht unbesiedelt, deswegen würde ich mir die Chancen nicht zu groß ausmalen. Vielleicht probierst du es auf einem Teil des Beetes aus?


    Berichte gern wie es sich entwickelt hat. Es gibt auch noch das kulturpilz.de-Forum, da könntest du dein Glück auch nochmal probieren.


    Liebe Grüße, Lara

  • Hallo Lilli,


    willkommen im Forum.


    Nun, ich würde es an Deiner Stelle mit dem Kulturträuschling probieren. Warum? Der ist einfach im Anbau, ich habe das vor 45 auch gemacht, und gelingsicher.

    Dazu wird neben der Brut noch Weizenstroh benötigt. Und später eine Abdeckerde. Das Ganze solle auch regengeschützt sein, damit nichts verfault.


    Im Netz gibt es dazu auch viele Anleitungen zu finden.


    Was eine Unverträglichkeit dieses Pilzes betrifft, diese kann bei einzelnen Personen immer auftreten; wie bei anderen Pilzen auch. Hier einfach mit einer kleinen Portion testen. Giftig ist der angebotene Kulturträuschling natürlich nicht.


    Sie auch mal hier beim Pilzmännchen.



    Grüße,

    Steffen

  • Hallo Lilli,

    zu den Kulturträuschlingen muss man leider sagen, dass sie als Speisepilze bestenfalls als mittelmäßig gelten.


    Und wenn Du später mit Geflügelmist nachdüngen willst, könnte ihm der Nitratgehalt im Boden auch zu hoch werden. Da wärst Du mit den expliziten Dungbewohnern wie dem Champignon (oder Schopftintling - aber da gibt es meines Wissens das Mycel nicht im Handel) besser bedient.


    Ein Schattenbeet kannst Du aber auch mit Pilzen "aufpeppen", indem Du stehende (Shii-Take) oder liegende (Austernpilz, Samtfußrübling) Stämme zwischen den Pflanzen drappierst. Da muss nur die Holzart passen.


    Grüße,


    Wolfgang

  • Ok, vielen Dank für alle Antworten!

    Das hilft mir schon einmal deutlich weiter.

    Dann lasse ich erstmal die Finger vom Kräutersaitling.

    Ich wünsche mir erstmal wirklich etwas möglichst Unkompliziertes, was einigermaßen schmeckt, hübsch aussieht und fröhlich wuchert ohne viel Pflege und was fast keinen zusätzlichen Platz wegnimmt sondern zwischen den anderen Pflanzen und auf den Wegen wächst (Pflanzplatz ist bei uns sehr rar und wertvoll).


    Bis jetzt bin ich vom Pilzgenuss auch noch kein Feinschmecker, Champignons, Pfifferlinge und Steinpilze sind das was ich kenne und mag, alles andere kann ich geschmacklich noch nicht zuordnen. Solange es pilzig und ohne Bauchschmerzen genießbar ist, ist das vermutlich völlig ausreichend für meine Bedürfnisse.


    Das Beet aufpeppen mit Stämmen in denen Pilze wachsen ist dann eher ein Projekt für in ein paar Jahren.

    Ich belese mich nochmal ein bisschen weiter, und vermute, dass es dann wirklich Kulturträuschlinge werden.


    Die Enten ziehen planmäßig auch erst im nächsten Jahr ein, also haben die Pilze etwas Zeit sich zu etablieren wenn ich es noch schaffe sie diesen Frühling auszubringen.


    Wenn ich daran denke werde ich berichten.

    Vielleicht kann ich die Einstreu im Entenstall (wenn sie dann da sind) ja auch schon über das Jahr hinweg ein bisschen mit Myzel impfen, so dass ich keine Konkurrenzpilze ins Beet bringe wenn ich die auf die Beete bringe.


    Wenn ich mir Körnerbrut kaufe, dann müsste ich die ja auch in sterilen Gläsern mit gekochten Weizen gut vermehren können oder?

    Oder ich tausche ein bisschen von dem durchwachsenen Material im Beet aus und packe das zur Entenstreu, die liegt im Stall im Sommer bei 10-18 Grad und wird definitiv feucht sein, allerdings ist es im Stall relativ dunkel. Ich werde dann mal experimentieren.

  • ...

    zu den Kulturträuschlingen muss man leider sagen, dass sie als Speisepilze bestenfalls als mittelmäßig gelten.


    ...


    Hallo,


    das ist richtig, der Schmackhafteste ist er nicht. Dafür ist der Anbau einfach und sicher - der Erfolg ist quasi fast garantiert.


    Grüße,

    Steffen


  • So, die Kulturträuschlings Pilzbrut ist jetzt bestellt, ich wollte jetzt einfach mal loslegen.


    Ich werde die erstmal auf dem Weg in dem kleineren Beet ausbringen, die Grube ist noch nicht soweit fertig.

    Das Beet hat etwas mehr Sonne, aber nicht übermäßig viel.


    Mein Plan: 3/4 der Brut auf dem Hackschnitzelweg ausbringen

    1/4 der Brut nehmen um gekochten Weizen zu impfen falls das Beet doch zu sonnig ist und um später die Grube zu bespielen.


    Der jetzige Holzhackschnitzelweg ist schon teilweise etwas pilzig von weißen Myzel durchsetzt, daher würde ich den einmal mit heißem Wasser übergießen, auskühlen lassen, eine Schicht Stroh drauf, Brut drauf und frische Obstbaumschnitzhäcksel (3 Wochen alt) drauf. Dann gießen und warten.


    Ist das ein vernünftiger Plan?


    Viele liebe Grüße Lilli


  • Hallo Peter,


    danke, ich werde diesen Monat schon 57. Die Zeit rennt. :gkopfkratz:

    Und als Kind habe ich bereits die Träuschlinge angebaut. Denn weil die so einfach zu kultivieren sind, gab es in der DDR problemlos die Brut zu kaufen.


    LG,

    Steffen

  • Vielleicht kann ich die Einstreu im Entenstall (wenn sie dann da sind) ja auch schon über das Jahr hinweg ein bisschen mit Myzel impfen, so dass ich keine Konkurrenzpilze ins Beet bringe wenn ich die auf die Beete bringe.


    Wenn du das ausprobierst, dann nimm am besten schon durchwachsene Hackschnetzel vom anderen Beet, keine Körnerbrut. Die fänden sonst eventuell die Enten zu lecker als dass viel übrigbliebe. Also so wie du am Ende nochmal vorgeschlagen hast.

    Zitat

    Wenn ich mir Körnerbrut kaufe, dann müsste ich die ja auch in sterilen Gläsern mit gekochten Weizen gut vermehren können oder?

    Jein. Körnerbrut vermehren ist nicht so ganz einfach. Wenn Gläser und Weizen und deine Arbeitsschritte des Umfüllens steril sind und die Gläser einen Luftfilter haben (um Luftaustausch zu ermöglichen und gleichzeitig Kontaminationen (Pilzsporen, Bakterien) fernzuhalten (den Luftaustausch braucht es weil Pilze "atmen", sie nutzen Sauerstoff zum verstoffwecheln)), dann ja. Dabei ist aber bezüglich der Gläser und des Weizens zu beachten dass es 120°C Sterilisationstemperatur braucht (feucht, also bei Überdruck -> Dampfdruckkochtopf), weil einige Bakterien Überdauerungsformen bilden, die 100°C überstehen. Und dann musst du noch Maßnahmen ergreifen, dass nach dem Abkühlen beim Umfüllen keine Sporen aus der Luft reinwehen oder Bakterien von deinen Fingern runterfallen u.ä.. Das professionelle Equipment dafür wäre eine Reinbank, was ein großflächiger Filter mit Gebläse ist, der hinter dem Arbeitsplatz steht und einen gleichmäßigen parallelen (das nennt sich dann "laminaren") sauberen Luftstrom als sterile Arbeitsumgebung erzeugt. Es gibt auch verschiedene unterschiedlich gut funktionierende DIY-Lösungen (Reinbank-Eigenbau, Arbeiten neben Bunsenbrenner, Stillboxen, ... -> dafür wäre dann das Kulturpilz.de-Forum wieder gut). Es kann auch in einem sauberen kontaminationsarmen Raum klappen (Badezimmer). Betonung auf Kann.


    Aber ich möchte dich gar nicht entmutigen, probier dich ruhig aus, so hab ich auch zur Pilzzucht (und damit dann auch zu den Pilzen allgemein) gefunden. Du solltest halt nur nicht damit rechnen, dass es beim ersten mal direkt klappt.


    Navajoa: Dein "vor 45" lässt sich auch noch als Jahreszahl ('45) verstehen, darauf spielt Peter vielleicht an, denke ich ;)

  • So das Beet ist angelegt:) der Nieselregel hält es auch gut feucht.

    Ich hab das Stroh jetzt doch weggelassen, weil ich mir nicht sicher war mit was das behandelt wurde, und es auch schon ziemlich alt ist.

    Aktueller Aufbau: eine dünne Schicht Pappschnippsel, Hackschnitzel, Pilzbrut, Hackschnitzel.


    Ein bisschen von der Brut hab ich in dem Eimer behalten. Ab jetzt läuft ein unsteriles Vermehrungsexperiment mit Pappe, Hackschnitzeln und ein bisschen reifen Kompost auf der Fensterbank.



    In den Blumenkästen direkt daneben hat sich auch irgendwas angesiedelt, ich vermute vielleicht ein Düngerling?



    Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse. Vielen Dank nochmal für die nette Beratung! Liebe Grüße aus Unterfranken🍄

  • Hallo Lilli,


    die in den Blumenkästen sind augenscheinlich Samthäubchen (Gattung Conocybe). Definitiv nichts zum Essen.


    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!